Project Power

Originaltitel
Project Power
Land
Jahr
2020
Laufzeit
113 min
Genre
Release Date
Streaming
Bewertung
6
6/10
von Matthias Kastl / 21. August 2020

Angesichts der Tatsache, dass wir in 2020 eventuell zum ersten Mal seit zwölf Jahren keinen neuen Marvel-Blockbuster serviert bekommen (der bereits auf November verschobene Starttermin von "Black Widow" steht aktuell auf sehr tönernen Füßen), schauen Fans des Superhelden-Genres in diesen Wochen hoffnungsvoll auf Netflix. Der Streaming-Gigant hat nämlich ordentlich Geld in die Hand genommen, um endlich auch einen Fuß in das lukrativste Genre der letzten Jahre zu setzen. Erst schickte man Charlize Theron mit "The Old Guard" auf Bösewichtjagd, nun dürfen Jamie Foxx ("Ray", "Django Unchained") und Joseph Gordon-Levitt ("Looper", "Snowden") in "Project Power" übernatürliche Kräfte für das Gute einsetzen. Die flotte Inszenierung und ein hochmotivierter Jamie Foxx machen "Project Power" auch zu einer durchaus kurzweiligen Angelegenheit, aber gerade in Sachen Story und Figuren kommt der Film leider viel zu inkonsequent und oberflächlich daher, um das Publikum am Ende wirklich richtig mitzureißen.
 

Dabei hat "Project Power" eigentlich eine sehr clevere Grundidee zu bieten. Was würde passieren, wenn dank einer Pille jeder Mensch für ein paar Minuten Superkräfte entwickeln könnte? Die Antwort darauf gibt es in New Orleans, wo Unbekannte genau solche Pillen unter der Bevölkerung verteilen. Was dazu führt, dass sich der Cop Frank Shaver (Joseph Gordon-Levitt) auf einmal mit einer ganz neuen Form von Verbrechern herumschlagen darf. Damit das aber kein ungleicher Kampf wird, besorgt sich Frank über die junge Dealerin Robin (Dominique Fishback) ebenfalls besagte Pillen für den Eigenbedarf. Robin, die im Handel mit den Pillen die einzige Chance sieht, um ihre kranke Mutter finanziell zu unterstützen, gerät dann aber in das Visier des Ex-Soldaten Art (Jamie Foxx). Der wiederum hat so seine ganz persönlichen Gründe, warum er auf nicht gerade zimperliche Art und Weise auf die Jagd nach den mysteriösen Hintermännern des "Drogenringes" geht.

Eines muss man den Machern von "Project Power" lassen, sie starten mit einer äußerst vielversprechenden und kreativen Idee. Superheldenkräfte auf Rezept, das hat man in dieser Form nun bisher auch noch nicht gesehen. Zusätzlich bekommt dieser Ansatz auch noch einen weiteren Twist. Unsere Konsumenten wissen nämlich gar nicht, welche Superheldenkraft denn nun in ihnen geweckt wird. Erst nach der Einnahme wird einem klar, ob man die nächsten fünf Minuten nun zum menschlichen Feuerball wird, auf einmal unsichtbar ist oder gar zum überdimensionalen Hulk mutiert. Oder ob man, mit etwas Pech, einfach an Ort und Stelle implodiert. So ist das eben mit Risiken und Nebenwirkungen.
 

Ein ganz schön abgefahrenes Szenario, das eine traumhafte Spielwiese für jeden Filmemacher sein sollte. Vom irrwitzigen Action-Spektakel bis hin zur Behandlung großer moralischer und existentieller Fragen ist hier alles möglich. Und da liegt dann auch mit die größte Enttäuschung an diesem Film. Denn schlussendlich kümmert sich "Project Power" überhaupt nicht um die Auswirkungen, welche die Pille auf deren Konsumenten hat. Stattdessen konzentriert sich die Story alleine auf die Jagd nach den Hintermännern, wobei deren Beweggründe für das Erstellen und Verteilen der Droge dem Film nie wirklich mehr als einen Nebensatz wert sind. Im Wesentlichen dient die Pille somit nur als Auslöser für Actioneinlagen, wobei auch hier kaum kreative Überraschungen auf das Publikum warten. Wir bekommen hier nämlich nur Superkräfte serviert, die wir so schon oft in vielen anderen Superhelden-Verfilmungen gesehen haben.

