filmszene special: Interview mit dem "Kick-Ass"-Hauptdarstellerin Chloe Moretz
 
 

Mit dem sehr unterhaltsamen, aber auch äußerst gewalttätigen Abenteuer nach den Comics von Mark Millar kommt ein Film auf uns zu, der für einiges Aufsehen sorgen dürfte. Auch im eher Superhelden-skeptischen Deutschland stellten die beiden jungen Hauptdarsteller ihr Werk vor und dies geschah dann - passend zum Stil des Films - nicht etwa in einem der für solche Veranstaltungen sonst gern genommenen Nobelhotels, sondern in der Berliner Diskothek "Club 23".

Filmszene: Chloe, was hat speziell Dich für diese Rolle qualifiziert?

Chloe Moretz: Für "Hit-Girl"? Das müsste man dann wohl Matthew Vaughn und Mark Millar fragen, denn die haben sich beraten, ein bisschen getuschelt und mir dann gesagt, dass ich es sein soll. Warum genau kann ich also gar nicht sagen, aber es ist halt so, das man ab und zu eine Rolle bekommt und manchmal nicht. Ich nehme das dann nicht sehr persönlich und denke auch nicht lange drüber nach.

Und auch gleich die unvermeidliche Frage, ob Du nicht irgendwelche Bedenken hattest das zu spielen? Denn auch wenn ich behaupte schon sehr viele Filme gesehen zu haben, so etwas wie das, was "Hit-Girl" hier macht, hab ich in der Tat noch nie gesehen. Und ich fürchte, nicht allen wird es gefallen.

Nun, ich hab natürlich vorher das Drehbuch gelesen. Mir gefiel sofort worum es da ging und für mich stand auch gleich fest: Ich wollte unbedingt "Hit-Girl" sein. Mir war da zwar nicht hundertprozentig klar, wie das dann später im Film aussehen und wirken würde, aber nein, Zweifel oder Bedenken hatte ich nicht. Es heißt ja nicht umsonst "Kick-Ass". Das Ganze hat ja nicht viel mit der Realität zu tun, schon gar nicht meine Rolle.

Inwieweit war dieser Film denn für Dich körperlich anstrengend bzw. waren die Regeln, wie lange minderjährige Schauspieler arbeiten dürfen, ein Problem?

Nein, das war kein großes Problem, bis auf ein paar akrobatische Szenen hab ich jedenfalls alles selbst gemacht. Da "Hit-Girl" die weitaus bessere Kämpferin ist, musste ich natürlich viel mehr trainieren als etwa Aaron für seine Figur. Dazu kam sehr viel an Choreographie und das ganze Sicherheitstraining für den Umgang mit den Waffen, auch wenn es natürlich keine echten Waffen waren.

Weißt Du denn, wie viele Leute Du in dem Film umgebracht hast?

Nö, weiß ich nicht, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass das schon irgendjemand gezählt hat.

Ist es Dir denn schwer gefallen bestimmte Worte zu sagen? Die Sprache im Film ist ja doch recht "explizit".

Ach, weißt Du: Es ist doch nur eine Rolle. Das bin ja nicht ich, Chloe, die all diese Dinge sagt und tut und ich werde das im "echten Leben" auch ganz sicher nicht tun. Wenn ich das Kostüm trage und jemand "Action" ruft, dann mach ich das was im Skript steht. Und sobald es "Cut" heißt, bin ich wieder ich selbst. So einfach ist das.

Man darf wohl davon ausgehen, dass "Hit-Girl" demnächst als Poster und Idol bei vielen Fans an der Wand hängen wird. Aber auch da betrachtest Du es dann so, dass das eben nicht Du bist, sondern nur diese Kunstfigur?

Genauso ist es. Und dafür, dass ich auf dem Boden bleibe sorgt schon ganz alleine meine Mutter. Wenn ich etwa zu Hause zu viel am Computer hänge oder zu spät zum Essen komme, wenn ich dann nicht sage "Yes, Ma'm", dann gibt's Ärger - und feste Regeln.

Wie war es für Dich mit Nicolas Cage zu arbeiten?

Das war, was den schauspielerischen Teil betrifft, ganz klar das Beste bei diesem Film. Nic ist unglaublich als Schauspieler, aber einfach auch ein wahnsinnig netter und aufmerksamer Mensch. Man lernt schon viel, wenn man ihm einfach nur zuschaut. Er macht unheimlich viel allein mit den Augen, wo andere das ganze Gesicht für verrenken. Und die Actionszenen haben besonderen Spaß gemacht, weil ich doch ziemlich athletisch bin und da ganz gut mit ihm mithalten konnte.

Theoretisch dürftest Du ja Deinen eigenen Film gar nicht sehen, weil Du noch zu jung für die Altersfreigabe von "Kick-Ass" bist. Aber ganz ehrlich: Du hast ihn doch gesehen, oder?

Ja, ich hab ihn bei der Premiere gesehen, zusammen mit allen anderen. Aber es ist schon so, dass ich ihn nicht etwa mit meinen Freunden zusammen im Kino anschauen kann.

Obwohl Du erst dreizehn bist, könnte man Dich bei einem Blick auf Deine Filmographie ja schon fast eine "Veteranin" nennen. Neben Kinofilmen wie "Amityville Horror" und "(500) Days of Summer" stehen da auch TV-Auftritte in Serien wie "Dirty Sexy Money" oder den "Desperate Housewives". Steht für Dich also der weitere Weg als Schauspielerin definitiv fest und was kommt als Nächstes?

Ich bin ja durch meine Brüder dazu gekommen, die zum Teil auch schauspielern und mich schon früh "angelernt" haben. Und dann war für mich in der Tat sehr schnell klar, dass es das ist was ich gerne machen möchte. Es ist für mich auch kein "Job", sondern eben das was ich liebe. Bisher lief es ja auch toll und im Moment habe ich jedenfalls ein sehr gutes Jahr. Neben "Kick-Ass" spiele ich noch in einer weiteren Comic-Verfilmung, die bei Euch hier in Deutschland noch nicht angelaufen ist, nämlich "Diary of a Wimpy Kid". Und aktuell haben wir gerade "Let me In" abgedreht, eine amerikanische Version des schwedischen Films "So finster die Nacht".

Und darin spielst Du wen?

Darin spiele ich die Hauptrolle, eine junge Vampirin. In einem Film, der nicht ganz so hübsch und harmlos ist wie etwa die "Twilight"-Reihe.

Wir erwarten nichts Anderes von Dir und sind sehr gespannt.

Interview: V. Robrahn