Die Odyssee

Originaltitel
The Odyssey
Land
Jahr
2026
Laufzeit
172 min
Genre
Release Date
Bewertung
9
9/10
von Matthias Kastl / 19. Juli 2026

Mit seinem letzten Film “Oppenheimer“ hat Christopher Nolan nicht nur endlich seinen überfälligen Oscar gewonnen, sondern wohl auch die letzten Zweifel daran beseitigt, dass man ihm für nahezu jedes Projekt ein gewaltiges Budget anvertrauen kann. Diese Freiheit nutzt er nun, um sich einen langgehegten Traum zu erfüllen: die Verfilmung von Homers Odyssee, einer der berühmtesten Heldensagen der Welt. Kaum ein Regisseur scheint für ein solches Unterfangen besser geeignet, nachdem der gute Ridley Scott (“Gladiator 2“) in den letzten Jahren ja nicht nur qualitativ, sondern gerade aus Studiosicht vor allem finanziell unzuverlässiger geworden ist.

Der starke Start von “Die Odyssee“ an den US-Kinokassen deutet jedenfalls darauf hin, dass das Publikum Nolan auch diesmal wieder folgt – was angesichts des Spektakels auf der Leinwand sehr gut nachzuvollziehen ist. Abseits der wie immer makellosen technischen Brillanz und unglaublichen Intensität treten hier zwar in der ersten Hälfte wieder ein paar typische Nolan-Schwächen hervor. Doch der Vorwurf, dass Nolan nur den Kopf, aber nie das Herz begeistern kann, wird im letzten Drittel mit einer solchen emotionalen Wucht pulverisiert, dass es einen direkt aus dem Sessel reißt.

Aufgerafft vom Sessel – oder besser gesagt: vom Thron – hat sich im Film auch der griechische König Odysseus (Matt Damon, “Promised Land“, “Jason Bourne“). Er lässt seine Frau Penelope (Anne Hathaway, “The Dark Knight Rises“, “Der Teufel trägt Prada 2“) und seinen Sohn Telemachos auf Ithaka zurück, um an Agamemnons Feldzug gegen Troja teilzunehmen. Die Stadt fällt, doch die Heimreise erweist sich als weitaus gefährlicher und vor allem langwieriger als erwartet. Auf ihrer Irrfahrt begegnen Odysseus und seiner Crew gleich mehrfach ebenso mythische wie gefährliche Wesen, und mit der Gunst der Götter scheint man es sich ebenfalls verscherzt zu haben. Währenddessen wächst in Ithaka der Druck auf Odysseus’ Familie, denn nach all den Jahren gilt dieser weithin als tot und der Thron als attraktives Ziel. Zahlreiche Männer werben um Penelopes Hand, allen voran der selbstbewusste Antinoos (Robert Pattinson, “Mickey 17“, “Tenet“). Besonders für Telemachos, der inzwischen zu einem jungen Mann (Tom Holland, “Uncharted“, “Spider-Man: Far from Home“) herangewachsen ist, wird die Lage dadurch immer gefährlicher. Und so startet dieser einen letzten verzweifelten Versuch, endlich mehr über das wahre Schicksal seines Vaters herauszufinden.
 


Bei Christopher Nolan weiß man inzwischen ja ziemlich genau, was man für sein Geld auf jeden Fall bekommt: eine technisch hochwertige Umsetzung, die meist sehr bild- und tongewaltig, wenn auch oft etwas unterkühlt daherkommt, mit einer Geschichte, die nur ungern stringent ihre Storybeats abfrühstückt. Für knapp zwei der etwa drei Stunden Laufzeit von “Die Odyssee“ trifft dieses bewährte Urteil auch hier wieder zu. Vom großen Budget sieht man jeden Cent auf der Leinwand, wobei Nolan zur Freude jedes Liebhabers des “klassischen Kinoflairs“ auf echte Locations und Stunts setzt. Da fühlt man sich an den Charme alter Epen à la “Ben Hur“ oder “Lawrence von Arabien“ erinnert, die noch ohne Computereffekte, dafür mit viel körperlicher Fleißarbeit historische Settings im Film zum Leben erweckten.

