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Das krumme Haus

Das krumme Haus
krimi-drama , großbritannien 2018
original
crooked house
regie
gilles paquet-brenner
drehbuch
julian fellowes
cast
max irons,
glenn close,
terence stamp,
christina hendricks,
stefanie martini,
gilian anderson, u.a.
spielzeit
115 Minuten
kinostart
29. November 2018
homepage
http://www.fox.de/das-krumme-haus
bewertung

7 von 10 Augen

krumme h 1Das aktuelle Agatha Christie-Revival ist schon erstaunlich, atmen die Geschichten der britischen Krimi-Autorin doch eigentlich in Setting, Aufbau und Zeichnung der Charaktere den etwas angestaubten Zeitgeist aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Dennoch scheint die Faszination der schon irgendwie einzigartig konstruierten Fälle mit ihren zahlreichen Verdächtigen und Verwicklungen ungebrochen und nach wie vor extrem unterhaltsam zu sein. So geriet Kenneth Branaghs Neuinterpretation von „Mord im Orient-Express“ letztes Jahr zum Überraschungserfolg, in den auch das junge Publikum strömte, und dem nun mit „Tod auf dem Nil“ bald eine Fortsetzung folgen wird. Es gibt eine neue Agatha Christie-TV-Serie und mit „Das krumme Haus“ kommt ein weiterer Film ins Kino, der allerdings keinen der bekannten Detektive wie Hercule Poirot oder Miss Marple aufweisen kann. Dafür jedoch eine auch für Christie-Verhältnisse außergewöhnliche Story.
 

krumme h 2Der noch relativ frisch als Privatdetektiv aktive Charles (Max Irons) erhält ausgerechnet von seiner Ex-Freundin Sophia (Stefanie Martini) den Auftrag, den Tod ihres Großvaters zu untersuchen. Der verstarb an einer – offensichtlich bewusst verabreichten – Überdosis seiner Medizin und hinterlässt ein gewaltiges Vermögen, das sämtliche unter einem gemeinsamen Dach lebenden Generationen der Familie sehr gut gebrauchen könnten. Da sich zudem die meisten der Bewohner untereinander nicht besonders grün sind, verdächtigt nun einer den anderen, von der jungen Witwe bis zu den beruflich überwiegend erfolglosen Kindern und Enkeln.
 

krumme h 3Das ist an sich erstmal kein besonders ungewöhnliches Setting für einen Agatha Christie-Rätselkrimi, doch trotzdem läuft hier einiges anders als gewohnt. Der Detektiv ist persönlich involviert und daher eventuell voreingenommen, er tut sich sehr schwer bei der Ermittlung voranzukommen, und eine große Versammlung, in der er schließlich selbstbewusst und triumphierend den Täter präsentiert, wird es auch nicht geben. Die üblichen Motive von persönlicher Kränkung, Neid und Habgier finden sich zwar in einzelnen Kandidaten wieder, doch im Kern geht es diesmal um etwas ganz anderes. Dementsprechend dürfte daher auch die Auflösung – zumindest für alle, denen die Geschichte bisher noch nicht bekannt ist – einen ziemlichen Schlag in die Magengrube darstellen. Agatha Christie soll „Crooked House“ als ihren persönlichen Lieblingsroman bezeichnet haben und er sticht in der Tat aus ihrem sonstigen Werk hervor. Was vielleicht auch der Grund dafür ist, dass diese etwas gewagte Geschichte bisher lediglich fürs Fernsehen adaptiert wurde.

krumme h 4Den TV-Versionen ist der Film von Gilles Paquet-Brenner natürlich was die Ausstattung und auch die Besetzung angeht überlegen, auch wenn er nicht mit dem Staraufgebot eines „Orient-Express“ konkurrieren kann. Aus dem Ensemble stechen dabei vor allem Gilian Anderson als divahafte Tochter des Opfers und Glenn Close als Quasi-Hausherrin Lady Edith heraus, obwohl diese eigentlich etwas außerhalb der engen Familienbande steht, ist sie doch lediglich die Schwester der ersten Frau des Verstorbenen. Dennoch hält Edith die Zügel in der Hand, weiß offenbar mehr als alle anderen und bleibt in der charismatischen Darstellung durch Glenn Close bis zum Schluss undurchsichtig. Die übrigen „krummen“ Figuren (denn für deren untereinander gestörtes Familienverhältnis steht der etwas eigenartige Titel) haben dem gegenüber etwas weniger Raum sich zu entfalten.

Was sich bis hierhin in der Bewertung ausschließlich positiv anhört, muss dahingehend etwas relativiert werden, dass „Das krumme Haus“ über weite Strecken und dabei vor allem im Mittelteil zwar nie schlecht oder langatmig, aber doch recht konventionell und durchschnittlich daher kommt - jedenfalls solange für den Betrachter nicht erkennbar ist, dass diese Präsentation mehr oder weniger als bewusste Falle dient um ihn in die Irre zu locken. Es sind vor allem das Finale und die Auflösung, die den Film schließlich über den Durchschnitt heben und dafür sorgen, dass er eine starke Wirkung erzielt.

Volker Robrahn

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