In Old Arizona

MOH (10): 2. Oscars 1930 - "In Old Arizona"

In unserer Serie "Matthias' Oscar History" (MOH) bespricht Matthias in jeder Folge jeweils einen der zwischen den Jahren 1929 und 2000 nominierten Oscar-Beiträge aus der Kategorie "Bester Film".

von Matthias Kastl / 17. Oktober 2023

In unserer letzten Folge waren wir noch etwas enttäuscht, dass die neue Tontechnik in “The Hollywood Revue of 1929“ nur für eine von einer Theaterbühne abgefilmte Show eingesetzt wurde. Genau diese Bühne wünscht man sich aber nun sehnlichst zurück, wenn man sich bei den nominierten Filmen der zweiten Academy Awards 1930 durch “In Old Arizona“ und einen der wohl schlimmsten je für den besten Film nominierten Oscar-Beiträge kämpfen muss.


In Old Arizona

Land
Jahr
1928
Laufzeit
95 min
Genre
Release Date
Oscar
Nominiert "Outstanding Picture"
Bewertung
3
3/10

Woher kamen wohl ursprünglich die vielen klischeehaften Rollen von Latinos in Hollywood? Nun, wir hätten da einen Verdacht. Im Western “In Old Arizona“ gibt der amerikanische Schauspieler Warner Baxter den mexikanischen Revolverhelden und galanten Lady-Lover Cisco Kid. Basierend auf einer Buchvorlage, die den Helden eigentlich als eher skrupellosen Räuber portraitierte, gibt Baxter hier nun eine Art Robin Hood des amerikanischen Westens, der mit charmantem Dauergrinsen die Reichen beklaut aber sich gegenüber den Armen spendabel zeigt.

Zugegeben, auch wenn die Rolle nur so von Klischees trieft, so ganz kann man sich am Anfang dem lockeren Charme unserer Hauptfigur nicht entziehen. Ebenso wie die Academy, die Baxter den Oscar für die beste Hauptrolle aushändigte. Baxter avancierte dann auch bald zu einem der bestbezahlten Schauspieler der Traumfabrik und sein Cisco Kid sollte noch in einigen weiteren Filmen das klischeebeladene Bild Hollywoods von Latinos prägen. Doch je länger dieser Film dauert, desto mehr wendet sich das Blatt und ziemlich bald kann auch der kindliche Charme von Baxter dieses Werk nicht mehr vor dem Untergang retten.
 


Klischees müssen ja nicht immer etwas Schlechtes sein, wenn sie halbwegs unterhaltsam umgesetzt werden. Und zu Beginn scheint es fast so, als könnte “In Old Arizona“ eine zwar simple aber kurzweilige Angelegenheit werden. Dank charismatischem Hauptdarsteller und ein paar netten Sprüchen zu Beginn, glaubt man hier anfangs einem unterhaltsamen Duell zwischen Cisco Kid und dem ihn jagenden Sergeant Dunn (Edmund Lowe) beiwohnen zu können – mit einer (Vorsicht Klischee) feurigen Latina im Mix. Doch spätestens im Mittelteil wird der Film zu einer unglaublich drögen und zähen Angelegenheit. Da erwischt man sich immer wieder dabei, im Kopf all die anderen Dinge durchzugehen, die man jetzt viel lieber machen würde. Und das sind ehrlich gesagt ziemlich viele.

Stattdessen aber muss man langen Dialogpassagen mit völlig banalen Inhalten lauschen und zwei unglaublich unsympathische und uninteressante Nebenfiguren ertragen. Sergeant Dunn entpuppt sich als selbstverliebter Creep, dessen bemühte Versuche, cool zu wirken, sowohl an den schlechten Dialogzeilen als auch dem völlig überforderten Darsteller scheitern. Die heißblütige Mexikanerin Tonia (Dorothy Burgess), die ihren Liebhaber Cisco Kid nur zu gerne gegen Geld verraten möchte, leidet ebenfalls unter der Leistung einer überforderten Schauspielerin und gruselig-klischeehafter Charakterzeichnung. Die Szenen, in denen die stets böse guckende Tonia auf den selbstverliebten Dunn trifft, sind fast unmöglich zu ertragen. Was dafür sorgt, dass der Einschub von ein paar komplett unmotivierten und so gar nicht mitreißenden Gesangseinlagen (yeah...Tonfilm) schon fast teilweise einer Erlösung gleich kommt.
 


Immerhin darf sich der Film auf die Fahne schreiben, die erste größere Produktion zu sein, die den Ton über weite Strecken auch bei Außendrehs aufgezeichnet hat. Was allerdings auch eine entsprechend durchwachsene Tonqualität zur Folge hat, was angesichts der hölzern vorgetragenen und schrecklich geschriebenen Dialoge aber schon fast wieder ein Bonus ist. Immerhin traut sich der Film ein durchaus kompromissloses Ende abzuliefern und dem Publikum mit dem Tod einer bestimmten Figur einen lang ersehnten Gefallen zu tun. Das man da als Publikum aber innerlich applaudiert, war so von den Machern bestimmt nicht beabsichtigt. Zu oft ist bei “In Old Arizona“ Fremdschämen angesagt und so kann man nur empfehlen, um diesen Film einen großen Bogen zu machen. Ja, Filmgeschichte kann faszinierend sein, aber für manche Filme reicht es, wenn sich ein zu neugieriger Filmkritiker opfert. 

"In Old Arizona" ist aktuell nicht auf Amazon verfügbar. Alternativ kann der Film aber auf Youtube gefunden werden (Suche nach “In Old Arizona 1928“). Aber das muss man schon wollen.


Ausblick
In unserer nächsten Folge wechseln wir das Genre (aber nicht wirklich die Qualitätsstufe) und verbringen unsere Zeit mit skrupellosen Gangstern in “Alibi“.


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