Send Help

Originaltitel
Send Help
Land
Jahr
2026
Laufzeit
114 min
Genre
Regie
Release Date
Bewertung
6
6/10
von Volker Robrahn / 28. Januar 2026

Da darf man schon mal kurz stutzen: Der neue Film von Sam Raimi klingt in der Ankündigung nach einer romantischen Komödie, die das nicht unbedingt neue Konzept von zwei auf einer einsamen Insel gestrandeten aufwärmt, die sich zunächst nicht ausstehen können. Zwar hat der einst mit revolutionären Horrorfilmen bekannt gewordene Filmemacher sich schon vor geraumer Zeit auch in den Mainstream der Superhelden begeben, aber der Inhalt von „Send Help“ hört sich doch erstmal etwas arg trivial und bieder an. Doch in der Hinsicht kann tatsächlich Entwarnung gegeben werden, genau das ist bzw. bleibt dieser Film letztlich nicht. Vorhersehbar ist er dennoch, aber aus einem anderen Grund dem wir uns später etwas ausführlicher widmen.

Erst einmal können wir Rachel McAdams amüsiert dabei beobachten wie sie ziemlich überzeugend die zwar kompetente, aber in Social Skills hoffnungslos überforderte Bürodame Linda Liddle gibt, die regelmäßig den Spott ihrer Kollegen auf sich zieht und dementsprechend auch von ihrem neuen arroganten Boss Bradley (Dylan O´Brien) nicht auf den Posten befördert wird den sie meint verdient zu haben. Als „Trostpreis“ darf sie aber die Führungsriege der Firma auf einer wichtigen Geschäftsreise begleiten, wobei sich diese Riege auf einen Schlag extrem reduziert, als das Firmenflugzeug über dem Meer abstürzt und sich nur Linda und Bradley auf eine kleine Insel retten können. Dort erweist sich die vermeintlich Unbedarfte schnell als die in Sachen Überlebenstraining deutlich kompetentere von Beiden, die sich von ihrem bisherigen Boss in dieser Situation nichts mehr sagen lassen möchte. Und nicht nur das, Linda entwickelt bald ganz eigene Pläne, bei denen eine schnelle Rettung von Außen sogar eher hinderlich wäre.

Selbst wenn es sich bei „Send Help“ tatsächlich um die Art konventioneller RomCom handeln würde als die der Film sich zu Beginn präsentiert, wäre es zumindest ein leidlich unterhaltsamer Beitrag zu diesem Genre. McAdams und O´Brien finden sichtlich Vergnügen an ihren Rollen und jeder bekommt beim Versuch den Anderen auszutricksen diverse Gelegenheiten sich schauspielerisch auszutoben - mit Figuren, die zudem einige Entwicklungen durchmachen. Bevor es jedoch ein wenig zu schematisch wird mit den Ännaherung zweier eigentlich gegensätzlicher Typen die Stück für Stück erkennen, dass sie füreinander bestimmt sind, wählt das Drehbuch lieber die andere Richtung und lässt das Ganze im letzten Drittel hübsch eskalieren. Und da ist dann auch wieder der klassische Sam Raimi zu erkennen, es wird ordentlich schräg und wild, mit genug Splatterszenen um auch das Horrorgenre zumindest zu streifen.

Was dabei als unerwartete Wendung oder zumindest kleine Überraschung angelegt ist wird aber genau das für all diejenigen eher nicht sein, die in den letzten Monaten fleißig im Genre unterwegs waren. Denn auch dieser Film fährt letztlich eine Schiene, die sich seit einiger Zeit wie ein Muster durch viele Horrorfilme oder Psychothriller zieht, jedenfalls durch die in denen sich irgendwann im Verlauf der Handlung Mann und Frau als Gegner gegenüberstehen. Und wer nach dem als eine Art Startschuss für diesen Trend fungierenden „Blink Twice“ auch noch Werke wie die letztjährigen „Companion“ „Drop“, „Keeper“ oder „House Maid“ gesehen hat, der weiß (und hier folgt der Spoileralarm für alle gerade genannten Titel): Am Ende besiegt die wehrhafte Frau die toxische Männlichkeit. Auch wenn es bis kurz vor Schluss so aussieht, als würde die nur benutzt und gedemütigt weiß man aktuell doch ziemlich sicher: So darf es auf keinen Fall enden, denn das lässt der Zeitgeist gerade nicht zu.

Was in jedem einzelnen Fall durchaus passend sein mag und auch überhaupt nicht zu kritisieren ist führt in dieser Ballung aber dazu, das sich das Genre irgendwo selbst lähmt und seiner Kreativität beraubt. Denn wenn es die Konventionen praktisch verbieten „das Böse“ auch mal aus der anderen Richtung kommen oder es sogar mal gewinnen zu lassen, dann macht so etwas das Anschauen dieser Filme schon ein Stück weniger interessant. Es ist daher durchaus vorstellbar, dass man in ein oder zwei Dekaden auf diese Werke mit den Worten zurückblickt: Wie, ein Horrorfilm rund um 2025? Nee, lass mal, dann weiß ich auch so schon wie der ausgeht.“ Was aber nichts daran ändert, dass „Send Help“ für sich genommen eine solide böse Komödie mit gut aufgelegten Darstellern abgibt.

Bilder: Copyright

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