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Outtakes

Filmszene Gold

  • Der Filmszene-Jahresrückblick 2011

    Alle Jahre wieder ist es auch in der Filmszene-Redaktion das gleiche Spiel. Das Jahresende nähert sich, erste Gedanken über die eigene Top- und Flop-Liste werden gesponnen… und in den letzten Jahren kam es leider zusehends vor, dass die führenden Köpfe unseres Online-Magazins an dieser Stelle ein wenig stutzten, innehielten und sich dann mit leichter Irritation beieinander erkundigten: ‚Sag mal, hast du dieses Jahr eigentlich einen 10-Augen-Film dabei?’.

    Frank-Michael Helmke

    Komisch...

    Ich bin seit 1977 bekennender Kinofan. Und trotz meines *Hust* höheren Alters
    gehe ich 30 - 40 mal im Jahr ins Kino.

    2011 war es 40 mal.

    Komischerweise fällt mit immer wieder auf, daß man als Redakteur jeglicher Kino-
    zeitungen offensichtlich VERPFLICHTET ist, Mainstream zu hassen.
    Sei es um intelektuell zu wirken, sei es weil man halt in einem speziellen Umfeld
    unterwegs ist in dem Mainstream verpöhnt ist.

    Aber meine Top 5 traue ich mich erst gar nicht hier zu posten.

    Aber ich stimme zu, vieles war dieses Jahr einfach nur McDonalds Kino. Kurz verspeist
    und 2 Stunden später wusste man nicht mehr, was man gegessen hat.

    Unangenehm, fast schon schmerzhaft habe ich in Erinnerung:

    Sucker Punch, Bad Teacher, Wer ist Hanna ?, Rango und der unsäglich langweilige 4.1 Teil
    von Twilight (der einzige Film 2011 bei dem ich fast eingeschlafen wäre)

    Überrascht war ich übrigens von "Fright Night" der so vernichtende Kritiken hatte das ich
    fast nicht rein wäre. Eventuell lag es natürlich an den niedrigen Erwartungen.

    Zeligs List 2011

    Tatsächlich ein ähnlich schwaches Filmjahr wie schon 2010. Wobei man im Rückblick dann doch immerhin auf 10 einhalb lohnenswerte Filme kommt:

    Die beiden absoluten Top-Filme:

    Blue Valentine
    Black Swan

    Pertfekte Unterhaltung mit Niveau:

    Carnage
    The King’s Speech
    True Grit

    Beeindruckend:

    Take Shelter
    Tyrannosaur
    Nader und Simin
    Winter’s Bone
    Another Year

    Beeindruckend mit Abstrichen:

    The Tree of Life

    Hitliste

    Kann ich nur zustimmen. Der Beginn des Jahres war stärker als das Ende.
    Trotzdem hatte der Jahrgang wirkliche Höhepunkte:

    Top-Filme:
    127 hours
    True Grit
    Biutiful
    Cheyenne
    Die Haut, in der ich wohne

    Auch richtig gut bzw. beeindruckend:
    Nader und Simin
    The King's Speech
    Black Swan
    Planet der Affen
    Gott des Gemetzels
    Source Code
    Midnight in Paris

    Meine Flops:
    Tree of Life
    Herzensbrecher
    Freundschaft plus
    Beginners

    Bommel

    Schöner und treffender Rückblick. Tja, der "Wow-Effekt" der 3D-Filme ist langsam verflogen und kein Argument mehr, überteuerte Kinokarten für mittelmäßige Filme zu kaufen. Dieses Jahr haben wir vielmehr zahlreiche US-Serien konsumiert, die über das schlechte Kinojahr 2011 hinwegtrösteten. Neue Staffeln von Dexter, Breaking Bad etc. und die Vorfreude auf "Game of Thrones", "Boardwalk Empire" bspw. im nächsten Jahr. Nur Schade, dass der miserable Vertrieb/Ausstrahlung im TV und die Lizenzgeschichten hierzulande ein Import der DVDs nötig machen.

    Schöne Kinorlebnisse zum Jahresbeginn:
    Black Swan
    Tron
    127 Hours

    Solide Filme:
    True Grit
    Source Code
    The Kings's Speech

    Besser als erwartet:
    Tucker & Dale vs. Evil
    Thor
    Ohne Limit

    Peinlich:
    Der Plan
    The Rite
    Hangover 2

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  • Ein Hauch von Hollywood: Ein Nachruf auf Bernd Eichinger (11.04.1949 - 24.01.2011)

    Kino-Deutschland trauert um seine größte Lichtgestalt. Und der Vergleich mit dem Kaiser des Fußballs ist sicher nicht zu klein gegriffen, denn niemand hat das hiesige Kino in den letzten 30 Jahren so sehr geprägt wie Bernd Eichinger, Deutschlands größter, wichtigster und mächtigster Film-Produzent.

