Avatar 2: The Way of Water

Originaltitel
Avatar: The Way of Water
Land
Jahr
2022
Laufzeit
192 min
Release Date
Bewertung
5
5/10
von Volker Robrahn / 14. Dezember 2022

Für die einen war er sowieso überbewertet, erfolgreichster Film aller Zeiten hin oder her. Und auch von denen, die James Camerons „Avatar“ mögen, glauben viele nicht daran, dass er damit noch ein weiteres Mal ein derart großes Publikum anlocken wird. Aber gab es diese Zweifler nicht auch schon bevor „Titanic“ und der erste Ausflug in die Welt von Pandora in die Kinos kamen und sie dann förmlich überrollten? Und bei dreizehn Jahren Wartezeit kann zumindest keiner behaupten, das Publikum sei mit dem Thema übersättigt. Nach endlosen Verschiebungen (die ebenfalls wieder für einigen Spott sorgten) ist es nun aber tatsächlich da, das erste Avatar-Sequel. Es läuft 192 Minuten und selbstverständlich handelt es sich um einen revolutionären Film. der seinen Vorgänger nochmal übertrifft. Jedenfalls in der Art wie hier nun endgültig Technik und Optik über den Inhalt dominieren und es einem vorkommt als sei die technische Leistungsschau der einzige Grund für die Existenz dieses Films.

Auch "Avatar: The Way of Water" wird erneut von der Erzählstimme Jake Sullys (Sam Worthington) eröffnet, der uns aber nun nicht mehr in eine unbekannte Welt einführen, sondern stattdessen zusammenfassen muss, was sich in den Jahren seit dem Abzug der ausbeuterischen Menschen auf Pandora ereignet hat. Vor allem familiäres, denn neben drei eigenen Kindern haben Jake und seine Gefährtin Ney´Tiri (Zoe Saldana) auch die junge Kiri (Sigourney Weaver) quasi adoptiert, die noch vom verstorbenen Avatar der Wissenschaftlerin Grace Augustine geboren wurde. Doch die Zeit der Harmonie und Ruhe endet, als sich am Himmel von Pandora die Rückkehr der rücksichtslosen Unternehmen von der Erde ankündigt, denen es diesmal zudem um mehr als Profite geht, denn der Zustand ihres Heimatplaneten erfordert eine komplette Umsiedlung der Menschen, welcher die einheimischen Bewohner von Pandora im Wege stehen. Angeführt von einem mit dessen Bewusstsein und Erinnerungen ausgestatteten Klon des brutalen Colonel Quaritch (Stephen Lang) wüten die Soldaten erneut in der Natur Pandoras, wobei vor allem Quaritch seinen ganz persönlichen Rachefeldzug gegen den „Verräter“ Jake Sully führt. Der sich dadurch gezwungen sieht mit seiner Familie Asyl bei einem Stamm zu suchen, der vor allem im und unter Wasser lebt, was für die bisherigen Dschungelbewohner eine große Umstellung mit sich bringt.

Schon nach wenigen Minuten ist klar, dass hier auf eine Art alles anders und auf die andere doch alles gleich ist beim zweiten Besuch auf Pandora. Zumindest für alle, die den Film in der 3D- und HFR-Version sehen, und das dürften doch die Meisten sein. Denn die Entscheidung für die mit 48 Bildern pro Sekunde arbeitende High-Frame-Rate sorgt nun mal für einen völlig anderen Look, wie allen bewusst ist die sich Peter Jacksons „Hobbit"-Filme oder den „Gemini Man“ mit Will Smith in dieser Form angeschaut haben. Dass es nicht viel mehr Beispiele gibt und sich diese Technik so überhaupt nicht durchgesetzt hat, belegt, dass es dafür offenbar mehr Fans unter den Filmemachern als beim Publikum gibt.

Wo die Befürworter eine realistischere und fließendere Bewegung erkennen, wirkt diese Präsentation für andere einfach nur irritierend künstlich, mutet wie eine Studiobühne an und wird nicht ohne Grund als „TV Soap Opera-Effekt" belächelt. In „Way of Water“ nutzt man nun in den meisten Szenen HFR und die Bewertung dieser Entscheidung bleibt letztlich eine Geschmacksfrage, der optische Unterschied zum Vorgänger ist allerdings eklatant.

