Der König der Löwen

Originaltitel
The Lion King
Land
Jahr
2019
Laufzeit
118 Minuten
Genre
Regie
Kinostart
Bewertung
5
5/10
von Volker Robrahn / 18. Juli 2019

Wenn hier für einen Film wie „Der König der Löwen“ lediglich eine Kurzkritik erscheint, hat das in diesem Fall nichts damit zu tun, dass dieser für nicht so bedeutend gehalten wird oder aus Zeitgründen nicht mehr möglich wäre. Es ist aber tatsächlich so, dass es zu dieser Großproduktion nicht besonders viel zu sagen gibt. In einem Satz: Wer die gleiche, altbekannte Geschichte noch einmal in fantastisch animierten CGI-Bildern sehen möchte, der bekommt genau das geliefert, in der Perfektion die man von diesem Projekt erwarten durfte. Wer das aber nur bedingt reizvoll findet, den erwartet hier rein gar nichts Neues und eine "Realverfilmung" ist dies ja nun gerade nicht, auch wenn sie uns so verkauft wird.

Die Frage welchen Sinn so ein fast 1:1-Remake denn haben soll stellt sich dabei natürlich nur in künstlerischer Hinsicht und bleibt dort unbeantwortet. Aus kommerzieller Sicht braucht man sie nicht zu stellen, denn „Der König der Löwen“ ist eine derart starke Marke, dass damit zu rechnen ist, dass der Film recht mühelos die Milliarden-Grenze in Sachen weltweites Kasseneinspiel durchbrechen wird. Er wäre damit ein Stück erfolgreicher als der sich um zumindestein paar neue Elemente bemühende „Aladdin" und käme beim Publikum sogar weitaus besser an als der im Vergleich zur Zeichentrickvorlage völlig neu strukturierte „Dumbo" von Tim Burton. Womit sich dann auch jeder Entscheidungsträger darin bestätigt sehen dürfte, dass es eher schadet vom Originalkonzept abzuweichen und die Leute eben wirklich nur möglichst exakt noch einmal das vorgesetzt bekommen möchten, was sie eh schon kennen.

Jon Favreau, der lustige „Happy Hogan“-Nebendarsteller aus den Marvel-Filmen hat sich mal eben zum kompetenten Spezialisten und Erfolgsgaranten in Sachen hyperrealistische Tier- und Landschaftsanimationen entwickelt und perfektioniert hier die beim „Dschungelbuch“ begonnene Arbeit. Und zugegeben, die Bilder sind faszinierend (zumindest eine zeitlang) wirken gerade in den Totalen nun überhaupt nicht mehr künstlich und auch bei den Bewegungen oder Feinheiten (Fell) erreicht man nochmal eine neue Stufe. Zumal man sich auch bemüht hat, die Tiere nicht weiter zu vermenschlichen, sondern auch da auf Realismus achtet und sie sich ihrer Natur eintsprechend umherrollen und die Pfoten schlecken lässt. Aber sprechen tun sie halt trotzdem, was dann die Illusion prompt wieder zerstört und bei einem gezeichnete Film eben weit weniger befremdlich wirkt.Ein paar verlängerte Szenen, anderthalb neue Songs, das sind eigentlich nicht genug Gründe um sich dieses Remake anzuschauen. Der Rest ist eher eine technische Leistungsschau, die als solche zwar überzeugt und auch beeindruckt, aber leider nicht inspiriert oder bewegt.

 

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Bilder: Copyright

2
2/10

Kurzkritik hin oder her, man darf schon gerne erwähnen, dass durch den Photorealismus und die fehlenden Mimiken komplett jegliche Emotionen abgehen und dass das bei so einer gefühlvollen Vorlage eine Killerentscheidung war.

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@Sunspecter Die Körpersprache der Tiere wurden in diesem Film sehr realistisch umgesetzt. Mir als Tierfreund fiel es daher ganz und gar nicht schwer mich emotional mitreißen zu lassen. Die Mimiken hätten meiner Meinung nach so einiges Zerstört.

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Mir scheint, dass Zeitgründe bei dieser Rezension doch eine kleine Rolle gespielt haben, denn obwohl sie nur sehr kurz ist verstecken sich doch stolze 6 Satzeichen- und Rechtschreibfehler darin. Die gibt es in Euren Texten eigentlich sonst nie ;)

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Technisch betrachtet ist dieser Film ein absolutes Meisterwerk, vor allem bei denen Szenen mit der Maus war ich mir nicht sicher ob das real abgefilmt wurde, so verflucht echt sah das aus. Real Time Raytracing ist schon ein glaublich starkes Instrument.