    Frank-Michael Helmke

    Eichinger hat mit die besten deutschen Filme aller Zeiten (Der Untergang ect.) - aber auch den letzten Schrott (siehe Bushido Film)
    Am besten sind meiner Meinung nach die "Underground" Komödien wie:

    "666 - Traue keinem mit dem du schläfst" (eine herrrlich verwirrende "Faust" Adaption)

    oder "Die Nacht der lebenden Looser" (wahnsinnig witzige und einfallsreiche Zombie-Teenager-Komödie)

    Deutsches Kino zum Schlapplachen, sowas ist echt selten!
    Danke Bernd Eichinger

    Mal ehrlich, ein Loch in die Filmwelt reißt sein Tod nicht - in die deutsche Filmwelt aber allemal, jedoch nicht weltweit. Auf die Resident Evil Filme hätte man gut und gerne verzichten können. Und auch auf die ganzen deutschen Komödien. Die Romanverfilmungen waren seine Höhepunkte. Aber auch nur, weil er ein gutes Team hatte. Die Regie hat ja er bei den ganz großen Titeln nie gemacht.

    "Der Name der Rose" war wirklich ein fantastischer Film und ebnete Sean Connery den Weg als begnadeten Charakterdarsteller. Und nicht zu vergessen, der noch unbekannte Chritian Slater. Da hat Eichinger wirklich ins Schwarze getroffen. Der weitere Produzentenweg war dann eher durchwachsen. Aber mit 61 stirbt man in der heutigen Zeit viel zu früh. Schade eigentlich.

    filmisch jetzt nicht so wichtig, für deutschland sicherlich ein bedeutender mann... aber was wichtiger ist, leider viel zu früh und überraschend gestorben.

    Tom Gerhardt's "Meisterwerk" heißt übrigens "Voll Normaaal"...

    Na ja, für mich ist dieser Bericht mal wieder das typische Beispiel von kritiklosem Hochjubeln nach dem Tod.

    Dieter Bohlen wird nach seinem Tod wahrscheinlich als größter deutscher Musiker bezeichnet...

    Als wirklicher Filmliebhaber sollte man wohl nicht trauern...

    Trotzdem natürlich zu früh verstorben! (und dann auch noch die Superbullen als letzter Film ;-)

    geschäftstechnisch gesehen wichtig, menschlich gesehen fragwürdige person...

  • Das Ende ist der neue Anfang (aber warum bloß?)

    Eine Unsitte breitet sich aus auf den weltweiten Kinoleinwänden, und niemanden scheint es zu stören. Nirgendwo regt sich Protest und kaum jemand scheint überhaupt eine Meinung dazu zu haben, dass dem Publikum Stück für Stück ein Jahrzehnte lang lieb gewonnenes Ritual immer öfter vorenthalten wird. Die Rede ist vom Vorspann, auf englisch auch "Opening Credits" genannt, in denen zu stimmungsvoller Musik das produzierende Studio stets stolz präsentierte, wie das folgende Werk heißt, wer darin mitspielt und wer es geschrieben und inszeniert hat.

    Volker Robrahn

    Ich persönlich trauere dem "klassischen" Vorspann, wie man ihn bis ca. 1980 fast standardmäßig in jedem Film kannte, keinesfalls nach: das war damals eine Art "Nachspann vor dem Film", bei dem man sich minutenlang von scrollenden Namen auf einem statischen Bildschirm berieseln lassen durfte, während dazu die Titelmelodie dudelte.
    Nee, das muss wirklich nicht sein! Künstlerisch ausgestaltete Vorspann-Szenen a la "James Bond" sind da schon willkommener, sind aber meines Erachtens auch nicht wirklich unverzichtbarer Bestandteil eines Films. Beim Theater wird vor dem Stück ja auch nicht erst groß die Darstellerriege samt Titel noch einmal vorgestellt - man weiss doch wohl ohnehin, in welchem Stück man sich befindet, oder?

    Ich bin übrigens bekennender Abspann-bis-zum-Ende-Anseher - zum Leidwesen von Kinobediensteten, die das Müllchaos der anderen Besucher beseitigen wollen, aber bis zum Abzug des letzten Gastes warten müssen. Für mich ist der Abspann tatsächlich fester Bestandteil eines Films, und darf auch nicht fehlen.

