The Suicide Squad

Originaltitel
The Suicide Squad
Land
Jahr
2021
Laufzeit
121 min
Genre
Regie
Release Date
Bewertung
8
8/10
von Volker Robrahn / 5. August 2021

Das DC-Superhelden Universum in seiner Kinovariante ist im Grunde ein einziger Murks. Nachdem man die miteinander verbundene und fortlaufende Reihe nach einigen teils auch kommerziellen („Justice League“), vor allem aber kreativen Misserfolgen („Batman V Superman“) erst einmal aufgegeben hat, erleben wir seit einiger Zeit eine Folge eher für sich stehender Beiträge, was zunächst tatsächlich etwas Besserung brachte, zuletzt aber mit „Wonder Woman 1984“ und auch dem Solofilm von Harley Quinn erneut in Richtung Abwärtsspirale driftete. Letztere galt zuvor noch als eines der wenigen gelungenen Elemente von David Ayers „Suicide Squad“ aus dem Jahr 2016 und darf deshalb auch in dessen Fortsetzung dabei sein.

Wobei dieser zweite Film eigentlich gar kein zweiter Teil ist, denn auf den Vorgänger geht man überhaupt nicht ein und fängt einfach nochmal von vorne an. Aha, ein „Reboot“ also – oder auch nicht, denn es sind ja dennoch wieder ein paar bereits eingeführte Figuren dabei, die auch von denselben Schauspielern dargestellt werden. Was ist das hier also jetzt? Was die Continuity angeht tatsächlich der erwähnte totale Murks, doch dass dürfte in erster Linie nur den absoluten Nerds unter den Fans ein paar schlaflose Nächte bereiten. Der Rest darf dagegen positiv überrascht und erstaunt sein, was man aus dieser Franchise eben auch machen kann, wenn man James Gunn heißt und erfolgreich sämtliche kreativen Freiheiten eingefordert hat.

Ausführliche Exposition und einzelne Vorstellung der Figuren? Hatten wir schon mal und machen wir hier nicht, auch wenn dem Publikum die Mehrzahl der Teammitglieder der von Agentin Waller (erneut Viola Davis) zusammengestellten und von Colonel Rick Flag (wieder Joel Kinnaman) angeführten „Suicide Squad“ zunächst völlig unbekannt ist. Aber wozu auch an Charaktere und Namen gewöhnen, die in bemerkenswerter Zahl eh nur als Wegwerfprodukte angelegt sind, welche nicht einmal die ersten Minuten ihres ersten Einsatzes überleben. Was bei einer Truppe namens „Suicide Squad“ ja eigentlich auch erwartet werden darf, und diesmal traut man sich eben auch das Konzept genau so umzusetzen.

Die Arten, auf die die nur bedingt freiwillig am Kommando teilnehmenden Akteure dabei zu Tode kommen, sind so bemerkenswert brutal wie man es sich noch vor kurzem in einem Hollywood-Mainstream-Film nicht hätte vorstellen können. Hier weiß nach den ersten zehn Minuten jeder Bescheid, in welche Richtung es geht, und die trägt nicht die Aufschrift „Kindergeburtstag“. Ein Auftakt, der in gewisser Weise an Spielbergs „Soldat James Ryan“ erinnert, denn auch hier betritt der Eingreiftrupp einen feindlichen Strand und wird dabei gnadenlos niedergemetzelt - weniger emotional bewegend natürlich, stattdessen sehr lustig.

Gut, ein wenig Erklärung, was das Ganze soll, wird dann zwar schon noch nachgeschoben, aber wirklich nur so kurz wie nötig. Denn um so etwas wie Handlung geht es hier nicht, die Mission lautet schlicht "Geht da rein und holt für uns was raus“. Wobei diese beiden Eckpunkte den Kennern der Comic-Vorlage ein Joker-artiges Grinsen ins Gesicht zaubern dürften, denn "reingegangen" wird in den fiktiven Inselstaat „Corto Maltese“, womit man einen eleganten Gruß in Richtung Tim Burton sendet, denn auch der zitierte damit in seinen Batman-Filmen einst den Comic-Klassiker von Hugo Pratt.

