
Sie wohnen und leben zwar alle im gleichen Hochhausblock in einem nicht besonders feinem Teil von Süd-London, aber so richtig nett sind sie eigentlich nicht zueinander: Die Jugendgang um Moses (John Boyega) überfällt und beraubt die Krankenschwester Sam (Jodie Whittaker) auf dem Nachhauseweg und findet sich kurz darauf in der Wohnung des dauerbekifften Ron (Nick Frost) ein, der über das gewaltige Drogenreservoir des örtlichen Chefdealers wacht. Zu diesem Zeitpunkt schleppt die Handvoll junger Männer allerdings schon eine recht tote und merkwürdige Kreatur mit sich rum, die plötzlich auf der Straße auftauchte und für den Ärger, den sie machte, halt entsprechend eines auf den Latz bekam. Dummerweise werden Moses und Co. daraufhin zur Zielscheibe weiterer unbekannter und zudem ziemlich humorloser Wesen, die nun gleich dutzendfach vom Himmel fallen und das gesamte Viertel in Angst und Schrecken versetzen. Mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln in Form von Baseballschlägern und Haushaltsgegenständen setzen sich die Bewohner zur Wehr und angesichts der lebensbedrohlichen Situation muss sich schließlich sogar die verstörte Sam mit ihren Peinigern von kurz zuvor zusammentun, um sich und den „Block“ gegen die außerirdischen Angreifer zu verteidigen.
„Attack the Block“ heißt der diesjährige Beitrag zum offenbar irgendwann inoffiziell ausgerufenen Wettbewerb „Wie produziere ich einen kostengünstigen aber originellen Film zum Thema Alien-Invasion?“. Ein Wettbewerb, der aber doch sehr ehrgeizig angegangen wird, denn schließlich erwiesen sich sowohl der „District 9“ von 2009 als auch die „Monsters“ des Vorjahres als durchweg interessante und erfreuliche Kinoperlen. Auch diesem britischen Versuch hier darf man nun Respekt zollen, denn auch der bietet wieder etwas Neues und macht jede Menge Spaß.
Viel haben sie ja nicht zu verlieren, diese Figuren vom unteren Ende der sozialen und wirtschaftlichen Nahrungskette, aber wie sie ihr Viertel, ihre Straße, ihren Block verteidigen, dürfte auch Rapper Sido einigen Respekt abnötigen. Denn das Ganze geschieht äußerst kurzweilig und knackig, angereichert mit einer großen Prise trockenen Humors und einer etwas kleineren, aber dafür auch nicht allzu aufgesetzt wirkenden oder gar nervigen Prise Sozialkritik. Ohne nun wirklich tiefgehende Charaktere anzubieten, schafft es der Film doch immerhin in relativ kurzer Zeit soviel Empathie und Verständnis für seine Figuren zu entwickeln, dass selbst die etwas heikle Wendung vom Zusammenschluss der Ghetto-Kids mit ihrem vorherigen Raubopfer Sam halbwegs überzeugend geschieht.
Die durch die Bank unerfahrenen Schauspielneulinge in Reihen der Jugendgang machen ihre Sache dabei allesamt gut, wobei John Boyega ein wenig herausragt, dessen Moses eine große und anrührende Traurigkeit ausstrahlt. Dass ein Nick Frost („Shaun of the Dead“, „Paul“)dagegen eher für die Gags und komischen Momente zuständig ist, dürfte keinen überraschen, allerdings entpuppt sich der Part des bekanntesten Namens in der Darstellerriege letztlich nur als bessere Nebenrolle.
Bemerkenswert viele Aktionen bekommt man dagegen von den äußerst aggressiven und wilden Invasoren zu sehen. Das Schwarz dieser leicht affenartigen Kreaturen wird zwar lediglich durch ein neonleuchtendes Gebiss aufgehellt, doch erweist sich diese Präsentation als äußerst effektiv und überzeugt im Grunde sogar mehr als es wohl eine Kopie der bereits (zu) oft gesehenen computeranimierten Standard-Aliens weit teurerer Hollywood-Produktionen getan hätte.
So jedoch ist „Attack the Block“ eine gelungene und amüsante Stilübung, zu schräg und dunkel um ein Massenpublikum zu erreichen, aber ein netter Happen für den Genre-Fan und ganz zweifellos eine Bereicherung für jedes ordentliche Fantasy-Filmfest.
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