The End of Oak Street

Land
Jahr
2026
Laufzeit
100 min
Release Date
Bewertung
7
7/10
von Matthias Kastl / 19. August 2026

So richtig konnte uns der neue Film von Steven Spielberg dieses Jahr ja nicht überzeugen. Wie wäre es für Fans von Vintage-Spielberg also mit einer Alternative? Das Sci-Fi-Drama “The End of Oak Street“ plündert jedenfalls munter einige der bekanntesten Motive des Regisseurs und verpackt sie in einen Film, der allein schon durch sein moderates Budget und die (heutzutage) moderate Laufzeit ein wenig aus der Zeit gefallen wirkt. Was hier ausdrücklich positiv gemeint ist. Der sympathische Mix aus Monster-Action und netten kleinen Charaktermomenten hat dabei wirklich Charme, ist am Ende aber doch eher ein kleiner Unterhaltungs-Snack für zwischendurch als wirklich packendes Kino.

Natürlich spielt der Film, wie es sich für Vintage-Spielberg gehört, in einer amerikanischen Vorstadtsiedlung der 1980er Jahre, in der die Eltern am Grill stehen während die Kinder die Gegend auf ihren Fahrrädern unsicher machen. Ein paar private Spannungen gibt es in dem Idyll aber trotzdem, wie die etwas kriselnde Beziehung zwischen Denise Platt (Anne Hathaway, “Die Odyssee“, “Les Misérables“) und ihrem Ehemann Greg (Ewan McGregor, “The Impossible“, “Star Wars Episode I: Die dunkle Bedrohung“). Gegenüber ihren Kindern Audrey (Maisy Stella) und Brian (Christian Convery) versuchen sie sich aber nichts anmerken zu lassen, stehen aber schon bald vor einer deutlich größeren Herausforderung. Ein unerklärliches kosmisches Ereignis sucht den Ort heim, dessen Auswirkungen so gravierend sind, dass die Alltagssorgen schnell einem Kampf um Leben und Tod weichen.
 


Viel mehr wollen wir an dieser Stelle jetzt nicht verraten. Wer kann, sollte aber auf jeden Fall die Trailer vermeiden, denn der Film macht nochmal mehr Spaß, wenn man die genaue Auswirkung der übernatürlichen Prämisse nicht kennt. Bei der muss man natürlich beide Augen ein wenig zudrücken, aber das macht man hier gerne, denn die Art, wie der Film das Ganze angeht, ist einfach lobenswert. Gerade im Vergleich zu einer sehr bekannten Franchise, die mit einem ähnlichen Element schon länger nicht mehr wirklich etwas auf die Reihe bekommt.

Besonders schön dabei ist, wie man sich zunächst die Mühe macht, ein bisschen Charakteraufbau zu betreiben und (wie Spielberg) erst einmal eine gewisse Familiendynamik etabliert, bevor das eigentliche Abenteuer beginnt. Die besteht hier vor allem aus dem Konflikt toughe Ehefrau versus “lascher“ Mann, was man durchaus als kleine Modernisierung verstehen darf. Dass für den Film die Figuren mehr als nur Mittel zum Zweck sind, wird dabei immer wieder in kleinen Charaktermomenten deutlich, deren schönste Ausprägung in einer Szene in der Garage des Hauses zu bewundern ist. Hier versucht eine Figur den Schrecken der letzten Stunden durch Musik zu lindern und während viele andere Genrefilme diesen Moment lediglich als Ausgangspunkt für den nächsten Thrill genutzt hätten, passiert hier tatsächlich einfach nur das: ein kleiner feiner Charaktermoment.
 


Der Spielberg-Vibe des Filmes kommt dabei nicht ganz überraschend, steht dahinter doch die Produktionsfirma von J. J. Abrams, der selbst als glühender Verehrer des Regisseurs gilt und mit “Super 8“ bereits seine eigene Hommage an den Altmeister geschaffen hat. Auf dem Regiestuhl sitzt hier nun aber David Robert Mitchell, der mit “It Follows“ ja einen der interessantesten Horrorfilme des letzten Jahrzehnts gedreht hat. Das erklärt vielleicht auch, warum es hier auch durchaus blutig zugeht und der Film immer wieder mal mit dem Nervenkostüm des Publikums spielt. Das erinnert ein wenig daran was die Serie “Stranger Things“ gemacht hat, die ja ebenfalls ihre Liebeserklärung an das Kino der 1980er Jahre um eine ordentliche Dosis Horror angereichert hat.

Wie das 1980er-Jahre-Setting hier dann auch etabliert wird, nämlich rein subtil durch Look und Requisiten, zeugt ebenfalls davon, dass hier clevere Leute am Werk waren. Und logischerweise darf dann auch der klassische Shot von einem Haufen Kinder nicht fehlen, die mit ihren klapprigen Fahrrädern die Nachbarschaft unsicher machen. Hier und da merkt man natürlich bei den Effekten schon, dass das Budget nicht ganz in der obersten Liga mitspielt. Das hat aber durchaus etwas Positives, denn gerade in der ersten Hälfte profitiert der Film davon, dass man die Kreaturen zunächst kaum zu sehen oder wenn überhaupt via Schatten, Geräuschen oder anderen Tricks angedeutet bekommt – “Der weiße Hai“ lässt grüßen. Das sind dann auch die gelungensten Spannungsszenen des Films, während später doch mit der Kamera eher direkt draufgehalten wird, was fast ein wenig schade ist.
 


Mitfiebern tut man trotzdem, was auch an einem sympathischen Ensemble liegt, bei dem die Frauenrollen am ehesten herausstechen. Anne Hathaway gibt überzeugend die toughe Ehefrau, während Maisy Stella ihre Figur am vielschichtigsten wirken lässt – mit besagter Garagen-Szene aber auch das beste Material geliefert bekommt. Ewan McGregor bleibt schon rein wie sein Charakter angelegt ist eher blass, wobei gerade in den Anfangsszenen er auch einen etwas irritierenden Look hat – bei dem es fast so scheint, als hätte man ihn digital nachbearbeitet. Was sich nach einer Zeit glücklicherweise legt, wobei der Film seine Greenscreen-Herkunft doch nicht immer erfolgreich verleugnen kann.

Dass das Ganze am Ende eher nette Unterhaltung als wirklich packendes Kino ist, liegt aber vor allem daran, dass es sich „The End of Oak Street“ auch immer wieder etwas zu einfach macht. Gefahr entsteht mehrfach nur deshalb, weil Figuren (meist die Kinder) einfach sehr dumme Entscheidungen treffen. Dazu kommen immer wieder ein paar vermeidbare Logikfehler, und hintenraus revidiert man dann eine scheinbar mutige Entscheidung zugunsten eines Happy Ends, was dann auch irgendwie inkonsequent wirkt. Und trotzdem verlässt man den Kinosaal aber mit einem Lächeln, weil man am Ende diese Art charaktergetriebenes “Mid-Budget-Spektakel“ heute ja doch viel zu selten sieht. Gerne also mehr davon – Spielberg-Kopie hin oder her.

Bilder: Copyright

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