
Die aktuelle Kino-Interpretation der bekannten historischen Figur Maria Stuart kommt uns zeitgemäß als stark feministisch ausgerichtetes Portrait zweier machtbewusster Frauen daher. Den weitaus größeren Raum zur Entfaltung bekommt dabei Saoirse Ronan in der Rolle der Titelfigur, ihre Maria Stuart ist zwar selbstbewusst und bereit sich ständig mit allen anzulegen, kann sich dem Umfeld aus (ausschließlich männlichen) Beratern, Ideologen und religiös motivierten Einflüsterern aber dennoch nicht entziehen, was zu einer jahrelangen Fehde mit der amtierenden Königin von England führt, auf deren Thron Maria trotzig Anspruch erhebt.
Dabei macht der Film von Jason Rourke sehr deutlich, dass sich die beiden Frauen im Grunde sehr ähnlich sind und unter "normalen" Umständen vielleicht gute Freundinnen geworden wären. Höhepunkt ist dementsprechend dann auch das inoffizielle (und fiktive) Treffen der beiden Monarchinnen in einem abgelegenen Wald, voll von knisternder Spannung und einer ständig nah an den Gesichtern bleibenden Kamera.
Margot Robbies Leinwandzeit fällt deutlich geringer aus, aber auch ihr gelingt es - auch mit Mut zur äußeren Hässlichkeit - zu vermitteln, warum sich Elizabeth I. immer mehr zu einer nach außen hin emotionslosen, geradezu maskenhaften Person entwickelt, die in erster Linie für ihre Aufgabe lebt und einfach nur funktioniert. Es wird dabei etwas zuviel historischer Stoff in zwei Kino-Stunden gepresst, so dass man quasi im Minutentakt von einer Wendung und Verschwörung zur nächsten hetzt. Als Geschichtsstunde daher weniger geeignet, als intensive Studie zweier starker Frauenfiguren aber durchaus gelungen.
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