Free Guy

Originaltitel
Free Guy
Land
Jahr
2020
Laufzeit
115 min
Genre
Regie
Release Date
Bewertung
7
7/10
von Volker Robrahn / 11. August 2021

Wenn Ryan Reynolds mit viel Herzblut hinter einem Projekt steht, ist das schon mal ein vielversprechendes Zeichen, wie wir spätestens seit „Deadpool“ wissen. Und das ist bei „Free Guy“ jederzeit erkennbar der Fall, womit das gut anderthalb Jahre verschobene Action-Abenteuer nun zumindest noch zu einem der großen Sommer-Hits des Jahres 2021 werden könnte. Bemerkenswert kompromisslos erschaffen Reynolds und sein Regisseur Shawn Levy ("Nachts im Museum") damit ein visuelles Fest und einen voraussichtlichen Kultfilm – zumindest für alle leidenschaftlichen Gamer, die sich endlich einmal freuen dürfen, dass es nun eine Hollywood-Produktion gibt, die eine in sich stimmige Welt erschafft, die sich durchgehend wie ein Spiel anfühlt, obwohl sie doch ein Film ist. Für den Rest könnte der Zugang zwar etwas schwieriger ausfallen, aber unmöglich ist er deshalb auch nicht.

Schon ihre Namen kennzeichnen die Hauptfiguren als echte Prototypen ohne besondere Eigenschaften: Denn Guy (Ryan Reynolds) und sein Kumpel Buddie (Lil Rel Howery) leben ein glückliches und unkompliziertes Leben in Free City als Kassierer und Wachmann in einer Bank. Die wird zwar regelmäßig überfallen und in den Straßen der Stadt liefern sich Helden, Polizisten und Hubschrauber rasante Verfolgungsjagden, aber auch das gehört halt zu Guys ganz normalem Alltag, ohne dass er sich darüber weiter Gedanken machen würde.

Doch dann erfährt er eines Tages durch die Bekanntschaft mit einer Frau (Jodie Comer), die sich „Molotov Girl“ nennt, warum das so ist. Denn bei Guy handelt es sich um eine nicht-spielbare Figur in einem Videospiel, die einfach nur funktionellen Charakter hat und bei der es nicht vorgesehen ist, dass sie von dem ihr vorgegebenen Verhalten abweicht. Das sieht Guy aber nun völlig anders und beginnt seiner Existenz eine neue Richtung zu geben. Zunächst wagt er es tatsächlich statt seines gewohnten Kaffees mal einen Cappuccino zu bestellen, und schon kurz darauf ist er als heldenhaft, aber pazifistisch agierender „Blue Shirt Guy“ das neue Tagesgespräch in Free City.

Was sich im ersten Moment eventuell anhört wie eine Mischung aus „Ralph reicht's“ und der „Truman Show“ von Peter Weir entpuppt sich sehr schnell als völlig eigenständiges Werk, das lediglich die Grundidee vom ferngesteuerten und schließlich rebellierenden Individuum als bereits bekanntes Element übernimmt. Die Verknüpfung der Außen- und Innenwelten eines solchen Kosmos ist bisher aber noch nie so fließend und elegant gelungen, wobei Guy seine Welt konsequenterweise nicht verlassen kann und das auch nicht tut. Das ist die Aufgabe des Molotov Girl, das in der Realität als Millie agiert und von Jodie Comer überzeugend mit entsprechend unterschiedlichem Auftreten verkörpert wird.

Wer hier vielleicht ein wenig überzieht ist derjenige, von dem man so etwas auch am ehesten erwartet: Multitalent Taika Waititi in der Rolle des „Bösewichts“ der Geschichte, dem Spielevertreiber Antwan. Denn der benimmt sich auch in der realen Welt mitunter wie eine Comicfigur und es ist vielleicht nicht die allerbeste Idee, den hauptberuflichen Regisseur („Thor 3“, Jojo Rabbit“) zu viel Narrenfreiheit beim Schauspielern zu gewähren, aber in dieser Umgebung passt es zumindest noch so halbwegs.

Keine Zweifel dagegen gibt es an der Leistung von Ryan Reynolds, dem man dank seiner fast schon demonstrativ zur Schau gespielten Spielfreude selbst den naiven Strahlemann Guy abkauft. Und der hier vermutlich noch mehr Spaß mit seiner Zweitrolle in Form der einfach „Dude“ betitelten hirnlosen Muskelprotz-Blaupause hatte, die sämtliche ihrer Aktionen mit generischen Ausdrücken wie „Catchphrase“ oder „Gesture“ kommentiert.

Dass dazu noch die Welt von Free City derart farbenprächtig und stets mit neuen, aufregend gestalteten Spielebenen daherkommt, sorgt dafür, dass man auch dann ordentlich Spaß mit der Veranstaltung haben kann, wenn man selbst (wie der Rezensent) eher begrenzte Erfahrungen mit Spielen der Art „GTA" hat und eventuell keinen eigenen Twitch-Kanal betreibt. Die Anzahl der Anspielungen und Zitate ist allerdings derart groß, dass sie den Unterhaltungswert für den Kenner sicher noch eine gutes Stück steigert, und dass man da bei einer großen Blockbuster-Produktion auf die Befindlichkeiten des Restpublikums mal recht wenig Rücksicht nimmt, ist ja auch durchaus sympathisch. Das Arthouse-Publikum (Stichwort „Truman Show“) dürfte sich hier jedenfalls mitunter recht verloren vorkommen.

Oder verirrt sich eben gar nicht erst in „Free Guy“, eine ziemlich bunte und überdrehte Produktion, wie sie angenehm aus der Reihe fällt und mit ihrem wilden Einfallsreichtum zumindest ihrem Zielpublikum ganz sicher viel Laune macht.

Bilder: Copyright

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