Avatar: Fire and Ash

Land
Jahr
2025
Laufzeit
197 min
Release Date
Bewertung
8
8/10
von Matthias Kastl / 23. Dezember 2025

Der Frust saß tief nach dem zweiten Film der "Avatar"-Reihe. Ebenso wie mein Filmszene-Kollege empfand ich "Avatar 2: The Way of the Water" mehr als eine (zugegeben beeindruckende) Technik-Demonstration denn einen wirklich überzeugenden Film. Dementsprechend war die Vorfreude auf den dritten Teil ziemlich gedämpft, was der unglaublich uninspirierte Trailer, der altbekannte Storybeats aus dem zweiten Teil lieblos wiederzukauen schien, nur noch verstärkte. Und tatsächlich hat "Avatar: Fire and Ash" gar nicht so viel Neues zu bieten, was dem Film jetzt auch von vielen Seiten vorgehalten wird. Indirekt entpuppt sich das aber eher als Stärke, denn anscheinend hat man stattdessen lieber wieder mehr Wert auf eine flüssiger erzählte Geschichte und ordentlichere Charakterarbeit gelegt, was trotz ein paar altbekannter Schwächen am Ende in einem deutlich runderen Filmerlebnis mündet.

Nach dem Tod ihres Sohnes im zweiten Teil gehen Jake Sully (Sam Worthington, "Hacksaw Ridge - Die Entscheidung", "Zorn der Titanen") und Neytiri (Zoe Saldaña, "Emilia Perez", "Star Trek Beyond") zu Beginn von "Avatar: Fire and Ash" ganz unterschiedlich mit dem Schmerz um. Während Neytiri in tiefer Trauer versinkt und Halt in ihrem Glauben zu finden sucht, widmet sich Jake inbrünstig den Kriegsvorbereitungen. Schließlich muss ja nicht nur die eigene Familie, sondern gleich ganz Pandora weiterhin vor dem Expansionsdrang der Menschen geschützt werden. Als dann auch noch das Beatmungsgerät von Adoptivsohn Spider (Jack Champion) sich als ziemlich unzuverlässig erweist, bricht die Familie auf zu neuen Ufern. Ruhig und friedlich wird dieser Trip aber nicht verlaufen, denn die aggressive Anführerin Varang (Oona Chaplin) des kriegerischen Asche-Volkes stellt sich schon bald in ihren Weg – und schließlich ist ja auch immer noch Jakes Erzfeind Colonel Quaritch (Stephen Lang, "Don't Breathe", "Conan, the Barbarian") am Leben.
 


Die Story des ersten "Avatar“-Films mit seiner Mischung aus "Pocahontas“ und "Der mit dem Wolf tanzt“ war sicher kein Glanzlicht – aber ein vertrautes Grundgerüst war für den Genuss des Effektspektakels damals mehr als ausreichend. Was wohl dazu geführt hat, dass man sich bei der Fortsetzung dahingegen mal so gar keine Mühe mehr machte. Doch selbst die schönsten Bilder konnten die klischeebeladenen Dialoge und das ständige sich inhaltlich im Kreis drehen in "Avatar 2: The Way of the Water" nicht übertünchen. In "Avatar: Fire and Ash“ gibt man sich jetzt glücklicherweise diesbezüglich wieder etwas mehr Mühe. Nicht, dass wir hier shakespearsche Höhen erreichen, aber gerade die erste Hälfte des Films entwickelt einen zügigen Flow und gleitet angenehm unterhaltsam dahin.

Zugegeben, dass Jake wieder mal seine Familie beschützen und diese füreinander einstehen muss, löst erst mal reflexhaft ein Gähnen aus. Doch weil James Cameron ("Aliens", "Titanic") gerade den Kitschfaktor dabei deutlich zurückfährt, Szenen nicht mehr unnötig in die Länge gezogen sind und sich zumindest eine halbwegs ordentliche Dynamik zwischen den Figuren entwickelt, wirkt das alles hier doch ziemlich rund. Dass man gleich in den ersten zwanzig Minuten schnell die zentralen Konflikte innerhalb unserer Na'vi-Familie etabliert, so simpel die auch sind, liefert im weiteren Verlauf die nötige Basis, um immer wieder ein wenig Feuer in die Interaktion der Figuren zu bringen. Ähnlich wie im ersten Teil gelingt es "Avatar: Fire and Ash“ so, genug inhaltliches Futter zu liefern, damit man Interesse an dem Geschehen auf der Leinwand hat, ohne einen dabei aber nun zu stark zu fordern – man will ja schließlich Zeit haben, die Welt zu bewundern.
 


