"People have a right to know the truth – it belongs to 7 billion people" – dieser Dialog ist im Trailer von Steven Spielbergs neuem Science-Fiction-Film "Disclosure Day" zu hören. Eine Aussage, die etwas verwundert, schließlich ist doch schon seit einigen Jahren bekannt, dass die Erde die 8-Milliarden-Grenze geknackt hat. Das scheint wohl auch jemandem von der Produktion aufgefallen zu sein, denn im Film ist die korrekte Zahl zu hören und wohl nochmal schnell "drübersynchronisiert" worden. Was irgendwie irritierend schlampig wirkt für einen Film des Mannes, der mit Werken wie "E.T." oder "Unheimliche Begegnung der dritten Art" ja einst Science-Fiction-Geschichte schrieb. Warum ich dieses nebensächliche Detail erwähne? Weil es leider stellvertretend für einen Film steht, der unglaublich schlampig geschrieben und teils sogar schlampig inszeniert daherkommt. Vor allem aber ist "Disclosure Day" so uninspiriert, dass von der erhofften Kinomagie des Altmeisters Spielberg ("Indiana Jones-Trilogie", "Der weiße Hai") hier viel zu selten etwas zu spüren ist – und wir darum leider von der wohl bisher größten Enttäuschung des Kinojahres sprechen müssen.
Dabei schien das Timing doch perfekt zu sein, schließlich hat es die Frage nach der Existenz von Außerirdischen hier auf unserer Erde durch die erst kürzlich veröffentlichten UFO-Akten des Pentagons wieder in die Schlagzeilen geschafft. Deutlich konkretere Beweise als in der Realität besitzt im Film dabei der Cybersecurity-Experte Daniel Kellner (Josh O’Connor, "Challengers – Rivalen", "The Crown"). Diese hat er seinem Arbeitgeber, der undurchsichtigen Wardex Corporation, gestohlen – was deren Chef Noah Scanlon (Colin Firth, "Kingsman: The Secret Service", "The King's Speech") ziemlich auf die Palme bringt. Gemeinsam mit seiner Freundin Jane (Eve Hewson) befindet sich Kellner darum auf der Flucht, hat aber noch ein paar mysteriöse Freunde als Unterstützer in der Hinterhand. Viel wichtiger für ihn wird aber ausgerechnet die Meteorologin Margaret (Emily Blunt, "A Quiet Place", "Sicario"), die durch ein unerklärliches Erlebnis und scheinbar neu gewonnene übernatürliche Fähigkeiten ebenfalls ins Visier der Wardex Corporation gerät.
Mit dem Namen Steven Spielberg verbindet man ja eine Zeit, in der es keine großen IPs benötigte, um einen mit phantastischen Geschichten ins Staunen zu versetzen. Vermutlich ist es unfair, nun Jahre später in einer veränderten Welt (und man selbst ist ja auch älter und eventuell zynischer geworden) die gleiche Wirkung von einem neuen Film des Regie-Altmeisters einzufordern. Aber es ist doch schon traurig, dass Spielberg ausgerechnet in einem seiner Haus-und-Hof-Genres mit "Disclosure Day" nun solch ein uninspiriertes Werk abliefert, das einen mehr mit Frust als kindlichem Staunen zurücklässt. Frust darüber, dass mit einer eigentlich vielversprechenden Ausgangsidee hier derart schlampig und lieblos umgegangen wird. Dabei grenzt es schon an Ironie, dass bei der Suche nach intelligentem Leben in "Disclosure Day" viele Menschen genau diese Intelligenz schmerzlich vermissen lassen – sowohl vor als auch hinter der Kamera.
Das beginnt schon beim Setup, denn dass Daniel mit der offensichtlich komplett unberechenbaren Jane sich freiwillig eine Last ans Bein bindet, welche die ganze Mission gefährden könnte, lässt diesen nicht gerade in einem cleveren Licht stehen. Da kann man natürlich mal ein Auge zudrücken, doch mangelnde Cleverness der Protagonisten begegnet einem im Film wiederholt auf so penetrante Weise, dass es schwierig wird, dies zu ignorieren. Wenn Bösewichte mehrmals vergessen, Hinterausgänge zu sichern, verlieren diese schon deutlich an Schrecken. Mal abgesehen davon, dass diese nie bemerken, dass der gute Daniel oft nur mehrere Meter hinter ihnen herläuft – ohne überhaupt zu versuchen sich zu verstecken. Es gibt eine Szene rund um eine Klippe, bei der das schon fast komödiantisch wirkt. Auch deswegen, weil am Rand des Bildes noch ein Nachzügler der Wardex-Schergen ins Bild kommt und offensichtlich freie Sicht auf unseren Helden hat – aber schlicht nichts passiert.
