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Hard Powder

Hard Powder
action-komödie , usa 2019
original
cold pursuit
regie
hans petter moland
drehbuch
hans petter moland, frank baldwin
cast
liam neeson,
laura dern,
emmy rossum,
tom bateman, u.a.
spielzeit
120 Minuten
kinostart
28. Februar 2019
homepage
http://www.studiocanal.de/kino/hard_powder_
bewertung

4 von 10 Augen

powder 1Seit Liam Neeson sich mit „Taken - 96 Hours“ als Action-Held neu erfunden hat sind nun auch schon wieder mehr als zehn Jahre vergangen. Es folgten eine ganze Reihe von teils sehr ähnlich, oft auch durchaus originell angelegten Filmen, denen aber stets gemein war, dass die jeweilige Figur von Neeson eine ganze Reihe von bösen Buben aus dem Weg räumen musste. Dieses Konzept wird nun in „Hard Powder“ auf die Spitze getrieben, dem Remake des skandinavischen Films „Einer nach dem Anderen“ aus dem Jahr 2014. Die Titeländerung macht dabei durchaus Sinn, wird hier doch keinesfalls immer nur brav ein Gangster nach dem anderen umgelegt, sondern gern auch mal mehrere auf einmal. Der Ton der US-Version kommt dabei allerdings so unausgegoren zwischen Groteske und ernsthaftem Drama daher, dass hier nicht mehr wirklich viel zusammenpasst.

powder 2Nels Coxman ist ein vorbildlicher Bürger einer kleinen Stadt in den Rocky Mountains. So korrekt, freundlich und zuverlässig versieht er seine Arbeit als Schneepflugfahrer rund um den Provinzflughafen, dass er sogar zum „Bürger des Jahres“ gewählt wird. Doch dann stirbt sein Sohn Kyle in der großen Stadt angeblich an einer Überdosis Heroin, was aber absolut nicht zu dem Menschen passt, den Nels und seine Frau Grace (Laura Dern) zu kennen glaubten. Nels findet sich nicht mit den vermeintlichen Tatsachen ab und beginnt nachzuforschen. Recht schnell findet er heraus, dass Kyle als Drogenkurier für die Bande von Viking (Tom Bateman) gearbeitet hat. An den Boss der Gang heranzukommen ist jedoch nicht einfach und so arbeitet sich Nels erstmal durch die Reihen der Helfershelfer, was für diese durchgehend tödlich endet. Was für die örtliche Polizei nach einem Bandenkrieg aussieht, entwickelt sich in Wahrheit zum Rachefeldzug eines sehr zornigen und gnadenlosen Mannes.

powder 3Dass sich „Hard Powder“ an den amerikanischen Kinokassen zum seit vielen Jahren schwächsten Liam Neeson-Film entwickelte, hat vermutlich nur wenig mit dessen Qualität oder Handlung zu tun. Denn der Start erfolgte ziemlich genau zu dem Zeitpunkt als ein Interview mit dem Hauptdarsteller große Wellen schlug, in dem Neeson eingestand, vor einigen Jahren mit gewalttätigen Rachephantasien gegen Menschen mit schwarzer Hautfarbe durch die Straßen gezogen zu sein, nachdem eine Freundin vergewaltigt worden war. Obwohl er diese im Nachhinein als „falsch und keine Lösung“ bezeichnete, wird ihm nun vor allem Rassismus vorgeworfen (die Gewalt scheint in den USA ja nicht so problematisch zu sein) und es bleibt abzuwarten, wie stark sich diese Sache auf seine weitere Karriere auswirken wirkt. Dies aber nur als Erklärung für die ungewöhnlich zurückhaltende Aufnahme von „Hard Powder“, dessen geplante Premierenfeier in den USA dann auch abgesagt wurde. Für die Bewertung des Films an sich spielt dieser Hintergrund hier natürlich keine Rolle.

powder 4Denn das vom Regisseur des Originals Hans Petter Moland selbst inszenierte Remake seines Films mit dem wundervollen Originaltitel „Kraftidioten“ hat ganz andere Probleme, die aber auch nicht allzu überraschend sind, wenn man bereits gemachte Erfahrungen mit den US-Versionen von eigensinnigen und skurrilen europäischen Werken im Hinterkopf hat. So wird zwar auch hier ohne viel Umschweife einem Ganoven nach dem Anderen das Lebenslicht ausgeblasen und gerne geschieht das dann auf möglichst originelle Art, mittels Planiermaschine zum Beispiel oder mit einem als tödlicher Rammbock eingesetzten Baum, wird dabei allerdings nie so richtig hart und brutal inszeniert.

Spätestens wenn dann zur Bewahrung des Überblicks für jeden gerade Umgekommenen auf der Leinwand ein Friedhofskreuz mit Namen aufblinkt wird aber klar: Dies hier ist eine Komödie und das Morden eher als Spaß zu sehen. Ein Stilmittel, das vor allem beim ersten Einsatz recht unerwartet kommt, hat man sich doch in der knappen halben Stunde zuvor eigentlich um eine recht realistische und bodenständige Schilderung bemüht, sowohl was den brutalen Tod von Kyle angeht, als auch die Reaktion der geschockten und verzweifelten Eltern darauf. Aber plötzlich ist alles nur noch ein Witz, genauso plötzlich wie aus dem ruhigen und besonnenen Kleinstadt- ein Wutbürger wird, der sich nicht mit dem Herauspressen von Informationen zufrieden gibt, sondern jeden Kleinganoven gleich ultimativ bestraft.

powder 5Zwar weiß man dann irgendwann Bescheid wie der Schneehase läuft und dass es völlig wurscht ist, wie viele unwichtige Typen ins Gras beißen, soll anschließend aber doch wieder emotional mitgehen, wenn Nels Frau unter Depressionen leidet. Das funktioniert dann leider hinten und vorne nicht, da sich Regisseur Moland eben doch ein wenig zu sehr den veränderten Vorgaben angepasst hat. Allzu wild und blutig darf es hier nicht werden, das Mainstreampublikum soll ja nicht verschreckt werden. So sind die zahlreichen Figuren weniger grotesk, sondern meist einfach nur Unysmpathen oder gar komplett konturenloses Material für den Bodycount. Statt dem charismatischen serbischen Mafia-Boss von Bruno Ganz bekommen wir in der neuen Variante einen eher schweigsamen indianischen Anführer serviert. Der einzige, der richtig zum durchgeknallten Overacting greifen darf, ist Oberschurke Viking, der aber doch eigentlich richtig bedrohlich wirken soll. Und wie glaubwürdig die sehr plötzliche Wesensveränderung von Liam Neesons Charakter zum achselzuckenden, ganze Leichenberge anhäufenden Massenmörder ist, fangen wir am Besten gar nicht richtig an zu analysieren.

Natürlich gibt es auch einige ziemlich coole Szenen in „Hard Powder“ und der Einbau der Schneelandschaft bildet ein eindrucksvolles Hintergrundpanorama. Es ist auch durchaus anerkennenswert, wenn Liam Neeson versucht seiner zur Standardrolle gewordenen Interpretation des harten Kämpfers ein paar neue Nuancen zu verpassen. Hat aber diesmal leider nicht wirklich funktioniert in einem Film, der seine Grundprämisse selbst torpediert, indem er sie einerseits stark abmildert und auf der anderen Seite dafür mit unpassenden „seriösen“ Einschüben anreichert. Das Ergebnis ist dann eine ziemliche Panscherei aus nicht miteinander harmonierenden Zutaten.

Volker Robrahn

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