Ghostbusters: Legacy

Originaltitel
Ghostbusters: Afterlife
Land
Jahr
2021
Laufzeit
124 min
Release Date
Bewertung
7
7/10
von Matthias Kastl / 19. November 2021

Viele Jahre verbrachte die Idee eines dritten „Ghostbusters“-Films in der so gefürchteten Entwicklungshölle Hollywoods. So leidenschaftlich Original-Geisterjäger Dan Aykroyd sich auch für eine zweite Fortsetzung des Kultfilms aus den 1980ern stark machte, am Ende scheiterte es vor allem am Kollegen Bill Murray („Grand Budapest Hotel“, „Lost in Translation“), der nach dem eher enttäuschenden zweiten Teil der Reihe keine große Lust mehr auf die berühmte Uniform hatte. Spätestens mit dem Tod des Mitstreiters und kreativen Kopfes Harold Ramis in 2014 schienen sich dann auch die letzten Hoffnungen auf eine Rückkehr der alten Garde für immer zerschlagen zu haben.

Aber so eine Franchise lässt man natürlich heutzutage nicht mehr einfach so rumliegen. Doch der erste Versuch eines Relaunchs mit einer komplett weiblichen Cast sorgte 2016 für einen Aufschrei bei den Fans und wurde zum Marketing-Desaster. Und da gerade die Macht der Hardcore-Fans in der heutigen Kinolandschaft so stark wie nie ist, bekommen sie nun das, was viele von ihnen so vehement forderten: ein mit Easter-Eggs prall gefülltes Nostalgie-Vehikel, das sich vor allem zur Aufgabe gesetzt hat den Spirit des so geliebten Originals wieder einzufangen. Dank feinfühliger Charakterzeichnung und einer exzellenten Casting-Entscheidung funktioniert dieser Plan lange Zeit auch ziemlich gut. Doch ein mit Nostalgie überfrachtetes Finale hinterlässt am Ende ein etwas zwiespältiges Gefühl und die Frage, ob manche Wünsche nicht vielleicht doch lieber unerfüllt bleiben sollten.

Gar nicht nach seinen Wünschen läuft es auf jeden Fall für den fünfzehnjährigen Trevor (Finn Wolfhard, “Es“, „Stranger Things“). Seine alleinerziehende Mutter (Carrie Coon) zieht mit ihm und seiner kleinen Schwester Phoebe (Mckenna Grace) ausgerechnet in ein kleines Provinznest, das nicht mal gescheiten Handyempfang bietet. Finanzielle Schwierigkeiten zwingen die Familie dazu, es sich im heruntergekommenen Anwesen ihres vor kurzem verstorbenen Großvaters gemütlich zu machen. Während der genervte Trevor versucht sich mit Hilfe von ein paar gleichgesinnten Teenagern zumindest etwas abzulenken, durchsucht die introvertierte Phoebe fasziniert die Hinterlassenschaften ihres Großvaters. Insbesondere ein seltsamer Kasten hat es ihr angetan, der von ihrem neuen Lehrer Mr. Grooberson (Paul Rudd, „Ant-Man“) schnell als Geisterfalle identifiziert wird. Da war doch was, damals in den 1980ern...

Es ist natürlich klar, dass diese Geisterfalle sich schon bald als ziemlich nützlich erweisen wird, da sich rund um das kleine Provinznest Summerville jede Menge Unheil zusammenbraut. Doch es dauert eine ganz schöne Zeit, bis sich die ersten Geister überhaupt zeigen. Diese Zeit nutzt der Film geschickt, um sich ganz klassisch der Figurenentwicklung zu widmen. Dabei liegt der Fokus vor allem auf Phoebe und Trevor, die so ihre ganz eigenen Wege finden, um im neuen Setting Fuß zu fassen. Leichtfüßig und mit einer charmanten Wärme inszeniert, ist es vor allem die erste Stunde, die im neuesten „Ghostbusters“-Film für ein wohliges Gefühl sorgt.

Die größte Stärke ist dabei die junge Phoebe. Mckenna Grace legt einen perfekten Mix aus sympathischer Unsicherheit und cooler Nerdigkeit hin, der einem immer wieder ein Lächeln auf die Lippen zaubert. Dass diese Figur so toll funktioniert, liegt aber auch an der feinfühligen Inszenierung von Regisseur Jason Reitman, um den es ja nach den großartigen „Juno“ und „Up in the air“ etwas ruhiger geworden ist. Hier tritt er nun das Erbe seines Vaters Ivan Reitman an, der einst die ersten beiden „Ghostbusters“-Filme inszenierte.

