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Eine kurze Einführung in die Geschichte des deutschen Kinos

Gibt es deutsches Kino außerhalb von "Otto - Der Film" und den Abenteuern von Winnetou? Warum kennt man im Ausland neben den Filmen aus Hollywood auch die Meisterwerke aus Frankreich oder Italien, nicht jedoch aus Deutschland? Warum müsste man der als "Neue deutsche Welle" bezeichneten Renaissance des deutschen Films in den letzten Jahren eigentlich von der "zweiten neuen deutschen Welle" sprechen? Wieso sorgten ausgerechnet die Nazis für deutsche Kreativhochflüge, wenn auch nicht zuhause? Und warum sind manche Hollywood-Genres ohne deutsche Vorarbeit kaum vorstellbar?

Eine kurze Einführung in die Geschichte des deutschen Kinos

Prolog: Anfänge des deutschen Kinos

Emil Jannings

Es ist angesichts seines aktuellen, eher zweifelhaften internationalen Rufs verwunderlich, vielleicht gar unvorstellbar, dass der deutsche Film in den Anfangstagen des Kinos eine entscheidende, prägende Rolle spielte, sowohl stilistisch als auch inhaltlich. Andererseits kann sich heute ja auch kein Mensch vorstellen, dass ausgerechnet Dänemark in den Anfangstagen des Kinos cineastische Großmacht war, um dann nach Ende des zweiten Weltkriegs in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden. Und in Stummfilmzeiten war es zwangsläufig auch einfacher, über Grenzen hinweg Filme und Stars zu exportieren. Echte Weltstars hat das deutsche Kino danach nie wieder gehabt, aber ohne zu überwindende Sprachgrenzen war so etwas in den 1920er Jahren noch möglich. So mag der Name Emil Jannings heute nur einem kleinen Zirkel aus Filmfreunden bekannt sein, damals war er ein Weltstar, der in Hollywood drehte und für seine Rollen in den 1928 entstandenen Filmen "The Last Command" ("Sein letzter Befehl") und "The Way of all Flesh" ("Der Weg allen Fleisches") den allerersten Oscar als bester Hauptdarsteller entgegen nehmen durfte.

Der kommerzielle und künstlerische Erfolg des deutschen Kinos der 1920er Jahre war auch den weltpolitischen Umständen geschuldet: Nach dem Eintritt der USA in den Ersten Weltkrieg stoppten die Amerikaner die Einfuhr ihrer Filme, und es konnte sich eine eigene deutsche Filmindustrie etablieren. Die Produktionsfirma Ufa, eigentlich gegründet um Propagandafilme herzustellen, beherrschte in den Folgejahren die Industrie.
Dank der beginnenden Rezession und der schwachen deutschen Mark war es teuer, Filme zu importieren, aber günstig, eigene Filme zu produzieren und zu exportieren. Ein der deutschen Filmindustrie zugute kommendes Paradox: Land und Leuten ging es schlecht, aber die Filmproduktion war so aktiv wie nie zuvor und auch nicht mehr danach. Bis zu 600 Filme wurden jährlich gedreht. Ein besonders aktiver und erfolgreicher Regisseur dieser Epoche war der später in Hollywood zu Weltruhm gelangende Ernst Lubitsch, der historische Ausstattungsfilme wie "Madame Dubarry" oder "Anna Boleyin" drehte. Sein enormer Erfolg in diesen Jahren ließ ihn bereits 1922 nach Hollywood auswandern.

Teil 1: Der deutsche Expressionismus

Nicht nur quantitativ, sondern vor allem qualitativ gehörten die späten 1910er und die 1920er Jahre zu einer frühen Hochzeit des deutschen Films. Gerade stilistisch hatte der deutsche Film einen enormen Einfluss. Man spricht von dem Stil dieser Epoche auch als deutscher Expressionismus.
Weder der Stil des Expressionismus noch die relative Konzentration auf den fantastischen Film, oft mit Angst- oder Terrorelementen, sind zufällig. Der deutsche Expressionismus ist, wie jede Epoche, geprägt von den Verhältnissen der Zeit. Er entstand zu einer Zeit, in der das Leben in

Szene aus "Das Kabinett des Dr. Caligari"

Deutschland durch Ängste und Unsicherheit geprägt war. Die unstabile wirtschaftliche, politische und soziale Lage spiegelt sich in den Themen und Motiven des fantastischen Films wieder, gleichzeitig ermöglicht das Verlegen der Geschichten ins Fantastische eine Art Eskapismus.
Wie die anderen künstlerischen Gattungen versuchte der Expressionismus auch im Film elementare Gefühle (Angst, Liebe, Hass) konkret auszudrücken und filmisch abzubilden. Dies resultiert in einer nicht-realistischen Abbildung der Welt mit verzerrten, verschobenen Perspektiven, die oftmals das Bizarre, Nicht-Realistische hervorheben. Dadurch ist der expressionistische deutsche Film in höchstem Maße künstlich, und entsteht zumeist komplett in Studiokulissen. Stilmittel des Expressionismus sind die extreme, ungleichmäßige Beleuchtung, stilisierte Kulissen und ungewöhnliche Kameraperspektiven.
Diese Elemente werden später wichtige stilistische Bestandteile des klassischen amerikanischen Horrorfilms der 1930er Jahre und des Film Noir der 1940er und 1950er Jahre. Letzterer übernimmt auch inhaltliche Elemente, wie den pessimistischen Grundton.

