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Aber auch nach Abschluß der Kinoserie war noch lange nicht wirklich
Schluß mit neuen Geschichten vom "Planet der Affen". Zwar waren
die Einspielergebnisse stetig gesunken und mit dem Produzenten Arthur
P. Jacobs verstarb die treibende Kraft hinter der Serie schon 1974.
Als jedoch der amerikanische Fernsehsender CBS mit der Ausstrahlung
der ersten drei Kinofilme hervorragende Einschaltquoten erzielte,
reifte dort die Idee, eine Fernsehserie mit den Affen zu produzieren.
Diese kam dann auch bereits 1974 auf den Bildschirm, war aber kein
besonderer Erfolg. Nach nur 14 Folgen war damit auch schon wieder
Schluß. Sicherlich auch deshalb, weil man in der Serie erneut die
Story von in der Zukunft gestrandeten Astronauten auftischte und
keine besonderen neuen Aspekte zur Gesamtgeschichte beisteuern konnte.
Diese Serie kam unter dem Titel "Planet der Affen" erst mit mehrjähriger
Verspätung ins Programm der damals noch jungen Privatsender Sat.1
und PRO 7 und wurde somit auch dem deutschen Publikum zugänglich
gemacht.
Was die Fernsehserie jedoch bewirkte, war eine für damalige Verhältnisse
erstaunliche Palette an Merchandiseprodukten zur Serie: Von Actionfiguren
über Sammelkarten bis zur Comicserie war bereits alles dabei. Wobei
die 1975 von NBC gezeigte Zeichentrickserie "Return to the Planet
of the Apes" eher zu vernachlässigen ist. Die in Deutschland nie
gezeigte Reihe krankte vor allem an der damals vorherrschenden "Limited
Animation" (wer die "Star Trek"-Zeichentrickserie kennt, weiß, was
gemeint ist). Interessanter ist da schon die Comicfassung im Magazinformat
aus dem Hause Marvel. Diese enthielt zwar einerseits eine (sehr
gut gemachte) Adaption der Kinofilme, brachte aber auch gänzlich
neue Geschichten. Obwohl aus Anlaß der Fernsehserie gestartet, wurde
Marvel kurioserweise untersagt, Comics zu den Fernsehfolgen zu machen.
Aus der Not machte man jedoch eine echte Tugend: Die neuen Geschichten
wurden in den Jahrhunderten angesiedelt, die man in den Filmen noch
nicht gesehen hatte. Eine Zeit, in der die Menschen noch nicht völlig
degeneriert sind, sich mit ihrer Rolle der "Unterdrückten" aber
schon weitgehend abgefunden haben. Unter dem Titel "Terror auf dem
Planet der Affen" erschienen hier einige ausgezeichnete Geschichten,
aus denen die Story "Alptraum der Evolution" herausragt (eine Art
"Enemy Mine" zwischen Affe und Mensch).
Die Comicserie war anfangs sehr erfolgreich, aber nach dem schnellen
Ende der Fernsehserie erlahmte das Interesse aufgrund der fehlenden
medialen Unterstützung, so daß die Reihe nach 29 Ausgaben im Jahr
1977 eingestellt wurde. Überraschenderweise kam das "Planet der
Affen"-Comicmagazin 1976 auch nach Deutschland. Überraschend deshalb,
weil hierzulande die Kinofilme ja auch schon längst durch waren
und die TV-Serie überhaupt nicht zu sehen war. Flugs wurden die
Leser daher auch zu einer Unterschriftenaktion aufgefordert, mit
dem Ziel, die Serie doch ins hiesige Programm zu bringen. Allerdings
ohne Erfolg, und daher brachte es die deutsche Ausgabe auch nur
auf 13 Hefte. Diese sind allerdings dem Affen-Fan wärmstens zu empfehlen,
enthalten sie doch neben den Comics noch zahlreiche interessante
Artikel und Hintergrundberichte zu den Filmen, Schauspielern und
Make-Up Künstlern. Herausragend dabei die Fleißarbeit einer vollständigen
(und sogar fast widerspruchsfreien) Chronik der Ereignisse vom Start
der ersten Astronauten bis zum vermeintlichen Ende der Erde.
In den frühen Neunzigern gab es doch noch einen recht schwachen
Wiederbelebungsversuch in Comicform des amerikanischen Kleinverlages
Adventure und eine schöne Trading Card-Serie mit Motiven der alten
Filme. Ansonsten wurde es die letzten zwei Jahrzehnte ruhig um den
"Planet der Affen".
Der Einfluß dieser Science-Fiction Serie sollte allerdings nicht
unterschätzt werden. Mit den "Planet der Affen"-Filmen begann die
Reihe der Dystopien im Kino der siebziger Jahre. Mehr noch als der
fast zeitgleich angelaufene "2001 - Odyssee im Weltraum" von Stanley
Kubrick, begründeten die Affenfilme - bei allem Unterhaltungswert
- die pessimistische Sicht der Zukunft im Science-Fiction-Kino.
Filme wie "Lautlos im Weltraum", "Der Omega-Mann" oder der schon
erwähnte "Soylent Green" (die letzten beiden übrigens ebenfalls
mit Charlton Heston) führten diese Entwicklung fort und hatten dann
gar nichts mehr mit den naiven Invasionsfilmen der früheren Jahre
zu tun. Die eindeutige Position der Affenfilme gegen jegliche Form
von Rassismus, Haß und Unterdrückung und die immer wiederkehrenden
Appelle an ein friedliches Miteinander spiegeln deutlich die Ereignisse
ihrer Entstehungszeit wieder: Vietnamkrieg und Rassenunruhen, die
Morde an Robert Kennedy und dem stets den friedlichen Widerstand
fordernden Martin Luther King. Insbesondere der vierte Teil "Eroberung
vom Planet der Affen" ist eine ganz bewußte Anlehnung an die tatsächlichen
Unruhen innerhalb der USA zu jener Zeit. Erst mit George Lucas erstem
"Star Wars"-Film von 1977 sollte im Genre wieder eine Kehrtwende
zur bunten, unterhaltsamen Space-Opera vollzogen werden mit strahlenden
Helden und finsteren Bösewichten. Wobei ausgerechnet Lucas selbst
ja mit seinem Erstling "THX 1138" einen der bedrückendsten SF-Filme
der siebziger Jahre geschaffen hatte.
Mit der Neufassung von Kinomagier Tim Burton rücken die Affen jetzt
wieder ins Zentrum des Interesses und es bleibt abzuwarten, ob seine
Version nur ein kurzfristiger Kassenerfolg wird oder auch einen
ähnlich großen Einfluß ausüben kann wie die Adaption von 1968. Allerdings
ist Burton weniger für eine große politische Aussage bekannt (die
wohl heutzutage beim Publikum auch nicht so gefragt scheint), als
für seine Meisterschaft im Entwerfen interessanter, meist gebrochener
Charaktere. Und obwohl das ja auch schon etwas wert wäre, läßt die
Tatsache, daß Burton fünf verschiedene Versionen vom Ende seines
Films drehen ließ, doch ein bißchen daran zweifeln, daß der Mann
so etwas wie eine ernsthafte Vision hat. Dann aber bitte wenigstens
gute Unterhaltung, böse Gorillas und liebenswerte Schimpansen, Mr.
Burton!
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