Passenger

Originaltitel
Passenger
Land
Jahr
2026
Laufzeit
94 min
Genre
Release Date
Bewertung
7
7/10
von Volker Robrahn / 27. Mai 2026

Ein junges Aussteiger-Paar das mit seinem Van unterwegs ist und dabei von einem unheimlichen Wesen verfolgt wird – das klingt erstmal nicht allzu originell und neu. Denn am Rande der amerikanischen Highways lauernde Killer hat es in der TV- und Kinogeschichte schon oft gegeben, ob als einfache menschliche Killer oder auch in der Variante eines übernatürlichen Wesens. Dem norwegischen „Trollhunter“-Regisseur Andre Ovredal gelingt es jedoch diesem schon etwas strapazierten Konzept ein paar neue Seiten abzugewinnen - was etwas überrascht, war dessen letzter Film „Die letzte Fahrt der Demeter“ doch ein arg generisches Werk, das so gar keine eigene Handschrift erkennen ließ.

Nachdem Tyler (Jacob Scipio) und Maddie (Lou Llobell) ihr New Yorker Apartment gekündigt und aufgelöst haben genießen sie zunächst ihre neue Freiheit als frei umherreisende Camper. Als sie jedoch eines Nachts bei einem am Straßenrand liegenden Autowrack anhalten begehen sie damit einen verhängnisvollen Fehler, denn fortan nistet sich eine unheimliche Macht in ihrem Van ein die sie nicht mehr loswerden. Doch als Maddie etwas tiefer in die Historie und Mythologie der Landstraßen eintaucht entdeckt sie Hinweise die den Beiden vielleicht doch noch eine Chance eröffnen dem Grauen zu entkommen.

Der Zuschauer hat zunächst einen Wissensvorsprung, denn der weiß aus dem Prolog bereits was beim Unfall am Wegesrand geschehen ist, da einem das „Monster“ in einer für das Genre typisch deftigen Eröffnungsszene gleich mal präsentiert wurde. In der Folge wird es jedoch erst einmal deutlich ruhiger und Ovredal verzichtet auch im weitren Verlauf auf das übliche Schema alle zehn Minuten einen neuen, brutalen Kill zu präsentieren um das Publikum bei Laune zu halten. Der Bodycount ist tatsächlich ziemlich gering und auf allzu derben Splatter wird größtenteils verzichtet. Auch die beiden Protagonisten stechen zumindest ein wenig aus dem Pool der rein funktionalen und eher eigenschaftslosen Figuren in Filmen dieser Art heraus, bei denen interessante Charaktere meist ja nur von sekundärer Bedeutung sind.

Denn da Maddie in ihrem Inneren eh an ihrer Entscheidung für das Leben auf der Straße zweifelt ist sie auch eher bereit den Zeichen für die Bedrohung Glauben und Aufmerksamkeit zu schenken, während Tyler davon zunächst nichts wissen und sich in seiner Wohlfühloase nicht stören lassen will. Wobei er dabei keinesfalls unsympathisch oder rücksichtslos daherkommt, denn er bemüht sich wirklich seine Partnerin zu begeistern und von der Richtigkeit des gewählten Lebens zu überzeugen. Am schönsten in einer Szene, in der er ihr mitten im Wald den Klassiker „Ein Herz und eine Krone“ vorführt. Eine Sequenz die sowieso mit ihrem Einfallsreichtum begeistert, denn als während der Vorführung plötzlich unheimliche Geräusche zu vernehmen sind benutzt Tyler den Beamer als eine Art Taschenlampe und so sehen wir – da der Film weiterläuft – die Gesichter von Gregory Peck und Audrey Hepburn auf Bäume und Blätter projiziert. Wie oft schaut ein junges Paar in einer Szene irgendeinen alten Film, ohne dass es anhand der Charaktere besonders glaubwürdig wirkt, dass die überhaupt einen Bezug dazu haben - hier fängt man mit so einer Szene mal wirklich etwas Kreatives an und macht was draus. Und das ist nicht der einzige vor allem atmosphärisch sehr gelungenen Moment. 

Das alles vermag durchaus zu erfreuen, aber selbstverständlich muss dann doch noch der den beiden ans Leben wollende „Passagier“ erstens besiegt und außerdem auch noch irgendwie erklärt werden. Und was man uns Melissa Leo als erfahrene Veteranin Diane dann als Mythos der Landstraße samt beschwörenden Warnungen der Art „fahre niemals nachts und halte niemals an!“ verkündet ist mal wieder nicht allzu logisch und auch nur schwerlich ernstzunehmen. Aber gut, das sind die Konventionen des Genres und mit irgendwas muss das Zielpublikum schließlich auch bedient werden. Dem das Ganze hier eventuell eh viel zu blutleer und gemächlich erzählt wird, doch das kann man nach all den überdrehten Splatter-Orgien die einem sonst gerne vorgesetzt werden eben auch durchaus als willkommene Erholung betrachten.

Bilder: Copyright

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