Der ewige Gärtner

drama, gb 2005
original
the constant gardner
regie
fernando meirelles
drehbuch
jeffrey caine
cast

ralph fiennes,
rachel weisz,
bill nighy,
pete postlethwaite,
archie panjabi u.a.

spielzeit
129 min.
kinostart
12.01.2006
homepage
http://www.kinowelt.de
bewertung


(9/10 augen)




 

 



 

 

Nachdem der brasilianische Regisseur Fernando Meirelles mit "City of God" 2004 einen der besten Filme des Jahres ablieferte und in der Kategorie bester Regisseur für den Oscar nominiert wurde, war man sehr gespannt auf sein nächstes Werk. Die John le Carré-Verfilmung "Der ewige Gärtner" ist ein würdiger Nachfolger geworden, in dem Meirelles statt Kindergangs in Rio de Janeiros Slums den Missbrauch von Aidskranken als Versuchskaninchen der Pharmakonzerne zeigt. John le Carrés Buch ist zwar ein Thriller, hat aber mit den Spionagegeschichten, mit denen der Autor weltberühmt wurde, wenig zu tun. Bis heute wird dieser Roman als wohl wütendstes Werk des britischen Autors bezeichnet.

Der britische Diplomat und Hobby-Gärtner Justin Quayle (Ralph Fiennes) erfährt, dass seine Frau Tessa, eine leidenschaftliche Aktivisten für die Armen Kenias, auf einer Reise in den Norden des Landes ermordet wurde. Alle denken an einen Mord aus Leidenschaft, weil Tessas Begleiter, ein Arzt aus Nairobi, verschwunden ist. Doch angetrieben von Erinnerungen an die Zeit davor und immer noch verwirrt über das Verhalten Tessas vor ihrem Verschwinden beginnt der sonst so ruhige Gärtner Nachforschungen anzustellen. Widmete er seine Zeit bisher Orchideen und anderen Gewächsen, so erkennt er jetzt, dass er sich um die größte Blume seines Hauses, seine Frau, nicht wirklich kümmerte. Will er seiner Frau anfangs nur retrospektiv näher kommen, sieht er sich bald einer Welt diplomatischer Verstrickungen und rücksichtsloser Menschenexperimente gegenüber.

Es war ein großes Glück für diesen Filmstoff, dass der "Vier Hochzeiten und ein Todesfall"-Regisseur Mike Newell sich dafür entschied, abzusagen, weil ihm ein englischer Zauberer namens Harry Potter dazwischen kam. Denn Meirelles verlagerte den Schwerpunkt dieses westlichen Stoffes (der zwar in Afrika spielt, aber eher in der Welt der britischen Oberklasse angesiedelt ist) nach Afrika, wodurch Kenia dem Zuschauer ähnlich nahe kommt wie in seinem letzten Kinofilm die Slums von Rio de Janeiro. Obwohl der Roman in Kenia verboten wurde und die Kenianer sich den Lesestoff heimlich aus den Nachbarländern besorgen mussten, gelang es Meirelles eine Dreherlaubnis zu bekommen. Dies verleiht dem Film nicht nur Atmosphäre, sondern schuf auch Arbeitsplätze, denn der Regisseur besetzte mehr als drei Dutzend Kenianer in Sprechrollen, da er die Menschen vor Ort einbinden wollte.
Doch auch die nicht-kenianischen Schauspieler sind erwähnenswert. Ralph Fiennes spielt so ergreifend wie seit dem "Englischen Patienten" nicht mehr, wurde aber trotzdem leider nicht für die Golden Globes nominiert. Rachel Weisz hingegen wurde nominiert, denn ihre Tessa ist so kraftvoll und einen großen Teil des Films hindurch auch noch so überzeugend hochschwanger (eine sehr echt aussehende Prothese), dass sie der Frau die Faszination verleiht, die diese von le Carré so lebendig beschriebene Figur verdient.

Schon in "City of God" entwarf Meirelles Bilder voll Farbenkraft, die den Zuschauer eintauchen ließen in diese so andere Welt. Sein Afrika ist ebenso angelegt. Die unterschiedlichen Welten von Justin und Tessa sind auch in der Farbwahl getrennt. Während die Welt der englischen Diplomatie in kalten Grüntönen gehalten wird, schillert in Kenia die warme rote Farbe der Erde. Trotz der eingesetzten Filter wirkt "Der ewige Gärtner" dabei sehr dokumentarisch. Diese Optik erhielt "Der ewige Gärtner" auch aufgrund des brillanten Kameramanns César Charlone (ebenfalls "City of God"), der sich nicht scheute, anderen Leuten (wie Ralph Fiennes) Kameras in die Hände zu drücken und nach der Devise "Wenn es sich bewegt, film es" vorzugehen. Szenen wurden nicht choreographiert, sondern spontan losgespielt. Charlone filmte so schnell los, dass Rachel Weisz von Filmen in "Guerilla-Manier" sprach.
Das Filmen vor Ort (nicht nur in Afrika, sondern auch in Berlin und London) war zwar ein logistischer Kraftakt, hat sich aber in Hinblick auf das Ergebnis sehr gelohnt. Der größte Slum Afrikas, Kibera, war dabei nicht nur für den Regisseur ein Schock, der ihn als schlimmer empfand als die Favelas in Rio, sondern entsetzte auch die kenianische Crew, von denen die meisten noch nie dort gewesen waren. Es wurden zweitausend Bewohner dieses Slums als Statisten eingesetzt.

