Ansehen/Wiedersehen

Hier bündeln wir alle Texte, die sich nicht um aktuelle Filme drehen. Wie der Name schon sagt: Dinge, die wir uns selbst gerade ansehen, oder Streifen, die wir gerade wiederentdeckt haben.
Seid nett zu Oma. Schließlich kann es gut sein, dass sie morgen schon die Welt retten muss, vor allem, wenn plötzlich die Außerirdischen vor der Tür stehen. Diese tiefschürfende, auch ein bisschen überraschende Moral schenkt uns Tim Burton als absurdes Ende seiner Invasionsfilm-Parodie "Mars Attacks!".
Rassenkonflikte sind nach wie vor eines der größten sozialen Probleme in den USA. Diese Konflikte entstehen vor allem aus den katastrophalen Verhältnissen, in denen die meisten ethnischen Minderheiten im Land leben. Die Schwarzen sind da nur ein Beispiel für, wenn sie auch die größte Minderheit darstellen. Abgegrenzt von den „weißen“ Stadtzentren leben sie in eigenen Ghettos mit wenig bis keinen Aufstiegschancen, und werden so fast zwangsläufig in einen Teufelskreis des Verbrechens hineingerissen, in dem man nicht lange überleben kann.
1990 war das Jahr der Gangster und ihrer Filme. In "Goodfellas" eiferten Robert DeNiro und Joe Pesci inmitten ihres brutalen, desillusionierenden Ambientes um das Prädikat skrupellosester Gangster und wurden auf halber Strecke von Ray Liotta überholt. In "Der Pate III" kehrte Al Pacino als Michael Corleone zurück und führte Andy Garcia in die romantisch-tragische Welt der Mafia ein.
Filme entsprechen nicht der Realität. Dies ist eine der grundlegendsten Wahrheiten dieses Mediums, die man manchmal gerne verdrängen möchte, aber nie wirklich vergißt. Einer der Gründe dafür ist, daß den Leuten im Film viel zu viele interessante Dinge passieren, ohne daß der Zuschauer tatsächlich glauben würde, daß sich dies alles in Wirklichkeit so zutragen könnte.
Ein wirklich fürchterlicher Film. Kunststoffeier von Herrn Kunststoffmeier und der kleinen Schwester, die seit Ewigkeiten ihr Plastikbonbon zutzelt, das Ganze vorgetragen auf einer verqualmten Betriebsfeier vor ein paar Dutzend gelangweilten Angestellten, werden zum künstlerischen Trauma der nebenbei tanzenden Diplompsychologin Margarethe Tietze (Evelyn Hamann), die es sowieso schon schwer genug hat im Leben.
Die Neunziger sind das Jahrzehnt des Independent Films. Jedes Jahr schaffen es zwei bis drei von den ganz Kleinen, bei den ganz Großen mitzuspielen. Und wer das geschafft hat, der zählt dann selbst zu den ganz Großen. Es ist schon fast eine Tradition, daß pro Jahr hoffnungsvolle junge Filmemacher zum plötzlichen Aufstieg gelangen. Einer der ersten „Aufsteiger“ dieser Art war allerdings alles andere als jung.
„They never come back“ sagt man gerne über Künstler (seien es nun Schauspieler, Musiker oder was auch immer), die, bei Kritik und Publikum in Ungnade gefallen, zurücktreten mußten aus dem gigantischen Spotlight, das die Schönen, Erfolgreichen und Wohlhabenden über den einfachen Pöbel erhebt. Diese Showbiz-Weisheit wird hin und wieder ad absurdum geführt, wenn eine vermeintlich in der Versenkung verschwundene Person die Rückkehr ins Rampenlicht schafft.
Vor drei Jahren begeisterte uns Wayne Kramer mit "The Cooler", einem charmanten und gleichzeitig recht interessant aufgemachten Indiefilm, der magischen Realismus mal anders interpretierte. Figuren mit übernatürlicher Gabe und eine zarte Liebesgeschichte als Magie-Teil, kompromisslose Gewalt und glaubwürdige Sexszenen als Realismus-Teil.
In dieser Woche startet mit "K-19: Showdown in der Tiefe" die erste große Studio-Produktion unter Regie von Kathryn Bigelow seit sieben Jahren. Eine extrem lange Pause für die Frau, die nach ihren Hits "Blue Steel" (1990) und "Gefährliche Brandung" (1991) als die große weibliche Regie-Hoffnung im Actionfach gefeiert wurde.
Hamburg 1939, das NS Regime ist seit nunmehr 6 Jahren an der Macht und dennoch hat es eine Gruppe Jugendlicher bis zu diesem Zeitpunkt geschafft, von HJ und ähnlichen Einbindungen in die Propagandamaschinerie der Nazis verschont zu bleiben. Sie selbst nennen sich „SWING KIDS“, kleiden sich britisch elegant, pflegen den Slang der New Yorker Bronx und tanzen ausgelassen zu den Rhythmen von Jazzgrößen wie Benny Goodman und Duke Ellington.
Es soll ja Leute geben, die nicht wissen, daß Quentin Tarantino vor „Pulp Fiction“ noch einen anderen Film gemacht hat (falls jemand dazu gehört: der Film heißt „Reservoir Dogs“). Noch mehr Leute wissen aber auch nicht, daß der gute Mann davor seine Semmeln mit Drehbuchschreiben verdiente. Und daß dabei ein Film herauskam, den jeder ernsthafte Tarantino-Fan (und alle anderen Leute auch) gesehen haben sollte. Erst letzte Woche kniete mal wieder eine meiner Nachbarinnen vor meinem Videoregal auf der Suche nach einem netten Film.
