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Ghost World

Ghost World
teenager-drama , usa 2001
original
ghost world
regie
terry zwigoff
drehbuch
terry zwigoff, daniel clowes
cast
thora birch,
steve buscemi,
scarlett johansson,
brad renfro, u.a.
spielzeit
111 Minuten
kinostart
18. Oktober 2001
homepage
bewertung

10 von 10 Augen

 

"Ghost World" ist ein Schatz, ein Film dessen Reichtum überwältigt, jedoch niemals auf irgendwie anmaßende Weise. Nichts ist groß, laut oder dumm an diesem Film. Damit hat er nicht nur dem Großteil des Hollywoodoutputs etwas voraus, nein, er setzt sich in der Gedankenwelt und auch ein wenig im Herzen des Zuschauers fest, eine Eigenschaft, die zuwenig Filmen vergönnt ist, weil diese zuwenig riskieren. "Ghost World" riskiert alles und gewinnt alles - dieser

Zwei gegen den Rest der Welt: Rebecca
(Scarlet Johansson) und Enid (Thora Birch)
Film geht nie auf Nummer sicher und geht dabei nie in die falsche Richtung. "Ghost World" hat soviele große und kleine Weisheiten aufzubieten, das man sich mühen muss, ihrer aller habhaft zu werden.
Dabei ist die hier präsentierte Geisterwelt bei weitem kein schöner Ort, sondern ein grausamer, kalter und vor allem grässlich mittelmäßiger Platz. Und dieser Platz hat keinen Platz für jemanden wie Enid (Thora Birch). Dieses Mädchen ist zu schlau, zu schlagfertig und schlichtweg zu groß für eine Welt wie diese, sie kann nicht eingefangen und gebändigt werden von den Ansprüchen und Zwängen einer Welt, in der der Mittelmäßige König ist und der Außergewöhnliche der Ausgestoßene. Enid ist ausgestoßen. Rein optisch ist sie der Typ, wie ihn jede Schule kennt: Gefärbte Haare, Hornbrille, schrille Klamotten. Außenseiter eben. Aber Enid schlägt zurück. Sie hat eine Zunge, die verletzender ist als jede Knarre, jedes Messer. Dies ist ihre Art und Weise mit einer Welt umzugehen, die sich weigert außergewöhnlich zu sein, mehr zu sein. An Enids Seite ist Rebecca (Scarlet Johannson), die gelangweilte Prinzessin, ein Mädchen unter dessen hübschem Äußeren nur Verachtung lauert für die Banalität und Falschheit ihrer Umwelt.

Auch so ein Paar wie Rebecca und Enid kennt man aus der Schule, die Außenseiterinnen die sich gegenseitig Halt geben, verschworen gegen die Unwissenden da draußen. Enid und Rebecca versuchen sich in dieser Welt zurechtzufinden, und das zu tun, was man eben so macht nach dem Schulabschluss: Einen Job und ein gemeinsames Appartement finden. Vorher muss Enid jedoch ihren Sommerkurs in moderner Kunst beenden, ein Unterfangen, das von ihrer Lehrerin (Illeana Douglas) fast vereitelt wird. Diese Roberta Allsworth ist eines der vielen Geister in dieser Welt, falsch und prätentiös, von der Gesellschaft gedrillt, zwischen "guter" und "schlechter" Kunst zu unterscheiden, dabei jedoch unfähig Brillanz zu erkennen, selbst wenn diese sie in den Hintern beisst.
Es gibt andere Geister: Josh (Brad Renfro), der Junge aus dem Laden um die Ecke, Enids und Rebeccas Lieblingsopfer, jedoch zu sehr Würmchen um für das dynamische und erbarmungslose Duo wirkliche Herausforderung