 

Ein erster Vorläufer, der expressionistische Darstellungen aufgriff, war bereits 1913 "Der Student von Prag". Der erste Film des Expressionismus war auch gleichzeitig eines seiner Meisterwerke, der 1919 entstandene und von Robert Wiene inszenierte "Das Kabinett des Dr. Caligari". Es folgten Fritz Langs "Der müde Tod" (1921), Paul Lenis "Das Wachsfigurenkabinett" (1922) und Friedrich Wilhelm Murnaus "Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens" (1922).

Der neben Lang wichtigste Regisseur der Zeit war eben jener F.W. Murnau, dessen abgewandelte "Dracula"-Adaption "Nosferatu" (er konnte von den Erben Bram Stokers nicht die Original-Rechte bekommen und nannte darum einfach alle Figuren um, behielt aber die Handlung bei - weshalb der

F.W. Murnau bei der Arbeit

Film beinahe verboten und vernichtet worden wäre) der erste bedeutende Vampirfilm ist. Heutzutage wirkt der Film oft unfreiwillig komisch, aber die bizarre Erscheinung von Hauptdarsteller Max Schreck als Graf Orlock ist, wenn schon nicht gruselig, dann doch zumindest interessant anzusehen.
Mit "Der Letzte Mann" (1924), drehte Murnau ein Exemplar des sogenannten Kammerfilmdramas und thematisierte die Ängste vor Arbeitslosigkeit und sozialem Abstieg. Hauptdarsteller war Emil Jannings. Nach einer erfolgreichen "Faust"-Verfilmung (1926) (mit Jannings als Mephisto) ging Murnau als Starregisseur nach Hollywood, seine Karriere kam aber sofort ins Schlingern als sein erster US-Film, das teure Epos "Sunrise" ("Sonnenaufgang") 1927 kein Erfolg wurde. Immerhin gewann "Sunrise" 1929 bei den ersten Oscars zusammen mit zwei anderen Filmen (im ersten Jahr wurden noch drei Filme ausgezeichnet) als bester Film des Jahres und gilt heute als vielleicht größter Meilenstein des Stummfilms. Murnau hatte aber seine kreative Freiheit durch diesen Misserfolg eingebüßt und verstarb ohne einen weiteren wichtigen Film gedreht zu haben 1931 bei einem Autounfall.

Wichtigster und international bekanntester Regisseur der Ära des deutschen Expressionismus und darüber hinaus bleibt aber Friz Lang, der den bekanntesten, modernsten und einflussreichsten Film seiner Zeit drehte: "Metropolis" (1926).

Fritz Lang

Der Einfluss von "Metropolis" gerade auf das Science Fiction-Genre ist unermesslich, da der Film dutzende inhaltlicher Elemente des Science-Fiction Films vorwegnahm (die vollindustrialisierte Stadt, Cyborgs, der verrückte Wissenschaftler, vertikale Wohn- als Klassenaufteilung, Computer, Fernsprechanlagen usw.). Der Film spiegelt wiederum Ängste der Zeit, insbesondere der Arbeiterklasse wieder. Die Darstellung der Arbeiter im Film und ihre Abhängigkeit von Maschinen kritisiert die Dehumanisierung und Ent-Individualisierung des Menschen. Beides wird in der Figur des bösen "Maria"-Roboters verbildlicht. Anhand dieser Figur wird auch die dekadente Seite der "goldenen Zwanziger" kritisiert. Während die Arbeiter draußen verzweifelt ihre Revolte starten, tanzt und amüsiert sich die Cyborg-Maria in einem schicken Nachtclub und fordert die anderen Gäste auf, "zuzusehen, wie die Welt zugrunde geht". Wie in vielen seiner Filme kritisiert Lang die Amoralität der Bourgeoisie in der Weimarer Republik.
Dennoch endet der Film hoffnungsvoll mit der Annäherung der herrschenden und der Arbeiterklasse. Dies erreicht Lang durch den Kunstgriff der verbotenen Liebesgeschichte die, anders als beim Vorbild "Romeo & Julia" in der Versöhnung mündet, getreu des Mottos des Films: "Das Herz muss Mittler sein zwischen Hirn und Händen".

