Der damals noch kurz vor der Corona-Pandemie in den Kinos angelaufene „Greenland“ wird nicht nur deshalb als kleiner Überraschungserfolg betrachtet, weil man von dem sich meist nur noch im Gefilde der eher anspruchslosen Action B-Ware bewegenden Gerard Butler nicht mehr allzu viel erwartet. In diesem Fall überzeugte auch die Machart, die neben einer sauberen technischen Produktion ihr Weltuntergangsszenario nicht nur als reines Effektkino inszenierte sondern auch mit einem guten Spannungsbogen und sogar emotional bewegenden Charaktermomenten überzeugen konnte. Die nun anstehende Fortsetzung ist allein deshalb interessant, weil Geschichten dieser Art nach erfolgtem Weltuntergang normalerweise ihr natürliches Ende finden, auch wenn es noch ein paar Überlebende gibt. „Greenland 2“ erzählt die Story nach der Apokalypse aber nun tatsächlich weiter und stellt sich somit der Aufgabe eine „neue“ Welt und deren Regeln vorstellen und etablieren zu müssen – was aber nur mittelprächtig gelingt.

Einige Jahre nach dem Einschlag des Kometen „Clarke“ harren John und seine Familie immer noch in ihrem Bunker in Grönland aus, denn die dortige Umwelt entwickelt sich eher zum Schlechteren anstatt neue Hoffnung zurückzubringen. Nach einer weiteren heftigen Naturkatastrophe sind die Bewohner schließlich sogar gezwungen zu fliehen. Ihr Ziel ist die Ursache der ganzen Katastrophe, nämlich der durch den Einschlag des Kometen entstandene Krater, der laut einigen wissenschaftlichen Erkenntnissen tatsächlich die aktuell besten Voraussetzungen für neues Leben in Form einer angenehmen Flora und Fauna bietet. Der Weg dorthin ist allerdings äußerst gefährlich, vor allem wenn man sich nicht nur der rauen Natur sondern auch jeder Menge feindlich gesinnter Mitmenschen erwehren muss.

Vor allem der Auftakt im kargen Bunker in dem erst mal viel diskutiert wird stellt sowohl visuell als auch vom Handlungstempo her einen krassen Gegensatz zum Stil dar in dem der Vorgänger die Sache anging. Das ist zunächst wenig packend, was sich aber nach einer halben Stunde ändert wenn die eigentliche Reise beginnt und Drehbuch und Kamera im Verlauf doch noch ein paar stark inszenierte Sequenzen präsentieren. Dabei schreckt man auch nicht davor zurück, die eine oder andere viel versprechend aufgebaute Nebenfigur unerwartet aus der Handlung zu nehmen, was das Ganze erfreulich unberechenbar macht. Was den Zustand der Welt betrifft, durch die sich John und seine Familie dabei bewegen, darf man aber das eine oder andere Mal etwas mit der Stirn runzeln.

Denn sowohl die Verfassung einzelner Städte und Wälder, als auch die Anzahl der sich dort aufhaltenden Menschen widerspricht doch recht stark dem was die erfolgte Katastrophe laut den im vorigen Film gemachten Aussagen eigentlich hätte anrichten müssen – da fragt man sich irgendwann schon warum denn damals jeder mit aller Macht versucht hat in den grönländischen Bunker zu gelangen. Und wenn dann irgendwann die wie gemalt aussehende Kitschansicht des neuen Paradieses gezeigt wird sorgt das leider für den einen oder anderen ungewollten Lacher im Publikum. Was ein bisschen schade ist, denn den ansonsten sehr solide gemachten „Greenland“-Filmen gelingt es auf der anderen Seite eben auch starke Charaktere zu entwickeln an deren Schicksal man wirklich Anteil nimmt, was in diesem Genre sonst doch eher selten vorkommt. Insgesamt noch solide lautet dann auch das Gesamturteil zu dieser Fortsetzung, die aber das Niveau des Vorgängers nicht erreicht.
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