Natürlich kommt auch Nolan angesichts eines ganzes Haufens von Fabelwesen hier nicht ohne CGI aus, setzt dieses aber nie für Effekthascherei, sondern stets im Dienst der Geschichte ein. Optisch ist das dank toller Kameraarbeit und Setdesign also ein Leckerbissen und wirkt vermutlich im nativ gedrehten IMAX-Format (in dem es der Rezensent leider nicht gesehen hat) noch mal eine ganze Schippe intensiver. Dazu läuft der wummernd-dröhnende Soundtrack von Ludwig Göransson, der ja bereits schon “Tenet“ und “Oppenheimer“ seine Klangfarbe verlieh. Alles also typisch Nolan, möchte man sagen, gilt dann aber leider auch genauso für die Schwächen des Ausnahmeregisseurs.
 


Wie schon in der ersten Stunde von “Oppenheimer“ wird man nämlich auch hier in der ersten halben Stunde wieder mit sehr dialoglastiger und schnell vorgetragener Exposition erschlagen, bei der einem kaum Verschnaufpausen gegönnt werden, um das Ganze irgendwie vernünftig verarbeiten zu können. Dass Nolan dabei auch mal wieder zwischen Zeitebenen und Locations hin- und herspringt, auch wenn nicht so exzessiv wie sonst, macht es nicht gerade leichter. Das Ergebnis ist wieder einmal eine gewisse Distanziertheit zum Geschehen, da gefühlt die Figuren kaum Luft zum Atmen und für tieferen Charakteraufbau bekommen.

Sobald die Irrfahrt des guten Odysseus dann aber so richtig losgeht, wird die Sache (für Nolans Verhältnisse schon fast etwas überraschend) deutlich geradliniger – und damit auch endlich zugänglicher. Auch wenn man sich hier und da wünscht, dass manche der legendären Herausforderungen von Odysseus noch etwas mehr Zeit spendiert bekommen hätten – aber dann wäre das hier in Sachen Laufzeit vermutlich komplett aus dem Ruder gelaufen. Überhaupt musste Nolan Homers Originalvorlage schon deutlich zusammenkürzen, was aber (zumindest wenn man nicht allzu vertraut mit der Vorlage ist) nicht wirklich auffällt. Je länger die Reise dauert, desto mehr Momentum nimmt der Film dabei auf, auch wenn sich außer dem namensgebenden Titelhelden weiterhin kaum eine Figur so richtig vielschichtig präsentiert.
 


Was aber nicht so tragisch ist, denn die durch die Bank mit namhaften Stars besetzten Nebenrollen können durchaus Eindruck hinterlassen. Robert Pattinson gibt wundervoll den verachtungswürdigen Bösewicht, Anne Hathaway überzeugend die sich nach ihrem Mann verzehrende vermeintliche Witwe, und jede Filmminute mit Charlize Theron ist ja sowieso immer ein Geschenk. Ein wenig aus der Reihe fällt lediglich Zendaya, die nie so richtig in ihrer Rolle aufgeht. Wofür sie aber fairerweise kaum etwas kann, denn nicht nur ist ihr kaum Leinwandzeit vergönnt, ihr Outfit lässt es auch so wirken, als hätte man sie nur mal kurz vom “Dune“-Set ausgeliehen. Und da hilft es jetzt auch nicht gerade, dass in vielen Kinos (wie beim Rezensenten) davor auch noch der Trailer zu “Dune 3“ laufen dürfte.

Ist aber nicht weiter schlimm, denn als wahres Herz des Films entpuppt sich sowieso Matt Damon, der eine absolute Glanzleistung hinlegt. Seine wirklich großartige Darstellung des listigen, aber von Schuld geplagten Titelhelden ist wie gemacht für eine Oscar-Nominierung, da Damon perfekt physischen Einsatz mit wundervoll subtilem Schauspiel kombiniert. Also genau das, was man für großes episches Heldenkino benötigt und was “Die Odyssee“ sicher durch manch kleine Schwächephase führt – und genau dafür sind Helden ja auch da.
 