Einen wichtigen Beitrag, sowohl zum deutschen Expressionismus als auch für den Kriminalfilm, lieferte Lang zuvor mit seinen 1922 zusammen gedrehten und zusammengehörigen Filmen "Mabuse, der Spieler" und "Inferno, ein Spiel von den Menschen unserer Zeit",

Peter Lorre im Meisterwerk
"M - Eine Stadt sucht einen Mörder"

die zusammen eine Laufzeit von fast fünf Stunden aufweisen. Mit dem Verbrechergenie Mabuse erschuf er einen beeindruckenden Leinwandbösewicht. 1933 drehte er eine Fortsetzung, "Das Testament des Dr. Mabuse", die von den Nazis verboten wurde. 1931 hatte er bereits mit seinem ersten Tonfilm "M - Eine Stadt sucht einen Mörder" eines der letzten Meisterwerke der ersten wichtigen Epoche Kinodeutschlands gedreht. Peter Lorre als Kindermörder beeindruckte nachhaltig und Langs Blick auf die ausgemergelten, harten Gesichter der Berliner zeigte erbarmungslos die Verfassung der deutschen Bevölkerung, die sich bald darauf bereitwillig in die Hände der nationalsozialistischen Diktatur begab.

Langs Geschichte ist eine der interessantesten, aber auch dramatischsten, und besonders geprägt von der Machtergreifung der Nazis. Obwohl Lang aus einer jüdischen Familie stammte, boten die Nationalsozialisten ihm ob seines Talents eine führende Position in der deutschen Filmindustrie als Verantwortlicher für den deutschen Film an, was Lang entschieden ablehnte. Bereits in den "Dr. Mabuse"-Filmen hatte er die Manipulation der Massen und die Auslöschung des Individuums, zwei Prinzipien des Nazi-Staates, angeprangert. Der nächste Schock folgte umgehend. Seine Frau Thea von Harbou, Schriftstellerin und Theaterregisseurin, die für ihren Mann "Metropolis" geschrieben hatte, verließ ihren Mann und schloss sich der nationalsozialistischen Partei an.
Lang ging erst nach Frankreich ins Exil, um dann in die USA zu emigrieren, wo er eine erfolgreiche Karriere hatte. Sein expressionistischer, ausdrucksstarker formeller Stil und seine pessimistische Weltsicht fanden ihren Weg in den Film Noir, für dessen Klassiker "Scarlet Street" ("Straße der Versuchung", 1945) und "The Big Heat" ("Heißes Eisen", 1953) Lang verantwortlich zeichnet.

Intermezzo: Man singt und tanzt - Die Anfänge des Tonfilms

Die frühen 30er Jahre wurden, wie allerorts, durch die Einführung des Tonfilms bestimmt. Während Hollywood das Musical erfand, wurde die musikalische Komödie in Deutschland ein Riesenerfolg. Auch hier lag der Erfolg im Eskapismus aus der sozialen Realität, zur Zeit der schlimmsten Wirtschaftsdepression lenkten sich die Menschen mit Filmen wie "Die Drei von der Tanzstelle" (1931), "Der Kongress tanzt" (1931) und "Ein blonder Traum" (1932) ab.
In "Der blaue Engel" (1930), ebenfalls lose in diese Kategorie fallend, überzeugte abermals Emil Jannings als Prof. Unrath, der Film machte aber eine ganz andere deutsche Persönlichkeit schlagartig berühmt, nämlich Marlene Dietrich als die "fesche Lola", die laut ihrem Lied "von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt" ist. Sie wurde von ihrem (deutschstämmigen) amerikanischen Regisseur Josef von Sternberg aber prompt nach Hollywood mitgenommen, wo sie sechs gemeinsame Filme drehten. Die Nazis wollten Dietrich gerne zurück ins Reich locken, doch Dietrich verbat sich sämtliche Angebote und kehrte erst nach Kriegsende nach Europa und Deutschland zurück.

Marlene Dietrich in "Der blaue Engel"

"Der blaue Engel" wurde übrigens wie auch "Der Kongress tanzt" und diverse andere Filme aus den Anfangsjahren des Tonfilms simultan in deutscher und englischer Sprache gedreht, eine auch in Hollywood nicht unübliche Praxis. Wer Filme exportieren wollte, musste zum Teil verschiedene Schauspieler in diversen Sprachen in zwei oder drei Filmversionen ins Rennen schicken, bis sich dann Synchronisierung (in Europa) bzw. Untertitel (in den USA) durchsetzten.
Auch wenn man bei letzterem nicht wirklich von Durchbruch sprechen will, wesentlich lieber dreht Hollywood ja auch heute noch eine eigene Variante von erfolgreichen ausländischen Filmen, als wäre es noch 1930. Wer damals übrigens nicht ausreichend gut englisch sprach, wurde logischerweise ersetzt. So durfte Willy Fritsch mit der multilingualen Engländerin Lillian Harvey denn auch nur im deutschsprachigen "Kongress" (nach "Die Drei von der Tankstelle") erneut das Traumpaar geben - in der englischen und französischen Variante wird seine Rolle von Henry Garat gespielt. Auch solch fröhliche Musikfilme waren übrigens nicht vor den Nazis sicher: "Die Drei von der Tankstelle" wurde verboten - merkwürdigerweise aber erst 1937.

