American Ultra

Originaltitel
American Ultra
Land
Jahr
2015
Laufzeit
96 min
Release Date
Bewertung
6
6/10
von Simon Staake / 13. September 2015

Mike Howell (Jesse Eisenberg) ist ein antriebsloser Stoner, der mit seiner Freundin Phoebe (Kristen Stewart) in einer Kleinstadt in West Virginia lebt, einem anspruchslosen Job in einem Supermarkt nachgeht und ansonsten keine großen Ambitionen hat. Was er nicht weiß: Er ist ein Schläferagent für die CIA und gerade hat der ambitionierte Emporkömmling Adrian Yates (Topher Grace) entschlossen, das gesamte Programm und somit auch Howell zu eliminieren. Die ehemalige Projektleiterin Victoria Lasseter (Connie Britton) kann und will dies allerdings nicht hinnehmen und aktiviert Howell. Und so steht dem dröppeligen Stoner bald Einiges bevor. Eine kleine Armee mehr oder minder psychopathischer Killer will ihm ans Leder. Nur gut, dass er jetzt einige der Fähigkeiten aus dem „Ultra“-Programm abrufen kann...
 

Die Idee selbst klingt ja erstmal ganz witzig: Wir nehmen den nerdigen Jesse Eisenberg, geben ihm 'ne Langhaarperücke und lassen ihn einen verpeilten Stoner spielen, eigentlich ist er aber 'ne absolute Kampfmaschine. Und ganz witzig ist sie auch, aber eben nicht abendfüllend. Etwas mehr als die oben beschriebene Situation hätte es schon sein dürfen und vielleicht auch sein müssen, um über den Status von „ganz nett“ herauszukommen. Da aber Situation, Handlungsspielort und Charaktere arg beschränkt bleiben, nutzt sich die eigentlich ganz putzige Grundidee trotz knackiger Spielzeit von anderthalb Stunden doch ein wenig ab. Zumal der Löwenanteil des Films tatsächlich nur aus Variationen der selben Idee besteht: Der verpeilte Stoner verwandelt sich kurzzeitig in einen ultrabrutalen Killer und dann wieder zurück in den verpeilten Stoner. Dann ein paar mal mehr oder weniger witzige Dialoge, und wenn es Zeit wird für eine Actionszene geht es wieder von vorne los. Das ist wie gesagt alles ganz nett und man kann sich davon auch ganz gut unterhalten lassen. Aber für etwas wirklich Erinnerungswürdiges reicht das nicht.

Dies ist auch ein wenig schade angesichts des hier versammelten Casts. Zum einen sind da Jesse Eisenberg und Kristen Stewart, die sechs Jahre nach „Adventureland“ ihre damalige Leinwandchemistrie wieder aufleben lassen. Das klappt eigentlich auch ganz gut, allerdings sind beide durch ihre Rollen relativ begrenzt in ihren Möglichkeiten. Klar, besonders Eisenberg fand es wohl super, in zackigen Actionszenen mal so richtig die Sau rauszulassen. Aber dem Leinwandpaar Mike und Phoebe fehlt – auch durch den Aufbau der Geschichte – ein emotionaler Unterbau. Wenn man sich die Besetzungsliste abseits des Hauptdarstellerpaars so anschaut, so scheint es fast, als hätten die Macher sich gesagt, lasst uns mal möglichst viele tolle Darsteller aus coolen Serien zusammentragen. Connie „Tammy Taylor“ Britton aus „Friday Night Lights“! Tony „Buster Bluth“ Hale aus „Arrested Development! Walton Goggins, der ja gleich zwei Paraderolen sein Eigen nennt, nämlich als Shane Vendrell in „The Shield“ und als Boyd Crowder in „Justified“. Und Topher „Eric Forman“ Grace aus „Die Wilden Siebziger!“ (über deren heimliche Großartigkeit wir hier bei der Filmszene ja schon mehrfach einige Worte verloren haben).

Eigentlich ist also alles angerichtet für einen feinen Film, aber leider werden fast alle Darsteller hier in eindimensionalen Rollen verschenkt. Das Problem der Hauptfigur und ihrem redundanten Verhalten zieht sich jedenfalls bis in die Nebenrollen durch, da die Figuren entweder auf ein Merkmal beschränkt sind oder aber so gut wie nichts zeigen dürfen. Tony Hale etwa darf in seiner Rolle kaum etwas von seinem komischen Talent zeigen, Connie Britton ist fast verschenkt in einer Rolle ohne besondenderen Charme oder Witz. Walton Goggins hat zumindest mittlerweile die Christopher Walken-ähnliche Eigenart, jeden Film in dem er mitmacht besser oder zumindest interessanter zu machen und das gilt auch hier. Sein psychopathischer Killer bleibt zwar ein Klischee, aber Goggins schafft es, so etwas wie eine unausgesprochene Hintergrundgeschichte zumindest anzudeuten. Und Topher Grace mag zwar eindimensional immer als großmauliges Arschloch besetzt werden, dass er ja eigentlich schon zu seligen Eric Forman-Zeiten war, aber er spielt das eben auch sehr überzeugend, mit einem Gesicht, in das man nur zu gerne reinschlagen würde.

Es war also vieles da, was „American Ultra“ zu dem knalligen Kultfilm hätte machen können, die dieser so gerne wäre. Man merkt es diesem Film an, dass sowohl Regisseur Nima Nourizadeh als auch Drehbuchautor Max Landis danach streben, etwas Kultiges zu machen und damit gleichzeitig den Überraschungserfolg ihrer Erstlinge – „Projekt X“ für Nourizadeh und „Chronicle“ für Landis – zu bestätigen. Das hat nun so halb geklappt: Richtig super ist „American Ultra“ nicht, aber zumindest ein Hinweis darauf, dass mit Nouridazeh und Landis durchaus in Zukunft zu rechnen ist. Und mit gedämpfter Erwartungshaltung - ob nun durch Marihuana oder anderweitig - kann man sich hier ja auch ganz gut amüsieren.

Bilder: Copyright

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