Und dabei so auffällig, dass das berühmte 3D nach Cameron-Art dagegen stark in den Hintergrund rückt und deutlich weniger präsent ist als zuletzt, inklusive „Alita: Battle Angel“. Schließlich unterscheidet sich die 3D-Wirkung bei den Produktionen des Teams Cameron/Landau qualitativ so gewaltig von der üblichen Konfektionsware, dass sonst praktisch alle aufgegeben haben und die 3D-Welle ja schon lange verebbt ist. Diese Effekte sind hier immer noch sehr gut, werden aber doch deutlich dezenter und weniger auffällig eingesetzt. Das visuelle Gesamtbild aus all den verwendeten Techniken und dem investierten Aufwand ergibt aber ganz zweifellos eine grandiose Optik, für die der Satz „so noch nicht gesehen“ unbedingt Verwendung finden muss.

Und es ist natürlich kein Zufall, dass sich die Fortsetzung überwiegend ins Wasser verlagert, ist dies doch das erklärte Lieblingselement des Regisseurs, von „The Abyss“ und „Titanic“ über diverse Dokumentationen. James Cameron hat über die Jahre immer wieder betont, wie gerne er noch weiter in die Welt von Pandora eintauchen möchte und er beweist mit diesem Film nun, dass dieses Eintauchen tatsächlich die Hauptantriebfeder war, diese Fortsetzungen (es folgen bis 2028 ja noch drei weitere Filme) zu machen. Es geht um das Entwerfen und Ausschmücken einer fantastischen, selbst geschaffenen Welt und darum, das Publikum mit auf eine Reise dahin zu nehmen, die ihm den Atem raubt.

Das gelingt fraglos, und allein damit ist „The Way of Water“ natürlich schon etwas ganz Besonderes. Da es sich aber dennoch um einen Spielfilm handelt gilt es eben auch noch eine Geschichte zu erzählen, aber die ist hier derart simpel und nachlässig zusammengebastelt, dass es wirkt als handele es sich um eine lästige, unvermeidliche Pflichtübung für die man nun wirklich nicht viel Zeit investieren wollte. Auch am ersten „Avatar“ gab es ja in dieser Hinsicht Kritik (Stichwort „Pocahontas im Weltraum“). Aber obwohl die Handlung dort im Kern sehr konventionell daherkam, war sie deshalb nicht schlecht, wurde zudem noch mit vielen Details ausgeschmückt und kam ja auch mit ihrer Umwelt/Naturschutzmessage nicht allzu dumm daher. Vor allem war sie klar strukturiert, was man von „The Way of Water“ nun überhaupt nicht mehr behaupten kann, der einfach nur steuerungslos vor sich hin mäandert.

Von Beginn am macht man es sich wahnsinnig einfach: Die neue Bedrohung ist die alte, die eigentlich gestorbenen Figuren werden einfach mit Verrenkungen wiederbelebt, weil man die geschätzten und bewährten Darsteller Weaver und Lang so gerne erneut dabei haben wollte. Besonders im Fall von Oberschurke Colonel Quaritch ist das aber geradezu absurd: Warum sollten die Entscheider bitte schön anstatt eines neuen Kommandoführers ausgerechnet auf ein geklontes Backup desjenigen zurückgreifen, der die erste Mission komplett in den Sand gesetzt hat? Der dann auch prompt nicht Besseres zu tun hat als die für den ganzen Planeten Erde bedeutende Aufgabe zu einem persönlichen Rachefeldzug umzufunktionieren?

Die Dialoge über Familienwerte und Selbstfindung mag mancher als emotional und bewegend empfinden, letztlich handelt es sich aber um banale Binsenweisheiten mit stetig zunehmendem Kitschfaktor. Der Mittelteil über das Zurechtfinden der Familie in fremdem, teils feindseligem Mobbing-Umfeld kommt wie ein typisches Coming of Age-Drama daher, das (was den reinen Inhalt angeht) auch an einer Highschool spielen könnte, nur das der unverstandene Teenager hier dann halt Freundschaft mit Moby Dick schließt. Überhaupt ist es schon fast dreist, wie die Haupthandlung für eine gute Dreiviertelstunde komplett stoppt . Eine Phase, die einzig und allein dazu dient uns die tolle Unterwasserwelt in all ihren Ausschmückungen zu präsentieren.

Aber bei mehr als drei Stunden Laufzeit ist nicht nur dafür genug Zeit, sondern natürlich auch für den systemimmanenten ausufernden Showdown, bei dem man mindestens dreimal zu einem Ende kommen könnte, aber zuverlässig bevor es dazu kommt schnell noch ein weiteres Mal eine irgendwie wichtige Figur entführen und zur Geisel werden lässt. Das ist platt, das ist einfallslos, das ist irgendwann nur noch anstrengend, trotz oder auch wegen des bombastischen visuellen und akustischen Getöses in Dauerschleife.