    Ich bin einer der wenigen, die sich über einen kurzen oder gar keinen Vorspann freuen. Der Vorspann war früher für mich selten interessant, eher langweilig und immer viel zu lang. Man darf sich gerne mal selbst testen und bei YouTube nach "Stargate Movie - Opening Titles" suchen - mein persönlicher Alptraum-Vorspann.

    Vielen Dank für diesen unterhaltsamen Gedankenfaden, Herr Robrahn. Ein Vorspann ist ein gestalterisches Mittel, der Buchdeckel oder Rahmen eines Films. Und manchmal ist es nicht gelungen, diesen fortzulassen.

    Ich stimme allerdings nicht zu, dass die fehlenden Opening Credits ein "plötzlich" auftauchendes Phänomen seien. Die Filmmode nagt vielmehr seit mindestens vier Jahrzehnten an den OC und verdrängt sie immer weiter. Man sollte da differenzieren: Das Fehlen der Nennung Mitwirkender am Filmbeginn erodiert schon lange. Was in letzter Zeit etwas stärker zugenommen hat, ist das Fehlen der Titeleinblendung zu Filmbeginn.

    Der erste Film, bei dem ich bewusst wahrnahm, dass ja Titel und Credits am Anfang fehlten war ... Last Action Hereo (1993) - und da hatte es einen Kontext zum Thema des Films.

    Siehe auch:
    http://www.imdb.com/keyword/no-opening-credits/
    http://www.imdb.com/keyword/no-title-at-beginning/

    @Neo: Ja ja, die Bevormumndungsversionen "härterer" Filme für Erwachsene. Da wird der "mündige" Bürger so richtig für voll genommen. Gut dass es da so Versandhäuser wie medienversand.at gibt...
    In Österreich hat man wohl weniger Angst vor Axtkillern *grins*...

    Da hast du recht hexi die bewertungen hier in deutschland sind auch nciht viel besser. aber noch schlimmer als das die studios ihre werke zerschnippeln um eine FSK 12er fassung oder PG13er fassung zu bekommen finde ich, dass in deutschland auch erwachsenen vorgeschrieben wird was sie gucken dürfen. das überhaupt filme die ab 18 sind indiziert werden oder nur geschnitten veröffentlicht werden finde ich höchst bedenklich. der "jugendschutz" hört doch an der stelle auf an der FSK18 auf eine DVD oder kinofilm gestempelt wird. warum überlässt man es den mündigen bürgern nicht was sie sehen oder nciht sehen wollen?

    ...und wo weichen diese "absurden" Altersfreigen so sehr von "unserer" FSK ab? Sind die FSK-Freigaben wirklich so viel "besser" oder "angemessener"?
    Man denke auch hier nur mal an das "FSK12, aber mit Mami oder Papi doch schon ab 6"-Gedönse.
    In dieser Sache ist das böse amerikanische Altersfreigabesystem in sich schon mal wesentlich besser aufgebaut. Auch sind die Altersfreigabestufen dort wesentlich näher am tatsächlichen geistig-seelischen Entwicklungsstand der Altersgruppen orientiert.
    Der "Reifesprung" zwischen dem 16. und 18. Lebensjahr ist z.B. kaum noch erwähnenswert, wohl aber der zwischen dem 12. und 16. Lebensjahr.
    Damit kommt das amerikanische System mit der Abstufung 13, bzw. 17 der Realität wesentlich näher.
    Eine Neustrukturierung der FSK-Freigaben sollte hierzulande vielleicht mal ernsthaft in Erwägung gezogen werden. Die Alterstufen 0, 6, 10, 14 und 18 wären beim heutigen Stand der Dinge wesentlich realistischer.

    Aber da bei beiden Systemen (aus was für Gründen auch immer) trotzdem immer wieder fragwürdige Entscheidungen getroffen werden, ist es eigentlich auch egal...

  • Rebel With A Cause: Zum Tod von Dennis Hopper (17.05.1936 - 29.05.2010)

    Als der Krebs kam, begrüßte Dennis Hopper ihn, wie er alles und jeden begrüßte, was ihn nervte: mit ausgestrecktem Mittelfinger. Es ist nicht überliefert, wie er dem Tod, der ihn in der Nacht zum letzten Samstag (29. Mai) in seiner Villa in Los Angeles ereilte, gegenübertrat, aber man darf sich vorstellen, dass er ihm ein paar gepfefferte Worte entgegengeworfen hat.