Das ist einfach nachlässig inszeniert, wobei Spielberg teils unerklärliche Regieentscheidungen trifft. Wenn Margaret in einer späteren Szene die Wardex Corporation aufsucht, zeigt die Kamera deren Einsatzleiter dabei, wie er sich noch einmal auf einem Monitor ihr Foto anschaut, um sich zu vergewissern, wen er da vor sich hat. Wohlgemerkt nachdem er Margaret durch das halbe Land gejagt hat. Entweder hält man also diese Figur oder das Publikum für dumm, so oder so eine rätselhafte Entscheidung eines Regisseurs, der in Sachen Inszenierung doch eigentlich ein Meister der Effizienz ist.
Mein kleiner Rant hier mag nun natürlich übertrieben pedantisch wirken, hat aber doch eine größere Aussagekraft, als er vermuten lässt. Denn das eigentliche Problem verbirgt sich natürlich hinter der Tatsache, dass einem diese Schlampereien überhaupt auffallen. Und das ist nur möglich, weil die Geschichte, die man hier erzählt, einen viel zu selten wirklich packen kann. Komplexe Figuren mit interessanten Charakter-Arcs gibt es nicht, der Bösewicht ist eher generisch und überhaupt kommt der Film inhaltlich sehr altbacken daher. Die Aliens sehen aus, als wären sie direkt aus den 1990ern, Kornkreise haben im modernen Science-Fiction-Kino nun wirklich nichts mehr zu suchen (den genauen Sinn der entsprechenden Szene im Film muss mir auch noch mal jemand erklären), und am Ende wird dann noch ein weiteres sehr ausgelutschtes Storyelement aufgegriffen. Visionär ist hier leider gar nichts, stattdessen fühlt man sich an eine durchschnittliche Folge einer alten "Akte-X"-Staffel erinnert.
Immerhin erhält man eine gut umgesetzte Verfolgungsjagd rund um einen Zug, bekommt optisch (bis auf zu offensichtlich generierte CGI-Tiere) ordentlich Schauwerte geboten und zumindest Emily Blunt ist mit spürbarem Eifer bei der Sache. Ihre Figur bringt auch das größte Potential mit und ihre Rolle als "Auserwählte" hat gerade am Anfang einige interessante Ideen zu bieten. Was der Film dann aber am Ende daraus macht, und welcher "Plan" dahintersteckt, wirkt dann wieder unglaublich hanebüchen. Ohne zu viel zu verraten, nicht nur die Menschen entpuppen sich in "Disclosure Day" als begrenzt intelligent.
Das Ende setzt dann natürlich wieder auf typische warmherzig-optimistische Spielberg-Momente, bei denen man ein wenig an "Unheimliche Begegnung der dritten Art" erinnert wird. Leider aber eben auf deutlich niedrigerem Niveau. Der warmherzige Optimismus kann hier nicht die gewünschte emotionale Reaktion hervorrufen, weil der Film dafür mit seinem unterkühlten Fokus auf die Thriller-Elemente nicht die nötige Vorarbeit geleistet hat. Für einen Thriller sind wiederum die Figuren schlicht nicht clever und interessant genug, um einen wirklich richtig eng mitfiebern zu lassen. Und für philosophisches Kino fehlt schlicht die Tiefe, was nicht nur an dem altbackenen Vibe des Ganzen liegt, sondern auch an der Tatsache, dass große existentielle Fragen zwar angesprochen, aber relativ lieblos abgefrühstückt werden – und über die banal umgesetzte Rolle der Tierwelt verlieren wir lieber kein Wort.
Die Enttäuschung und der Frust sitzen also tief, haben aber natürlich auch mit den hochgesteckten Erwartungen an einen neuen Spielberg-Film zu tun. "Objektiv" betrachtet ist der Film nämlich immer noch zumindest halbwegs passable Unterhaltung, da es selten Leerlauf gibt, manche Ideen ja prinzipiell gar nicht schlecht sind und sich hier und da doch auch mal ein netter Spannungsmoment offenbart. Von Filmmagie oder visionärem Kino sind wir hier aber leider meilenweit entfernt – und das sowie die teils schlampige Umsetzung brechen dann ehrlich gesagt dem Rezensenten hier schon das Herz. Auch weil nicht mehr viele Regisseure den Mut und überhaupt die Möglichkeit haben, wirklich originale Stoffe im Blockbuster-Kino umzusetzen. Originell fällt "Disclosure Day" aber leider gar nicht aus, sondern lässt einen eher mit nur noch mehr Sehnsucht auf das Kino der Vergangenheit blicken.
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