"Der ewige Gärtner" ist jedoch nicht nur ein spannender politischer Thriller, sondern auch eine überzeugende Liebesgeschichte, die kein glückliches Ende mehr haben kann, da einer der beiden Liebenden schon tot ist. Der Zuschauer sieht Tessa in diversen Rückblenden den Film hindurch und lernt sie mit Justin immer näher kennen, doch erhöht das Hintergrundwissen von ihrem Tod kontinuierlich das Gesehene und lässt es so glücklich-tragisch erscheinen - ein Effekt, den man mit zwei lebendigen Partnern nicht hätte erreichen können. Es ist der Kunstfertigkeit von John le Carré, dem Drehbuchautor Jeffrey Caine ("GoldenEye") und Meirelles zu verdanken, dass weder der Thriller noch die Liebesgeschichte dominieren, sondern dass sie zusammen ein Bild ergeben, das ohne den jeweils anderen Teil nicht funktionieren würde (sonst hätten wir eine andere "Bourne Identität" oder einen weiteren "Englischen Patienten").
Dass le Carrés exzellent recherchiertes Buch hier in guten Händen war, merkt man auch daran, dass der Schriftsteller dem Drehbuchautor Vorschläge machte, was er noch alles auf dem Weg vom Buch zum Skript ändern könnte. Jeffrey Caine war davon verblüfft, da er selbst Respekt vor der guten Vorlage hatte. Dank dieser Kooperation ist der Film fokussierter als das Buch und überzeugt sogar noch mehr. Es wurden Figuren weggelassen (zum Beispiel die beiden britischen Polizisten, die im Buch anfänglich alle Beteiligten langatmig verhören, um dann in der Versenkung zu verschwinden). Der Handlungsort in Deutschland wurde von Bielefeld nach Berlin verlegt, was die Bielefelder vielleicht enttäuschen wird.

"Der ewige Gärtner" bewegt sich auf einem Kontinent, der jenseits vom Afrika der Exotenkuscheligkeit einer "Weißen Massai" liegt. Ergreifend und visuell beeindruckend klagt Meirelles ein System von Korruption und Gier an, das aus unserer westlichen Welt in die Slums - ob Kibera oder Cidade de Deus - importiert wurde. Um es mit den Worten von le Carré zu sagen: "Man spricht von der Korruption in Afrika. Aber wer hat die Afrikaner korrumpiert?".

M. Semenowicz

 


Name: no
Email: no
Bewertung:   (- von 10 Digital Eyes)


Interessante und ausführliche Rezension. Schon "City Of God" war ein sehr gelungener Film, so dass ich mir diesen bestimmt auch ansehen werde.



Name: katrine
Email: butler_vs_danes@web.de
Bewertung:                       (10 von 10 Digital Eyes)

Unglaublich!!!!!
Ein brisantes thema viel zu brisant, als das man übertrieben oder gar reißerisch darstellte. ein muss, totenstille im kino und alle besucher blieben den ganten abspann lang sitzen. unbedingt anschauen



Name: Insanity
Email: koane@gmx.nix
Bewertung:                       (10 von 10 Digital Eyes)

Ein wirklich ergreifender Film der einen sehr nachdenklich stimmt. Hatte schon seid langem nicht mehr den gesamten Abspann eines Filmes über die Leinwand flimmern lassen.



Name: Christopher
Email: christ.stark@gmx.de
Bewertung:                     (9 von 10 Digital Eyes)

Ein sehr, sehr schöner, nachdenklicher und spannender Film!

Der beste Film, den ich seit Langem gesehen habe. Schöne Bilder, realistische Szenarien und glaubwürdige Charaktere.

Es lebe der europäische Film.

Hier sieht man auch wieder, daß eine Welt zwischen einem europäischen Film verfilmt nach echter Literatur (John Le Carré) und einem US amerikanischen Film á la Grisham liegt!

Auch große Anerkennung für die politische Anklage gegen die westliche Welt und deren Großunternehmen, die auch auf Kosten von Menschenleben Gewinnmaximierung betreiben.



Name: sandy.cheeks
Email: steffi.korbach@gmx.de
Bewertung:                       (10 von 10 Digital Eyes)

Endlich mal wieder ein super Ralph Fiennes Film.
Mein absoluter Lieblingsschauspieler und meiner Meinung nach der talentierteste Schauspieler unserer Zeit hat mich mit "Made in Manhatten" total entsetzt. Als es dann noch hieß, er spielt in Harry Potter mit, hab ich die Hoffnung schon fast aufgegeben, wieder so wunderbare Filme wie "Der enlische Patient", "Onegin" oder "Strange Days" sehen zu dürfen.
Gott sei dank ist die Durststrecke jetzt vorbei.
Ein wunderbarer Film der mich sehr nachdenklich und wütend gemacht hat.
Ist das wirklich alles Realität?
Gibt es so skrupellose und habgiere Menschen?
Auch bei unserer Vorstellung ist niemand während des Abspanns aufgestanden. Die Stimmung war total merkwürdig, ich kann verstehen, daß viele, die den Film vor mir kommentiert haben, das besonders erwähnten.
Unbedingt Reingehen!