    Simon Staake

    Ja, ich durfte den wahren D. Hopper in Blue Velvet kennen- und lieben lernen. Auch und vor allem Dank ihm ist dies mein Lieblingsfilm. Danke sehr und Rip.

    RIP Dennis!

    War einer der Unbequemen, und schon allein deshalb, für mich einer der Besten. Danke das auch Texas Chainsaw 2 Erwähnung findet. Dieser völlig unterschätzte Film wird ja gerne unterschlagen. Hoppers Tod - auch wenn absehbar - hat mich sehr bewegt. Mehr möchte ich gar nicht schreiben.

    Ein sehr schöner Nachruf, auf einen grandiosen Schauspieler. Danke dafür.

    Danke für all die wunderbaren Filme! Außer "Super Mario Bros."... ;)
    Rest in peace, Dennis!

    R.I.P. - Du warst klasse, Dennis ...

    Tschüss Dennis, und VIELEN DANK für Easy Rider. Wer schon mal gegen eine Wand von Holzköpfen gerannt ist, versteht diesen Film sehr gut.

  • Herzlichen Glückwunsch, Mumpitz-Praktizierende Alberne Ahnungslose (MPAA) - Eine Jubiläumsbilanz

    Bringt die Kerzen und den Champagner, Filmfreunde, denn seit nunmehr 40 Jahren beglückt uns das Ratings Board der "Motion Picture Association of America" (MPAA) nun mit intelligenten und nachvollziehbaren Bewertungen und Altersfreigaben, die oftmals über Wohl und Weh eines Films und seines minderjährigen Publikums entscheiden. Denn was liegt zwischen einem frisch zeugungsfähigen Jüngling und einem Paar nackter Brüste auf der Leinwand, außer der MPAA und ihrer Alterseinstufungen.

    Simon Staake
  • Schwarzer gegen grauer Panther

    Was das Duell zwischen Spike Lee und Clint Eastwood über Obamas neues Amerika sagt

    28.06.2008 - Im Rapjargon würde man sagen, sie haben beef miteinander, der in einem battle endet, in dem sich beide dissen. Und während einer Partei im verbalen Scharmützel der letzten Tage und Wochen, dem Afro-Amerikaner Spike Lee, diese Begriffe wohl etwas sagen werden, so wird der fast 80-jährige Jazzfan Clint Eastwood mit Sicherheit damit nichts anfangen können.

  • Sie küssen und sie schlagen uns

    03.09.2008 - Großartig! Überragend! Bombastisch! Das müssten so in etwa die Adjektive sein, die sich Deutschlands erfolgreichster Filmproduzent Bernd Eichinger samt seiner Firma Constantin Film für ihr neustes Megaprojekt "Der Baader-Meinhof-Komplex" wohl von Publikum und natürlich auch von den Journalisten wünschen. Um dem möglicherweise anders lautenden Echo von vorzeitig erscheinenden Filmkritiken oder anderen Formen von kritischer Berichterstattung vorzuwirken, scheint dem Verleiher mittlerweile jedes Mittel recht.

    Patrick Wellinski
  • In Memoriam: Sydney Pollack (01.07.1934 - 26.05.2008)

     

    "With a movie you're creating from the beginning this particular work,
    let's not call it work of art, because very few movies are works of art,
    let's just call them bits of popular culture, whatever they are,
    sometimes very rarely by accident a movie becomes a work of art."
    -
    Sydney Pollack

    Patrick Wellinski
  • Die Macht der Bibelkrieger - Jetzt auch im Kino

    26.12.2007 - Pünktlich zum größten aller christlichen Feste mischt sich in den Weihnachtsumtrunk ein fader Beigeschmack - zumindest für Filmfreunde. Denn wenn man sich anschaut was in den USA gerade mit der Multimillionendollar -Produktion "Der goldene Kompass" passiert, könnte man durchaus mal kurz vom Glauben abfallen.