Aber leider muss ich mich den Vorredner anschließen, was beim Dschungelbuch noch gut aussah, weil man dem Realismus weniger Raum gab, sieht hier leider einfach nur uncanny valley hoch 1000 aus. Vor allem die Löwen eignen sich nicht zum sprechen, hier ist der Brainfuck am größten. Bei Timmon, Pumpa und Sazu und auch teilweise den Hyänen funktioniert das reden meist sogar recht gut, beim Pavian sowieso. Und der Grund ist recht einfach, Löwen haben einen sehr versteckten Mund und dieser ist komplett dem jagen untergeordnet. Die Hyänen haben an der Schnauze kein Fell, weil sie Aasfresser sind, würde die Schnauze verkleben beim reingraben in das Gerippe.

Trotzdem sehenswert, auch wenn die Magie des Originals fehlt ist es allein aufgrund der künstlerischen Brillanz ein Film den man sehen sollte.

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5
5/10

Seelenlose Technik-Demo, die über ihren eigenen fotorealistischem Anspruch stolpert.

Wie vom Rezensenten schon dargelegt, wird hier die Originalgeschichte fast 1:1 Abgespult, und das ohne, dass sich irgendwer hier die Mühe gemacht hätte darüber nachzusinnen, dass die nahezu perfekte Inszenierung des Originals auch stark von der Mimik ihrer damaligen Figuren Lebte. So wird hier auf den jeweilige Kontext verbal eingegangen und dieser natürlich auch durch die Sprecher entsprechend emotional eingefangen. Das bringt jedoch alles absolut gar nichts, wenn die dazugehörige Emotion sich nicht in den Gesichter der Protagonisten wiederfindet. Hinzu kommt, dass die diversen emotionalen Spitzen, welche die Geschichte mit sich bringt, dann auch noch mit beängstigender Konsequenz verbal abschwächt werden.

Niemand hat sich hier offenbar darüber Gedanken gemacht, dass es ein Problem werden könnte, Tiere, die in ihrer Darstellung und Animation extrem realistisch daherkommen, einer rein menschlichen Gesellschaftsstruktur auszusetzen, in welcher sie menschlich agieren, wie Menschen reden und menschliche Probleme und Gefühle durchleben. Das passt einfach nicht zusammen. Wenn z.B. Simba das Ableben einer Kernfigur betrauert, sich jedoch dieser Verlust absolut nicht in seiner Mimik niederschlägt, ist das einfach nur lahm. Auf diese Weise wurde eine der tragischsten cineastischen Erlebnisse meiner Kindheit zu einem drögen und gänzlich unberührenden Augenblick - aua. Ein fantastisches Beispiel dafür, dass audiovisueller Realismus nicht gleichzusetzen ist mit besserer Exposition.

Dieses Problem wird umso deutlicher, wenn man das zentrale Duo des Films, Timon und Pumba betrachtet, die in dieser Hinsicht den einzigen Lichtblick darstellen. Denn auch wenn den beiden die gleichen konzeptionellen Fesseln angelegt wurden, haben diese Figuren das große Glück durch ihre rein physische Erscheinung und den damit verbundenen Buddy-Comedy-Faktor genügend emotionale (witzige) Präsenz zu schaffen, dass man dem Film wenigstens ein emotionales Herzstück attestieren kann.

Darüber hinaus funktioniert der Film nur in den Totalen, in welchen Licht und Komposition die emotionale Exposition übernehmen und von dem immer noch fantastischen Score untermalt werden. Sehr schade.

Leider waren auch die Gesangseinlagen sehr schwierig. Wo mann sich zum Auftakt noch stark an die Originale hält, werden die späteren Songs mehr und mehr in glattproduzierte Pop-Beladen transferiert. Alles wirkt unglaublich gewollt. So scheint es Beyoncé oder ihrem deutschem Äquivalent wichtiger zu sein ihr Ding durchzuziehen, als ihre Stimme in den Dienst der Geschichte oder ihres Charakters zu stellen. Auch der „Song“ von Scar ist eine mittlere Katastrophe, wird hier die grandiose Choreographie von Damals auf einen in sanften Sprechgesang gehülltes „Ich-geh-hier-mal-den-Hügel-rauf-und-dann-erzähl-ich-euch-mal-was-ihr-Wi§$&er“ runtergebrochen. Sorry, ich halte Chiwetel Ejiofor wirklich für einen großartigen Schauspieler, aber wäre es wirklich so schlimm gewesen, für diese Rolle noch einmal Jeremy Irons zu verpflichten? Gegen seine metallische Reibeisen-Stimme und seine Performance wirkt das, was Herr Ejiofor hier darbietet, wie eine Erwachsenen-Version von „Alle meine Endchen“.

