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Downton Abbey

Downton Abbey
historien-drama , großbritannien 2019
original
downton abbey
regie
michael engler
drehbuch
julian fellowes
cast
hugh bonneville,
maggie smith,
imelda staunton,
laura carmichael,
sophie mcshera,
phyllis logan,
jim carter, u.a.
spielzeit
122 Minuten
kinostart
19. September 2019
homepage
https://www.universalpictures.at/downtonabbeymovie
bewertung

8 von 10 Augen

abbey 1Eine beliebte Fernsehserie mit einem großen Kinofilm zu adeln ist keine neue Idee, und das wird entweder als krönender Abschluss („Sex and the City“), dauerhafter Wechsel („Star Trek – The Next Generation“) oder auch gern mal mittendrin, auf dem Höhepunkt der Popularität gemacht („Simpsons – Der Film“, „Akte X – Der Film“). Bei „Downton Abbey“ ist es nun jedoch so, dass das Finale der mehrfach ausgezeichneten britischen Serie über ein Adelshaus zu Beginn des 20. Jahrhunderts bereits mehrere Jahre zurück liegt und zudem auch allgemein als befriedigender, runder Abschluss der Saga rezipiert wurde. Keine ganz einfache Aufgabe also für Serien-Schöpfer Julian Fellowes („Gosford Park“) nun noch einen spannenden Ansatz zu finden, der den späten Sprung auf die Leinwand legitimiert. Aber dem Film unter der Regie von Michael Engler gelingt es, beste Unterhaltung nicht nur für absolute Kenner der Reihe zu liefern, sondern das Ganze dabei auch noch mit einem Handlungsbogen aufzubereiten, der das größere Format rechtfertigt.
 

abbey 2Auf Downton Abbey, dem Herrschaftssitz der Granthams geht das Leben im Jahr 1927 vorübergehend einmal ohne allzu große Aufregung und Dramen seinen Gang, bis ein Brief aus dem Buckingham Palace die Idylle auf einen Schlag beendet. Darin kündigen König George V. und seine Gefolgschaft ihren Besuch an und das ist nicht nur eine große Ehre für Lord Robert (Hugh Bonneville), sondern eine mindestens ebenso große Herausforderung, vor allem für die Bediensteten rund um die Haushälterin Miss Hughes (Phyllis Logan) und deren Lieblingsschülerin Daisy (Sophie McShera). Die Haus-Patriarchin Lady Violet (Maggie Smith) wittert eine unverhoffte Gelegenheit, sich ihre Cousine Maud (Imelda Staunton), die als Hofdame des Königs fungiert, noch einmal in Fragen einer Erbschaftsangelegenheit zur Brust zu nehmen, und die schwangere Lady Edith (Laura Carmichael) muss befürchten, dass die Pläne des Monarchen für ihren Gatten einen herben Eingriff ins geplante Familienleben bedeuten könnten.

abbey 3Schon die Eröffnungsszene mit einer langen Kamerafahrt auf das prächtige Anwesen verdeutlicht den Anspruch und das Bewusstsein, für die Leinwand zu produzieren, denn derart opulent ging man zuvor auf dem Bildschirm nicht zu Werke, obwohl „Downton Abbey“ sich natürlich vor allem in Sachen Ausstattung auch schon im Fernsehformat profilieren konnte. Den Punkt „eine Nummer größer“ können wir also als erfüllt abhaken, denn der Produktionsaufwand bleibt auch im weiteren Verlauf sichtbar hoch. Und dann hat natürlich die Idee, den König und seinen Stab höchstpersönlich aufmarschieren zu lassen, tatsächlich einen echten Event-Charakter, auch wenn man ein derartiges Ereignis damals noch nicht so bezeichnet hätte. Vor allem aber bietet dieser Strang die Möglichkeit auch dem Dienstpersonal ordentlich Raum und Stoff zu geben. Denn wie einst bei „Upstairs, Downstairs“ (bei uns „Das Haus am Eaton Place“), dem ehrwürdigen Urvater der britischen TV-Serie über die Nöte von Adelsfamilien, liegt ja auch bei „Downton Abbey“ der Fokus zu gleichen Teilen beim Blick auf die Bediensteten, die Butler, Dienstmädchen und Köchinnen, die im Hinter- und Untergrund wirken und dabei ihre ganz eigenen Probleme und Ambitionen zu bewerkstelligen haben. Hier kommt es nun sogar zu einer Art sanfter Revolution, denn als dem Personal deutlich gemacht wird, dass es sich im Hintergrund zu halten hat, da der König seine eigenen Leute und sogar einen eigenen Koch mitbringt, sorgt das natürlich für Enttäuschung, beim großen Ereignis nicht sein Können zeigen zu dürfen. Eine Enttäuschung, die in handfeste Wut umschlägt, je mehr sich der Hofstab von George V. genauso hochnäsig und eingebildet gebärdet wie man es fast schon erwartet. Was folgt ist zwar nicht unbedingt allzu realistisch, bietet aber ganz klar die amüsantesten Momente der Geschichte.

abbey 4Abgesehen von den auf den Punkt gebrachten, oft bitterbösen Einzeilern von Lady Violet natürlich, denn Maggie Smith dominiert nach wie vor ihre Szenen, wenn sie etwa doziert: „Ich streite nie, ich erkläre nur“. Der Serie von Julian Fellowes gebührt das Verdienst, das klassische britische Kostüm-Drama kräftig entstaubt zu haben und mit einer ganzen Riege an frischen und interessanten Charakteren sowie erstklassigen Dialogen für hochklassige Unterhaltung zu sorgen. Diese Essenz wurde trotz der relativ langen Pause nun auch ins Kino übertragen und es wirkt, als hätten sämtliche Darsteller nur wenig Zeit gebraucht um wieder ganz in ihren vertrauten Figuren aufzugehen (was sie uns auch im Interview bestätigten).

abbey 5Und wie sieht es mit denjenigen aus, die bisher noch nicht in Downton Abbey zuhause waren und sich nun fragen, ob sie den Erlebnissen dieses umfangreichen Ensembles überhaupt folgen und etwas abgewinnen können? Ganz klar, für die fällt das Vergnügen natürlich etwas geringer aus, aber es bleibt trotzdem eines. Denn allein die Hauptgeschichte um den Besuch des Königspaares bietet auch ohne Hintergrundwissen jede Menge gute Unterhaltung, und wer bei den kleinen, hier oft nur angedeuteten Episoden um die einzelnen Charaktere nicht komplett durchblickt, der bekommt ja vielleicht gerade deshalb Lust eine der erfolgreichsten TV-Serien der letzten Dekade doch noch nachzuholen. Und dies muss auch noch nicht unbedingt das Ende sein, denn die Jahre, die nun in der Handlung folgen würden, sind schließlich historisch alles andere als uninteressant.

Volker Robrahn

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