Dabei fallen besonders zwei Sachen ins Auge. Erstens zeigt Reitman wieder einmal, dass er ein richtig gutes Händchen dafür hat intelligente Charakterzeichnung auf die Leinwand zu bringen. Dass der Film dabei lange Zeit, nicht nur wegen der Beteiligung von Finn Wolfhard, einen gewissen „Stranger Things“-Vibe ausstrahlt, darf durchaus als Kompliment verstanden werden. Zweitens zeigt sich aber auch, dass Jason Reitman gehörigen Respekt vor dem Vermächtnis seines Vaters hat.

Von Anfang an setzt „Ghostbusters: Legacy“ auf die Nostalgie-Karte und macht das Erbe der alten Geisterjäger zum zentralen Storyelement seiner Geschichte. Welche Verbindung dabei zu Phoebe besteht haben bereits schon die Trailer angedeutet, von einem Spoiler kann man hier also eher weniger sprechen. Mit die schönsten Momente gelingen dem Film dann auch, wenn Phoebe Stück für Stück das Geheimnis rund um ihren Großvater lüftet. Aufgrund der Umstände ist dies dann auch mit einer gewissen Tragik verbunden, was vor allem bei Fans des Originalfilms immer wieder eine kleine Träne in die Augen treiben dürfte.

So findet der Film gerade in der ersten Hälfte eine wundervolle Mischung aus Eigenständigkeit und Nostalgie, ohne dabei zu stark wie eine billige Kopie des Originals zu wirken. Anders als damals baut man dabei weniger auf den Zynismus á la Peter Venkman, sondern eher auf nette aber harmlose Charaktergags. Doch auch wenn der Film hier stellenweise eher wie ein etwas leichtfüßiger Kinderfilm wirkt, findet man doch die perfekte Mischung, um auch Erwachsene bei der Stange zu halten. Vor allem das Zusammenspiel zwischen Mckenna Grace und Paul Rudd funktioniert richtig gut, und so baut der Film sich einen wundervollen Mix aus kleiner Coming-of-Age- und Spukgeschichte zusammen.

Mit ebenso liebevollem Blick fürs Detail werden dann auch die ersten Geister eingeführt, bei denen man glücklicherweise weniger auf großes Effektspektakel, sondern lieber auf dezente kleinere Episoden setzt. In Kombination mit zahlreichen Easter Eggs (Stichwort: Marshmallow Man) dreht der Film dann gekonnt immer wieder in kleinen Schritten an der Spannungsschraube. Ohne dabei aber Phoebe und ihr langsames Hineinschlüpfen in die Fußstapfen ihres Großvaters aus den Augen zu verlieren.

Doch ein bisschen Nostalgie war den Filmemachern nachher wohl doch zu wenig. Je näher der Film an sein großes Finale rückt, desto mehr verliert er seine Eigenständigkeit. Und nimmt sich stattdessen vor allem den Erstling als Blaupause für die eigene Story. Die Nostalgie wird zur Hommage und dann schließlich zur Kopie. Und genau hier treten dann doch deutliche Schwächen auf. Um diese zu diskutieren muss man zumindest ein bisschen spoilern, wer also wirklich unvorbereitet in den Film gehen möchte, sollte hier nun besser aufhören weiterzulesen. Auf der anderen Seite dürften, auch dank der Trailer, die meisten schon längst wissen auf was das alles schließlich hinausläuft.

So entschließt man sich also am Ende, sich vom Original nicht einfach nur inspirieren zu lassen, sondern dieses förmlich zu plündern. Ob altbekannter Bösewicht oder gar komplette Setpieces, je länger der Film dauert, umso mehr wird das Original förmlich kreativ ausgenommen. Und dann möchte man sich natürlich auch von der alten Garde der Geisterjäger angemessen verabschieden. Es ist dann aber eben ein großer Unterschied, ob man dem Original eine kreative Liebeserklärung widmet oder ob man es versucht im Wesentlichen nachzubauen. Vielleicht hilft ja ein Beispiel, an das sich der Rezensent hier erinnert fühlte, um die Problematik des Ganzen zu veranschaulichen, ohne dabei zu viel ins Detail zu gehen.

