Eine offene Rechnung

Originaltitel
The Debt
Land
Jahr
2011
Laufzeit
113 min
Genre
Regie
Release Date
Bewertung
8
8/10
von Volker Robrahn / 21. September 2011

Eine Geschichte auf zwei Zeitebenen: Im Tel Aviv des Jahres 1997 liest die berühmte ehemalige Mossad-Agentin Rachel Singer (Helen Mirren) in Gegenwart ihres Ex-Mannes Stephan (Tom Wilkinson) einem ausgewählten Kreis aus dem Buch vor, dass ihre Tochter über die damalige Tätigkeit der Mutter geschrieben hat. Diese war im Eine offene RechnungJahr 1965 (dort dargestellt von Jessica Chastain) mit einem heiklen Spezialauftrag in die DDR eingeschleust worden. Gemeinsam mit den ihr bis dahin unbekannten Helfern Stephan (Marton Csokas) und David (Sam Worthington) soll sie den berüchtigten „Chirurg von Birkenau“ Dieter Vogel (Jesper Christensen) ausfindig machen und nach Israel entführen, wo ihm dann der Prozess für seine Naziverbrechen gemacht werden soll. Die Mission verläuft zunächst wie geplant, doch beim Versuch den gefangenen Vogel nach Westdeutschland zu transportieren kommt es zu Problemen, so dass die drei Agenten fortan mit ihrer Beute in Ostberlin festsitzen. Was danach geschah ist eine israelische Legende. Aber ist es auch die Wahrheit?

Knapp fünfzehn Jahre nach seinem Oscar-Triumph mit „Shakespeare in Love“, dem dann nur sehr wenige und eher unauffällige Filme wie „Corellis Mandoline“ oder „Proof“ folgten, kehrt der britische Regisseur John Madden nun mit einem genauso unerwarteten wie brisanten Thema ins Kino zurück: Die geheimnisumwitterten und bis heute nur wenig hinterfragten Operationen des israelischen Eine offene RechnungMossad-Geheimdienstes in den Jahren nach Ende des zweiten Weltkrieges. Während aber Steven Spielberg in seinem Beitrag zum Thema „München“ vor einigen Jahren auch ausführlich die politischen und diplomatischen Ränkespiele im Hintergrund beleuchtete, widmet sich Madden in „Eine offene Rechnung“ fast ausschließlich dem fragilen Innenleben seiner Protagonisten und erzählt dabei die deutlich spannendere Geschichte.
Es braucht dabei allerdings ein wenig und erfordert die ungeteilte Aufmerksamkeit des Zuschauers, bis sich die eigentliche Mission und ihre Bedeutung für die Geschehnisse rund 30 Jahre später entfalten. Und die läuft auf die große moralische Frage hinaus, ob eine Nation, die soviel historisches Leid durchleben musste, nicht auch mit einer Lüge leben kann und muss, wenn diese denn dem größeren Ganzen dient.

Diese Frage werden die drei jungen Agenten so lange mit sich herum tragen, bis sie schließlich in einem brutalen Showdown zwischen alten Menschen aufgelöst werden muss, was nur eine der ungewöhnlichen und bedrückenden Szenen des Films darstellt. Eine offene RechnungDoch schon bevor es zu dieser Entwicklung kommt erleben wir drei faszinierende Persönlichkeiten, denen man von Alter und Auftreten kaum zutrauen würde mit welcher Zielstrebigkeit und Entschlossenheit sie ihren Auftrag angehen, einzig getragen von der tiefen Überzeugung, das Richtige zu tun. Wenn etwa die junge Rachel sich zum Schein als Patientin in die Hände des mittlerweile als Frauenarzt agierenden Dieter Vogel begeben und eine Reihe Untersuchungen über sich ergehen lassen muss, ergeben sich einige extrem unangenehme und verstörende Szenen, zwei Adjektive die auch für den Großteil des restlichen Filmes herangezogen werden können. Beklemmend und trotz der Größe der Räume fast klaustrophobisch auch die Sequenzen in der von den Agenten angemieteten Wohnung, in welcher der gefesselte Vogel Psycho-Spielchen mit seinen Entführern treibt.
Der Däne Jesper Christensen verkörpert dabei das Monster mit freundlichem Antlitz, das seine Taten weder bestreitet noch bereut, auf beeindruckende und erschreckende Weise. Er teilt sich die Anerkennung für eine herausragende Schauspielerleistung mit den beiden Darstellerinnen der starken Frauenfigur Rachel Singer, hinter der die beiden männlichen Partner eindeutig zurückstehen - Eine offene Rechnungobwohl auch ein Sam Worthington hier mehr zeigt als in seinen sonstigen Blockbuster-Produktionen. Da wäre also einerseits Helen Mirren, die ihre gar nicht mal so große Leinwandzeit zwar auf eine gewisse Weise routiniert absolviert, aber hier trotzdem auch Dinge tut, die sie so noch nie gemacht hat. Und da ist das emotionale Zentrum der Geschichte in Form von Jessica Chastains junger Rachel, die am meisten durchzustehen und schließlich auch zu entscheiden hat. Für Chastain dürfte dieses Jahr damit definitiv das des großen Durchbruchs sein, sorgte sie doch bereits an der Seite von Brad Pitt in Terrence Malicks „The Tree of Life“ für Aufsehen und wird bei uns demnächst auch in dem bereits als Oscarfavorit gehandelten Drama „The Help“ zu sehen sein.

„Eine offene Rechnung" ist zweifellos spannend, aber kein klassischer Action-Film, denn die entsprechenden Szenen sind rar gesät und kommen zudem als möglichst realistisch angehauchte, sehr körperliche Kämpfe zwischen den Charakteren daher. Es ist ein bedrückendes und sehr düsteres Werk, das trotz eines dramaturgisch nicht restlos überzeugenden Finales einen recht unangenehmen und darum umso wirksameren Schlag in die Magengrube darstellt. Soll heißen: Es handelt sich um einen ziemlich starken Film.

Bilder: Copyright

8
8/10

Sehr sehenswerter und gut gemachter Thriller, bei dem allein der "Endkampf" enttäuscht (da unnötig), der sonst aber durch gute Schauspieler und eine spannende und ungewöhnliche Geschichte überzeugt.

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