Die letzten Glühwürmchen

Originaltitel
Hotaru no haka
Land
Jahr
1988
Laufzeit
93 min
Genre
Release Date
Bewertung
10
10/10
von Moritz Hoppe / 9. Februar 2021

Kriegsdarstellungen gibt es im Kino zuhauf: Sei es in Francis Ford Coppolas Exzess-Trip „Apocalypse Now“ oder im 2019 erschienenen „1917“ von Sam Mendes – eine gewisse Begeisterung an den Schrecken des Krieges lässt sich mit Blick auf die Filmgeschichte nicht leugnen. Kriegsfilme sind also immer mit einer Doppelmoral verbunden: Der möglichen Notwendigkeit einer filmischen Aufarbeitung von Kriegen und bewaffneter Konflikte – beispielsweise, um vergessene Einzelschicksale sichtbar zu machen – steht immer auch eine ausbeuterische Schaulust gegenüber. Daraus ergibt sich eine interessante Fragestellung: Können die Schrecken des Krieges Teil eines Films sein, ohne die visuelle Schaulust zu befeuern? Gibt es so etwas wie einen „Antikriegsfilm“ überhaupt?

Eine nahezu perfekte Antwort auf diese Frage bietet ausgerechnet ein Klassiker des Animationskinos. Mit „Die letzten Glühwürmchen“ veröffentlichte der japanische Regisseur Isao Takahata im Jahr 1988 einen der zugleich behutsamsten als auch emotional eindringlichsten (Antikriegs-)Filme aller Zeiten. Erschienen unter Aufsicht von Hayao Miyazakis Studio Ghibli („Prinzessin Mononoke“, „Das wandelnde Schloss“) orientiert sich der Film inhaltlich lose an der autobiografischen Kurzgeschichte „Das Grab der Leuchtkäfer“ von Akiyuki Nosaka von 1967, welche – basierend auf persönlichen Erlebnissen – die schreckliche Realität der japanischen Spät- und Nachkriegszeit schildert.

Zeitlich ist der Film in der Schlussphase des zweiten Weltkriegs situiert, kurz vor der Kapitulation Japans. Erzählt wird die Geschichte des vierzehnjährigen Seita und seiner vierjährigen Schwester Setsuko. Nach dem Tod der Mutter, welche einem Bombenangriff auf die japanische Hafenstadt Kobe zum Opfer fällt, sind die beiden Kinder auf sich alleine gestellt und müssen nun im zerstörten Japan um ihr Überleben kämpfen. 

Takahata zeigt mit „Die letzten Glühwürmchen“ ungeschönt und schonungslos, welche weitreichende Folgen der Krieg für die unbeteiligten und unschuldigen japanischen Zivilist*innen hatte. Dabei wird die Geschichte, Ghibli- und Miyazaki-typisch, aus der Sicht von Kindern bzw. Jugendlichen erzählt. Im Gegensatz zu den anderen Genrevertretern nutzt „Die letzten Glühwürmchen“ den naiven Blick des Kindes dabei aber nur ganz selten, um in eine Fantasiewelt zu flüchten. Während Anime-Meisterwerke wie „Chihiros Reise ins Zauberland“ oder „Mein Nachbar Totoro“ beinahe vollständig aus einer kindlichen Vorstellungskraft zu entspringen scheinen, wird das Publikum in „Die letzten Glühwürmchen“ mit der erbarmungslosen Realität konfrontiert. Dadurch wirken die wenigen Fantasiemomente wie friedliche Ruhepole, die jedoch nur von sehr kurzer Dauer sind, was die Tragik der Situation nur noch mehr bestärkt. So wird erst gar nicht versucht, eine Heldengeschichte zu erzählen und auch große Charakterentwicklungen sucht man vergebens. Stattdessen gewährt Regisseur Takahata einen Einblick in das Leben zweier kriegsgeschädigter Kinder – nicht mehr, aber auch nicht weniger.

