Brothers - Zwischen Brüdern

drama, dan 2004
original
brødre
regie
susanne bier
drehbuch
anders thomas jensen
cast

connie nielsen,
ulrich thomsen,
nikolaj lie kaas, u.a.

spielzeit
110 min.
kinostart
31.03.2005
homepage

 

bewertung

(9/10 augen)





 

 

 

 



 

Michael (Ulrich Thomsen, "Das Fest", "Das Erbe") ist ein wahres Vorzeigeexemplar: Er hat Karriere beim Militär gemacht und wohnt mit seiner schönen Frau Sarah (Connie Nielsen, "Gladiator") und den zwei nicht minder schönen Töchtern in einem ebenso schönen Haus. Seine Eltern sind stolz auf ihn. Sein Bruder Jannik (Nikolaj Lie Kaas, "Idioten", "Dänische Delikatessen") hingegen ist das schwarze Schaf der Familie: Er hat es zu nichts gebracht und hat gerade eine Haftstrafe wegen Banküberfalls absitzen müssen. Doch plötzlich wird alles anders als die Nachricht kommt, Michael sei bei einem Einsatz in Afghanistan tödlich verunglückt. Die Familie ist fassungslos, und bald bekommt Jannik zu spüren, dass zumindest sein Vater (Bent Mejding, "Italienisch für Anfänger") sich wünscht, es hätte stattdessen den anderen Sohn getroffen. Aber in der Trauer um Michael kommen Sarah und Jannik sich plötzlich näher....

Susanne Bier beschäftigt sich nicht zum ersten Mal mit Schicksalsschlägen und der Frage "Was wäre wenn...?". In ihrem Film "Open Hearts" wurde ein junger Mann Opfer eines Autounfalls und lag gelähmt im Krankenhaus, während seine Freundin Trost bei einem der Ärzte suchte. Obwohl der Schicksalsschlag diesmal für dänische Produktionen recht exotisch ausfällt (beim Londoner Filmfestival erzählte die Regisseurin, sie sei bis heute beeindruckt und überrascht von ihrer eigenen Hubschrauberszene) liegt das wahre Drama wie immer im Alltag.
Da sind die Eltern, die Michael vorziehen, obwohl sie doch alle Kinder gleichermaßen lieben sollen, und die Töchter, die verkünden dass man mit Onkel Jannik viel mehr Spaß haben kann als mit Papa. Es ist das ehrliche Aussprechen und Darstellen solcher Gefühle, die die Qualität des Films ausmachen. Bier setzt sich hier mit moralischen Fragen auseinander, ohne je belehrend oder klischeehaft zu wirken. Ihre Figuren sind "aus dem Leben gegriffen", so abgedroschen das jetzt klingen mag, mit echten Gefühlen und Schwächen.
Wie in vielen anderen dänischen Filmen ("Italienisch für Anfänger", "Okay") schafft es auch "Brothers", absolut tragische Ereignisse darzustellen, ohne dass gleich der ganze Film trübselig und humorlos wird. Dies ist vor allem auch Nikolaj Lie Kaas zu verdanken, der dem unverschämten Chaoten Jannik aus der Anfangsszene im Laufe des Films immer mehr Herz einhaucht. Als Gegenstück zu dieser Entwicklung muss Michael in Afghanistan feststellen, dass auch das beste Training nutzlos ist angesichts der Situation, mit der er konfrontiert wird. Dies mag vor allem für Kriegsveteranen keine neue Feststellung sein, aber Bier schafft es mit wenigen Szenen einen Eindruck der Wirklichkeit des Krieges zu vermitteln, den man in den Nachrichten nur noch selten bekommt.