Name: gudrun
Email: egretta@gmx.de
Bewertung:                       (10 von 10 Digital Eyes)

Ein sehr guter und ergreifender Film, der mich vom Anfang bis zum Ende gefesselt hat und die Mehrzahl der übrigen Kinobesucher allem Anschein nach ebenfalls sehr berührte, einige sind allerdings vorher gegangen, da sie mit dem Film scheinbar nicht viel anfangen konnten, vielleicht wegen der ungewohnten Ruhe und Länge einiger Szenen. Mich hat der Film und vor allem die Schilderung der Machenschaften der Pharmaindustrie in Kenia und anderen armen Ländern, die nur eine Gewinnmaximierung zum Ziel haben, erschüttert. Ich wusste bisher nicht, dass es so etwas in dem Maße gibt und dann noch von vielen Gesundheitsbehörden und Pharmafirmen, die ja eigentlich allen Menschen, egal ob reich oder arm, helfen sollen, verschwiegen oder stillschweigend akzeptiert wird.
Ein sehr wichtiger Film, den man sich unbedingt ansehen sollte.



Name: Elessar
Email: pigsonthewing@web.de
Bewertung:                     (9 von 10 Digital Eyes)

Der Rezension ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Definitiv einer der stärksten Filme des (vergangenen) Kinojahres. Ralph Fiennes und Rachel Weisz spielen tatsächlich auf Oscarniveau, auch wenn ihn wohl leider keiner der Beiden bekommen wird. Und was Kameramann César Charlone hier abgeliefert hat, kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Ein Erlebnis.



Name: oernest
Email: fqf
Bewertung:     (1 von 10 Digital Eyes)

also ich fand ihn tot langweilig



Name: kiki
Email: -
Bewertung:                       (10 von 10 Digital Eyes)

ein exzellenter film, der ein sehr gutes gleichgewicht zwischen liebesgeschichte und politthriller findet. der film hat mich für jede minute nahezu an den kinosessel gefässelt, weil alles sich genauso in der realität abspielen könnte. der beste film seit langen.

@ elessar
ralph fiennes wurde ja leider nicht nomieniert, aber rachel weisz, die kann nach den gewonnenen golden globe und sag award (preis der schauspielervereinigung) hoffen.



Name: uew
Email: sdpui
Bewertung:                     (9 von 10 Digital Eyes)

super film



Name: 1
Email:
Bewertung:   (- von 10 Digital Eyes)

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Name: Shoorty
Email: -
Bewertung:             (5 von 10 Digital Eyes)

verwirrend, langatmig, ermüdend - brisantes thema doch schlecht umgesetzt - man hätte viel mehr spannung einbauen müssen



Name: kackekay
Email: kackekay
Bewertung:       (2 von 10 Digital Eyes)

ich hatte laut vorschau gedacht,ein knaller film,aber es war das gegenteil,ich wurde sehr enttäuscht kein guter film trotz das ich ihn verstanden hab



Name: Filmfan
Email: -
Bewertung:                   (8 von 10 Digital Eyes)

Guter Stoff für "Die Dollmetscherin" Liebhaber.



Name: cartman
Email: -
Bewertung:                       (10 von 10 Digital Eyes)

Ein ergreifender und trauriger film über Afrika,zum nachdenken anregt.



Name: derewigefilmfreak
Email: ewig@immer.de
Bewertung:                     (9 von 10 Digital Eyes)

Viele, die sich vor dem Film den Trailer anschauen, werden wahrscheinlich entäuscht werden, weil man durch den Trailer etwas ganz anderes erwartet. Etwas was vielleicht weniger politisch ist. Der Film ist hat einen sehr hohen Anspruch. Also für alle die, die eher auf Action stehen: Lieber nicht anschauen.

28. September 2006



Name: anemic
Email: -
Bewertung:                       (10 von 10 Digital Eyes)

Endlich mal wieder ein Film, welcher bei mir wirklich Emotionen wecken konnte. Überaus ergreifend und definitiv sehenswert und mit einem würdigem, moralisch komplexen Schluss, welcher einen so schnell nicht los lässt.



Name: cateye
Email: xxx
Bewertung:                       (10 von 10 Digital Eyes)

Nach diesem Film fühlt man sich richtig mies, weil einem wieder einmal klar wurde wie viel arme, unschuldige Menschen sterben und man sicvh selber eigentlich einen scheiß dafür interessiert.

Fazit: Oskar war verdient und jede Kritik, die etwas gutes über diesen Film sagt auch!!!!!!!!!!

Ohne diesen Film hat men aine Bildungslücke.