Teil 2: Nazizeit: Filmtriumphe im Exil statt "Triumph des Willens"

Die Machtergreifung der Nationalsozialisten Ende des Jahres 1932 und dann endgültig im Januar 1933 bildet natürlich eine der größten Zäsuren in der deutschen Filmgeschichte und bedeutete gravierende Veränderungen für das deutsche Kino. Dutzende Regisseure, Schauspieler und Produzenten gingen freiwillig oder gezwungenermaßen ins Exil. Filmschaffenden jüdischer Herkunft drohte ebenso Berufsverbot wie jenen, die sich nicht regimetreu zeigen wollten. Es blieb das Exil in Hollywood. Zu den ausgewanderten Filmschaffenden gehörten neben Fritz Lang die Regisseure Michael Curtiz (alias Michael Kertesz), Billy Wilder, Douglas Sirk (alias Detlev Sierk), G.W. Pabst, Paul Czinner, Joe May und Eric Charell (dessen Karriere allerdings mit seiner Flucht praktisch beendet war) und Schauspieler wie Conrad Veidt, Peter Lorre und Elisabeth Bergner.

Pure Propagandafilme wie "Hitlerjunge Quex" (1933) waren anfangs die Ausnahme, die Nazi-Propaganda wurde in historischen Kostüm- oder Kriegsfilmen versteckt oder in Dokumentarfilmen betrieben. Leni Riefenstahls berühmt-berüchtigte Darstellung des NS-Reichsparteitags 1934 in "Triumph des Willens" (1935) und ihre Darstellung der Olympischen Spiele 1936 in Berlin im zweiteiligen "Olympia" ("Fest der Völker" und "Fest der Schönheit") (1938) sind Beispiele für Dokumentation als Propaganda, die durch ihre formale Brillanz nicht von dem transportierten Gedankengut ablenken kann.
Neben Propaganda-Diensten soll der deutsche Film in der Nazi-Zeit, besonders dann aber während des Zweiten Weltkriegs, die Menschen ablenken. Eskapismus durch Musicals, Komödien- und Naturfilme, die solch unterschiedliche Darsteller wie Heinz Rühmann oder Luis Trenker etablieren. Einzige wirklich bleibende deutsche Klassiker der Zeit sind der von Joseph Goebbels verbotene "Große Freiheit Nr. 7" (1944, wegen unmoralischer Darstellung der deutschen Frauen und wenig heldenhafter Porträts der deutschen Seemänner), "Baron Münchhausen" (1943) (beide mit dem "Hamburger Jung" Hans Albers) und der deutsche Adventsklassiker "Die Feuerzangenbowle" (1944) mit Heinz Rühmann.

Die wahren großen Leistungen des "deutschen" Kinos spielen sich im Exil ab. Die nach Hollywood ausgewanderten Regisseure prägten das Hollywoodkino nachhaltig, obwohl sie im strengen Studiosystem arbeiteten. Ernst Lubitsch wird zum wichtigsten Regisseur der Screwball-Komödie, einer auf Tempo, Wortwitz, Slapstick, extravaganten Protagonisten und unrealistischen Situationen basierende Komödienart. Gleichzeitig schafft er einen der wenigen offenen Anti-Hitler-Filme, "Sein oder Nicht-Sein" (1942), eine Satire, die die Nazis und ihre Ideologie der Lächerlichkeit preisgibt.
Michael Curtiz ist zwar grundsätzlich ein unspektakulärer Auftragsregisseur, erschafft aber einen Filmklassiker und Kultfilm, den auch heute noch jeder kennt: "Casablanca". Douglas Sirk dreht später in den 1950er Jahren damals verspottete, heute gefeierte Meisterwerke im Subgenre des Melodrams. Lange als trivial und sentimental kritisiert, zeigen Filme wie "All That Heaven Allows" ("Was der Himmel Erlaubt", 1955) und "Written in the Wind" ("In den Wind geschrieben", 1957) große formelle Kraft und beeinflussen eine neue Generation von Regisseuren, innerhalb (Rainer Werner Fassbinder) und außerhalb Deutschlands (Godard, Almodovár).

Der erfolgreichste deutsche Filmschaffende in Hollywood ist aber Billy Wilder, der 21-mal für einen Oscar nominiert wurde und die Trophäe immerhin sechsmal in verschiedenen Funktionen (Produzent, Drehbuchautor und Regisseur) gewann. Obwohl ihn privat viele Stars und Mitarbeiter nicht ausstehen konnten, war Wilder ein brillanter Filmmacher und Multitalent, der Klassiker in fast allen Genres schuf. Zu seinen bekanntesten Filmen gehören "Sunset Boulevard" ("Boulevard der Dämmerung", 1950), "Witness to the Prosecution" ("Zeugin der Anklage", 1957) und "Some Like It Hot" ("Manche mögen's heiß", 1959).