Als vor einigen Jahren Monty Python für eine große Abschlusstournee zusammenkam, geriet die ganze Fangemeinde förmlich aus dem Häuschen vor Vorfreude. Doch wenn man sich die Tour dann anschaute, dann sah man ein paar alte Menschen, denen der Drive von früher fehlte und die teilweise die eigenen Texte nicht mehr korrekt auf die Reihe bekamen. Das war dem Publikum aber egal, da man im Wesentlichen die Vergangenheit feierte und nicht auf der Suche nach neuem kreativen Input war. Und genauso verhält es sich mit dem Ende von „Ghostbusters: Legacy“. Es ist ein schönes Gefühl, an alte Zeiten erinnert zu werden, aber genau das gleiche fast 40 Jahre später einfach nur nachgespielt zu bekommen hat außer dem Nostalgiefaktor nicht wirklich viel zu bieten. Und es ist sogar eher kontraproduktiv, weil es einen sehr deutlich daran erinnert, dass die Vergangenheit eben wirklich die Vergangenheit ist – und die kann man eben nicht mehr so leicht zurückholen.  

Als ob das nicht genug ist, trifft der Film dann auch noch die Entscheidung Harold Ramis einen ganz besonderen Abschied zu ermöglichen. Keine Frage, man spürt, dass dieser hier von Herzen kommt und gut gemeint ist. Und auf dem Papier mag die Lösung, für die man sich hier entscheidet, auch wirklich wie ein emotionaler Home-Run wirken. Doch irgendwie fühlt es sich einfach unecht und falsch an, was man schließlich dort auf der Leinwand sieht. Man merkt dann doch, dass manche Dinge vielleicht lieber der eigenen Phantasie überlassen werden sollten.

Dank der richtig guten ersten Stunde ist „Ghostbuster: Legacy“ immer noch ein wirklich ordentlicher Film geworden. Und wer wirklich nur aus Nostalgiegründen an einer weiteren „Ghostbusters“-Verfilmung interessiert ist, der dürfte nach dem Ende des Films sehr zufrieden sein (und sollte unbedingt noch den Abspann zu Ende schauen). Doch wer sich etwas mehr Mut und Eigenständigkeit erhofft hat, der dürfte bei allen schönen Momenten den Kinosaal doch auch mit einem etwas zwiespältigen Gefühl verlassen. So schön sich das alles auch manchmal anfühlt, vielleicht sollten wir die Vergangenheit manchmal doch einfach Vergangenheit sein lassen.

Bilder: Copyright

10
10/10

Für mich - zugegeben: als Fanboy - war dieser Film die Offenbarung des situationsbedingt etwas chaotischen Kinojahres.
Ich habe einst im zarten Alter von 10 Jahren mit Ghostbusters II den Einstieg in die Welt der Filmgeister gemacht und den ersten Teil etwas später auf VHS nachgeholt. Ich konnte von den Trickfilmen nicht genug bekommen und baute sogar mit meinen zahlreichen Legosteinen eine kleine Ghostbusters-Welt auf (damals rein auf Kreativität basierend, da Lego noch keine Lizenzprodukte im Programm hatte). Dies als Einordnung, wie ich generell zu den Ghostbusters stehe.
Als ich den Trailer sah, versprach er Gänsehaut. Das Wiederentdecken einer längst vergessenen Ära mit ihren Helden.
Mit dieser Erwartungshaltung bin ich letzte Woche ins Kino gegangen und ich wurde nicht enttäuscht. Klar, es gibt objektiv sicherlich Kritikpunkte - viele wurden hier ja auch aufgeführt - und ich kann diese alle nachvollziehen, doch sie fallen für mich nicht ins Gewicht.
Der Humor ist harmlos, aber charmant, der Gruselfaktor ist kindgerecht, aber nicht albern und das wichtigste für mich: die Brücke zur Vergangenheit wird geschlagen, ohne die Cameos zu verschenken. Das große Finale war für mich ein Gänsehaut-Moment, auch wenn er damit die anfängliche Grundhaltung des Films auf den Kopf stellt. Es ist eine Würdigung der alten Recken und ich freute, mich, sie auf diese Weise vereint zu sehen.
Der Film ist nicht perfekt (auch wenn das meine Wertung suggeriert), das ist mir klar, aber wenn mich ein Werk berührt und abholt, sehe ich über kleine Schnitzer gerne hinweg. Es ist für mich ein dritter Teil, den man später genauso oft ansehen kann, wie die Vorgänger.

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