Ein Freund von mir

drama, d 2006
original
 
regie
sebastian schipper
drehbuch
sebastian schipper
cast

daniel brühl,
jürgen vogel,
sabine timoteo, u.a.

spielzeit
84 min.
kinostart
26.10.2006
homepage
www.x-verleih.de
bewertung


(9/10 augen)




 

 

 

 


 

Manche Leute lassen zwischen ihren Filmen entschieden zuviel Zeit vergehen, und Sebastian Schipper ist definitiv einer von ihnen. Nach einem Karrierebeginn als Schauspieler schrieb und inszenierte Schipper 1998 den abgrundtief genialen "Absolute Giganten", einen der ganz wenigen echten deutschen Kultfilme (vor allem für Hamburger) - und ließ im Anschluss fast ein ganzes Jahrzehnt mit einem Nachfolger für sein fulminantes Debüt auf sich warten. Nun ist es endlich soweit, und alle ängstlichen Zweifler seien sogleich beruhigt: Trotz acht Jahren Pause hat Schipper nichts von seinem Talent eingebüßt, und "Ein Freund von mir" ist definitiv eine der herausragenden Kino-Sternstunden 2006.

Im Mittelpunkt steht Karl (Daniel Brühl), ein junger Mathematiker, der viel auf dem Kasten hat, aber nicht aus sich raus kommt. Zu Beginn des Films hat Karl gerade einen Versicherungs-Branchenpreis gewonnen, doch erhält von seinem Chef (der ihn gezielt provozieren will) trotzdem einen Deppen-"Undercover"-Job: Ein Autovermieter am Flughafen möchte Kunde der Versicherung werden, und Karl soll sich dort für einen Tag als Fahrer und Autowascher einschleichen, um die Arbeitsabläufe zu analysieren. So lernt Karl seinen neuen Kollegen Hans (Jürgen Vogel) kennen, sein absolutes Gegenteil: Hans ist eine dauerfröhliche Labertasche, ständig aufgekratzt und jederzeit für eine durchgeknallte Idee gut. Bevor Karl so recht versteht, was passiert, hat Hans ihn schon unter seine Fittiche genommen, stellt ihm seine zauberhafte Freundin Stelle (Sabine Timoteo) vor und bringt ihm solch einfache Lebensfreuden wie Nackt-Porschefahren näher.