    Volker Robrahn

    Hätte man mich nicht mit der Nase darauf gestoßne wäre mir (als überzeugte Christin) gar nicht aufgefallen, dass in dem Film so radikale Religionskritik geübt wird. Ich sehe das doch eher als Kritik an einer machtbesessenen, rücksichtslosen Obrigkeit. Und wenn man es wirklich auf die Religion bezieht, dann kritisiert der Film höchstens die Institution, also die Kirche. Aber mal ehrlich, eine Bande von Bösewichtern, die Kindern ihre Seelen rauben will und sie so gefügig machen, das könnte man auch als Kritik an unserer Konsumgesellschaft auffassen. Ist doch alles eine Frage der Interpretation.
    Zwei Dinge finde ich bei dieser Diskussion beängstigend:
    1. Dass die christlichen Fundamentalisten in den USA überhaupt ihren Glauben durch den Film kritisiert sehen.
    2. Dass die wirklich so viel Macht haben, dass sich ihre Anschauung auf die Einspielergebnisse auswirkt.
    Denn: Selbst wenn hier Kritik geübt wird, das muss erlaubt sein. Von einem Fantasy-Kinderfilm sollte niemand seinen Glauben angegriffen sehen und selbst wenn es so wäre, sollte man damit souverän umgehen können. Man müsste sagen können, dass sich jeder ein eigenes Urteil bilden sollte. Aber das ist eben typisch für die Amerikaner, lieber verdammen, als sich wirklich damit auseinander zusetzen. Aber ein Sekten-Guru wie Tom Cruise ist ein anerkannter Filmstar. Viel interessanter sind da seine Beziehungsgeschichten, als seine radikalen religiösen Ansichten. Tja, die USA sind eben ein Land der Widersprüche.

    Sehr gut geschrieben. Und leider sehr wahr.

    In der heutigen Zeit bestimmt immer noch ein Aberglaube das Leben der
    Menschen.
    Er zerstört immer noch mehr, als er je versucht hat aufzubauen. Welche Greueltaten im Namen der Kirche begangen wurden, sind nicht mehr aufzuzählen. Im Namen aller sogenannten Götter, im übrigen.

    Aber Amerika ist noch immer das Land der Superlative, wenn es um Dummheit geht. Das wird sich auch nicht ändern. Das wir auch hier solche armen Geister haben, ist ebenfalls bekannt.

    Das ich aber wohl nie die Vorsetzungen von einem der besten Fantasy-Filme nach Herr der Ringe sehen werde,macht mich traurig und wütend zugleich.

    Die religiöse Rechte der Vereinigten Staaten unter dem Verweis auf demokratische Freiheiten zu verteidigen ist etwa so, als würde man Bücherzensur und -verbrennungen unter der Rubrik "freie Meinungsäußerung" zusammenfassen.

    Geistesgeschichtlich befinden sich weite Teile dieser Fundamentalchristen noch im tiefsten Mittelalter: überall sind Dämonen am Werk, und alles, was mit der wörtlich verstandenen Schöpfungsgeschichte einer Hirtenkultur der Bronzezeit nicht in Einklang zu bringen ist, *muss* von vornherein Teufelszeug sein.

    Nun sei es jedem freigestellt, jedweden Unsinn zu glauben - aber dieselben Leute setzen sich dann dafür ein, dass die Schöpfungsgeschichte als "gleichwertige Theorie" neben der Evolution unterrichtet wird, laden die Gemeinde kollektiv zu Gibsons "Passion" - oder betreiben eben eine beispiellose Schmierkampagne gegen Filme wie "Der Goldene Kompass".

    Zeitweise war dort drüben sogar Anne Franks Tagebuch auf dem Index - weil die junge Dame geschrieben hat, dass sie nicht an Gott glaubt, und somit als Identifikationsfigur für gute amerikanische Kinder nicht in Frage kommt.

    Das Outtake trifft den Nagel auf den Kopf: In den USA zeigen sich die Vorboten des nächsten dunklen Kapitels der Menschheitsgeschichte: Werte wie Meinungs- oder Religionsfreiheit und das Recht, seinen Verstand frei einzusetzen werden von christlichen Fundamentalisten systematisch untergraben, um bevormundende Erziehungsideale aus den 50ern uneingeschränkt anwenden zu können.
    In meinem Bekanntenkreis sind einige Leute, die einen Schüleraustausch in die Staaten gemacht haben. Vorallem in Texas' Familien haben Schule, Kirche und Eltern in ihrem Handeln beängstiende Ähnlichkeit mit dem Vorgehen des kompass'schen Magisteriums, frei nach der Losung: "SELIG (werden/sind) die geistig (Armen/Beraubten/Bevormundeten)".

    >>" Es ist das gute Recht der Menschen, egal ob in Amerika oder Europa, einen Film zu gucken oder eben nicht."

    Genau dieses "Recht" wird aber eingeschränkt durch diese bescheuerte Boykottierung seitens dieser überzeugten Christen. Ein Film, der anzunehmenderweise kein Geld einspielen wird, wird auch nicht produziert.

