Ein wenig Grundskepsis ist bei starbesetzten Streaming-Filmen ja grundsätzlich nicht verkehrt. Ziemlich oft wird man doch mit glattgebügelter Standardware konfrontiert, bei der man nie das Gefühl hat, dass hier von Seiten der Macher wirklich Grips und Herzblut mit eingeflossen ist. Dabei kann doch genau das selbst die vertrauteste Geschichte ordentlich aufpäppeln, wie die charmante Buddy-Actionkomödie “Mayday“ aktuell auf Apple TV beweist. Die ungleiche Paarung russischer Ex-KGB-Agent und amerikanischer Spion entpuppt sich hier, trotz aller Vorhersehbarkeit, vor allem dank einem glänzend aufgelegten Kenneth Branagh, einigen wenigen aber dafür richtig guten Gags und einer durchdachten Inszenierung als ziemlich kurzweiliges Vergnügen.
Ganz kurz soll eigentlich auch nur der Spezialauftrag des Navy-Piloten Troy Kelly (Ryan Reynolds, “Deadpool“, “The Adam Project“) dauern, der im Jahr 1987 in russischem Luftraum ein paar Spionagefotos produzieren soll. Der Einsatz misslingt und Troy findet sich auf einmal hinter feindlichen Linien wieder, trifft dort aber überraschend auf einen ziemlich ungewöhnlichen Verbündeten: den abgeschieden in den russischen Wäldern lebenden ehemaligen KGB-Agenten Nikolai Ustinov (Kenneth Branagh, “Mord im Orient-Express“, “Tenet“). Diesem liegt das Wohlergehen des gestrandeten Amerikaners sehr am Herzen, hat er doch selbst in den letzten Jahren eine große Faszination für den American Way of Life entdeckt. So viel Aufmerksamkeit ist Troy, der einfach nur nach Hause zu seinem kranken Vater (David Morse, “The Green Mile“, “Disturbia“) will, dann aber doch zu viel. Doch es fällt Troy gar nicht so leicht seinen “Bewunderer“ abzuschütteln – was angesichts des ihn jagenden KGB-Agenten Alexander Volkov (Marcin Dorociński) sich aber eventuell als unschätzbarer Vorteil entpuppen könnte.
Der größte Vorteil dieses Filmes sitzt auf dem Regiestuhl. Es sind sogar gleich zwei, nämlich die beiden Regisseure John Francis Daley und Jonathan Goldstein, die noch dazu für das Drehbuch von “Mayday“ verantwortlich sind. Angelehnt an die typischen Buddy-Komödien der 1980er Jahre schwelgen sie dabei spürbar mit Herzblut in der Vergangenheit. Erfreulicherweise aber nicht in Form eines weiteren Remakes oder zahlreicher Querverweise sondern mit einer ganz eigenen Geschichte, die zwar simpel daherkommt aber in der B-Note durchaus glänzen darf. Statt einem billigen Gagfeuerwerk konzentriert man sich hier auf eine charmant-relaxte Buddy-Dynamik, bei der gezielt ein paar gut vorbereitete Gags von einem Fokus auf Qualität statt Quantität zeugen.
Dass man sich hier wirklich einige Gedanken zur Umsetzung gemacht hat zeigt dabei vor allem die Inszenierung, die dem Film einen ganz entspannten Grundflow überstülpt. Beim Schnitt gibt es immer mal wieder ein paar kreative Einfälle und selbst den Bereichen Framing oder Lichtsetzung, in denen einige Mainstream-Werke der Streamer ja gerne besonders lieblos daherkommen, merkt man das Bedürfnis sich Mühe geben zu wollen an. Vor allem aber auch die Liebe der Macher für Genre-Kost, die John Francis Daley und Jonathan Goldstein ja schon mit dem überraschend unterhaltsamen “Dungeons & Dragons“ vor ein paar Jahren gezeigt hatten. Auch dort bewiesen sie einen angenehm cleveren Sinn für Humor, gutes Timing und funktionierende Figurendynamiken, was sie nun nahtlos in “Mayday“ weiterführen. Das spiegelt sich unter anderem in den wundervoll entspannten Dialogen zwischen dem schnippischen Troy und dem stoischen Nikolai wider, die für eine nette Grundstimmung und ordentlich Chemie zwischen den Figuren sorgen.
Dass diese für den Film so wichtige Buddy-Chemie nicht nur auf dem Papier sondern auch auf dem Bildschirm gut funktioniert ist vor allem Kenneth Branagh zu verdanken, der als emotionsloser Amerika-Lover einen wundervollen Mix aus naivem Kuschelbär und KGB-Kampfsau abliefert. Eher etwas neutraler als begeisternd fällt das Fazit zu Ryan Reynolds Leistung aus, dessen Rolle mal wieder hauptsächlich durch den für ihn so typischen Sarkasmus definiert ist. Gefühlt spielt Reynolds ja seit Jahren immer wieder die gleiche Figur, was immer noch ordentlich funktioniert (und hier glücklicherweise etwas zurückhaltender daherkommt) aber halt auch nicht mehr ganz so frisch wirkt. Spaß macht es trotzdem, genau wie die Action-Sequenzen, bei denen zwar wenig Spannung aufkommt, einige nette Einfälle aber immer wieder für ein kleines Grinsen sorgen.
Ein wenig schade ist, dass man diese Aufmerksamkeit für Details nicht auch noch auf die Nebenfiguren übertragen hat, die dann doch eher farblos daherkommen. Was besonders im Fall des Schauspielveteranen David Morse ärgerlich ist, den man ja leider nicht mehr so oft in größeren Filmen zu sehen bekommt. Und dass das Budget auch nicht gerade üppig ausfiel merkt man dann doch hier und da bei den Effekten – digital erzeugte Explosionen sind deutlich als solche erkennbar. Richtig rund ist der Film also nicht, macht aber nichtsdestotrotz eigentlich konstant trotzdem Spaß, weil man bei aller Berechenbarkeit der Geschichte eben immer wieder die Liebe der Macher spürt – und in regelmäßigen Abständen die sympathische Grundstimmung mit harmlosen aber guten Gags garniert wird. Was am Ende, wenn natürlich mal wieder eine mögliche Fortsetzung angeteasert wird, durchaus Lust auf mehr macht. Gerade mit Nikolai möchte man dann doch mehr Zeit verbringen und die hier vorgeschlagene Idee klingt tatsächlich nach einem zwar anderen aber genauso unterhaltsamen Abenteuer.
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