Ulrich Thomsen und Nikolaj Lie Kaas verkörpern das ungleiche Bruderpaar sehr glaubhaft, und zwar keinesfalls nur weil sich die beiden wirklich nicht ähnlich sehen. Der verantwortungsvolle Vorzeigesohn und das unreife, rebellierende schwarze Schaf: beide haben schon mehrmals Rollen gespielt, die dem gleichen Typ entsprechen, da fiel die Auswahl wahrscheinlich nicht schwer. Außerdem gibt es eh kaum einen dänischen Film in dem nicht zumindest einer der beiden mitspielt. Connie Nielsen hingegen ist zwar Dänin, gibt in diesem Film allerdings ihr dänisches Debüt, da sie das Land verließ kurz bevor die Dogma-Bewegung die Leute daran erinnerte, dass man in Dänemark auch Filme macht. Auch sie passt perfekt in die Rolle der starken Ehefrau, deren Welt auf einmal in sich zusammenbricht. Sehr gut spielen auch die beiden Töchter, die entwaffnend ehrlich ihre Gefühle zeigen.
Regisseurin Susanne Bier sagte, es sei ihr wichtig in ihrem Film die Brutalität des Krieges mit menschlicher Wärme in Kontrast zu setzen. Das ist ihr gelungen, denn bei Sarah und ihrer Familie zieht der Krieg förmlich ins Wohnzimmer ein. Trotzdem ist es hauptsächlich ein Film über die Liebe in schweren wie in normalen Zeiten - falls es die noch gibt.

Anna Plumeyer

 


Name: McJ
Email: McJ@McJ.de
Bewertung:                       (10 von 10 Digital Eyes)

Ein toller Film, ganz auf der Höhe der Zeit!
Die Story ist sehr gut, was sich wohl darin zeigt, das man für beide Seiten der Geschichte volles Verständnis entwickeln kann: in der Person von Michael treffen sie aufeinander, er kann brutale Gewalt nicht mehr mit dem normalen Leben vereinen - und der Zuschauer empfindet diesen Zwiespalt glaubwürdig nach.
Filmisch zeigt sich, wie positiv die (Nach-)Wirkungen von Dogma 95 für das augenblickliche Kino sind. Dogma hat z.B. gezeigt, dass man Emotionen auch ohne Musikteppich darstellen kann - und in der abgemilderten Version wie hier kann Musik, sparsam eingesetzt, umso überzeugender wirken. Dies gilt letztlich auch für Kamera, Schauspieler usw.
Der Schwachpunkt des Films lag für mich einzig in der etwas ungleichgewichtigen Erzählweise. Von den drei Dritteln des Film sind das erste (Michael zu Hause) un das letzte Drittel (Michael wieder zu Hause) problemlos. Doch im mittleren Teil (Michael in Afghanistan, Sarah zu Hause) geht die Balance der beiden Stränge manchmal etwas verloren. So gibt es anfänglich noch viele Parallelmontagen (Michael auf dem Jeep, Sarah in der Bahn), doch dann konzentriert sich die Story lange Zeit nur auf Sarah und die Szenen mit Michael, über den man vielleicht gerne mehr erfahren hätte.
Aber das ist nur ein 'minor point' eines ansonsten grossartigen, emotionalen, modernen Films. Ansehen!



Name: McJ
Email: McJ@Mcj.de
Bewertung:   (- von 10 Digital Eyes)

Nachklapp: Wer hat eigentlich damit angefangen, beim Abspann einen 'Filmsong' abzuspielen?
Auch bei Brothers kommt zum Schluss ein eher folkiges Lied, dass nicht schlecht ist, aber irgendwie nicht zum Film passen will. Da ist mir aufgefallen, dass es dies gerade bei Hollywood-Produktionen immer wieder gibt, von Queens "It's a kind of magic' vor etlichen Jahren (bei "Highlander", oder?) bis zu "Bridget Jones" etc. Einige Songs sind dann echte Hits geworden aber eigentlich gehen die allermeisten Besucher doch beim Abspann schon raus.
Merkwürdig.
Wundert sich,
McJ



Name: Moe
Email: N.insidaqgmx.de
Bewertung:   (- von 10 Digital Eyes)

Hab mir den Film gestern angesehen. Bin vollends begeistert.Er ist auf einer sehr symphatischen Weise humorvoll. Dennoch überwiegt natürl. die Dramatik in dem Film...So sehr sogar, dass ich am Ende immernoch ein mulmiges Gefühl hatte,- und mit diesem Heim ging...
Kann mir jemand sagen, wie ich an den Filmsong kommen könnte?
Zu Abspann: Tja, ich kann das nicht verstehen, dass die meisten beim Abspann gehen... Das ist für mich Pflicht und schon fast Kult, so lange sitzen zu bleiben, bis die Leinwand schwarz ist.