Intermezzo: Alpenglühen und Blutsbrüder - Die Nachkriegszeit

Das Kino im Nachkriegsdeutschland setzte sich nur ganz kurz mit der gerade vergangenen Epoche auseinander. Genauer gesagt: das westdeutsche Nachkriegskino. Dessen erster Kinofilm ist 1946 Wolfgang Staudtes "Die Mörder sind unter uns". Ein Jahr später dreht Helmut Käutner "In jenen Tagen", der sich in episodischer Form mit der Nazizeit auseinandersetzt. Eigentlich nur logisch, Käutners pessimistischer Grundton hatte Reichspropagandaminister Goebbels schon vorher mehrmals nachhaltig verärgert. Käutner dreht 1955 noch "Des Teufels General", Beispiel einer ganzen Reihe von Antikriegsfilmen (die "08/15"-Trilogie, Bernhard Wickis "Die Brücke") in den 1950er Jahren. Die politische Aufarbeitung dauert grundsätzlich aber nur kurz an, Ablenkung vom harten Nachkriegsalltag der "Trümmerjahre" steht an.

Einzig in Ostdeutschland bleibt der politische Film aktiv, das Filmstudio DEFA spezialisiert sich auf das politische Subgenre des antifaschistischen Films. Auch das SED-Regime kommt nicht ungeschoren davon: "Spur der Steine" (1966) mit dem jungen Manfred Krug als rebellischer Zimmermann Hannes Balla verdichtet Dramen des Lebens im politischen System der DDR und wird folglich verboten - Uraufführung des Films ist erst 1990.
Weniger erfolgreich ist die SED sieben Jahre später. Heiner Carows "Die Legende von Paul und Paula" wird nach nur wenigen Tagen aus dem Verkehr gezogen, nachdem die antiautoritäre Art der Titelfiguren die Zuschauer in ihren Bann zieht. Jahre später, im Videozeitalter, scheint jeder irgendjemanden zu kennen, der eine Schwarzmarktkopie des Films und einen Videorekorder hat. Trotz Verbot haben Millionen "Die Legende von Paul und Paula" gesehen - und der Film wird selbst zur Legende.

Aber zurück in die Nachkriegszeit: In Westdeutschland gibt das "Schwarzwaldmädel" 1950 den Startschuss zu einer langen kreativen Durststrecke, während der der deutsche Film von wenigen Ausnahmen abgesehen in fröhlichem Eskapismus und anspruchsloser Genreware verharrt, die das triste Nachkriegsdasein erhellen soll.
Der Heimatfilm feiert in der ersten Hälfte der 1950er seine Blütezeit, ebenso der historische Liebesfilm (die "Sissi"-Trilogie, ab 1955), der Abenteuerfilm und Western (besonders populär sind Karl May-Verfilmungen wie die "Winnetou"-Reihe). Der Kriminalfilm wird in einer schier endlosen Reihe formelhafter Edgar Wallace-Filme als populäres Genre wieder belebt. Bis auf den Heimatfilm, der simple, triviale Romanzen vor unberührter heimischer Natur-Kulisse, spielen alle diese Filme im Ausland, meist an exotischen Orten, um der Biedermann-Unterhaltung internationalen Anstrich zu geben.
Eine zwar wirtschaftlich erfolgreiche, künstlerisch aber umso ärmere deutsche Filmgattung kommt in den 1960er Jahren dazu, beginnend mit dem Aufklärungsfilm "Helga" im Jahr 1967. Nach den ersten wissenschaftlichen Sexaufklärungsfilmen eines Oswald Kolle beginnt ab Anfang der 1970er Jahre der Erfolg des deutschen Sexfilms. Ab da jodelt es fleißig in den Lederhosen und Schulmädchenreporte werden gleich im Dutzend verfasst.

Teil 3: Ringen um eine neue Ästhetik: Der neue deutsche Film

Zeitgleich findet der deutsche Film aber ab Anfang der 1970er Jahre eine neue Ästhetik und Relevanz, zumindest für ein Jahrzehnt. Im Neuen Deutschen Film entstehen nach langer Zeit wieder anspruchsvolle und inhaltlich anregende Filme. Der Neue Deutsche Film geht aus einer Bewegung der 1960er Jahre hervor, die mit dem trivialen, chauvinistischen, eskapistischen Film von "Papas Kino" aufräumen will. Das Credo des Neuen Deutschen Films fasst der Regisseur Jean-Marie Straub 1966 zusammen: Man will Filme machen, "für die vielen, die man seit Jahren in einem Ghetto von Grün-ist-die-Heide-Edgar-Wallace-Winnetou versucht zu vergiften oder zu chloroformieren."
Dabei verwehrt sich diese deutsche Form des Autorenfilms - trotz der Abkehr von reinem Amüsement - ähnlich wie "Papas Kino" einer zu politischen Haltung. Nur wenige Filme, wie etwa die Kollektivarbeit "Deutschland im Herbst" (1978) über die Ereignisse im vom Terrorismus geprägten ‚deutschen Herbst' 1977 sind entschieden politisch.

