Ansehen/Wiedersehen

Hier bündeln wir alle Texte, die sich nicht um aktuelle Filme drehen. Wie der Name schon sagt: Dinge, die wir uns selbst gerade ansehen, oder Streifen, die wir gerade wiederentdeckt haben.
"John Wayne don't run." Diese Antwort bekam William Goldman einst von einem gewichtigen Studioproduzenten als Begründung, warum er das von dem Autor vorgelegte Drehbuch nicht verfilmen wollte.
Niemand liebt das Kino (vor allem das amerikanische) so sehr wie die Franzosen. Nirgends wird die große Kunst des Filmemachens so verehrt und zelebriert wie im Mutterland des bewegten Bildes. Kein Wunder, dass die Filmfestspiele in Cannes zum zweiten Zuhause für Generationen amerikanischer Filmemacher von Martin Scorsese bis Quentin Tarantino wurden.
Es gibt und gab viele Möglichkeiten, sich mit dem Vampir-Thema zu befassen. Der Zeitraum des Erwachsenwerdens stand dabei in den vergangenen Jahren häufig im Mittelpunkt. "Buffy" versuchte es mit Selbstironie und popkulturellem Witz, "So finster die Nacht" erzählte eine dramatische Außenseiter-Geschichte und die "Twilight"-Serie bricht aktuell mit einer übergroßen Portion Kitsch einen Kassen-Rekord nach dem anderen.
Oliver Stone macht einen Film über George W. Bush! Diese Nachricht dürfte bei den meisten Filmfans im ersten Augenblick reflexartig begeisterte Vorfreude ausgelöst haben - allerdings gleich darauf gefolgt von der allzu berechtigten Frage: Wozu?
Tommy Lee Jones hat sich viel Zeit gelassen. Er war schon fast 60, als er sich erstmals in den Regiestuhl eines Kinofilms setzte - und sollte sein weiteres Schaffen halten, was dieses beeindruckende Debüt verspricht, dann könnte er es seinem Kumpel Clint Eastwood nachtun, und mit einem beeindruckenden und preisverdächtigen Alterswerk als Regisseur ein völlig neues Kapitel seiner Karriere aufgeschlagen.
Es gibt nicht viele Regisseure, denen es heutzutage noch gelingt, sich mit einem ganz eigenen Stil zu etablieren. Einer von ihnen ist definitiv der Australier Baz Luhrmann, der mit "Romeo + Julia" (1996) und "Moulin Rouge" (2001) zwei atemberaubende Leinwand-Hits ​landete, die mit ihrer schier unbändigen Energie und einer so eigenwilligen wie brillant abgestimmten Mischung aus Pop, Tragödie und absurder Komik begeisterten. ​
Im vergangenen Winter lieferten sich zwei Vampir-Filme ein Duell, wie es ungleicher nicht hätte sein können. Auf der einen Seite "Twilight", der Zielgruppengerechte Hollywood-Blockbuster mit gigantischer Werbe-Kampagne, auf der anderen Seite "So finster die Nacht", das kleine, zurückgenommene Drama aus Skandinavien. Am Ende gab es zwei Sieger, jeder auf die Art und Weise, wie er es wollte.
Mit "The Proposition - Tödliches Angebot" erscheint mit zweijähriger Verspätung ein Film auf DVD, dem Vorschusslorbeeren als "bester Western seit ‚Erbarmungslos'" und echtes Filmerlebnis vorausgingen. Darum gleich im Voraus: Ja, der Film ist so gut (auch wenn es seit "Erbarmungslos" ohnehin eigentlich keinen richtig großartigen Western mehr gab, aber was soll's), wird sich wohl als eines der Highlights des Filmjahres erweisen und wird erfreulicherweise auf DVD technisch auch so präsentiert, wie es sich gehört.
"Hannibal ante portas!" sollen die alten Römer in Panik geschrieen haben, "Hannibal vor den Toren!", als der karthagische Feldherr samt seinen Elefanten die Alpen überquerte, das römische Heer vernichtete und Kurs auf die damals noch gar nicht so Ewige Stadt nahm.
Es hätte klappen können. Fast wäre sein Plan aufgegangen. Doch am Ende von "Attentat auf Richard Nixon" wird Sam Bicke scheitern, und zwar an sich selbst. Sam Bicke ist ein einfacher Mann. Leider läuft in seinem Leben so ziemlich alles schief, was man sich vorstellen kann. Sein Bruder will nichts von ihm wissen, seine Frau hat ihn verlassen. Sie hat die Kinder mitgenommen und zu allem Übel noch die Scheidung eingereicht.
Es kann nur einen geben. Das gilt nicht nur für den Highlander, sondern auch für Hollywood-Filme, die sich ein klein bisschen zu ähnlich sind. Alle paar Jahre schaffen es die Traumfabrik-Studios, parallele Projekte zu entwickeln, die thematisch so verwandt sind, dass sie sich gegenseitig im Weg stehen.
Das im Hongkong-Kino erfundene Subgenre des Gangsterfilms, der heroic bloodshed-Film, wird international - und das ja auch zurecht - mit einem Namen gleichgesetzt: John Woo. Der erfand den Stil des Genres 1986 mit "A Better Tomorrow", lieferte mit "The Killer" 1989 dessen Höhepunkt und ein auch international anerkanntes Meisterwerk ab und beerdigte das Subgenre 1992 quasi mit dem alle Eigenschaften zusammenfassenden "Hard Boiled", seinem Abschiedsfilm von Hongkong.
