Fortsetzungen die nach sehr langer Zeit und eher unerwartet kommen sind grundsätzlich sicher ein Stück interessanter als diverse Franchises die uns teils im jährlichen Abstand neues Material offerieren. Andererseits sorgt die Wiederaufnahme eines zwar einst sehr populären, aber an sich abgeschlossenen Themas auch für erhöhte Skepsis und die unvermeidliche Frage ob dies denn wirklich nötig ist. „Der Teufel trägt Prada“ erfreute im Jahre 2006 mit einem erstklassigen Ensemble und viel Witz sein Publikum und obwohl schon recht lange eine Romanfortsetzung existiert, hatten die meisten eigentlich nicht mehr mit einer Filmadaption gerechnet – zumal sich vor allem Superstar Meryl Streep stets eher desinteressiert daran zeigte. Nun ist die aber dennoch da und es ist tatsächlich gelungen nicht nur die essentielle Darstellerin der „teuflischen“ Modemagazin-Chefin sondern tatsächlich das komplette -Quartett an Hauptfiguren erneut zu versammeln. Und diese vier gut aufgelegten Schauspieler sind es denn auch die „Prada 2“ letztlich sehenswert machen.

Für die engagierte Andrea Sachs (Anne Hathaway) war schnell klar, dass sie ihre Zukunft nicht beim Modemagazin „Runway“ sieht und so hat sich „Andy“ erwartungsgemäß zu einer preisgekrönten Journalistin entwickelt. Was sie und ihre Kollegen allerdings nicht davor schützt in Zeiten von Digitalisierung und Einsparungen trotzdem gefeuert zu werden. Aber auch das immer noch von der herrischen und kompromisslosen Chefin Miranda Priestley (Meryl Streep) geleitete „Runway“ befindet sich in der Krise, nachdem man sich mit einer schlecht recherchierten Story einen öffentlichen Shitstorm eingehandelt hat. Ein wenig mehr journalistischer Anspruch würde da gut tun und so kreuzen sich die Wege der beiden Frauen schließlich doch wieder als Andy verpflichtet wird um für das Hochglanzmagazin ein paar relevante Reportagen zu verfassen. Eine Wendung bei der eventuell Mirandas rechte Hand, der Art Director Nigel (Stanley Tucci) seine Finger im Spiel hat und bei der auch deren ehemalige erste Assistentin Emily (Emily Blunt) in neuer Funktion wieder kräftig mitmischen wird.

Um die doch recht unwahscheinliche Wiedervereinigung der beiden eigensinnigen Frauen zu konstruieren hat man sich somit immerhin eine halbwegs glaubwürdige Konstellation ausgedacht und wie dieses Wiedersehen dann sämtliche emotionalen Erwartungen unterläuft weil es von Meryl Streep´s Miranda einfach herrlich unterspielt wird („Und sie sind wer?) hat schon Klasse. Im Anschluss entwickelt sich allerdings eine arg verschachtelte Handlung um die weitere Zukunft des Modemagazins, in der es zu allerlei Intrigen und Täuschungen kommt bei der sich mal der eine, mal der andere hintergangen und getäuscht fühlt und bei der ein von Lucy Liu und Justin Theroux gespieltes Milliardärs-Ehepaar eine größere Rolle spielt. Während diese Figuren aber zumindest ein paar nette Szenen haben entpuppt sich die Besetzung von Kenneth Branagh in der Rolle von Mirandas Partner als reiner PR-Stunt für eine tatsächlich ziemlich blasse und überflüssige Figur.

Das Vorantreiben der doch unnötig komplizierten Geschichte nimmt dabei viel Leinwandzeit in Anspruch, die leider auf Kosten dessen geht was den Vorgänger in erster Linie ausgezeichnet hat: Der Witz und Schwung, sowie die Bissigkeit mit der uns die den meisten doch recht fremde und mitunter schon ziemlich absurde Welt der Hochmode präsentiert wurde. Hier schwelgt man dagegen ein wenig zu oft in Bildern aus der Welt der Reichen und Schönen samt deren prunkvollen Anwesen oder Arbeitsplätzen und scheint die dabei dann einfach nur mal zeigen und hübsch in Szene setzen zu wollen. Eine Welt in der sich letztlich auch alle irgendwie lieb haben, so dass doch Einiges von der Schärfe des Originals verloren geht. Auch die vermeintlich unnahbare Miranda Priestley bekommt diesmal ein paar mehr Momente in denen sie Gefühle zeigt und etwas tiefer in ihr Seelenleben blicken lässt, selbst wenn sie versucht dies nach außen nicht erkennen zu lassen. So eine doch recht überzogene Figur nicht zur Karikatur werden zu lassen ist dabei einmal mehr das Verdienst von Meryl Streep die oft nur mit wenigen Blicken und kleinen Gesten sowohl für Lacher als auch gleichzeitig Charaktertiefe sorgt. Und aus dem Hintergrund hält dann Stanley Tuccis Nigel mit seiner Herzenswärme das Ganze zusammen.

Nein, man kann wirklich nicht behaupten dass dieses Darsteller-Ensemble, das zum Teil wohl etwas widerwillig war und erst überzeugt werden musste, hier nicht dennoch hoch motiviert agieren würde. Und so entstehen dann doch viele Momente die einfach nur nett, unterhaltsam und amüsant sind. Einen wirklich schlechten Film abzuliefern war mit diesem Team wohl gar nicht möglich und so kann man letztlich auch über diesen inhaltlich etwas biederen neuen Ausflug in die Modewelt nicht allzu sehr meckern.
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