"Die letzten Glühwürmchen“ bleibt in seiner Erzählung jederzeit konsequent und ist – vor allem für das Genre des Animationsfilms – von einem ungewohnt eindringlichen Ernst geprägt. Was Takahatas filmisches Werk jedoch entscheidend von anderen Antikriegsfilmen abhebt, ist die unglaubliche Feinfühligkeit, die dem 93-minütigen Anime innewohnt: Takahata schafft es durch scheinbar beiläufige, kurze Szenen, die liebevolle Beziehung der Geschwister mit einer ergreifenden Ehrlichkeit abzubilden, was regelmäßig zu Tränen rührt. So sind es Momente wie das ausgelassene Spielen am Strand oder das friedliche, stille Beobachten von Glühwürmchen, die durch die behutsame Inszenierung und den erzählerischen Kontext große emotionale Tiefe besitzen.

Vor allem die Darstellung der kleinen Setsuko brennt sich dabei ins Gedächtnis ein: Als gerade einmal vier Jahre altes Kind versteht Setsuko noch nichts von politischen Konflikten und menschlicher Gewalt. Sie sieht die Welt mit einem naiven und unschuldigen Blick, der ihr dabei hilft, mit der scheinbar aussichtslosen Situation klarzukommen. Setsukos Perspektive verleiht dem Filmgeschehen immer wieder einen fast schon fröhlichen Unterton, der eine spannende Ambivalenz entstehen lässt.  

Obschon der großartige Soundtrack von Michio Mamiya starke Emotionen hervorruft, driftet „Die letzten Glühwürmchen“ zu keinem Zeitpunkt ins Kitschige ab. Eine Leistung, die in Anbetracht der skrupellosen Prämisse ein ganz besonderes Feingefühl verlangt. Takahata unterstreicht mit „Die letzten Glühwürmchen“, welche cineastische und erzählerische Kraft im Animationskino steckt. Die – in vielen Fällen – von der Realität losgelöste Visualität des Animationskinos steht in keiner Weise im Widerspruch zur Darstellung echter Geschichten und zum Ausdruck echter Emotionen, ganz im Gegenteil: Oftmals dient der visuelle Spielraum dazu, den emotionalen Kern der Geschichte auf effektive Art und Weise herauszuarbeiten.

Zwar entspricht „Die letzten Glühwürmchen“ optisch nicht mehr den heutigen Animationsstandards, dennoch schafft es der Film auch aus heutiger Sicht, den (Über-)Lebensalltag von Kriegsbetroffenen ungemein einfühlsam und fast schon unerträglich realitätsnah abzubilden. Der Film zeigt Bilder, wie man sie im Kino in einer solchen Kraft nur sehr selten zu sehen bekommt. „Die letzten Glühwürmchen“ ist somit nichts weniger als ein zeitloses Meisterwerk des Animationskinos, das in den mittlerweile mehr als 30 Jahren seit seiner Entstehung nichts an Aktualität und Wirkung verloren hat. Takahatas Klassiker lässt das Publikum überwältigt, sprachlos und (mit Sicherheit) mit einigen vergossenen Tränen zurück und sollte schleunigst in jede Filmsammlung aufgenommen werden, in der er noch fehlt. 


10
10/10

Ich habe den Film vor Jahren gesehen. Wenn ich heute nur den Titel des Films höre, bekomme ich einen Stich ins Herz und mich überkommt eine große Traurigkeit.
Einer der schrecklichsten und schönsten Filme, die ich jemals sehen durfte.

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9
9/10

Der Film ist kein Epos á la "Prinzessin Mononoke" und enthält auch keine großen visuellen Effekte bereit. Der Film ist bodenständig, nüchtern und trotz seines Themas und seiner Aussage nie anklagend. Und tatsächlich ist die Gefühlswelt der Figuren weit besser gezeichnet als viele der "echten" Figuren in Spielfilmen.
Die volle Punktzahl vergebe ich allerdings nicht, dafür wird mir zu oft zu offensichtlich auf die Tränendrüse gedrückt, da hätte an einigen Stellen weniger gereicht. Dennoch einer der stärksten Anti-Kriegsfilme überhaupt, ganz ohne großes Spektakel.

