filmszene special: Interview mit "Dragonball Evolution"-Darsteller James Marsters
 
 

Bekannt wurde er als charismatischer Vampir "Spike" in der Serie "Buffy - Im Bann der Dämonen" und noch Jahre nach dem Ende der Reihe hat er dadurch zahlreiche (vor allem weibliche) Fans. Die werden sich jetzt aber an einen völlig neuen James Marsters gewöhnen müssen, denn in dem Fantasy-Spektakel "Dragonball Evolution" spielt er den grünhäutigen und bösen Dämonen Piccolo. Über diese Rolle und seine sonstige Karriere sprach Filmszene am Telefon mit dem Schauspieler und Musiker.

Filmszene: Hallo James, bei uns ist es bereits Abend während bei Ihnen in Los Angeles ja gerade erst die Sonne aufgegangen ist. Daher vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen.

James Marsters: Das Vergnügen liegt ganz bei mir. Wir stellen an diesem Wochenende hier in einer Hotelanlage in L.A. unseren Film vor, ich lasse es mir gut gehen und werde hier bedient und wie ein König behandelt (lacht).Und ich freue mich über das Interesse aus Deutschland.

Was können Sie uns denn zu Ihrer Figur, den "Lord Piccolo" erzählen?

Nun, mein "Piccolo" ist schon ein ganzes Stück entfernt von der Figur die man aus der "Dragonball Z" Anime-Serie kennt. Das ist zwar der bekannteste Teil der Serie, aber den haben wir nicht adaptiert, sondern den Teil einer Staffel, die davor kam, als die Serie noch nur "Dragonball" hieß. Der größte Unterschied zur Serie ist, dass dort mein Charakter ja lange Zeit vorgibt schwach und kampfunfähig zu sein und erst später seine wahre Gestalt zeigt. Das machen wir hier nicht, "Piccolo" ist von Beginn an der starke und mächtige Gegenspieler.

Grün nicht nur hinter den Ohren:
James Marsters in Make-Up als "Lord Piccolo"

Können Sie denn den durchaus skeptischen Fans der Serie ein wenig die Furcht nehmen, dass der Film sich nicht besonders treu an die Vorlage hält?

Obwohl wir natürlich Änderungen vornehmen, die aus dramaturgischen und Zeitgründen einfach notwendig sind, denke ich doch, dass wir dem Geist der Vorlage schon treu geblieben sind. Aber die Leute müssen bitte auch fair bleiben und unseren Film korrekterweise nicht direkt mit "Dragonball Z" vergleichen, sondern mit der Vorgängerserie. Davon werden sie viel wieder finden und zu der anderen Serie und den ganzen "Transformationen" kommen wir dann im zweiten Film, den es hoffentlich geben wird. Wir starten auf einem kleineren Level, so wie etwa Sam Raimi mit seinem ersten "Spider-Man"-Film, wenn ich mir den Vergleich mal anmaßen darf.

Das hört sich sehr danach an, als wenn Sie mit der Materie sehr vertraut wären, auch außerhalb des Kinofilms. Haben Sie sich das jetzt erst alles angelesen und angesehen oder woher kommt diese Sachkenntnis?

Von wegen, ich habe bereits vor, na ich glaube, vor sieben Jahren angefangen die Anime-Serie zu schauen. Warum? Nun, ich habe einen Sohn, der heute dreizehn ist und damals also sechs Jahre alt war. Der war ein großer Fan und ich habe dadurch tatsächlich auch mehrere hundert Folgen angeschaut. Das meiste von "Dragonball" und komplett alles von "Dragonball Z".

Das beantwortet dann ja fast schon meine nächste Frage, nämlich wie Sie zu diesem Projekt gekommen sind und was Sie daran gereizt hat.

Ja, das ist eine ganz tolle Sache für mich. Denn die meisten Kinder interessieren sich, ehrlich gesagt, nicht so besonders für den Job ihrer Eltern. Auch dann nicht wenn der Vater Schauspieler ist. Aber mit dieser Rolle und diesem Film konnte ich meinen Sohn wirklich mal begeistern und es war dann für mich auch gar keine Frage, diese Rolle anzunehmen.

Haben Sie nicht ein bisschen Angst davor, Ihre Fans aus "Spike"-Zeiten zu enttäuschen, da Sie ja hinter Ihrer aufwändigen Maske kaum noch zu erkennen sind?

Ich habe mal einen guten Werbespruch gelesen, der lautete: "Rechne damit, überrascht zu werden". Und auch ich überrasche gerne mein Publikum. Natürlich ist "Piccolo" völlig anders als das was ich bisher gemacht habe. Aber ich hoffe doch, dass die Leute auch ein bisschen neugierig sind.

Wie anstrengend war es denn und wie lange hat es jedes mal gedauert, Ihnen dieses Make-Up aufzutragen?

Oh, das hat sich im Laufe der Dreharbeiten sehr stark geändert. Während wir ganz am Anfang noch quälende 14 Stunden für die Maske benötigt haben, schafften wir das dann später in gut vier Stunden. Das mit den 14 Stunden war aber auch ein wenig meine Schuld, denn ich war da selbst sehr detailbesessen, schließlich sollte ich glaubwürdig deutlich älter aussehen. Und ansonsten hat man sich halt all die Zeit über nett unterhalten oder Musik vom iPod gehört.

Da die "Buffy"-Serie immer noch sehr populär ist und z.B. auch in neuen Comics fortgeführt wird, ist für viele Fans nach wie vor die Frage nach einem "Buffy"-Kinofilm aktuell. Wie sieht es damit aus und wäre James Marsters als "Spike" dann dabei?

Ich hätte große Lust dazu und bin dafür nach wie vor offen. Joss Whedon hat mit mir sogar schon über ein eigenes "Spike"-Projekt gesprochen, für das er bereits eine Story hat, auch wenn es noch nicht wirklich spruchreif ist. Aber letztendlich liegt das Schicksal des "Buffy"-Films natürlich auch an der Entscheidung von Sarah Michelle Gellar. Sie war ja nach dem Ende der Serie bereit, etwas Neues und Anderes zu machen und ich bin mir nicht sicher, ob sie wieder zurückkommen möchte. Aber sie kann sich damit ruhig Zeit lassen, denn ich glaube "Buffy" muss noch sehr viel älter werden, bevor "Spike" endlich auch mal erwachsen wird und für die beiden vielleicht doch noch ein Happy-End ins Haus steht (lacht).

Und wie läuft es mit der Musikkarriere? Können wir Sie da vielleicht auch mal live in Deutschland begrüßen?

Das hätte beinahe geklappt, ist dann aber in letzter Sekunde leider geplatzt. Ich komme aber mit meiner Band in diesem Sommer immerhin für ein paar Konzerte nach London. Ich fühle mich zurzeit auch gut mit meiner Musik, denn ich habe das Gefühl, dass ich da bei den Texten langsam immer ehrlicher und dadurch insgesamt besser werde.

Dann bedanken wir uns für das Gespräch und wünschen für beide Karrieren alles Gute.

Interview: V. Robrahn