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Child's Play

Child's Play
horror , frankreich/usa 2019
original
child's play
regie
lars klevberg
drehbuch
tyler burton smith
cast
aubrey plaza,
brian tyree henry,
gabriel bateman,
tim matheson,
david lewis, u.a.
spielzeit
90 Minuten
kinostart
18. Juli 2019
homepage
https://childsplaythemovie.com/
bewertung

7 von 10 Augen

Chucky, die Mörderpuppe ist zurück! Und jetzt sogar schöner (okay, nicht wirklich), schneller, technisch versierter und vor allem: vernetzter. Denn wo für den Film Reboot/Remake draufsteht, da ist dann für die rothaarige Puppe auch gleich ein technisches Upgrade mit dabei. Denn der neue Chucky ist jetzt eine „Buddi“-Puppe des Kaslan Unternehmens, einer Mischung aus Apple, Amazon und Uber. Und so können die „Buddi“-Puppen lernen, alle vernetzten Geräte des Hauses bedienen und sogar ein selbstfahrendes Taxi rufen. Also eigentlich super, dass der eher nicht so gut gestellten Verkäuferin Karen (Aubrey Plaza) per Reklamation eine solche Puppe in die Hand gegeben wird, die sie ihrem Boss abschwatzt, um sie ihrem Sohn Andy (Gabriel Bateman) mitzubringen. Nur zu dumm, dass die Reklamation nicht ganz unbegründet war: Ein unzufriedener Arbeiter in Vietnam hat der Puppe sämtliche Sicherheitsfilter abgestellt – und so lernt Chucky dann nicht nur zu fluchen, sondern auch dank Fernsehstudiums des „Texas Kettensägenmassaker 2“, was man mit Stichwaffen so anstellen kann. Zumal Andy den Freund seiner Mutter Shane (David Lewis) nicht besonders gut ausstehen kann und am liebsten los wäre...


Voodoo gibt's hier keins, Serienmörder namens Charles Lee auch nicht, und die Puppe ist demnach auch nicht besessen oder per Definition böse, vielmehr wird Chucky zumindest in der ersten Hälfte als fast tragisches Wesen aufgebaut, das alles für seinen besten Freund Andy tun will und nicht verstehen kann, was daran falsch ist – selbst wenn seine Hilfe Todesopfer fordert. Diese durchaus interessante Ambiguität legen Puppe wie Film dann im weiteren Verlauf recht schnell ab. Aber die Idee, Chucky am Anfang als Art Frankensteinsches Monster zu konzipieren ist gar nicht so schlecht. Wie auch sein technisches Update durchaus hilfreich ist. In den alten „Chucky“-Filmen mussten sich Figuren meistens ja schon ziemlich dämlich anstellen, um von einem Drekäsehoch aus Plastik erwischt und abgemurkst zu werden. Da hat Chucky 2.0 seinem Vorgänger einiges Voraus. Als vernetztes Technikzentrum auf zwei Beinchen nutzt er geschickt seine technischen Fähigkeiten, um Opfer entweder gleich ferngesteuert um die Ecke zu bringen oder sie zumindest für seine finale Attacke entsprechend vorzubereiten.

Die eigentlich beste Idee von „Child's Play“ erweist sich allerdings auch als Bumerang, denn so richtig zusammenpassen will das alles nicht. Warum etwa werden die Kaslan-Produkte, die mehr oder weniger an der Spitze der Technikentwicklung stehen, in lächerlich schäbigen Kartons in Billigsupermarktketten vertrieben? Wieso gibt es nur ein einziges Modell, und dieses ist ein potthässliches, rothaariges Balg im bunten Strickpullover? In keiner Marketingabteilung dieser Welt würde ausgerechnet dieses Puppendesign auch nur in Erwägung gezogen werden, da aber in der Marketingabteilung der Filmstudios der Welt Wiedererkennungswert sehr hoch geschätzt wird, müssen die Buddi-Puppen eben in lächerlichem Design herumlaufen, damit Chucky auch wirklich wie Chucky aussieht. Von der Idee, dass ein x-beliebiger ausgebeuteter Arbeiter in Vietnam mal eben Zugriff auf die Programmierung der Puppe hat und alle Sicherheitsfilter ausschalten kann, wollen wir mal gar nicht anfangen.

Aber nun sind Horrorfilme ja nicht die absoluten Ausgeburten an Logik oder hieb- und stichfesten Skripts, von daher wollen wir hier durchaus mal fünfe gerade sein lassen, und wer „Child's Play“ die Albernheiten im Aufbau und innerer Logik verzeiht, der kann sich hier ganz gut amüsieren. Denn der Film ist trotz seines hypermodernen Anstrichs ansonsten von einer schönen Retro-Ästhetik bestimmt, bei der sich Freunde des Originals (und seiner diversen Fortsetzungen) durchaus zu Hause finden dürften. Es wird auch wie es sich gehört ansprechend blutig und im großen Finale herrlich albern, wenn dann die Buddi-Figuren der zweiten Generation attackieren (unter anderem der gruselige Buddi-Bär; ernsthaft, wer übernimmt bei Kaslan das Design?!?). Und der von Komponist Bear McCready entworfene niedlich-aber-gruselige „Buddi Song“, den Chucky beizeiten zum Besten gibt, ist auch eine Freude.

Riesenschauspielleistungen sollte man hier nicht erwarten, aber Aubrey Plaza und vor allem Brian Tyree Henry als Nachbarschaftscop, der mit Andy Freundschaft schließt, ringen dem Geschehen ein paar Schmunzler ab. Und Mark Hamill zeigt (im Original) als Chuckys Stimme wieder mal, dass er nach seinen Jugendabenteuern als Luke Skywalker in den letzten Jahrzehnten vor allem als Sprecher für Zeichentrickserien und -Filme aktiv war (u.a. als der Joker) und genau weiß, wie man nur mit der Stimme reichlich gemein wird.

Natürlich ist „Child's Play“ kein richtig guter Film im klassischen Sinne geworden, aber Genrefans sollten hier durchaus auf ihre Kosten kommen. Auch wenn nicht alle Ideen voll im Ziel landen, so hat man sich bei diesem Remake doch die Mühe gemacht, überhaupt ein paar neue Ideen einzubringen und es sind eigentlich eher die (kommerziell verständlichen) Rückgriffe aufs Original, die den Film ein wenig zurückhalten. Aber kurzweilige und amüsant-gruselige 90 Minuten? Ein Kinderspiel!

Simon Staake

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