"Wer ist Keyser Soze?" Diese Frage steht synonym für einen der größten Überraschungsmomente der Kinogeschichte, und wer sie nicht beantworten kann, darf, streng genommen, eigentlich gar nicht mitreden bei einigen der beliebtesten Diskussionsthemen unter Filmfreunden in den letzten zwei Jahren.
Es gibt Filme, die man sich immer wieder anschauen kann, egal wie alt sie auch seien. George Pals "Die Zeitmaschine" ist einer davon. Obwohl mittlerweile über 40 Jahre alt ist das Science-Fiction-Werk ein Exempel an Spannung und Fantasie. Im übrigen zeigt der Film, wie ein Roman visuell derart umgesetzt werden kann, dass man als Zuschauer mit Kenntnis der Vorlage ein Gefühl der Vertrautheit gewinnt.
Nördlich des Polarkreises, im finnischen Lappland, liegt eine endlose Wald- und Seenlandschaft, der Inari-See. Hier, im letzten Nirgendwo des europäischen Festlandes, findet der erste internationale Wettbewerb für Kursbuch-Spezialisten statt. Das sind solche Leute, die alle Zug-Fahrpläne der Welt auswendig können und in ihrem Kopf noch schnellere Reiseverbindungen zusammenstellen als jede CD-ROM der Deutschen Bahn.
Walhalla ist der Ort der nordischen Mythologie, an dem die gefallenen Krieger, die sich als tapfer erwiesen haben, ihre ewige Ruhe finden. Der Titel "Walhalla Rising" legt nahe, dass es auch der Ort ist, zu dem Regisseur Nicolas Winding Refn ("Pusher", "Bronson") seine Protagonisten führt. In jedem Fall ist es eine Reise ins Herz der Finsternis, egal, ob dieses nun Walhalla, Nordamerika oder schlicht Hölle heißt.
Bertolt Brecht wäre ein großer Fan dieses Films gewesen. Denn in seinem Meisterstück "Do the right thing" vereint Spike Lee dramaturgische Prinzipien und Techniken aus den griechischen Ursprüngen des Dramas bis hin zu Brechts Epischem Theater.
1950 war das Jahr, in dem Hollywood anfing, sich und seine Aushängeschilder genüsslich selbst zu zerfleischen. Parallel zu Billy Wilders "Sunset Boulevard", der einen einstigen Hollywood-Superstar als psychopathische Irre porträtierte, die mit dem Verlust ihres Ruhmes vollends den Kontakt zur Realität verliert, kreierte Joseph L. Mankiewicz mit "All about Eve" einen grandiosen Abgesang auf die unendliche Eitelkeit des Showgeschäfts.
In James Cameron's "Aliens" sind 57 Jahre vergangen, bevor Ripley in ihrem Rettungsschiff gefunden und wieder aus dem Tiefschlaf geholt wird.
"Letzte Meldung vom interplanetarischen Raumfrachter Nostromo. Hier spricht der dritte Offizier. Die anderen Besatzungsmitglieder - Kane, Lambert, Parker, Bratt, Ash und Captain Dallas - sind tot. Ladung und Schiff sind zerstört. Wenn alles klappt, müsste ich in sechs Wochen die Randzone erreichen. Und sollte ich Glück haben, findet mich eine Raumpatrouille.
Alles endet im Delirium, im Wahn, ausgedörrt vom Durst, geschwächt vom Hunger und gargekocht von der schwülen Hitze des südamerikanischen Dschungels. Das große unheilige Abenteuer der Konquistadoren, die in der Neuen Welt im Namen des Herrn das Eldorado gesucht haben, das gepriesene Goldland aus den Mythen des 16. Jahrhunderts, ist beendet.
Alles endet im Delirium, im Wahn, ausgedörrt vom Durst, geschwächt vom Hunger und gargekocht von der schwülen Hitze des südamerikanischen Dschungels. Das große unheilige Abenteuer der Konquistadoren, die in der Neuen Welt im Namen des Herrn das Eldorado gesucht haben, das gepriesene Goldland aus den Mythen des 16. Jahrhunderts, ist beendet.
Minutenlang fällt kein einziges Wort. Die Anspannung aller Anwesenden ist unerträglich. Unerbittlich bewegen sich die Zeiger weiter nach vorne. Eine ganze Stadt, die den Atem anhält und wortlos dem Ticken des Uhrwerks lauscht, bis aus der Ferne das laut pfeifende Signal des Mittagszuges erklingt.
Es gibt Filme, die sind so gut, dass sich alle über ihre Klasse einig sind, aber keiner eigentlich so genau sagen kann, was diese Filme so herausragend macht.
Auch wenn er bisweilen zwischen zwei Filmen ein Jahrzehnt brauchte - effizienter als Sergio Leone war trotzdem keiner. Denn wer bei einem Gesamtwerk von nur sieben Filmen drei undiskutierbare Meisterwerke nebst einem weiteren Genre-Meilenstein abliefert, der gehört ins Pantheon der größten Regisseure aller Zeiten. Gerade im letzten Jahrzehnt wurde man wieder an Leones ungebrochenen Einfluss erinnert, denn Filmemacher wie Quentin Tarantino oder Robert Rodriguez beziehen sich explizit auf den einzigartigen Stil Leones.
Auch wenn er bisweilen zwischen zwei Filmen ein Jahrzehnt brauchte - effizienter als Sergio Leone war trotzdem keiner. Denn wer bei einem Gesamtwerk von nur sieben Filmen drei undiskutierbare Meisterwerke nebst einem weiteren Genre-Meilenstein abliefert, der gehört ins Pantheon der größten Regisseure aller Zeiten. Gerade im letzten Jahrzehnt wurde man wieder an Leones ungebrochenen Einfluss erinnert, denn Filmemacher wie Quentin Tarantino oder Robert Rodriguez beziehen sich explizit auf den einzigartigen Stil Leones.