Einer der wenigen offen politischen Regisseure ist Volker Schlöndorff. Er hat seinen ersten großen, auch international anerkannten Erfolg 1975 mit "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" (nach einem Roman von Heinrich Böll). Der Film kritisiert die Hetzkampagnen der größten deutschen Tageszeitung "Bild" vor dem Hintergrund der Jagd nach Terroristen oder deren Sympathisanten. Obwohl der Film klar zwischen gut und böse aufteilt, gelingt sein Blick auf persönliche Geltungssucht und den Missbrauch von Pressefreiheit, welche eine eigentlich unschuldige Person schließlich schuldig werden lassen. Gerade im Hinblick auf die Lage in den USA nach den terroristischen Anschlägen 2001 ist "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" noch heute aktuell.
Sozialdramen vor politischem Subtext bleiben Schlöndorffs Spezialität, mit wechselhaften Ergebnissen. Immerhin sorgt er für den größten internationalen Erfolg des Neuen Deutschen Films: 1980 gewinnt sein Film "Die Blechtrommel" als erster deutscher Film den Oscar als "Bester Auslandsfilm". "Die Blechtrommel" ist Kritik der Nazizeit, vor allem aber Kritik an der Gesellschaft, die diese ermöglicht und in ihr (auch noch gut) lebt. Die Geschichte des jungen Oskar, der sich aus Protest entscheidet, nicht zu wachsen und mit seiner Trommel auf Unrecht hinweist, wird einer der wenigen Welterfolge dieser Ära des deutschen Films.

Wim Wenders

Wim Wenders etabliert sich mit Dokumentarfilmen und experimentellen Langfilmen wie dem fast wortlosen, in Schwarz-Weiß gehaltenen Dreistunden-Roadmovie "Im Lauf der Zeit". Seine wichtigsten Filme sind "Der Amerikanische Freund" (1979), der in den USA gedrehte "Paris, Texas" (1984) und "Der Himmel über Berlin" (1987). Wenders' Filme umkreisen die Themen Einsamkeit, Kommunikation und Nichtkommunikation. Wichtigster Subtext ist ein kritisches Amerikabild, wobei es Wenders um den kulturellen Einfluss der USA auf Nachkriegsdeutschland geht, speziell den Einfluss, den Hollywoodfilme transportieren. Wenders spricht vom Thema als "die Kolonisierung des deutschen kulturellen Unterbewusstseins" durch die Amerikaner.
Seine Filme sind dabei zumeist deutlich selbstreflexiv, in dem sie das Thema Kino und Film immer wieder aufnehmen. So besetzt Wenders Filmrollen mit amerikanischen Regisseuren oder lässt US-Filmstars sich selbst spielen. Wenders' Filme haben ähnlich wie Schlöndorffs Werke einen deutlich didaktischen Hintergrund.

Werner Herzog wird besonders durch seine Zusammenarbeiten mit Klaus Kinski, darunter eine Neufassung des "Nosferatu"-Stoffes, bekannt. Die Kollaborationen "Aguirre, der Zorn Gottes" (1972) und "Fitzcarraldo" (1982) etablieren den Regisseur und seinen Star weltweit. Herzogs und Kinskis Zusammenarbeit ist legendär wegen der Stimmungsschwankungen des exzentrischen Stars Kinski, der gegenüber seinem Regisseur auch schon mal handgreiflich wurde. Im Gegenzug boten peruanische Ureinwohner Herzog beim Dreh von "Fitzcarraldo" (wo sie Statisten waren) an, den ungeliebten Kinski zu verspeisen, falls Herzog ihn loswerden wolle. Herzogs und Kinskis Liebe-Hass-Beziehung ist in einer interessanten Dokumentation dargestellt, passend betitelt: "Mein liebster Feind".

Rainer Werner Fassbinder

Bekanntester Regisseur des Neuen Deutschen Films ist aber wohl Rainer Werner Fassbinder, der für seinen Arbeitseifer und seine Arbeitsethik ebenso bekannt war wie für seine privaten Alkohol- und Drogenexzesse. Seine Arbeitsmoral ("So wie andere auch habe ich meine acht bis zwölf Stunden am Tag gearbeitet und keine Pausen gemacht") resultierte in 42 Filmen in 13 Jahren, und das neben Theaterprojekten und zwei TV-Serien, darunter der hochgelobte Mehrteiler "Berlin Alexanderplatz" (eigentlich ein Spielfilm mit über 900 Minuten Laufzeit) mit Günter Lamprecht .
Aus der Theaterszene Münchens stammend, brachte Fassbinder die Akteure aus seiner experimentellen "antiteater"-Gruppe auf die Leinwand, darunter seine Lieblings- und Stammschauspielerin Hanna Schygulla. Zusammen drehten sie die bekanntesten Fassbinderfilme, die zumeist das Schicksal von (von Schygulla gespielten) Frauenfiguren in den Vordergrund rücken: die Theodor Fontane-Adaption "Effi Briest" (1974), das Nachkriegs-Drama "Die Ehe der Maria Braun" (1979) und das Porträt einer Künstlerin im Dritten Reich, der mit internationalen Stars gedrehte "Lilli Marleen" (1981).

"Lilli Marleen" zeigt erneut die Tendenz des Neuen Deutschen Films, selbstreflexiv vorzugehen und immer auch das Verhältnis des Filmschaffenden zu seinem Publikum zu analysieren und darzustellen. Ein kraftvoller und auch heute noch aktueller Beitrag zu den Themen Tabus, Integration und Intoleranz ist "Angst essen Seele auf" (1974), der die unmögliche Liebesgeschichte zwischen einer älteren deutschen Putzfrau und einem jüngeren Ausländer thematisiert. Dieser Film ist Fassbinders Version von Sirks "Was der Himmel erlaubt". Drogenmissbrauch führte dann zum frühen Tod des Exzentrikers im Jahr 1983, der quasi mit dem Tod des Neuen Deutschen Kinos zusammenfiel.