Ein wirklich seltsames Paar: Enid und ihr
neuer Kumpel Seymour, der Schellack-Freak.
zu sein. Also suchen sie ein neues Opfer, das in der Zeitung eine pathetische "Haben uns letzte Woche für drei Sekunden in die Augen geschaut. Täusche ich mich oder war da was? Bitte melde Dich!"-Anzeige geschaltet hat, geben sich als gesuchte Dame aus und fingieren eine Verabredung. Auftritt: Seymour (Steve Buscemi), trauriger Fall Mitte dreißig, Typ Verlierer im Leben und der Liebe. Die Mädchen spielen ihren Streich mit ihm. Doch unter dem müden, einsamen Äußeren Seymours verbirgt sich etwas, das Enid anspricht, wenngleich sie noch etwas länger braucht, um zu begreifen was es ist: Seymour ist wie sie, ein Außenseiter, der sich enttäuscht von der Welt zurückgezogen hat. Seymours Rückzug besteht hauptsächlich aus dem Sammeln alter 78er Schellack-Schallplatten von fast vergessenen Jazz & Blues-Sängern. Das Girlie und der Kauz nähern sich langsam an, Enid versucht sogar, dem linkischen Seymour Dates zu verschaffen, was schließlich mit der Zusammenführung von Seymour und der simplen, oberflächlichen Dana (Stacey Travis) endet. Und ab dort beginnen die Dinge endgültig auseinander zufallen. Rebecca ist eifersüchtig, dass Enid soviel Zeit mit dem "Typen aus Loserville" verbringt, Dana will nicht, dass sich Enid und Seymour weiterhin sehen. Und mittendrin stehen zwei Außenseiter, verwandte Seelen, die nun weniger denn je wissen, wie sie ihre Leben in den Griff kriegen sollen.

Dies ist eine der großen wahren Lehren, die "Ghost World" liefert: Egal, wie nahe sich Personen stehen, sie werden sich zwangsläufig verletzen. Nicht aus Abneigung, ohne Vorsatz, sondern aus Unvorsicht, aus Mangel an Alternativen,

Regel Nummer Eins: Es gibt immer einen
größeren Freak als dich.
aus Mangel an anderen Ausdrucksmöglichkeiten. Dies ist auch ein Film über Zutrauen, Vertrauen und wie diese Dinge kommen und gehen, während das Leben einen überholt. Doch es gibt mehr in "Ghost World": Der Film ist nicht nur bitterböse Satire, sondern vor allem ein Ausdruck der Trauer über das Zugrundegehen von wirklicher Kunst, wirklicher Schönheit, wirklichem Sein in einer Schattenwelt voller Geister, leerer Menschen mit leeren Leben und zu leerem Verständnis, um dieses zu bemerken.
Dies alles klingt jetzt fürchterlich traurig und deprimierend und in gewissem Sinne ist es das auch und das weiß dieser Film. Dennoch gibt es hier mehr zu lachen als in jedem "Scary Movie", "American Pie" oder was sich sonst so als Komödie deklariert. Es ist halt nur ein etwas milderes, älteres und irgendwie weiseres Lachen, das gerade so eben den Kloß im Hals überdeckt.
"Ghost World" ist auch und vor allem eine Hymne an die Außenseiter, die
Ungewöhnlichen und die Ausgestoßenen. Denn wenn auch nichts sonst, so haben diese ihre Individualität in einer Welt voller gleichgeschalteter Menschen. Dass dieser Film auf einem Comic basiert, wird nicht nur in einem köstlichen Seitenhieb aufs Korn genommen (die Auslassungen der Kunstlehrerin über die Primitivität von "low art" wie Cartoons) sondern erklärt auch diese Zuneigung zu Außenseitern, eine Qualität, die die Bildergeschichten von jeher auszeichnete. Regisseur Terry Zwigoff zeigte seine Vorliebe für sowohl Comics und "low art" als auch für aufrechte Außenseiter in einem der zwei diesem Debütspielfilm vorrausgehenden Dokumentationen über den Comiczeichner Robert Crumb ("Fritz the Cat").
Um das Maß an Sympathie, das "Ghost World" für seine Antihelden aufbringt, vollständig zu verstehen, muss man sich lediglich Steve Buscemis Charakter für einen Moment genau anschauen, in all seiner geekiness. Seymour ist Buscemi.