Und der dort lauernde Feind ist tatsächlich niemand Anderes als „Starro, der Eroberer“, seines Zeichens ein riesiger Seestern aus dem Weltraum, der einst der allererste Gegner der Justice League bei ihrer Comic-Premiere war. Und zudem ein derart durchgeknalltes Konstrukt, wie man es zwar im Jahr 1960 noch den Lesern vorsetzen konnte, das man sich aber mit Sicherheit nicht in einem Blockbuster aus dem Jahre 2021 hätte vorstellen können – bis jetzt, denn auch dieser Irrsinn des durch die Stadt stampfenden und wabbelnden Sterns funktioniert hier auf beeindruckende Art und Weise.

Weil eben alles geht bei diesem zweistündigen Ausritt in Superhelden- bzw. Schurkengefilde, wie man sie noch nicht gesehen hat, auch beim Marvel-Konkurrenten „Deadpool“ nicht (und unter der Kontrolle von Disney wird es dazu auch wohl nicht mehr kommen). Mit Figuren wie dem sicheren Fan-Favoriten „King Shark“, einem absurden Hai-Mensch-Hybriden, dem Sylvester Stallone seine Stimme leiht. Der ist zwar im Grunde gutmütig, aber das bedeutet hier noch lange nicht darauf zu verzichten den einen oder anderen Kollegen zu verspeisen, wenn man halt Hunger hat. Mit den beiden Killer/Söldner-Charakteren „Bloodsport“ und „Peacemaker“, die die bekannten Gesichtszüge von Idris Elba und John Cena tragen und bewusst so ähnlich angelegt sind, dass es zwischen den Alpha-Tieren ständig zu Reibereien und Wortduellen kommt. Mit schrägen Kandidaten wie dem psychisch labilen „Polka Dot-Man“, dessen Fähigkeiten nicht anders als surreal beschrieben werden können.

Wer dabei dann fast am wenigsten interessant und originell wirkt ist nun plötzlich Harley Quinn, die in der Inkarnation durch Margot Robbie lediglich ihre bereits bekannten Manierismen abspult. Auch diese Erkenntnis macht deutlich, wie kreativ man bei der Gestaltung der neuen Charaktere vorgegangen ist und wie lahm dagegen der Großteil der Vorgänger aus dem ersten Versuch vor fünf Jahren erst recht im Rückblick wirkt.

Kreativität ist das entscheidende Wort, denn der darf Regisseur James Gunn hier sicher auch deshalb so freien Lauf lassen, weil es eben mittlerweile recht egal ist, ob im DC-Filmuniversum eines zum anderen passt und die Marke „Suicide Squad“ eh schon mehr oder weniger verbrannt war. Gunns (vorübergehende) Suspendierung bei Disney/Marvel erweist sich so letztlich als Glücksfall, denn nur dadurch stand er schließlich für diesen Film zur Verfügung und nur deshalb bekommen wir jetzt zu sehen, was er abliefert, wenn man ihm „Carte Blanche“ gibt.

Es ist nicht gesagt, dass die neue „Squad“ deshalb nun an den Kinokassen erfolgreicher abschneiden wird als seine ebenfalls unkonventionell agierenden „Guardians of the Galaxy“, bei denen aber eben die Handbremse immer noch so weit angezogen bleibt, dass man das Mainstream-Publikum nicht wirklich verschreckt. Das Risiko, dass Einigen diese DC-Truppe vielleicht doch etwas zu überzogen, brutal und abgedreht daherkommt, ist sicherlich gegeben. Aber schön, dass es eingegangen wurde und nun wissen wir immerhin auch, wofür eine an sich verkorkste Reihe noch gut sein kann.

Bilder: Copyright

8
8/10

Hervorragende Rezension, die genau beschreibt warum dieser Film funktioniert: er traut sich endlich was! Die teils extrem brutalen Abgänge der "Helden" und die absurde Szene im Dschungel, in der sich die beiden Killerkontrahenten einen Überbietungswettbewerb beim Töten liefern versichern dem Zuschauer erfreulicherweise, dass in diesem Film alles möglich ist. Und das hat im Superheldengenre bisher nur die kongeniale Serie "The Boys" fertig gebracht. Hinzu kommen fantastische Effekte, eine Margot Robbie, die nicht andauernd nervt oder peinlich sexy posiert und ein Showdown, der eines Showdowns wirklich würdig ist. Nach dem katastrophal schlechten ersten Teil bin ich von dieser Unterhaltungsgranate hellauf begeistert, was allein schon am brüllend komischen Schlussgag liegt. Ein ganz und gar famoser Film.

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