Es ist keine große Geschichte, die Schipper hier erzählt, aber wie er das tut, das ist absolut großartig. Karl wird durch Hans quasi in eine Freundschaft hinein gesogen, die er zunächst als unglaubliche Befreiung seines steifen und leeren Alltags genießt, sich aber doch nicht voll darauf einlassen kann, weil die Freundschaft auf einer Lüge basiert (Karl verheimlicht Hans, dass er eigentlich für die Versicherung arbeitet). Im Zusammenspiel ist das in vielen Momenten und gerade zu Anfang ungemein komisch, da mit Karl und Hans zwei gänzlich gegensätzliche Typen aneinander geraten, und Hans es sichtlich Spaß macht, den introvertierten Karl mit seinen verrückten Aktionen und seiner pausenlosen Belaberei zu einer Reaktion zu provozieren. Hans ist ein Typ, mit dem es niemals langweilig wird, und so ergeht es auch dem Zuschauer: An Karls Seite wird man von Hans in die Geschichte hineingezogen, kann sich nie sicher sein, was als nächstes passiert, wird immer wieder überrascht und darf erstaunlich gefühlsecht Karls emotionale Befreiung miterleben.
Hier erweist sich Sebastian Schipper erneut als Meister der Atmosphäre und Schöpfer herausragender Bilder. Begeisterte er sein Publikum in "Absolute Giganten" noch mit dem besten (einzigsten?) Kicker-Spiel der Filmgeschichte, ist es hier eine nächtliche Tour mit zwei Porsches über bundesdeutsche Autobahnen, die zum visuellen wie atmosphärischen Höhepunkt gerät. Wie Schipper auf dieser Tour Karls verschlossenen Panzer öffnet und ihn sich in einen Freiheitsrausch hineinsteigern lässt, dessen emotionale Wucht und Reinheit einen sogar im Kinosessel derart mitreißt, dass man die Freiheit an der Nasenspitze kitzeln spürt, das ist ganz großes Kino.
Das wäre natürlich auch nur halb so gut ohne leistungsstarke Darsteller, und das erste Zusammenspiel von Daniel Brühl und Jürgen Vogel erweist sich dabei als der erhoffte Glücksfall. Beiden sind ihre Rollen fabulös auf den Leib geschrieben: Der schüchterne, aber clevere Karl ist ein toller Part für Brühls nuanciertes, introvertiertes Spiel, während die schräge, redselige Lebensfreude von Hans für Jürgen Vogel nicht nur eine willkommene Befreiung darstellte (der Film entstand direkt im Anschluss an Vogels tour de force "Der freie Wille"), sondern ihm auch erstmals Gelegenheit gibt, sein komisches Talent voll auszuspielen. Sabine Timoteo schließlich (die mit Vogel schon in "Der freie Wille" agierte) bildet als Stelle den magischen ruhenden Pol zwischen den beiden, und unter Schippers Regie gelingt ihr in wenigen Szenen die höchst seltene Leistung, eine Frau zum Leben zu erwecken, in die man sich tatsächlich sofort verlieben kann.
Dank dieser drei herausragend agierenden Hauptdarsteller gelangt die kleine Geschichte von "Ein Freund von mir" dann auch zu ihrer wahren filmischen Größe. Bestes Beispiel: Eine späte Szene, in der Karl und Stelle feststellen, dass sie beide Spanisch sprechen, und Hans sie auffordert, sich auf Spanisch zu streiten, weil er das gerne hören will. Was folgt, ist ein trotz nur kleiner Gesten und schauspielerischer Nuancen unwahrscheinlich beeindruckendes Gespräch, vor tiefer liegenden Emotionen geradezu vibrierend; ein wahres Wunder von einer Szene, für die allein Brühl und Timoteo jeden Darstellerpreis dieses Jahres verdient hätten. Sebastian Schipper vermeidet hier wie auch beim Rest des Films nahe liegende und allzu einfache Lösungen, so dass man bis zur wunderschönen Schlusseinstellung gespannt bleibt, welches Ende diese Geschichte nun schließlich finden wird.

Mit einem gewitzten, sprachgewandten und intelligenten Drehbuch, famosen Darstellern und einem großartigen Gefühl für die Psyche und das Zusammenspiel seiner Figuren gelingt es Schipper, mit "Ein Freund von mir" erneut einen Film abzuliefern, der ganz nah und ganz echt die merkwürdige, einzigartige Chemie von Männerfreundschaften einzufangen weiß. Ohne Schnörkel und Schlenker liefert Schipper handwerklich perfekte, erzählerisch brillante und stimmungsvoll tief berührende 84 Filmminuten ab, an denen es nur eins auszusetzen gibt - sie sind leider viel zu schnell vorbei. Vor allem, wenn man Angst haben muss, auf den nächsten Geniestreich wieder acht Jahre warten zu müssen.

F.-M. Helmke

 


Name: yourmaninamsterdam
Email: wolfsklaue@web.de
Bewertung:   (- von 10 Digital Eyes)

"einzigste"?



Name: Flonkus
Email: Flnkus@Glingus.dog
Bewertung:   (- von 10 Digital Eyes)

Eine wunderbare Kritik, die mir das angenehme Gefühl gibt, garnicht enttäuscht werden zu können.



Name: Bello Jones
Email: bello@wauwau.de
Bewertung:                 (7 von 10 Digital Eyes)

Der Deutsch-Fetisch von Filmszene.de geht mir langsam aber sicher verstärkt auf die Nerven. Jeder halbswegs gute deutsche Film wird hier abgefeiert, wie nix Gutes. Immer ein, zwei Punkte mehr als verdient. So auch bei Schippers Neuem. Ein guter Film, mehr dann aber auch nicht.



Name: René
Email: Spike1803@web.de
Bewertung:   (- von 10 Digital Eyes)

@ Bello Jones...

Das geht mir auch langsam auf die Nerven. Erst dieser total zu hoch gegriffene eine Punkt bei "Offset", dann diese wahnsinnig übertriebenen 6 Augen für das Sommermärchen und nun das hier. Schlimm, dass die Leute immer ihre subjektive Meinung wiedergeben müssen.