Ich bin wirklich enttäuscht. Nach der überraschend starken Umsetzung von „Das Dschungelbuch“ war ich sehr gespannt, was hier auf mich zukommt. Allerdings hatte dieser den Vorteil, dass sich die ursprüngliche Disney-Umsetzung bestenfalls an einem schmalen roten Faden entlang hangelte, anstatt an einer richtigen Geschichte. So blieb eine menge Raum für die Weiterentwicklung der Story, ohne dem Original seine Identität zu rauben. Auch kam ihm zu gute, das in all dem pompösen CGI-Gewitter ein realer Mensch das Herz dieser Inszenierung in sich trug.
Es ist wirklich schade, was hier der neuen Generation vorgelegt wird. Nach Sichtung dieses Machwerks werden vermutlich viele Kids nie erfahren, welche Kraft und Poesie in dieser Geschichte liegt und das Zeichentrick seine ganz eigene Magie verströmt. Bleibt zu hoffen, dass hier viele Eltern gute Aufklärungsarbeit leisten. Irgendwo zwischen „Räum dein Zimmer auf“ und dem bunten Treiben der „Bienen und Blüten“ wird hoffentlich noch ein wenig Zeit sein.

3 Punkte gibt es für die fantastische Präsentation, 1 Punkt für Timon und Pumba und einen für den damals wie heute grandiosen Score. Wow, das tut echt weh.

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5
5/10

Ich schließe mich der Grundstimmung (leider) an.

Mir persönlich haben manche der kleinen Änderungen in der Geschichte sehr gut gefallen, z.B.
- die Tatsache, dass auch im Dschungel diverse Löwen-Beutetiere leben, Simba aber danach "erzogen" wird, diese in Ruhe zu lassen (bei der Vorlage wirkte es oft so, als gäbe es neben Timon und Pumbaa quasi nur Käfer in dieser Gegend)
- der Weg von Simbas Haar bis zu Rafiki war hier weniger sprituell und eher realistisch, was mal interessant war.
- die ausführlichere Darstellung von Nalas Flucht

Insgesamt ist aber ja aus der Rezensionen klar geworden, dass größtenteils ziemlich viel gleich geblieben ist, nur eben in realistischer Optik. Das finde ich auch schade, weil es dadurch nicht besser oder anders wird, sondern einfach ein bisschen uninteressanter und damit überflüssig.

Besonders deutlich wurde dabei, wie perfekt die alte Inszenierung war. Die sehr filmischen "Kamerafahrten" (kann man das in einem Zeichentrickfilm so nennen?) und Schnitte waren hier im direkten Vergleich so gut gesetzt, dass sie DIE mal besser in Ruhe gelassen hätten. Etwa die greifbare Panik inkl. "Vertigo"-Effekt, wenn Simba die Herde in die Schlucht laufen sieht - in der Vorlage rutscht einem das Herz in die Hose, im Remake denkt man "Oh. Achtung, Gnu".

Die Sprecher waren im Deutschen solide, Simbas junge Version kam für mich nicht gut rüber, aber das ist bei Kindern natürlich auch schwierig. Timon&Pumbaa waren super (beim Witz am Ende von "Hakuna Matata" hab ich fast Tränen gelacht), aber sonst war alles schwächer: Scars düstere Präsenz war nicht greifbar, der schon immer arg beschleunigte gemeinsame Abend mit der erwachsenen Simba und Nala war noch schneller abgehakt und auch Mufasas "Besuch" per Wolkenexpress war ein bisschen zu dezent (zugegeben, im Original dafür etwas zu dicke).

Ach, es endet nicht. Also ein Fazit: Wie die meisten anderen sehe ich den Sinn nicht, für eine Technikdemo hätte man sich vielleicht nicht unbedingt sein Meisterwerk unter den Meisterwerken schnappen sollen, sondern von mir aus so etwas wie Aristocats, wo nicht die ganz großen emotionalen Themen aufgemacht werden.

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