So wichtig die Beiträge des Neuen Deutschen Films zu einem intellektuellen, politisch engagierten, nicht der reinen Ablenkung verschriebenen deutschen Film auch waren, die Wirkung blieb begrenzt. International gab es zwar Achtungserfolge, aber ein international anerkanntes Meisterwerk wurde keiner der Filme des Neuen Deutschen Films. Auch wirtschaftlich spielen diese Filme keine entscheidende Rolle, von Ausnahmen wie "Lilli Marleen" abgesehen bleibt ein großes Publikum fern. Renommee ja - Publikum nein. Und auch Weltstars hat der Neue Deutsche Film keine etablieren können. Der letzte internationale Star aus Deutschland (Weltstar wäre wohl zuviel gesagt) war "Sissi" Romy Schneider, deutsche Hollywood-Exporte der 1980er Jahre wie Jürgen Prochnow (durch den Erfolg von "Das Boot") oder Armin Müller-Stahl können sich nicht durchsetzen und spielen in US-Filmen lediglich Nebenrollen.

Intermezzo: Deutschland lacht (1985-1995)

Das Massenpublikum bleibt lieber bei leichter Unterhaltung und lässt den Neuen Deutschen Film in den 1980er Jahren bald aussterben. Das deutsche Kino der 1980er Jahre wird wie das der 1950er und 1960er Jahre von Ablenkung der trivialen Art beherrscht. Besonders beliebt sind Komödien mit TV-Komikern wie Dieter Hallervorden ("Didi - Der Doppelgänger", u.a.), Mike Krüger und Thomas Gottschalk ("Die Supernasen", das Sequel und diverse weitere) oder Otto Waalkes ("Otto - Der Film" und die Fortsetzungen). Bis in die Mitte der 1990er Jahre waren es Komödien, die die größten Gewinne erzielten, etwa Loriots "Ödipussi" (1988) und "Pappa Ante Portas" (1991), Doris Dörries "Männer" (1986) oder Sönke Wortmanns "Der bewegte Mann" (1994).
Obwohl diese Filme teilweise deutlich besser sind als die Klamaukstreifen der TV-Komiker aus den 80ern, sind sie nicht dafür angetan, den Ruf des deutschen Films entscheidend zu verbessern. Einzig ein Regisseur wie Detlev Buck lässt mit den lakonischen Landgeschichten "Karniggels" (1992) und "Wir können auch anders"(1993) neue Kreativimpulse erkennen, und Sönke Wortmann legt mit "Kleine Haie" (1995) eine erstaunlich gelungene Komödie vor.
Die wirkliche kreative Renaissance des deutschen Kinos sollte jedoch erst ab Mitte des Jahrzehnts langsam starten, um in den folgenden Jahren dann als "Neue Deutsche Welle" auch international gefeiert zu werden.

Teil 4: Qualität Made in Germany: Die "Neue Deutsche Welle"

Wenig verwunderlich eigentlich, dass der Begriff "Neue deutsche Welle" für die deutschen Filme der letzten Jahre eigentlich eine französische Erfindung ist, wo doch hierzulande ein jeder bei diesem Namen mit ein wenig Grausen an die kurzlebige deutschsprachige Musikära der frühen 1980er Jahre denkt, die uns solch Kunst wie "Ich will Spaß" oder "Da, Da, Da" bescherte. Französische Filmkritiker behalfen sich mit einem Rückgriff auf die eigene Kinogeschichte und der Referenz an die nouvelle vague der 1950er und 1960er Jahre, indem sie die nouvelle vague allemande ausriefen.
Welche Filme genau dazugehören und warum ist schwierig, weil sich die "neue deutsche Welle" nicht an einer bestimmten Einstellung ihrer Macher, festen Themen und Genres oder einem einheitlichen Stil festmachen lassen kann. Nein, die "neue deutsche Welle" bezeichnet schlicht das Phänomen, das seit ein paar Jahren regelmäßig viele Kinofilme von hoher Qualität in die Kinos kommen. "Neue deutsche Welle" ist also eher ein Sammelbegriff für die künstlerische Renaissance, die der deutsche Film zur Zeit erlebt.

Einer der besten aktiven Regisseure ist Hans Christian Schmid. Die in seiner wunderbaren Komödie "Nach fünf im Urwald" (1996) auftretende Debütantin Franka Potente verpasst der Renaissance des deutschen Films ein aufregendes neues Gesicht. Mit dem Verschwörungsthriller "23" (1998) gelingt Schmid ein kleiner Klassiker. Wieder erweist er sich als Entdecker junger Talente, hier stellt er einem größeren Publikum Schauspieler August Diehl vor, der sich als einer der besten der deutschen Jungstars etablierte. Weitere bemerkenswerte Filme Schmids sind das Episodendrama "Lichter" (2004) und "Requiem" (2006).

