Mercy

Originaltitel
Mercy
Land
Jahr
2026
Laufzeit
100 min
Genre
Release Date
Bewertung
6
6/10
von Volker Robrahn / 21. Januar 2026

Wenn ein Film sich dazu entschließt seine Geschichte mit einer Hauptfigur zu erzählen, die fest an einem einzigen Platz verankert versucht über Monitore und mit technischen Hilfsmitteln ein bedrohliches Szenario zu lösen, ist das zweifellos eine ziemliche Herausforderung an die Kreativität der jeweiligen Macher. Denn von nur einem einzigen festen Schauplatz aus alle weiteren Entwicklungen zu steuern ist zwar immer eine nette Spielerei, aber auch nicht zwangsläufig über die Laufzeit eines kompletten Spielfilms ergiebig und spannend. Daher gibt es für diesen Ansatz sowohl gelungene Beispiele wie den Entführungsthriller „Searching“ als auch komplett misslungene Desaster wie erst kürzlich die auf Amazon Prime versendete Schmalspur-Variante von „Krieg der Welten“. Weshalb man dem in den ersten Minuten von „Mercy“ präsentierten Szenario eines bereits an eine Art elektrischen Stuhl gefesselten Mordverdächtigen, der exakt 90 Minuten Zeit hat um der KI-Richterin seine Unschuld zu beweisen, durchaus erstmal mit Skepsis begegnen darf.

Wobei das in einem PR-Videoclip geschilderte Prinzip der absolut faktenbasierten, mittels künstlicher Intelligenz ermittelten und damit automatisch fehlerfreien Urteilsfindung auch gleich noch stark an „Minority Report" erinnert. Doch nach einem philosophischen Diskurs auf dem Niveau eines Philip K. Dick sieht es hier zunächst weniger aus sondern eher nach doch recht absurd wirkendem Unfug. Ein dunkler Verhörraum in dem sich außer der mit dem Gesicht von Rebecca Ferguson versehenen KI und dem von Chris Pratt gespielten Angeklagten niemand sonst befinden darf? Und warum der völlig unnötige Zeitdruck unter dem der immerhin des Mordes an seiner Frau verdächtigte und nun um sein Leben kämpfende Polizist versuchen muss zu beweisen, dass er die Tat nicht begangen hat? Damit der Film so ein hübsches Spannungsmoment inklusive Countdown aufbauen kann lautet natürlich die Antwort, die aber halt nur den Verdacht stärkt, dass wir es bei „Mercy“ eher mit der leicht trashigen B-Variante einer düsteren Dystopie zu tun haben.

Die immerhin das liefert was man von so einem Unterhaltungsfilm dann auch erwarten darf, nämlich eine rasante Handlung ohne Längen, reichlich Action (für die hier dann natürlich die auf den Bildschirmen agierenden Figuren sorgen) sowie immer wieder neue Twists, die die Ermittlung in neue Richtungen führen. Dass dem verzweifelt seine Unschuld beteuernden Raymond dabei sämtliche von Überwachungskameras aufgenommenen Bilder zur Verfügung stehen - und ihm auch der Zugang zu allen möglichen privaten Mails und Social Media Accounts aller mit dem Mord in Verbindung stehenden Personen gewährt wird - hilft dabei sowohl ihm als auch dem Film, um seine Story ein Stück größer aufziehen zu können. Denn im Gegensatz zu bisherigen "Screenlife"-Filmen bleibt es hier nicht beim reinen Starren auf Bildschirme, es enwickelt sich eher eine Art Virtual Reality, bei der die einzelnen Elemente  um die Figur von Chris Pratt herumtanzen. Technisch schick gemacht, aber visuell hatte Regisseur Timur Bekmambetov ja schon immer Einiges drauf, meist mangelte es seinen Werken wie "Wächter der Nacht" aber an einer stringenten (oder überhaupt irgendwie nachvollziehbaren) Erzählweise. 

Bei "Mercy" gibt es dagegen im letzten Drittel inhaltlich sogar eine kleine Überraschung: Wurde bis dahin dem Betrachter mehr oder weniger mit dem Holzhammer vermittelt, dass diese Art Nutzung von künstlicher Intelligenz einfach nur falsch, ungerecht und natürlich abzulehnen ist, kommt es dann doch noch zu einer Art Reflektion über die Vor- und Nachteile von KI, die man tatsächlich als halbwegs differenziert bewerten kann. Nicht, dass das ganze Konstrukt das uns hier mitsamt einem noch diverse Haken schlagenden Finale aufgetischt wird auch nur halbwegs realistisch wäre, das nun wahrlich nicht. Aber dennoch ist „Mercy“ in seiner schlussendlichen Aussage eben auch nicht dumm. Und kurzweilig und unterhaltsam noch dazu, so dass die Wertung letztlich sogar leicht überdurchschnittlich ausfällt.

Bilder: Copyright

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