Der Fokus auf die Jagd nach den Hintermännern hat aber noch einen weiteren Haken. Die Bösewichte sind im Vergleich zu unseren Helden nämlich viel zu blass geraten. Sie wirken weder besonders furchteinflößend noch besonders clever und man sollte lieber gar nicht erst versuchen, deren Masterplan irgendwie logisch zu hinterfragen. Hier vertraut der Film schon sehr darauf, dass die Action auf für genug Ablenkung beim Zuschauer sorgt, damit dieser nicht zu arg ins Grübeln kommt. Und zugegeben, komplett falsch liegt er damit nicht.
 

Eine der wohl größten Stärken des Films ist nämlich seine Inszenierung, die viele der strukturellen und inhaltlichen Schwächen zumindest teilweise übertünchen kann. Das Regieduo Henry Joost und Ariel Schulman ("Nerve") braust geradezu durch die Story und legt durchaus die eine oder andere gelungene Action-Sequenz hin. Hier sticht vor allem eine Sequenz heraus, in der ein Kampf aus Sicht einer unbeteiligten Person in einem Glaskäfig gezeigt wird. Es sind intensive Adrenalin-Momente wie diese, die "Project Power" am Leben halten. Und die Leistung von Jamie Foxx, dessen Rolle eindeutig als emotionaler Anker des Films fungiert. Der von ihm leidenschaftlich gespielte Art ist aber auch die einzige Figur, die so richtig funktioniert.

Art kann als einziger der Protagonisten nämlich eine emotional schlüssige Backstory vorweisen. Nur leider gibt sich der Film mit dessen persönlicher Mission nicht zufrieden. Stattdessen verkompliziert "Project Power" die Angelegenheit unnötig, indem er noch die junge Robin und den "Blaupausen-Cop" Frank mit in die Handlung packt. An sich ist die Figur der Rap-liebenden Robin gar nicht mal so uninteressant und wird von Dominique Fishback auch durchaus charismatisch verkörpert. Die Figur sorgt für ein paar nette Charaktermomente, wie deren Tagtraum in Reaktion auf die Standpauke eines ihrer Lehrer. Wie Robin aber auf Teufel komm raus in das große Finale integriert wird, ist dann schon mehr als konstruiert. Noch schwieriger ist aber die uninspirierte Standard-Cop-Rolle von Frank, bei dem man nicht so wirklich nachvollziehen kann, warum er nachher überhaupt sein Leben aufs Spiel setzt. Da hilft es auch nicht gerade, dass Joseph Gordon-Levitt mit seiner Darstellung auf relativ emotionslosem Autopilot agiert.
 

Der Film krankt vor allem daran, dass er das Zusammenspiel zwischen diesen drei Figuren nie so richtig glaubwürdig transportiert bekommt. Irgendwo ist hier eine Art Buddy-Cop Movie versteckt, doch Frank und Art haben viel zu wenig Szenen zusammen, um eine überzeugende Chemie zu entwickeln. Gleichzeitig steckt im Film auch noch eine Art Coming-of-Age-Geschichte von Robin, die aber auch nicht wirklich konsequent durchgezogen wird. Hier gelingt es "Project Power" nicht, eine wirklich emotional befriedigende Beziehung zwischen Robin und Frank oder Robin und Art herzustellen. Was am Ende dazu führt, dass man im großen Showdown das Gefühl nicht los wird, das eigentlich nur Art dort so richtig hingehört.

So fehlt "Project Power" am Ende der nötige Fokus, um das Publikum auch wirklich emotional mitfiebern zu lassen. Das mag dank dem hohen Tempo immer noch für einen kurzweiligen Filmabend reichen, aber die Abwesenheit von Iron Man und seiner Gang kann "Project Power" in keinster Weise vergessen machen.

Bilder: Copyright

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