    Abgesehen davon ist Religion, die sich in den letzten Jahrzehnten nur noch durch Luftleer-Argumente und pro-christlichen Agnostizismus behauptet, wie Fastjack schon richtig sagte ein Aberglaube, den es im 21. Jahrhundert nicht mehr geben dürfte.

    @Angie

    Ich hab nie gesagt das ich allein die Wahrheit gepachtet habe. Und Respekt vor religiösem Fundamentalismus ? Nein tut mir leid, dafür kann ich keinen Respekt und auch keine Toleranz aufbringen. Ich bin lediglich der Meinung das die Religion ein veraltetes Instrument ist, dessen wir uns endlich entledigen müssen, denn schau dich doch mal auf der Welt um ....die letzten Jahrhunderte und auch heute noch ist die Religion für den Großteil des Übels auf unserer Erde verantwortlich....nix gegen die gemäßigten Gläubigen hier in Europa die reflektieren können. Aber alle meine Verachtung gegen jeglichen Fundamentalismus ob er nun islamisch oder christlich ist...und die Aktion die grad drüben in Amerika in Bezug auf den Film abgeht, ist nichts anderes als extremistische evangelikale Hetzpropaganda...und sowas hat in einer Demokratie eben nichts verloren. Unter dem Deckmantel der Religionsfreiheit bilden sich nämlich so langsam Demokratiefeindliche Strukturen...

    @fastjack:
    Wir leben nunmal in einer demokratischen Gesellschaft genau wie die Amis. Und wenn dort nunmal die Mehrheit der Bevölkerung so religiös ist, dass sie diesen Film boykottieren, dann dürfen sie das auch (auch wenn es so gut wie keinen Grund gibt).
    Du hast natürlich recht damit, dass religiöse Motive für die Bewertung eines Films nicht den Ausschlag geben sollten. Aber das zeigt ja auch, dass die Filmkultur keine Subkultur ist, sondern eine wichtige Rolle in der Gesellschaft spielt, genau wie Religion.
    Ich würde mir etwas mehr Respekt auf beiden Seiten wünschen. Glaubst du wirklich, alle religiösen Menschen wären strohdoof und du allein hast die Wahrheit? Damit stellst du dich auf diesselbe Ebene wie die religiösen Fundamentalisten, die dasselbe behaupten, nur umgekehrt.

    Red doch ned so nen Mist Angie...natürlich hat jeder das Recht auf nen Film zu verzichten. Aber wenn der Film nur deshalb boykotiert wird, weil er Religionskritik übt (und das viel viel abgeschwächter als in den Büchern) und weil der Author überzeugter Atheist und Humanist ist, dann stimmt was gewaltig nicht. Es geht denen doch ned im Ansatz darum ob der Film überhaupt gut oder schlecht ist, sondern nur darin das er in ihren Augen eine Gefahr für die Gehirnwäsche ihrer dogmatisierten Kinder darstellt, die ja in Frage stellen könnten was ihnen tagtäglich an religiösem Wahnsinn eingeimpft wird.

    Das zeigt mal wieder das das neue Jahrhundert und die angehende Verblödung der Menschheit durch die erstarkenden Religionen in allen kulturellen Schichten zu spüren ist und hier das Medium Kino erwischt....

    Traurig traurig....

    Es ist das gute Recht der Menschen, egal ob in Amerika oder Europa, einen Film zu gucken oder eben nicht. Und wenn nicht genug eingespielt wird, um Fortsetzungen zu drehen, besagt das nur, dass die Film-Industrie vom Zuschauer abhängig ist - und das ist für mich keineswegs überraschend. Dabei ist es ganz egal, was für religiöse Hintergründe dabei ausschlaggebend sind. Also von wegen trübe Aussichten, ich weiß nicht was Herr Robrahn von der Filmindustrie erwartet, jedenfalls ist es ziemlich idealistisch, die Leute würden die Filme am meisten besuchen, die auch qualitativ am besten sind. Ich denke, da gibt es genug Gegenbeispiele.

  • Die Schlacht gewonnen, den Krieg verloren - Warum die Autorengewerkschaft ihren "Sieg" nach beendetem Streik nicht feiern sollte - und wir alle verlieren

    Als der Streik der amerikanischen Drehbuchautoren nach über drei Monaten zu Ende ging, hatte die für die mediale Berichterstattung wichtigste Konsequenz bezeichnenderweise nichts mit den Autoren zu tun: Die Stars kommen doch zu den Oscars!

    Simon Staake