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10
10/10

Erst hatte ich mich gefragt, ob es seriös ist, ein derart ernstes Thema i.R. eines Anime-/Zeichentrickfilmes anstelle eines Realfilmes darzustellen.
Schnell wurde ich eines Besseren belehrt. Man fokussiert sich ausschliesslich auf das Martyrium dieser Kinder, ohne dahinter irgendwelche Schauspieler mit ihren Biographien zu sehen. Gerade dadurch entfaltet der Film seine brutale Wucht und lässt einen mitfühlen und mitleiden.

Ich gebe es ungern zu, aber ich habe das allererste Mal vor der Glotze geheult wie ein Schloßhund.

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10
10/10

Der traurigste und brutalste Antikriegsfilm aller Zeiten, wo ich je gesehen habe. Und total falsche Altersfreigabe, nähmlich FSK 6. Schon der erste Satz am 21 September 1945 bin ich gestorben, wosurch man schon am Anfang dieses Filmes sah, wie Setas Leiche vor sich hingammelt, und schon am Anfang an in der Unterführung viele total abgemagerte Leichen sieht, wo teilweise mit Maden befallen sind sollte jedem klar werden, dass es kein Happy End gibt, und für 6 jährige Kinder völlig ungeeignet ist. Denn es geht um die Kapitulation Japan im Jahr 1945. Denn der Film ist sehr realischtisch schonungslos dargestellt, sodass man schon am Anfang sah, wie Kobe zembombt wird, und die gesamte Stadt bis zur Grundmauer niederbrennt. Ausserdem sah man viele verkohlte Leichen, wo das Blut aus Bantagen tropft, und es wird auch Szenen gezeigt, wo die schwer verbannte Menschen in ein provisorisches Spital eingeliefert werden, sodass man zuseht, wie sie sterben. Ausserden wird in einer Szene gezeigt, wie die Kindsmutter aufgrund einer Brandbombe bei lebenigem Leibe verbrannt, und die Kinder die Todesschreie der Mutter mit anhören mussten. Am Schluss wird die kleine Setsuko schwer krank, und man sah, wie sie immer schwächer wird, und in den Armen des Bruders verstarb, sodass der Bruder Seta ihre total abgemagerte Leiche verbrannte. Und das sind keine Szenen für 6 jährige, warum? Weil diese Szenen(das niederbrennen der Stadt Kobe, die viele verkohte Leiche der Menschen, das lebendige verbrennen der Kindsmutter, sowie die Todesschreie der Kindsmutter, sowied der Anblick der total verkohlte Leiche der Kindsmutter, sowie das zusehen wie ein kleines 3 jähriges Kind stirbt ein schweres Trauma auslöst, wo jahrelang anhalten kann, sodass es jahrelang Professionelle Hilfe braucht, um diese Bilde zu verkraften, wenn es diese Bilder überhaubt vergessen kann. Mein ehemaliges Heim hatte diesen brutalen Film mit einem 5 jährigem Mädchen geschaut. Das kleine Mädchen war danach völlig verstört, und war so sehr traumatisiert, dass es selbst 2 Jahre später Kriegsbilder gemalt hatte, und selbst 2 Jahre nach diesem Film sich einässte, und sogar massive Verlust und Trennungsänste hatte, sodass man meinen könnte sie ist erst 3 Jährig. Selbst ihre Eltern konnten sie nicht mehr trösten, so sehr hatte dieser Film sie verstört. Amsonsten gebe ich für diesen Film 10 Augen, da er sehr bewegend ist, und sehr traurig, und sehr realischtisch dargestellt. Hier wäre eine FSK 12 angebracht, und nicht FSK 6. Denn für 6 jährige ist dieser Film viel zu brutal. Denn wenn es diese Szenen sieht, wo ich oben beschrieben habe, ist ein so kleines Kind reif für den Psychater, und das jahrelang. Denn diese Bilder kann kein 6 jähriges Kind verkraften.

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