Dass die hier wieder ein visueller Leckerbissen ist, wird wohl keinen überraschen. Gerade wenn man im Vorfeld des Films noch Trailer zu "konkurrierenden“ 3D-Filmen sieht, wird wieder klar, in welcher anderen Liga Cameron hier spielt. Immer wieder erwischt man sich dabei, Kleinigkeiten im Hinter- oder Vordergrund zu genießen – und wenn es nur die Wellen sind, die sich wundervoll an einem kleinen Stück Fels brechen. Apropos Wellen, davon gibt es hier mehr, als man angesichts des Titels vermuten darf. Feuer und Asche gibt es nur in Maßen zu sehen, weswegen der Film sich eher wie eine Art Neuaufguss von "Way of the Water“ anfühlt, denn genau dort spielt auch der neue Film die meiste Zeit. Die fehlende Herausforderung, eine gänzlich neue Umgebung zu erschaffen, sorgt aber eben dafür, dass man wieder etwas mehr Wert auf einen funktionierenden Spannungsbogen legt – und das tut dem Film richtig gut.

Vermutlich kann man diese "visuelle Mogelpackung“ aber besser verzeihen, wenn man (wie ich) das meiste vom zweiten Teil schon wieder längst vergessen hat. Selbst die überzeugende erste Hälfte leidet aber immer noch unter kleineren Schwächen, wie einer etwas sehr erzwungen wirkenden Buddy-Dynamik zwischen Jake und Quaritch oder der Tatsache, dass sich ständig mit „Bro“ ansprechende Jugendliche schon ein wenig das "Fremde-Welten“-Gefühl untergraben. Aber das ist in den ersten knapp zwei Stunden Jammern auf hohem Niveau. Mehr zu beschweren gibt es da schon im letzten Drittel des Filmes, das dann doch wieder unter einigen etwas größeren und altbekannten Schwächen leidet. Hier hätte man locker eine halbe Stunde kürzen können, einige Story-Beats und manchmal sogar ganze Szenen wirken deutlich zu vertraut, und noch immer ist die Figur des Spider eher nervig als emotional berührend – und Schauspieler Jack Champion den dramatischeren Momenten schlicht nicht gewachsen.
 


Da man aber mit Varang eine wirklich gefährlich wirkende neue Gegenspielerin und bei der großen finalen Schlacht beeindruckende visuelle Geschütze auffährt, bleibt auch dieser schwächere Teil des Films weiterhin halbwegs unterhaltsam. Und visuell zu entdecken gibt es ebenfalls weiterhin eine Menge. Womit dann der Daumen am Schluss hier doch ganz eindeutig nach oben zeigt und die Empfehlung ausgesprochen werden darf, sich dieses Werk doch auf einer möglichst großen Leinwand und mit bestem Ton anzuschauen – denn auch das Sounddesign ist hier wieder mal fantastisch.

Allerdings sei dem guten James Cameron hiermit auch ausgerichtet, dass es jetzt dann doch mal an der Zeit wäre, in dieser Reihe als Nächstes sowohl inhaltlich als auch visuell wirklich mal Neuland zu betreten. Die Entscheidung für einen vierten Teil hat Cameron ja an den finanziellen Erfolg des Filmes geknüpft, und zumindest bisher scheint er auf Kurs zu sein. Sollte er aber keine wirklich neue Idee haben, wäre "Avatar: Fire and Ash“ doch eigentlich ein netter Schlusspunkt – schließlich würde man die unbändige kreative Energie Camerons ja langsam doch mal gerne anders kanalisiert sehen. Aber schön war’s diesmal auf Pandora trotzdem.

Bilder: Copyright

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