Die Unterstellungen an die Filmszene-Redaktion sind immer herrlich zu lesen (mal Überbewertung von Mainstream-Blockbustern, dann zwanghafte Andersbewertung von Filmen, je nachdem wie sie von der Mehrheit der übrigen Kritiker gesehen wurden). Nun sind wir also bei einer pro-deutschen Einstellung angelangt.

(danke für die toll geschriebene Kritik; so stelle ich mir das vor / "Ein Freund von mir" wird definitiv gesehen)



Name: grohm
Email: grohm@grohm.de
Bewertung:   (- von 10 Digital Eyes)

Naja was is schlimmer eine subjektive rezension oder leute die subjektiv diese renzension zerreissen?
Tut mir doch den gefallen und sagt nix wenn ihr nix zu sagen habt.Dieter Nuhr lässt grüssen.Wer anderen etwas vorwirft, ist nicht besser und zeigt auch sicher nicht, das er es besser könnte ;)



Name: Pit
Email: info@minilernkreis-oha.de
Bewertung:                     (9 von 10 Digital Eyes)

Eine Meinung ist immer subjektiv.
Wichtig ist aber die einheitliche Linie, nur dann wissen die Stammleser woran sie sind.
Der Film ist jedenfalls spitzenklasse!!!



Name: martin
Email: -
Bewertung:               (6 von 10 Digital Eyes)

Meine Meinung ist immer objektiv. Mehr als sechs Punkte kann man dem Film nicht geben. Die Story um die Männerfreundschaft ist sehr schön, sehr romantisch im Grunde, aber viel her macht die Handlung nicht. Man langweilt sich nicht, wird aber auch nicht vom Hocker gerissen. So sieht das aus.



Name: Saphira
Email: -----------------------
Bewertung:                 (7 von 10 Digital Eyes)

Mehr als 7 Punkte hat dieser Film nicht verdient!



Name: Johann
Email: mail@kasuch.net
Bewertung:   (- von 10 Digital Eyes)

Wer von seiner eigenen Meinung sagt, sie sei objektiv, hat wohl noch nie was von Kant gelesen. :P



Name: Alexispap
Email: jamesbondlebt@web.de
Bewertung:             (5 von 10 Digital Eyes)

So, das is ja alles höchst interessant. Aber ne Begründung der eigenen (natürlich subjektiven) Meinung fehlt bei den meisten.
Das deutsche Filme von deutschen Filmeguckern hochgejubelt werden, ist doch logisch. Nicht sehr kompetent, aber logisch. Deutsche verstehen am ehesten, was andere Deutsche ihnen sagen. Der vorherige Satz gilt natuerlich auch mit jeder anderen Nationalität.
Und ein deutscher Regisseur spricht Deutsche am ehesten an. Da haben die Deutschen das Gefühl, jemand versteht sie und sie verstehen ihn. Aber dass es nichts zu verstehen gibt, das kapieren sie nicht.
Ich halte den Film für größtenteils inhaltsleer. Begründung:
Die Idee, einen schüchtern-depressiven jungen Mann durch Kontakt zu einem lebenslustigen Draufgänger aus der Reserve zu locken, hat wirklich Potential. Leider ist der Wandel viel zu schnell und viel zu unglaubwürdig. Einige sehr komische Szenen und Dialoge helfen dem Film leider nicht über das Fehlen einer wirklich relevanten Botschaft hinweg.
Was will uns der Film sagen: Ihr habt keinen Plan vom Leben, ihr seid jung und schüchtern, also genießt doch die Plan- und Orientierungslosigkeit unserer Zeit?
Genau da ist das größte Problem: Der Film spiegelt sich selbst wider, indem er von wirren, zufallsgesteuerten Tagesabschnitten erzählt.
Die man sich genauso bei Drehpausen vorstellen kann.
Und damit trifft er genau den Geschmacksnerv des neuen deutschen Kinopubklikums: "Mir doch egal, was der Film aussagt, aber die Typen sind cool und mir gehts auch so. Lösungen? Brauch ich nicht. Ziele? Ich weiß doch nichtmal was ich nachher machen werde.Wer ich bin? Kein Schimmer, aber Daniel Brühl weiß es ja auch nicht...."
Sinnsuche wäre ein besserer Handlungsplot gewesen als Sinnlosigkeitseuphorie.

