Palmer

Originaltitel
Palmer
Land
Jahr
2021
Laufzeit
110 min
Genre
Release Date
Streaming
Bewertung
5
5/10
von Frank-Michael Helmke / 27. Januar 2021

Der Streamingdienst von Apple kommt nicht so richtig in Gang. Seit dem Start im November 2019 bringt es „Apple TV+“ auf bisher knapp 30 Serien, die Hälfte davon aus den Sparten Dokumentation oder Kinder, und so gut wie keine kann bisher mit einer zweiten Staffel aufwarten – ein Problem, das natürlich auch durch die Corona-Pandemie bedingt ist, die so ziemlich jede Serienproduktion auf der Welt massiv ausgebremst hat.

Bei den Filmen sieht es noch magerer aus: Erst ein gutes Dutzend hat der Streaming-Dienst im Angebot (auch hier mit substantiellem Doku-Anteil), und der Einzige, der bisher für leidlich Aufmerksamkeit gesorgt hat, war das Weltkriegs-Drama „Greyhound“ mit Tom Hanks. Nun bemüht sich Apple TV+ erneut mit etwas Superstar-Power um neue Interessenten. Doch auch Justin Timberlake dürfte mit seiner Hauptrolle in dem Sozialdrama „Palmer“ den Streamingdienst kaum aus seinem Status als Randerscheinung herausholen.

Timberlake spielt den titelgebenden Eddie Palmer, der nach zwölf Jahren im Gefängnis heim zu seiner Großmutter Vivian (June Squibb) kehrt und einen Neuanfang sucht. Vivian hat einen Wohnwagen auf ihrem Grundstück an Shelly (Juno Temple) vermietet, eine typische „White Trash“-Braut mit Drogenproblem, gewalttätigem Freund und vernachlässigtem Kind. Dieses Kind ist der zehnjährige Sam (Ryder Allen), der mit seiner Vorliebe für Prinzessinnen, Pink, Make-Up und allem anderen, was „typisch Mädchen“ ist, auch von Palmer dieselben schiefen Blicke erntet wie von sonst jedem in der erzkonservativen Südstaaten-Kleinstadt. Als Shelly einmal mehr auf unbestimmte Zeit verschwindet, nimmt sich Vivian wie gewohnt Sam an. Doch als sie plötzlich stirbt, findet sich Palmer unerwartet in der ungewollten Verantwortung für diesen etwas ungewöhnlichen Jungen wieder.

Man kann sich denken, wie die Geschichte von hier an weitergeht. Tatsächlich fühlt sich „Palmer“ wie die perfekte Vorlage für einen Disney-Familienfilm an, bei dem am Ende alle Tränen in den Augen haben, während der Held zu anschwellender Orchestermusik auf dem Soundtrack erklärt, wie er durch dieses Kind zu einem besseren Menschen geworden ist. Das Überraschendste an „Palmer“ ist noch, dass er sich eben nicht zu solch einem Kitschfest wandelt und von einem Disney-Film ziemlich weit weg ist. Das wird schon nach weniger als zehn Minuten klar, als Palmer an einem seiner ersten Abende in Freiheit in einer Bar auf Shelly trifft, um sie kurz darauf erstmal ordentlich durchzuvögeln.

Man könnte das hier also einen Disney-Familienfilm „nur für Erwachsene“ nennen, denn trotz der bodenständigen und ab und zu etwas handgreiflichen Handlungswelt bleibt im Kern eben doch eine von vorn bis hinten vorhersehbare Geschichte, die ihre Moralkeule zwar sehr dezent schwingt, aber Keule bleibt halt Keule. Die Grundidee mit einem offensichtlich queeren Kind, das sich selbst noch nicht bewusst ist, dass es queer ist, hat ihren Charme und sorgt für einige nette Humormomente. Trotzdem bleibt das deutliche Gefühl, dass man aus diesem Szenario mehr hätte rauskitzeln können, denn gerade die zentrale Beziehung zwischen Palmer und Sam nimmt nur sehr wenige Entwicklungsstufen. Dasselbe gilt für den inneren Bogen der Hauptfigur selbst, so dass der Film noch einen obligatorischen, ebenfalls vollkommen absehbaren Liebes-Subplot ergänzt, um auf etwas mehr Strecke zu kommen.

„Palmer“ ist in seiner Gesamtheit so vorherseh- und durchschaubar, dass man sich am Ende fast schon wieder wünscht, er würde sich doch in ein Disney-Kitschfest verwandeln, damit man wenigstens in etwas mehr emotionale Anteilnahme manipuliert wird. So berührt einen eigentlich nur der wirklich charmante und erstaunlich authentische Kinderdarsteller Ryder Allen. Ansonsten? Mal wieder nix verpasst ohne AppleTV+.

Bilder: Copyright

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