Harriet - Der Weg in die Freiheit

Originaltitel
Harriet
Land
Jahr
2019
Laufzeit
135 min
Regie
Release Date
Bewertung
5
5/10
von Volker Robrahn / 10. Juli 2020

Gutes Timing, könnte man denken, wenn inmitten der aktuellen „Black Lives Matter“-Diskusison ein Spielfilm über die Ikone der Sklavenbefreiung in die Kinos kommt. Doch „Harriet“ startete bereits Ende 2019 in den USA, qualifizierte sich damit auch für die diesjährige Oscar-Verleihung und wurde prompt mit einer Nominierung für Hauptdarstellerin Cynthia Erivo belohnt. Nun läuft der Film also auch in den deutschen Kinos, aber wer sich davon ein erhellendes und aufrüttelndes Werk erwartet, dürfte nach den etwas mehr als zwei Stunden eher enttäuscht sein.

Mitte des 19. Jahrhunderts gibt es auch in den amerikanischen Südstaaten durchaus die Möglichkeit, als schwarzer Mensch ein freies Leben zu führen. Die Mutter von Minty (Cynthia Erivo) hat es sogar schriftlich, dass sie im Alter von 45 Jahren mitsamt ihrer Familie aus dem Sklavendienst entlassen wird. Als sich ihr „Besitzer“ aber schlicht weigert den Kontrakt zu erfüllen, entschließt sich Minty zur Flucht, auch wenn sie dabei ihren Ehemann John Tubman (Zackary Momoh) zurücklassen muss. Der Plan gelingt und in Philadelphia angekommen gibt sich Minty nicht nur den neuen Namen Harriet, sondern schließt sich auch umgehend einer Organisation von Fluchthelfern unter Führung von William Still (Leslie Odom jr.) an. Sie wird in den folgenden Jahren immer wieder freiwillig in die Südstaaten zurückkehren, um andere Sklaven zu befreien und in Sicherheit zu bringen. Gesucht wird sie bald unter dem Namen „Moses“, denn keiner der beunruhigten Sklavenbesitzer kann sich vorstellen, dass es sich bei diesem mutigen Menschen tatsächlich um eine Frau handelt.

Was sofort überzeugt, sind Setting und Ausstattung des Films, der einem das Gefühl vermittelt sich tatsächlich in den noch nicht ganz vereinigten Staaten von Amerika des vorvergangenen Jahrhunderts zu befinden. In diesem Punkt muss sich „Harriet“ ganz sicher nicht hinter thematisch ähnlich gelagerten Werken verstecken, was den inhaltlichen Aufbau angeht allerdings schon. Über weite Strecken folgt man hier einem Biopic von der Stange, in dem einfach diverse Stationen eines aufregenden Lebens in (zu) schneller Folge abgehandelt werden.

Weshalb einem auch die Dramatik und Gefahr der Reisen in die von brutalen Menschenjägern durchsetzten Gebiete kaum einmal richtig deutlich wird. Da geht es mit schnellen Schnitten hin und zurück, kaum in Sicherheit angekommen befindet sich Harriet wenige Sekunden später schon wieder im feindlichen Territorium, obwohl doch gerade noch die große Gefährlich- oder gar Unmöglichkeit der Mission beschworen wurde.

Dieses Muster der unausgereiften Präsentation von eigentlich großen Momenten zieht sich durch den kompletten Film und führt dazu, dass dessen Wirkung hinter dem zurück bleibt, was möglich und auch angebracht wäre. Die Intensität eines „12 Years a Slave“, der hier unweigerlich als Vergleich herangezogen werden muss, erreicht „Harriet“ so gut wie nie, am ehesten noch in den Momenten, in denen es „persönlich“ wird und Harriet ausgerechnet was ihre engsten Angehörigen betrifft ihr Ziel nicht erreichen kann und auch Niederlagen akzeptieren muss.

An der Leistung der britischen Theaterschauspielerin Cynthia Erivo gibt es dagegen nichts zu mäkeln, die erreicht mit ihrer Darstellung tatsächlich die Intensität und Power, die dem Film an sich sonst überwiegend fehlt. Sie ist allerdings auch diejenige die den Film klar dominiert und als Einzige wirklich im Gedächtnis bleibt. Trotz der stakkatoartigen Abhandlung der Ereignisse bleibt ein wesentlicher Teil des Lebens von Harriet Tubman sogar ausgespart: Dass sie im folgenden Bürgerkrieg als eine der wenigen Frauen ein eigenes Kommando führte und bis ins hohe Alter im 20. Jahrhundert als Aktivistin aktiv blieb, erfahren wir nur in kurzen Schrifttafeln vor dem Abspann.

So bleibt man ein wenig ratlos zurück nach diesem etwas oberflächlichen Bilderbogen über ein zweifellos spannendes Thema und eine ebenso spannende Frau, der im Grunde nur visuell und durch seine Hauptdarstellerin überzeugen kann.

Bilder: Copyright

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