Nur zur Klarstellung: Der Autor dieser Zeilen liebt den ersten „Avatar“ und hat ihn gut ein halbes Dutzend Mal gesehen, davon mehrmals im Kino. Das wird bei „The Way of Water“ aber nicht passieren und es ist mit ein Rätsel wie so viele Kollegen davon sprechen können dieses Sequel würde den Vorgänger auch inhaltlich klar übertreffen. Denn eigentlich müsste die Bewertung zweigeteilt erfolgen, mit einer sehr hohen für die Optik und einer extrem niedrigen für den Inhalt. Bei der Frage, was man nun insgesamt daraus macht, spielt aber vielleicht auch der Aspekt eine Rolle, was denn eigentlich ein Spielfilm sein sollte. Eine reine technische Leistungsschau mit einem derart offensichtlichen Desinteresse am Erzählen einer Geschichte doch wohl eigentlich nicht.

Bilder: Copyright

"Avatar 2" ist also laut Filmszene-Rezensent Robrahn der schlechteste Film des Jahres, sogar schlechter als seinerzeit "Fack ju Göhte 2". Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen. Die Bewertungskriterien sollten vielleicht noch einmal überdacht werden oder die persönlichen Maßstäbe bei allen Filmen angelegt werden. Der Inhalt von "Avatar 2" muss demnach viel schlechter sein als die ausgesprochen dummen Filme wie "Black Adam" oder etwa "Wakanda Forever" oder aber diese beiden punkten mit einer Optik, die im Bereich von 15 angesiedelt sein muss.

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Holy shit, liest bei euch niemand mehr Korrektur? Habe bei einer solch wichtigen Kritik noch nie so viele Tipp- und Satzzeichenfehler gesehen, war bis zu einem gewissen Punkt praktisch unlesbar..

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Extrem anstrengend zu lesender Text ob fehlender/falsch gesetzter Satzzeichen und teils zu langer Sätze. Hat niemand Korrektur gelesen?

Schon Teil 1 war eine reine Technikdemo und (nach meiner Meinung!!) langweiliger, schön anzusehender Stuss ohne Mehrwert. Teil 2 wird irgendwann mal im Stream geschaut - ohne Überlängen- und 3D-Zuschlag.

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Der Text war zunächst ohne Korrekturlese-Vorgang veröffentlicht worden. Dieser wurde jetzt nachgeholt. Lesbarkeit ist dadurch hoffentlich verbessert. 

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Antwort auf von Wahoo Kickr V5
5
5/10

Dass genreübergreifende Quervergleiche in Sachen Bewertungspunkte wenig Sinn ergeben sollte eigentlich Konsens sein und wieso ist ein Film mit 5/10 Wertung der schlechteste des Jahres? Dass es schwierig ist aus den sehr gegensätzlichen Eindrücken eine zusammenfassende Wertung zu bilden hab ich ja im letzten Absatz beschrieben, aber letztlich muss da halt irgendeine Zahl stehen.

Aber ja, im Vergleich zu den genannten "dummen" Filmen halte ich Way of Water für die deutlich größere erzählerische Katastrophe. Warum habe ich ja auch versucht zu begründen.

 

 

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5
5/10

Filmszene.de ist für mich seit Jahren, ja mittlerweile schon Jahrzehnten, ein gallisches Dorf und meine Zuflucht, wenn ich wirklich 100% unabhängige und meinungsstarke Rezensionen lesen möchte.

Verrottete Tomaten und andere "Massen-Querschnitts-Meinungs-Mischmasch" ist für mich nicht mehr aussagekräftig.
Früher, als IMDB nur unter Filmliebhabern bekannt und verbreitet war, konnten mir die Bewertungen dort mehr vermitteln.
Von den mittlerweile ganzen "gekauften" Rezensionen und der PR-Maschinerie der Verleihfirmen wird mir heute schlecht.

Nun zum "Film".
Film in Anführungszeichen deshalb, weil ich Avatar 2, wie auch schon Avatar 1, eher als einen Vergnügungsparkbesuch empfinde.
Ich kann durch die atemberaubende Optik und der grandiosen Technik einfach 3h in die Welt von Pandora "eintauchen".
Unter diesem "Vergnügungspark-Aspekt" ist Avatar ein großes Vergnügen für mich, und gerade die Navii mit ihrem tierischen Erscheinungsbild, dabei vor allem die Öhrchen, erinnern mich immer stark an meinen süßen Hund.
Somit wird auf emotionaler Ebene auch ausreichend geliefert:-)

Aber unter filmischen Aspekten, bei denen Erzählstruktur, Charakterentwicklung, Darstellerleistungen ( Spider WTF?!), Filmmusik etc. eine wichtige Rolle spielen, versagt der Film auf ganzer Linie. Das muss ich ehrlicherweise genauso sagen.

