Mit „Dead of Winter“ kommt ein Thriller in unsere Kinos, der an sich alles andere als spektakulär oder aufregend anmutet, der aber womöglich dennoch ein interessantes Experiment darstellt. Denn wenn sich hier die große Charakterdarstellerin und Komödiantin Emma Thompson weit außerhalb ihrer üblichen Komfortzone als toughe Kämpferin mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln gegen ein Duo brutaler Kidnapper wehrt - dann könnte das durchaus ein Publikum anlocken, das sich sonst eher selten in diese Art Genrekino verirrt. Zumindest deutet die Zusammensetzung des Publikums bei der Pressevorführung ein wenig in diese Richtung, nahmen dort doch Kollegen Platz, die man sonst eigentlich nur in den Programmkinos antrifft und die auch leicht verschreckt (oder pikiert?) aufstöhnten wenn es auf der Leinwand mal etwas brutaler und blutiger zuging.

Was aber gar nicht so oft der Fall ist, denn der Film des bisher eher als Serienregisseur aufgefallenen Brian Kirk geht doch recht gemächlich vor beim Erzählen seiner Geschichte. Die mit dem Tod des geliebten Ehemannes von Barb (Emma Thompson) beginnt, die im Folgenden eher antriebslos ihren Alltag weiterlebt, bevor sie beschließt, zum Eisfischen an den See zu fahren, auf dem er vor vielen Jahren um ihre Hand angehalten hat. Dort erwarten sie nicht nur extrem kalte Temperaturen, sondern auch die ersten Ausläufer eines angekündigten Schneesturms. Als Barb den richtigen Weg nicht sofort findet, bittet sie einen vor seiner Hütte Holz hackenden Mann um Hilfe. Doch der gibt sich extrem einsilbig, und auch die Blutspuren im Schnee machen einen verdächtigen Eindruck. Der trügt nicht, denn der grimmige Kerl und dessen Freundin haben eine junge Frau entführt, mit der sie offenbar etwas sehr Unangenehmes vorhaben. Und dass Barb sie dabei stört, wird schon bald zu einem Kampf auf Leben und Tod führen.

Außer für wirklich außerordentlich zartbesaitete Seelen muss man für „Dead of Winter“ aber nicht wirklich eine Triggerwarnung in Sachen zu großer Brutalität aussprechen. Denn letztlich bewegt sich das Gebotene nur unwesentlich über dem, was man auch sonst im (meist skandinavischen) Fernsehkrimi der Woche in den Öffentlich-Rechtlichen zu sehen bekommt. Ein völlig anderes Niveau bietet der Film aber in Sachen Handlung, und zwar ein reichlich abgefahrenes und absurdes. Denn der Plan, den sich die beiden Kidnapper ausgedacht haben und was sie dabei mit ihrem Opfer vorhaben, ergibt nun wirklich gar keinen Sinn, nicht einmal für diese beiden der Sozialgemeinschaft bereits weit entrückten und arg durchgeknallten Gestalten.

Die immerhin von ihren beiden Darstellern angemessen verkörpert werden, vor allem das Overacting von Judy Greer als rücksichtslose Egomanin bar jeder Menschlichkeit ist zumindest unterhaltsam. Wodurch die sich sichtlich um Würde bemühende Emma Thompson inmitten all des Irrsinns aber nur umso verlorener wirkt, wenn sie sich nicht gerade dadurch ablenken kann, mit allerlei Tricks und Einfallsreichtum gegen die ihr körperlich und waffentechnisch überlegenen Gegner zu bestehen.
Was man dem Publikum hier auftischt, ist eine echte Räuberpistole im wörtlichen Sinne, bei der man sich schon mehr als nur einmal fragt, was das bitte alles soll. Und so bleibt neben einigen hübschen Naturaufnahmen (die allerdings aus Finnland und nicht dem behaupteten Minnesota stammen) sowie dem großen Namen in einer ungewöhnlichen Rolle leider nicht viel, was bei „Dead of Winter“ den Kinobesuch lohnt.
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