Wir wiederholen es gerne nochmal, denn es klingt ja so schön: Das letzte Kinojahr war geprägt von großartigen deutschen Produktionen. Das deutsche Kino war so erfolgreich wie lange nicht mehr.
Soll ja keiner sagen, hier bei der Filmszene würde es keine zweiten Chancen geben. Rob Zombies Filmdebüt "Haus der tausend Leichen" sorgte für Riesendiskussionen in den User-Kommentaren und war zumindest für diesen Rezensenten ein furchtbarer Film - in jeder Hinsicht.
Nennen wir sie mal simplifizierend "Trailer-Menschen". Ihre Aufgabe ist es, so viele Zuschauer wie möglich ins Kino zu locken. Das schaffen sie einerseits, indem sie die besten Witze, Effekte und Wendungen eines fertigen Films kompakt in zwei Minuten verbraten, und andererseits durch vorsätzliche Täuschung.
So viele Filme leiden an Ideenlosigkeit, "Code 46" weiß dagegen gar nicht wohin mit all den Ideen. Das Drehbuch vereint so viele Einfälle, zum Teil nur als dahin geworfene Details, dass es gar nicht alles erklären oder aufklären kann. Einige Zuschauer wird dies vielleicht frustrieren, genau wie der langsame, nachdenkliche Erzählstil und die kühle Inszenierung. An all diesen Dingen schieden sich beim amerikanischen Kinostart von "Code 46" die Geister (der deutsche Kinostart war leider quasi nicht existent), von Begeisterung bis Verriss und viel dazwischen waren alle Meinungen vertreten.
"Cabin Fever", nach seinem Verleihversion-Debüt Anfang des Jahres nun von Sunfilm auch als schöne 2 Disc-Special Edition auf den Markt gebracht, liest sich auf dem Papier gänzlich wie ein komplett alter Hut: Fünf Teenager wollen ihren Schulabschluss so richtig zünftig feiern. Also mieten sie sich eine abgelegene Blockhütte für ein bierseliges Wochenende. Als jedoch ein kranker, mit einem mysteriösen Virus infizierter Jäger vor der Tür steht und sie um Hilfe bittet, nimmt der fröhliche Ausflug eine unschöne Wendung.
Drei Tage vor seinem deutschen DVD-Start hat "Die Bucht" den Oscar für den besten Dokumentarfilm gewonnen, und damit seinen triumphalen Siegeszug beendet, in dessen Verlauf der Film so ziemlich jede Auszeichnung mitgenommen hat, die es für ihn zu gewinnen gab.
Dass man nicht unbedingt viel Geld braucht, um einen tollen Film zu machen, ist durchaus bekannt. Die Filme selbst, die das Ergebnis einer solchen Arbeit sind, sind es aber nicht immer. Und so leidet auch "Assault - Anschlag bei Nacht", John Carpenters erster "richtiger" Film (nach dem erweiterten Studentenfilm "Dark Star" 1974) aus dem Jahr 1976, unter einer unverdienten Nischenexistenz.
Der französische Film fristet in Deutschland ja lediglich eine Nischenexistenz im Programmkino, daheim geht es der einheimischen Industrie aber bestens. Während man hierzulande alle paar Jahre mal einen "Schuh des Manitu" braucht, um die Massen für ein heimisches Produkt zu begeistern, ist in Frankreich zumeist gut die Hälfte der erfolgreichsten Filme eines Kinojahres auch französisch.
Diesem Film eilte bei der verspäteten Veröffentlichung auf DVD in diesem Jahr bereits ein imposanter Ruf voraus. In seiner Heimat Hongkong war "Ju Wian Do" alias "Infernal Affairs" 2002 DER Blockbuster des Jahres (weshalb innerhalb von einem Jahr ein Prequel und ein Sequel folgten), räumte im darauffolgenden Jahr beim Hongkong-Äquivalent des Oscars acht Trophäen ab, darunter fast alle Hauptpreise (u.a. bester Film, beste Regie, bestes Drehbuch) und gilt generell als der Film, der Ausgangspunkt einer Renaissance des seit Jahren eher stagnierenden Hongkong-Kinos werden könnte.
Es gibt Dinge, die vergisst man sein Leben lang nicht. Die erste große Liebe gehört ganz sicher dazu. Schon allein deshalb besitzt "La Boum" einen ewigen Stammplatz in meinem Herzen: Ich war kaum zehn Jahre alt, als ich den Film und seine Fortsetzung das erste Mal im Fernsehen sah, und danach stand für mich eins unumstößlich fest: Sophie Marceau ist das schönste Mädchen der Welt. Es wird nie eine andere neben ihr geben.
Dass "Donnie Darko" ein unbedingt sehenswerter Film ist, steht außer Frage. Dies jedoch ausreichend und verständlich darzulegen, ist gar nicht so einfach. Denn das Regiedebüt von Richard Kelly ist ein derart eigenwilliges Machwerk, dass sich selbst der erfahrene Film-Schreiberling bei der Frage, worum es in dem Film geht, in die allseits bekannte Floskel "Das kann man nicht erklären, das muss man gesehen haben" zu flüchten neigt.
Am 4. September 2006 startet 20th Century Fox ein neues DVD-Label mit dem etwas umständlichen Namen "Century³ Cinedition". Unter diesem Namen sollen nun mehrmals pro Jahr neue DVD-Versionen der Extraklasse von Fox-Filmen veröffentlicht werden. Hübsch aufgemacht und mit bestechender Bild- und Tonqualität sowie großen Mengen an Bonusmaterial, sollen diese Neuauflagen mit wenn möglich erweiterten Filmfassungen passionierte DVD-Fans verzücken und zum Kauf animieren.