Der Anfang erinnert, wohl nicht ganz ungewollt, ein bisschen an einen James Bond-Film: Zu einem spannungsgeladenen Soundtrack und in rasant geschnittenen Bildern rast der Geheimagent Spencer Aimes (Ashton Kutcher) unter der Sonne Südfrankreichs über die Straßen und liefert sich eine heiße Verfolgungsjagd (parallel dazu erscheinen auf der Leinwand die in buntem Retro-Look gehaltenen Credits).
Die Brötchen werden wieder kleiner für Jean-Pierre Jeunet. Nachdem er Anfang dieses Jahrzehnts mit "Die fabelhafte Welt der Amelie" den gesamten Kino-Globus im Sturm eroberte, sah es ganz danach aus, als würden von nun an große Dinge für den fantasievollen Franzosen ("Delicatessen", "Alien - Die Wiedergeburt") folgen.
Ach, die gute alte Schulzeit. Im Tiefschlaf die erste Stunde durchdösen, auf dem Pausenhof den Spickzettel für den anstehenden Religionstest schreiben und anschließend mit dem blonden Mädchen aus der Parallelklasse flirten.
Dann eben doch nicht. Nach dem erfolgreichen Start von "Shrek, der Dritte" vor drei Jahren hatte Dreamworks-Oberboss Jeffrey Katzenberg noch angekündigt, dass man noch zwei weitere Filme mit dem großen grünen Oger realisieren wolle, der immerhin der erste und nach wie vor größte Hit der Dreamworks Animationsschmiede war.
"Hast du schon
gehört, Adam Sandler spielt die Hauptrolle
im neuen Film von Paul Thomas Anderson." Für die meisten
Filmfans muss es wie ein absurder Cineasten-Witz geklungen
haben,
als sie das erste Mal von "Punch-drunk love" gehört
haben, aber es ist kein Witz: Adam Sandler, Ikone
grenzdebiler Komödien
mit möglichst niedrigem Niveau ("Big
Daddy", "Little Nicky")
ist
Es darf mal wieder lustig sein: Regisseur Marc Rothemund startete
seine Karriere mit dem beachtlichen Erfolg seiner
Episoden-Komödie
"Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Großstädter
zur Paarungszeit" und der frivolen Teenie-Klamotte "Harte
Jungs", bevor er schlagartig
ernsthafter wurde und für das Mobbing-Drama "Die Hoffnung
stirbt zuletzt" den Grimme-Preis erhielt.
Wenn dort oben als Genrebezeichnung "Animationsfilm"
steht, so darf man über diese Zuordnung durchaus
diskutieren.
Denn mit dem "Polarexpress" werden nicht nur die
technischen
Möglichkeiten dieser Unterhaltungsform, sondern auch ihre
Grenzen
schon wieder neu verschoben. Wir haben in den letzten
Jahren ja
mit Staunen und meist auch mit Begeisterung die
Entwicklung der
computeranimierten Trickfilme und ihren unaufhaltsamen
Siegeszug
verfolgt.