Naja, wenns euch gefällt, dann habt ihr wenigstens ne Zeitlang keine ultralustigen Aktionen (nackt im Porsche fahren, ich lach mich tot, der Drehbuchschreiber is ein Genie....*gähn*) gestartet, sondern der deutschen Filmindustrie Geld hinterhergeworfen, was wohl in Zukunft zu einer verstärkten Massivität im Aufkommen sinnentfremdeter Kinostreifen führen wird.
Guten Tag.



Name: jonas Braukmann
Email: jb@sinnpause.com
Bewertung:                 (7 von 10 Digital Eyes)

ich muss meinem vorgänger leider zustimmen. ich hätte den film sehr gerne
wunderbar gefunden und allen von dem kinoabend im hippen independentarthaus
filmtheater erzählen wollen. gut das kann ich trotzdem tun, aber nicht so
wie ich es mir vorgestellt habe, denn streckenweise ist der film sehr inhaltsleer. es werden dort emotionen auf die leinwand gebracht, die leider nicht wirken können, weil ein hilfreicheranhaltspunkt fehlt. es fehlt zeit. die gibt es nicht. man kann sie in autoverfolgungsfahrten verschwendet sehen. das fahrstuhlfahren und das aufwachen, haben durchaus ihre berechtigung. ohne zweifel musste ich mich an einigen stellen extrem kaputt lachen, oder schmunzeln, aber das war es auch. es wird zu wenig geklärt. es ist unbefriedigend. was passiert mit karls freund? was mit karls arbeit? was mit stelle und karl?
leider kommt dann der abspann, bei dem man im arthaus natürlich artig sitzen bleibt und in sich geht bis der soundtrack und das copyright jahr vorbeigerollt ist. wie der film. der trotzdem unterhielt.
ahoi.



Name: Troll
Email: na@und.org
Bewertung:   (- von 10 Digital Eyes)

Sehr lustig, dieses Deutschenhasserforum. Hier bleib ich! So viele Schwachmaten auf einem Platz vereint bekomt man sonst nur in der Politik geboten!!!



Name: zelig
Email: egal@egal.de
Bewertung:                   (8 von 10 Digital Eyes)

Was für ein toller, herzerfrischender Film.

Jürgen Vogel und Daniel Brühl haben sich ihre Rollen so einverleibt, daß man kaum mehr von Schauspielerei sprechen mag. Da stimmt die Chemie einfach, eine andere Besetzung scheint fast unvorstellbar. Und wie Simone Timotei es in ihren wenigen Szenen schafft, die dargestellte Figur zum Leben zu erwecken – sich eigentlich sofort in sie zu verlieben – ist atemberaubend. Auch sämtliche Nebendarsteller sind perfekt besetzt und tragen dazu bei, daß der ganze Film ein Genuß ist und nicht nur wenige Passagen davon.

Bei Zitaten wird ja oft beklagt, sie seien „aus dem Zusammenhang gerissen“ und die Aussage dadurch verzerrt. Das würde ich in diesem Falle für den Trailer zu „Ein Freund von mir“ geltend machen wollen. Auf Grund des Trailers hatte ich zunächst etwas befürchtet, einen klischeebeladenen Buddy-Film über autoverrückte Männer vorgesetzt zu bekommen. Im Film selbst funktionieren die Trailer-Szenen wunderbar und fügen sich problemlos in die gelungene Handlung mit ein.

Das i-Tüpfelchen ist dann noch die Untermalung der Bilder durch die Musik von „Gravenhurst“.

Eine perfekte Kritik von F.-M. Helmke für einen perfekten Film.





Name: zelig
Email: egal@egal.de
Bewertung:   (- von 10 Digital Eyes)

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(s.o.)
Sorry. Ehre, wem Ehre gebührt: nicht Simone Timotei, sondern Sabine Timoteo



Name: priscilla2603
Email: priscilla2603@web.e
Bewertung:                   (8 von 10 Digital Eyes)

...und während ihr noch streitet wer auf dieser seite der blödeste ist habe ich mir den film angesehen und mich 1,5 h amüsiert.