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Wahrheit oder Pflicht?

Wahrheit oder Pflicht?
horror-action , usa 2018
original
truth or dare?
regie
jeff wadlow
drehbuch
jeff wadlow, michael reisz
cast
lucy hale,
violet beane,
tyler posey,
landon liboiron, u.a.
spielzeit
101 Minuten
kinostart
10. Mai 2018
homepage
http://www.wahrheitoderpflicht-film.at/
bewertung

6 von 10 Augen

pflicht 1In der beeindruckenden Erfolgsgeschichte der Produktionsfirma Blumhouse („Paranormal Activity“, „Insidious“,“The Purge“) nahm das abgelaufene Jahr 2017 nochmal eine besonders herausragende Stellung ein. Neben dem gewohnt solide laufenden „Happy Death Day“ landete man auch zwei Mega-Hits. Zuerst konnte M. Night Shyamalan seine ziemlich darnieder liegende Karriere mit „Split“ neu beleben, und dann entwickelte sich die clevere Gesellschafts-Parabel „Get Out“ nicht nur zum Box Office-Erfolg, sondern sammelte sogar noch einen ganzen Schwung an Oscar-Nominierungen ein, inklusive der Auszeichnung für das beste Originaldrehbuch. Macht Blumhouse Productions nun also auch richtige Kunst?

Nicht wirklich, aber in der Tat zeichnen sich viele der oft mit einem Mikro-Budget realisierten Genre-Filme durch eine sehr originelle und auch intelligente Story aus. Originell kommt zumindest auch „Wahrheit oder Pflicht“ daher, denn auf die Idee, auf dem beliebten Partyspiel einen abendfüllenden Horror-Thriller aufzubauen, muss man eben erst mal kommen. Dass das nicht einfach ist, merkt man auch dem fertigen Film an, der etwas weniger raffiniert daherkommt als andere Werke des Studios, aber letztlich dann doch recht gut funktioniert und unterhält.
 

pflicht 2Die Clique rund um die „besten Freundinnen“ Olivia (Lucy Hale) und Markie (Violett Beane) unternimmt einen Spring Break-Ausflug nach Mexiko und trifft dort auf den sympathisch wirkenden Carter (Landon Liboiron), der die Gruppe zum Biertrinken in ein altes Klostergemäuer schleppt. Dort schlägt er dann eine Runde „Wahrheit oder Pflicht“ vor, wobei die Fragen schnell sehr persönlich werden. Doch noch unangenehmer wird es, als Carter ihnen erzählt, dass sie von nun an in diesem Spiel gefangen seien und nicht mehr aufhören können. Und wer nicht die Wahrheit sagt oder seine Pflicht nicht erfüllt, der stirbt. Eine Behauptung, die ihm natürlich keiner glaubt, bis es wirklich ernst wird und der erste Todesfall zu beklagen ist.

Und auch dem Zuschauer ist diese Prämisse nicht einfach zu verkaufen, denn wie soll so etwas funktionieren? Wer soll das tödliche Spiel lenken und zu welchem Zweck? Immerhin umschifft man die offensichtlichsten Logikfallen durch eine geschickte Auslegung bzw. Ausdehnung der Spielregeln, denn warum sollte nicht sonst einfach jeder aus der Gruppe einfach immer nur „Wahrheit“ wählen? - scheint es doch wesentlich harmloser ein paar Dinge zuzugeben als etwa der Pflicht nachzukommen der Freundin den Arm zu brechen oder sie gleich direkt umbringen zu müssen. Doch so einfach läuft es hier dann doch nicht, und man hat sich einige hübsche Aufgaben ausgedacht, bei denen nicht nur die Figuren auf der Leinwand öfter mal „Oh nein, nicht das!“ ausrufen. Dass man die Figuren dafür mit diversen hochdramatischen Hintergrundgeschichten versehen hat ist zwar nicht allzu realistisch, sorgt aber zusätzlich dafür, dass es hier auch wirklich ordentlich was zu beichten gibt.

pflicht 3Es liegt in der Natur des Genres, dass man zunächst mit noch relativ harmlosen Aktionen anfängt, wobei die ständig gezogenen Grimassen, die aussehen wie mit einer Fotobearbeitungs-App verzogen, zunächst noch ein wenig albern wirken. Aber der Film bekommt da doch die Kurve, steigert sich in Sachen Dramatik und Spannungskurve und bietet eine insgesamt runde Geschichte. Die allerdings deutlich klarer und gradliniger angelegter ist als beim vergleichbaren, ebenfalls nicht zu stoppenden Infizierungs-Spiel in „It follows“. Im Gegensatz zu dem kleinen Independent-Meisterwerk von David Robert Mitchell bekommt man hier eine handfeste „dämonische“ Erklärung für das Geschehen geliefert, der es dann aber leider auch an Originalität fehlt.

Handwerklich sieht „Wahrheit oder Pflicht“ sehr ordentlich aus, bei Blumhouse weiß man mittlerweile halt sehr routiniert aus begrenzten finanziellen Möglichkeiten das Optimum herauszuholen. Wobei das Studio in den letzten Jahren eigentlich genug Profit gemacht haben sollte um sich an deutlich größere Produktionen wagen zu können, was aber erklärtermaßen nicht das Ziel von Jason Blum ist.

pflicht 4So behilft man sich hier mit soliden TV-Darstellern aus Serien wie „Pretty Little Liars“ oder „Teen Wolf“ und hatte abgesehen vom Ausflug nach Mexiko sicher keine allzu kostspieligen Set-Kosten. Die deutsche Fassung ist ebenfalls recht sorgfältig gemacht, immer wenn etwa an einer Hauswand oder irgendwo sonst die Frage „Wahrheit oder Pflicht?“ auftaucht, steht diese dort in deutscher Schrift und auch bei den hier sehr stark eingebundenen Social Media-Aktionen gibt es deutschsprachige Facebook- oder Whats App-Nachrichten zu sehen.

Alles in allem erweist sich die neueste Blumhouse-Produktion als im Verhältnis zu den letzten kleinen Geniestreichen eher durchschnittliches Werk, an dem es aber trotzdem nicht viel auszusetzen gibt und das der Mehrzahl der sonst veröffentlichten Horror-Produktionen immer noch ein Stück überlegen ist.

Volker Robrahn

Ohne große Erwartungen und in

8

Ohne große Erwartungen und in gewisser Vorfreude auf einen ganz klassischen Teenie-Slasher wurde ich doch sehr postiv überrascht, denn der Film weiß als Mischung aus Final Destination und modernem Gruselkino im Stile von "Unfriend" wirklich gut zu überzeugen.
Die Abwesenheit eines physischen Killers, was die teils drastischen Todesfälle wie Unfälle aussehen lässt, wird kombiniert mit einer dämonsichen Präsenz, die sich durch fiese Grimassen äußert und somit haben wir ein unterhaltsames Gesamtpaket.
Auch die Schauspieler(und -innen) haben mir gut gefallen. Sie verkörpern ihre Charaktere sehr passend, nerven nicht und schaffen es durchweg die der Laufzeit geschuldeten Eindimensionalität entgegenzuwirken.
Das einzige Manko ist aus meiner Sicht die etwas arg überladene Freundschafts-Beziehungs-Kiste der beiden tragenden Hauptdarstellerinnen. Das nimmt dem sonst sehr flott inszenierten Film etwas das Tempo und ist etwas konstruiert, denn man könnte die darauf aufbauenden Konflikte eigentlich recht gut mit simpler Kommunikation lösen.
Dennoch: mehr als erwartet und damit sehenswert.

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