Daher kann ich die 5 Punkte Rezension komplett nachvollziehen.
Und nur damit wir uns nicht falsch verstehen, mir haben beide Avatar-Teile super gefallen und es waren sehr kurzweilige und aufregende 3h Kino.
Aber "nur" als Vergnügungspark - Besuch.

Im stillen hege ich Hoffnung, dass die weiteren angekündigten Avatar Sequels mehr ins filmische gehen und vor allem mehr Charakterentwicklung plus Story bieten.
Denn ein drittes, viertes und fünftes Mal wird mich alleine der Vergnügungspark-Aspekt nicht mehr gnädig stimmen.

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Ich verstehe es nicht, aber ich verspüre bis heute nicht den Anflug eines Anreizes, mir diese Fortsetzung anzuschauen und immerhin gibt es hier neben den vielen begeisternden Reviews eine nüchterne Einschätzung, die meine Bedenken irgendwie bestätigt.

Nicht falsch verstehen: Avatar war damals ein Highlight, auch wenn ich bei der Story "Der-mit-dem-Wolf-tanzt"-Flashbacks hatte (andere sehen Pochahontas) und er funktioniert auch ohne 3D im heimkino als großartiges Spektakel.
Trotzdem war es kein Film, bei dem ich wissen wollte, wie es weitergeht und nun ist er da und ich denke mir dasselbe, wie bei Marvel oder Star Wars: ok, halt noch einer mehr.

Dabei verachte ich keine Blockbuster. Top Gun 2 war für mich der Film des Jahres und Ghostbusters Legacy war die perfekte Fortsetzung der Original-Reihe.
Auch Terminator Dark Fate kommt bei mir sehr dicht an den zweiten heran (ja ja, Sakrileg, ich weiß), um mal im Camreon-Universum zu bleiben.

Daher kann ich meine Skepsis nicht begründen und werde mir Avatar 2 vermutlich nicht ansehen. Ich finde keinen Zugang, Verstehe es wer will, ich tu es nicht.
In diesem Sinne danke für diese Kritik, denn sie befasst sich viel mit der Form und der Technik. Darum scheint es zu gehen. Ist mir halt zu wenig.

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1
1/10

Meine Frau und ich haben uns sehr auf den Film gefreut,
da uns der erste sehr gut gefallen hat.
Wir freuten uns auf ein erneutes eintauchen in die Welt von Pandora. Aber nix war es. Trotz 3D. Das Bild war gefühlt zu dunkel und unscharf. Und die 3D-Effekte fast nicht erkennbar. Lag wohl daran daß das Kino wohl nur 3D aber nicht auch noch HFR konnte. Landschaften wie die Halleluja-Berge Fehlanzeige. Die Unterwasserwelt wenn man selbst schon mal tauchen war, langweilig.
Das schlimmste aber war das Tempo und die Story. Alles mäandert so vor sich hin, Story nicht vorhanden.
Der erste war auch kein Storyüberflieger, konnte aber mit schöner Flora und Fauna punkten. Und mit dem an und abschalten der Avatare eine gute Spannung aufbauen.
Fazit, den gucken wir uns nicht mehr an, zu langweilig.

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7
7/10

Der Film bietet exzellente Schauwerte und macht einfach Spaß. Die Geschichte lenkt nicht allzu sehr von diesen ab 😉 Aber das ist auch gut so, so kann man die Unterwasserwelt ausgiebig bewundern.
Einfach schön um abzuschalten.
Aber dennoch emotional mitnehmen.

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Antwort auf von HarryD

Ich fand, der erste Teil war von der Story gar nicht so schlecht. Da war Familie drin, Action und Umwelt. Und immer mit Botschaften die gut rübergebracht wurden. Ich hab mir Avatar2 noch nicht angeschaut, werde aber jetzt mal abwarten.

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Antwort auf von Gast

Wenn Sie im ersten Teil nur eine Technikdemo gesehen haben, und keine Romantik, keine Urvölker, keine Ami Kriegsmaschinerie, keine kulturelle Annäherung, dann ist der Film wohl nichts für sie. Aber sie werden sicher auf den 2ten Teil abfahren.

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