Ich habe mich hier ja schon öfters darüber beschwert, dass viele Filme inzwischen unnötig an Laufzeit zulegen – eine Entwicklung, die unter anderem mit dem Erfolg der von allen Laufzeitfesseln befreiten Streamingdienste zusammenhängt. Wenn einen nun bei "Apex“ eine Filmlänge von „nur“ 95 Minuten anlacht, wirkt das schon fast wie ein Relikt aus längst vergessenen Tagen. Und löst angesichts der Tatsache, dass wir es hier mit einem Survival-Thriller zu tun haben, Vorfreude auf einen wirklich packenden und flotten Filmabend aus. Dank einer überzeugenden Charlize Theron und einer ordentlichen Inszenierung steht einem kurzweiligen Vergnügen hier auch nichts im Wege, ein wirklich erinnerungswürdiges Katz-und-Maus-Spiel verhindert aber das leider nur bedingt clevere Drehbuch.
Von einem Katz-und-Maus-Spiel ahnt unsere Hauptfigur zu Beginn aber noch nichts, denn eigentlich möchte sich Sasha (Charlize Theron, "Young Adult“, "Monster“) in der australischen Wildnis auf ihre ganz eigene Art und Weise von einem schweren Schicksalsschlag erholen. Bei einer gemeinsamen Extrem-Klettertour ist vor kurzem nämlich ihr Freund Tommy (Eric Bana, "München“, "Hulk“) ums Leben gekommen und Sasha macht sich Vorwürfe, durch ihren unbändigen Ehrgeiz mit dafür verantwortlich zu sein. Als Adrenalin-Junkie braucht sie nun natürlich Ablenkung und lässt sich bei den Planungen einer gefährlichen Kajaktour im australischen Niemandsland auch nicht davon abhalten, dass in der Region gerade einige Menschen als vermisst gelten. Die Natur entpuppt sich aber schon bald nicht als ihr gefährlichster Gegner, sondern stattdessen der psychisch etwas instabil wirkende Ben (Taron Egerton, "Rocketman“, "Carry-On“), der seine Faszination für die Jagd nicht gerade gesellschaftstauglich ausleben möchte.
Für Charlize Theron, die schon vielfach ihre Bereitschaft physisch an Grenzen zu gehen unter Beweis gestellt hat (unter anderem in "Mad Max: Fury Road" oder "Atomic Blonde" zu bewundern), ist die Rolle von Sasha natürlich schon fast ein Selbstläufer. Allerdings ein ziemlich anstrengender, vor allem, wenn man sich mit so viel Leidenschaft in seine Rolle wirft wie die inzwischen immerhin 50-jährige Schauspielerin. Der Einsatz lohnt sich aber, denn sowohl die körperliche als auch psychische Härte von Sasha nimmt man dieser dank Therons Darstellung sofort ab – auch wenn hier und da sicher eine Stuntfrau und Computertechnik unterstützend zur Seite gestanden haben dürften.
So wird die gute Sasha also atemlos durch die australische Wildnis gejagt, was nicht nur wegen Theron ziemlich überzeugend gelungen ist. Regisseur Baltasar Kormákur hat mit Survival-Filmen ja schon so seine Erfahrungen gesammelt ("Everest“, "Beast – Jäger ohne Gnade“) und setzt die Action-Szenen durchaus packend um. Dabei hilft ihm auch eine wirklich spektakuläre Landschaft, die immer wieder gekonnt in Szene gesetzt wird. Viel findet dabei auf und im Wasser statt, wobei das ja nicht gerade harmlose Tierreich Australiens eher eine untergeordnete Rolle spielt. Die größte Gefahr geht sowieso von einem anderen Menschen aus, doch bis Ben hier die Jagd eröffnet, dauert es einige Zeit. Was angesichts der „kürzeren“ Laufzeit des Films schon fast überrascht, aber gegen ein wenig Charaktereinführung ist ja nichts zu sagen. Die fällt zwar nur bedingt kreativ aus, erinnert uns aber zumindest daran, dass der einst extrem gefragte Eric Bana seinen Charme nicht verloren hat und eigentlich mehr als die Nebenrollen der letzten Jahre verdient hätte.
Sobald Ben seine Armbrust auspackt, wird dann aber aufs Gaspedal gedrückt und einem dank Theron und der guten Inszenierung bis zum Schluss auch nie langweilig. So richtig emotional mitreißen kann einen "Apex" dabei aber nur bedingt, da sich das Duell zwischen den beiden auf der psychologischen Ebene doch nur mäßig interessant anfühlt. Sashas großes Trauma spielt im weiteren Verlauf lange so gut wie keine Rolle und gerade für Ben hat man sich ein Motiv ausgesucht, das man nun wirklich schon viel zu oft gesehen hat. Egerton beschränkt sich in seinem Porträt der Figur dann auch eher auf dessen irren Blick und versucht erst gar nicht, Komplexität vorzutäuschen, was zwar konsequent ist, aber irgendwie halt auch langweilig.
Das könnte man nun natürlich durch einen intensiven und mit Überraschungen gespickten Spannungsbogen ausgleichen, doch richtig viel Mühe gibt man sich dafür nicht. Einige wenige Male versuchen sich die Figuren hier zwar gegenseitig aufs Kreuz zu legen, doch das kommt meist wenig überraschend daher. Gefühlt fehlt dem Film, was angesichts unserer Startaussage ja schon fast Ironie des Schicksals ist, auch einfach die Zeit, um ein wirklich packendes Hin- und Her zu etablieren. Da man sich mit der Einführung viel Zeit gelassen hat, gibt es hier eigentlich nur wenige Setpieces, bis das Katz-und-Maus-Spiel schon wieder vorbei ist. Zwar versucht man gegen Ende noch einen cleveren kleinen Twist reinzubringen, der sowohl Sashas Trauma bedienen als auch das Psychoduell auf die Spitze treiben soll. Doch diese Wendung wirkt sehr konstruiert, so dass der angedachte Effekt der psychologischen Komponente dahinter eher verpufft.
Fairerweise muss man aber sagen, dass das hohe Tempo des Films einem nicht viel Zeit gibt, sich darüber aufzuregen. Ordentliche Action, eine schöne Landschaft und eine top motivierte Hauptdarstellerin reichen halt einfach schon für einen wirklich kurzweiligen Filmabend. Mit einem etwas kreativeren Drehbuch und besser ausgearbeiteten Figuren hätte "Apex" aber mehr als einfach nur nette Unterhaltung werden können. Aber auch wenn wir hier weit von Klassikern des Genres wie "Beim Sterben ist jeder der Erste" entfernt sind, ist "Apex" am Ende für eine Netflix-Eigenproduktion doch ziemlich ordentlich – und viel Zeit zum Anschauen muss man ja auch nicht opfern.
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