Doch zurück zu Franka Potente. Deren Gesicht wird zwei Jahre nach "Nach fünf im Urwald" weltbekannt durch den Film, der Deutschland auch international auf die Kinolandkarte zurückbrachte: "Lola rennt". Die frenetische Bildsprache, der pulsierende Soundtrack, die Mischung aus Humor und Drama, das clevere Konzept der Geschichte, die inszenatorischen Spielereien wie Animationssequenzen: Es gibt viele Gründe, für den Erfolg von "Lola rennt". Seine größte Errungenschaft war die Erinnerung an Kinofans allerorts, dass der deutsche Film noch nicht vollständig tot ist. Leider konnte Regisseur Tom Tykwer nach "Lola rennt" die hohen Erwartungen nicht erfüllen, Folgefilme wie "Der Krieger und die Kaiserin" (2000, nochmals mit der damaligen Freundin Franka Potente), "Heaven" (2003) und die Literaturverfilmung "Das Parfüm" (2006) gerieten zu esoterisch oder pompös.

Aber eine Reihe anderer junger Regisseure drängte sich mit frischen, energischen Filmen nach vorne. Zu ihnen gehört sicherlich der Deutschtürke Fatih Akin, dessen Debüt, der an Scoseses "Hexenkessel" erinnernde Gangsterfilm "Kurz und schmerzlos" schon sein enormes Talent für gelungene Milieuschilderungen und überzeugende Figurenzeichnungen zeigt. Mit Filmen wie der Liebeskomödie "Im Juli" (2000), dem Einwandererdrama "Solino" (2003) und dem mit vielen Preisen ausgezeichneten Sozialdrama "Gegen die Wand" (2005) zeigt Akin seine Wandlungsfähigkeit.
Auch Andreas Dresen gelingt oft die Mischung aus Komik und Tragik, besonders gut 2002 mit "Halbe Treppe", der bei der Berlinale mit dem Preis für das beste Drehbuch ausgezeichnet wird. 2005 folgt "Sommer vorm Balkon", in dem es Dresen wie in "Halbe Treppe" ausgezeichnet gelingt, realistische Personen zu porträtieren und ebensolche Geschichten zu erzählen.
Caroline Link etablierte sich 1996 mit dem intelligenten Drama "Jenseits der Stille", für das sie für den Oscar nominiert wird. Mit ihrem Auswandererfilm "Nirgendwo in Afrika" sorgt sie dann 2003 für eine Sensation, als er relativ überraschend den Oscar als "Bester fremdsprachiger Film" gewinnt.

Andere Regisseure beeindrucken mit ihren Debütfilmen. Oliver Hirschbiegel inszeniert "Das Experiment" (2001), einen so brutalen wie intelligenten Thriller über Gruppen- und Klassenverhalten. Es folgt "Der Untergang" und ein Ausflug nach Hollywood, allerdings nur mit einem Remake der klassischen "Angst vor Kommunisten"-Horrorparabel "Invasion of the Bodysnatchers", der im Sommer 2007 als "Invasion" in die Kinos kommt. Sebastian Schipper dreht 1999 mit "Absolute Giganten" einen wunderbaren Film übers Erwachsenwerden, der sofort Kultstatus bekommt. 2006 folgte sein zweiter Film, "Ein Freund von mir". Auch die jungen Regisseure Robert Schwentke ("Fligtplan") und Christian Alvart ("Case 39", 2008 im Kino) bekommen nach ihren stilsicheren Debüts "Tattoo" und "Antikörper" erste Hollywood-Aufträge mit Starbesetzung.
Der wohl beste, zumindest aber erfolgreichste Debütfilm eines Regisseurs der Neuen Deutschen Welle gelingt Florian Henckel von Donnersmarck 2006 mit "Das Leben der Anderen". Das intelligente Drama um das Leben in der DDR unter Beobachtung der Stasi wird in Deutschland und auch international ein Hit. Im Februar 2007 gewinnt "Das Leben der Anderen" dann als dritter deutscher Film den Oscar als "Bester fremdsprachiger Film".

Diese internationale Anerkennung spiegelt die hervorragende Qualität des deutschen Films und das enorme Interesse daran in den letzten Jahren wieder. Die auch als "Neue Deutsche Welle" bezeichneten Filme stehen für eine Qualität, wie sie das deutsche Kino in dieser Masse wohl noch nie hervorgebracht hat. Kurz gesagt: Dem deutschen Kino geht es momentan sehr gut. Sein Imageproblem mag es noch nicht ganz abgelegt haben, aber es ist dank der Vielzahl an Talenten momentan auf dem besten Weg dorthin. Made in Germany galt ja früher hauptsächlich für Technik als Qualitätssiegel, mittlerweile darf sich auch die deutsche Filmindustrie - mal abgesehen von dem nicht totzukriegenden, auch weiterhin schrecklichen Klamauk à la "Die Sieben Zwerge" oder "(T)raumschiff Surprise" - damit schmücken.

Simon Staake