Was “Die Odyssee“ am Ende dann aber sogar zu einem der stärksten Filme in Nolans nicht gerade unbeeindruckender Karriere macht, sind die letzten 45 Minuten. Da ist die eigentliche Irrfahrt des Helden eigentlich schon vorüber, doch was auf den ersten Blick nun einfach wie ein langgezogener Epilog wirkt, entpuppt sich als wichtigster Teil des Films. Wo bis dato, wie oft bei Nolan, bei vielen im Publikum wohl eher der Kopf als das Herz das Spektakel genossen haben dürfte, vollzieht sich nun eine erstaunliche Wendung. Diese letzte Dreiviertelstunde gehört zum Besten, was Nolan jemals auf die Leinwand gebracht hat, denn zum ersten Mal gelingt es ihm hier so richtig, einem seiner Filme auch eine unglaubliche emotionale Wucht zu verleihen. Das mündet in einem emotional so mitreißenden und wahnsinnig befriedigenden Finale, dass es den Autor dieser Zeilen wirklich völlig aus dem Sitz gerissen hat.

Das liegt zum Teil natürlich an einem fantastischen Matt Damon, vor allem aber an einer ganz grundlegenden Storyentscheidung von Nolan. Während Homer in seiner Geschichte vor allem die Sehnsucht nach der Heimat in den Vordergrund stellte, ist es hier eine den Helden belastende Schuld, die über allem thront. Was Nolan dann daraus in diesem großartigen Schlussakt macht, und vor allem mit welcher tollen Mischung aus ruhigen und adrenalinbefeuerten Momenten, ist einfach perfektes Kino. Dass Nolan zu großem Spektakel in der Lage ist, hat sicher nie jemand bezweifelt. Dass er dieses, zumindest in der zweiten Hälfte, aber auch mit so viel Herzblut befüllen kann, hätten ihm hingegen wohl nur wenige zugetraut. Liebe Studiobosse, gebt dem Mann bitte ruhig noch mehr Geld – es ist in guten Händen.

Bilder: Copyright

9
9/10

Hab den Film gestern gesehen. Fand ihn auch sehr gut und komme sogar mit dem Anfang gut klar.
Die Zeit im Kino verging rasend schnell - immer ein gutes Zeichen.

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10
10/10

Ich bin wirklich schwer begeistert und war schon beim Verlassen des Kinos sicher, dass dieser Film ganz weit oben in meinem persönlichen Nolan-Ranking landen wird. Tolle Bilder, eine starke Inszenierung und eine unglaubliche Sogwirkung über die komplette Laufzeit. Hat meine ohnehin schon hohen Erwartungen sogar noch deutlich übertroffen!

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6
6/10

Kann sein dass ich die Story nicht komplett verstanden habe, weil ich ohne geschichtliche Vorkenntnisse ins Kino ging, und dementsprechend nie wusste wo die Handlang momentan abspielt, in Troja oder Sparta. Also den ganzen geschichtlichen Aspekt habe ich nicht verstanden. Ansonsten fand ich die ersten 2/3 des Films gut, also sozusagen die Reise des Odysseus, die letzten 1/3 fand ich peinlich. Dass man sich als Bettler verkleiden muss um sich vor seinen eigenen Leuten zu verstecken, dann in typischer Matt Damon Manier über seine Heldentaten berichtet und anschliessend einen Robert Pattinson umbringt den man fast während des ganzen Films nicht sieht. Ich wusste gar nicht dass Pattinson ein Bösewicht ist. Aber am Ende wird er halt gekillt. Deswegen für mich nur 6/10. Anne Hathaway und (kurz) Elliot Page übrigens Glanzleistungen, top Frauen.

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7
7/10

Mir gefiel der Film okay bis gut. Wobei beide Eindrücke während der Laufzeit mehrfach die Plätze wechselten.

