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Als 1995 die dritte Staffel von "Deep Space Nine" ihren Verlauf nahm, standen eigentich alle Weichen auf durchstarten: Die Vorgänger-Crew von der "Next Generation" hatte sich vom Fernseher auf die Kinoleinwand verabschiedet; in der letzten Episode der zweiten Staffel hatten große Konflikte mit dem Dominion ihre Schatten voraus geworfen; und nach zwei erstaunlich ordentlichen Anlaufjahren hatte man auch bei "Deep Space Nine" im dritten Jahr endlich das richtige Gefühl für die Charaktere und deren Interaktion gefunden.
Die Veränderungen im Goldgräbercamp Deadwood, die sich im dramatischen Saisonfinale der ersten Staffel abzeichneten, sind am Beginn der zweiten Staffel so auch eingetreten: Seth Bullock (Timothy Olyphant) hat den Posten des Sheriffs übernommen, sehr zum Leidwesen seines Erzfeindes Al Swearengen (Shane Black). Neben Swearengens Anfeindungen muss Bullock auch sein Privatleben regeln, welches in Unordnung abzugleiten droht.
Man braucht sich ja mittlerweile nicht mehr davor zu schämen, seine Zeit lieber vor dem Fernseher zu verbringen als sich ins nächste Multiplex zu schleifen, um dort für teures Geld neue Beispiele für Hollywoods Einfallslosigkeit vorgesetzt zu bekommen. Qualitätsware im Fernsehen ist längst nicht mehr nur ein Herausforderer fürs Kino, sie hat die Konkurrenz auf der großen Leinwand in vielen Fällen schon überholt.
Am Ende der vierten Staffel war Frieden ins "Babylon 5"-Universum eingekehrt. Die Schatten hatten die Galaxis für immer verlassen, die korrupte Erdregierung war gestürzt worden und John Sheridan hatte es geschafft, alle großen Völker zu einer Interstellaren Allianz zu vereinigen. Die Saga um die "letzte, beste Hoffnung auf Frieden" schien zu Ende erzählt worden zu sein; und in gewisser Weise war sie das auch, da das Zustandekommen einer fünften Staffel lange Zeit in den Sternen stand.
In den ersten drei Jahren legte "Babylon 5" mit jeder neuen Staffel an Spannung, Storydichte und Qualität zu, so dass die Erwartungen an die Serie inzwischen entsprechend hoch waren. Wie bereits in der Besprechung der ersten Staffel erwähnt, wurde die Serie nach einer Art "Fünfjahresplan" erstellt, in dem die in einem Zeitraum von fünf Jahren spielende Handlung im Voraus grob festgelegt war.
Nachdem in der ersten Staffel von "Babylon 5" die Figuren vorgestellt und in der zweiten die Ereignisse ins Rollen gebracht wurden, wird es nun im dritten Jahr für die Bewohner der Raumstation im Epsilon-Sektor richtig ernst. Die Staffel trägt den Titel "Point of no Return" (den unglücklichen, von der entsprechenden Episode übernommenen deutschen Titel lassen wir mal außen vor) und genau darum geht es hier.
Entgegen dem Glauben vieler Kritiker und Experten schaffte es "Babylon 5" in die zweite Runde. Die Einschaltquoten der ersten Staffel waren gut genug, dass Warner dem kreativen Kopf hinter der Serie, Joe Michael Straczynski, grünes Licht für 22 weitere Episoden gab, die ab November 1994 in den USA und ein gutes Jahr später auch hierzulande über die Bildschirme flimmerten.
"Ich war dabei, als das dritte Zeitalter der Menschheit begann…" Mit diesen Worten wurde in den 1990er Jahren ein neues Kapitel der Fernsehunterhaltung aufgeschlagen. Dem nicht gerade großen Kreis qualitativ hochwertiger Fernseh-Science-Fiction gesellte sich damals mit "Babylon 5" eine Serie hinzu, die nicht nur intelligente und spannende Unterhaltung auf hohem Niveau bot, sondern sich vor allem langfristig in der schnelllebigen Fernsehlandschaft halten konnte und mit ihrer episch angelegten Geschichte neue Maßstäbe setzte.