The Last Duel

Originaltitel
The Last Duel
Land
Jahr
2021
Laufzeit
151 min
Genre
Regie
Release Date
Bewertung
7
7/10
von Volker Robrahn / 18. Oktober 2021

Die Zeiten, in denen ein neuer Film von Ridley Scott stets als zumindest potentieller Blockbuster betrachtet werden musste, sind schon länger vorbei, wobei das keinesfalls etwas über deren Qualitäten aussagt. Der Altmeister wirkt weiterhin sehr motiviert und schenkt dabei aktuellen, gesellschaftspolitischen Themen viel Aufmerksamkeit, wie auch sein sehr konsequenter Umgang mit der Person Kevin Spacey bei „Alles Geld der Welt“ deutlich machte. Sein neues Werk dreht sich im Kern ebenfalls um das Thema „sexuelle Belästigung“, allerdings in einer etwas heftigeren Form und im Gewand eines mittelalterlichen Ritterfilms. Aber die Verpackung täuscht hier, denn Scott liegt nichts an einer Rückkehr zur unterhaltsamen Opulenz von „Gladiator“ oder „Königreich der Himmel“.

Stattdessen präsentiert er uns drei Charakterstudien: Die sehr egomanisch veranlagten, aber mit unterschiedlichen Begabungen ausgestatteten Jugendfreunde Jean de Courages (Matt Damon) und Jaques LeGris (Adam Driver) werden im Verlauf ihres Lebens zu erbitterten Konkurrenten, wobei der gebildete und galante Jaques deutlich erfolgreicher darin ist sich nach oben zu lavieren, während der eher einfach gestrickte Jean einige Demütigungen erleiden muss, die größte als ihm seine schöne Ehefrau Marguerite eines Tages aufgelöst berichtet, wie sie von DeGris vergewaltigt wurde. Ihr Mann fordert den Konkurrenten zur Wiederherstellung seiner Ehre zum Duell auf Leben und Tod - es wird das letzte historisch verbürgte dieser Art sein.

Sowohl die Vorgeschichte, die zur Feindschaft der beiden Männer führt, als auch der Hergang der Tat, derer DeGris beschuldigt wird, präsentiert Scott dem Zuschauer in drei sehr ausführlichen Versionen, die nach klassischer „Rashomon“-Art jeweils aus der Sicht eines der drei Hauptbetroffenen geschildert werden. Dabei gibt es meist gar keine radikalen Unterschiede oder gar völlig gegensätzliche Schilderungen, was das mehrfache Betrachten streckenweise doch etwas redundant wirken lässt. Aber die Absicht ist erkennbar, nämlich die Erkenntnis, dass bereits ein paar kleine abweichende Details in der Wahrnehmung dafür sorgen können, dass jeder der drei bestimmte Situationen völlig anders empfindet und bewertet und sich daher völlig „im Recht“ sieht.

Wobei Scott letztlich wenig Zweifel daran lässt, wem hier tatsächlich Unrecht getan wird. Denn um Marguerite oder deren Leid geht es niemandem hier, nicht einmal den Geschlechtsgenossinnen und Freundinnen. In einer Zeit, in der die Ehefrau als Eigentum ihres Mannes betrachtet wurde, galt demzufolge auch ein Verbrechen an ihr eher als „Sachbeschädigung“, und sollte ihr Mann das als „Gottesurteil“ betrachtete Duell verlieren würde sie gleich anschließend ebenfalls getötet und verbrannt werden.

Doch trotz dieser aus heutiger Sicht sehr befremdlich wirkenden Barbarei spiegelt der Kern der Geschichte höchst aktuelle Themen wider, wenn es einen ziemlichen Mut erfordert als Frau an die Öffentlichkeit zu gehen und um Glaubwürdigkeit kämpfen zu müssen. Auch den gedemütigten Ehemann interessiert zuallererst seine eigene Ehre, und dass er das Leben seiner Frau und seines ungeborenen Kindes aufs Spiel setzt ist dabei eher ein Kollateralschaden.

Matt Damon ist dabei als tumber, von Frust und Geltungssucht zerfressener Jean auch äußerlich kaum wiederzuerkennen und gibt eine bemerkenswert uneitle Performance. Adam Driver verlangt die Figur des selbstbewussten und vom Leben verwöhnten Jaques da deutlich weniger ab, und die nach „Free Guy“ erneut sehr auffällige Jodie Comer stiehlt den beiden erfahrenen Kollegen hier die eine oder andere Szene.

Immerhin, als es schließlich zum großen Duell kommt zieht Ridley Scott doch noch einmal alle Register und lässt die beiden Rivalen mit einer Wucht und realistisch wirkenden Härte in ihren Rüstungen aufeinanderprallen, dass diese Sequenz für sich genommen bereits Klassikerstatus erreichen könnte. Ein unterhaltsamer Action- oder Abenteuer-Film ist dieses „letzte Duell" aber dennoch nicht, sondern vielmehr ein sehr engagierter, mitunter etwas zu plump daherkommender Kommentar zu aktuellen gesellschaftlichen Diskussionen. Und daher vermutlich eben kein Blockbuster fürs Massenpublikum.

Bilder: Copyright

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