Vor allem am Anfang wirkten Odysseus' Abenteuer wie das Abhaken einer Checkliste. Ich hätte mir etwas Spannungsaufbau gewünscht. Sehr schnell landete man in jeder größeren Auseinandersetzung.

Im Vorfeld hatte ich viel über die tollen Bilder gelesen. Wovon bei mir aber am ehesten noch die Begegnung mit dem Zyklopen hängen geblieben ist.

Unabhängig von der Qualität des Film war die Kinovaufführung derart laut, dass selbst Odysseus freiwillig wohl lieber den Sirenen zugehört hätte.

Kein Schiffbruch, anschauen würde ich ihn mir schon noch mal.

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Antwort auf von Hatha
9
9/10

Die Story am Ende ist so, Odyseus kehrt als Bettler zurück, und tötet mit seinem Sohn die Freier und gibt sich zuvor als eben jemand anderes aus.
Antinoos stirbt im Epos aber zuerst und sein Sohn hilft deutlich aktiver mit, imo auch der schwächste Teil, weil Nolan zeigen wollte das Telemachos moralischer ist, aber dadurch wirkt die Kampfszene sehr lächerlich und Telemachos relativ schwach.

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9
9/10

Ich hatte die Möglichkeit den Film im iMaX Format zu sehen und die Bilder, der Schnitt, die Musik, der Ton sind alle eine 10/10, solche Bilder gibt es vllt. einmal alle paar Jahre, das letzte mal so bei Dune.
Nur Nolans Art ist rauer, echter, die Schauspieler wirken so als hätten sie gekämpft, gelitten und stammen aus der Zeit, mal von den perfekten Zähnen abgesehen.
Diese Art der Filmkunst gibt es leider nur noch selten, häufig ist alles bridgetoneske, perfekt sauber und alles ganz glatt. Die Filmemacher sollten wieder mehr Italowestern wagen!

Der schwächste Teil des Films ist leider Tom Holland, die Figur des Telemachos wirkt sehr schwach, weil sie moralisch zwar sauber sein will, aber gleichzeitig wirkt sie gleichgültig gegen das Unrecht das ihm und seiner Mutter widerfährt. Es ist die Unlogik des zuvorkommenden Pazifismus, in der jede Art von Widerstand ein Fehler ist.

Seit Gladiator der beste Sandalenfilm, Ridley Scott schafft aber mehr Tiefe in Maximus und seiner Gefolgschaft, Matt Damon steht Russel Crow in nichts nach, aber Tom Hollands Telemachos hat nicht die Kraft eines Juba gespielt von Djimon Hounsou, zudem schafft es Maximus den Kaiser als Kaiser ohne Kleider darzustellen, Odyseus aber verliert seine stärkste Waffe im Endkampf, seine Kleverheit. Nolan schafft nicht das was Scott geschafft hat, Maximus wird vom glofizierten General ein einfacher Sklave und demaskiert dann den Kaiser.
Odyseus wird vom gefeierten Helden Troyas zum mit Scham erfüllten Kriegsveteranen der durch seine Arroganz fast alles verliert, aber am Ende sich das wieder holt was ihm zusteht, leider anstatt mit seinem Hirn mit brutaler Gewalt(Hier hat Nolan Odyseus mit Achilles verwechselt...). Eigtl hat er dadurch von der Irrfahrt wenig gelernt

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9
9/10

Auf einer Riesenleinwand ist es einfach ein Erlebnis. Agamemnon als antiken Darth Vader auftreten zu lassen war eine gute Idee. Leider hat Nolan wohl keine Möglichkeit gesehen, Odysseus wichtige, lebensrettende List beim Zyklop einzubauen, also mein Name ist Niemand. Es wäre aber möglich gewesen Achilles bei den Toten kurz zu zeigen, der da meinte lieber hier ein armer Tagelöhner zu sein als in der Unterwelt Horden von Toten zu beherrschen. Vllt wäre das die bessere Rolle für Bernthal gewesen.

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