Der Mann, der Held, die Riesenperformance:
Steve Buscemi rockt mal wieder das Haus.
Genauso wie Thora Birch Enid ist. Enid ist die logische Fortführung von Birchs Rolle in "American Beauty" und genau wie dort lässt Thora Birchs fantastisch nuanciertes Spiel einen schwierigen Charakter zu vollständig glaubwürdigem Leben erwachen. Die grandioseste Leistung aber kommt von Steve Buscemi, dessen Seymour die Krönung sämtlicher seiner Rollen ist: hundertprozentig Buscemi und auch hundertprozentig Seymour, ein Mann und sein Charakter, schlichtweg herausragend. Die Grenzen zwischen Charakter und Schauspieler scheinen zu verschwimmen, so großartig sind die beiden Protagonisten geschrieben. Sie mögen verschroben sein und ihre Fehler haben, weiß Gott, mehr als genug von jenen, aber sie fühlen sich gerade deshalb real an. Näher ist Hollywood realistischen Charakteren, "wirklichen Menschen", selten gekommen. Wie überhaupt das eine der großartigsten Leistungen von "Ghost World" ist: Dass ausgerechnet eine Comicverfilmung mehr über menschliche Charaktere zu sagen hat als sämtliche Literaturverfilmungen oder Reissbrettgeschichten.
Wenn vor wenigen Zeilen "American Beauty" erwähnt wurde, so hat das durchaus seinen Grund, denn es drängen sich nicht nur ob der Grundstimmung und der weiblichen Hauptdarstellerin Vergleiche auf, sondern "Ghost World" kann auch durchaus mit der oscarprämierten Satire konkurrieren. Denn ähnlich wie "American Beauty" ist "Ghost World" der lustigste, traurigste, bitterste, ergreifendste und erhabenste Film seines Hollywood-Jahrgangs - in einem Jahrgang von zumeist seelenloser Unterhaltung, die so gut wie nichts zu sagen hat und zu sagen weiß. "Ghost World" ist ein Film, den man dieses Jahr einfach nicht verpassen darf, ein Geschenk, das einem noch lange nach dem Kinobesuch im Kopf herumschwirrt. Und einen daran erinnert, das vielleicht auch für sich selbst irgendwann ein Bus hält, dessen nächste Haltestelle ein besserer weil anderer Ort ist.

Zwei kurze Fußnoten:

1. Der Film wird von einem hypnotischen musikalischen Thema begleitet, das erneut an "American Beauty" gemahnt, jedoch auf seine Weise ebenso gut funktioniert.

2. Gerade Steve Buscemi-Fans sollten sich die Mühe machen, während des Abspanns sitzen zu bleiben. "If you wanna fuck with me, I show you who you're fuckin' with." Nuff said.
Simon Staake

6

hmmm wie soll ich sagen, der film war mir irgendwie ein wenig komisch. er hatte zwar immer wieder geniale und auch witzige momente, wenn enid mit ihrer bösen zunge auf die oberflächlichkeit der menschen hinweist. (die szenen mit der kunstlehrerin sind köstlich). aber genau da liegt auch das problem... enit und vor allem rebecca sind in ihrem auftreten zutiefst arrogant bis gar menschenverachtend. natürlich ist die stimmung des films extra pessimistisch und natürlich sollen die personen nicht makellos sein. aber ich empfinde absolut keine sympathie für die beiden mädchen, die sich bewußt gegen die gesellschaft entscheiden. die rolle rebeccas ist mir auch nicht ganz bewußt, was soll sie darstellen. für mich ist sie nur ein mensch, der für seine mitmenschen nur hohn und spott übrig hat. trotzdem unterwirft sie sich dem "ganzen" und arbeitet für die "dummen" menschen in diesem lokal. enid hingegen wehrt sich mit händen und füßen gegen alle fänge der gesellschaft. da ist mir seymour mit seiner entwas trotteligen und introvertierten art noch lieber.
trotzdem muss ich gestehen, dass ich das ende des films nicht ganz verstanden habe :) irgendwann hat die konzentration nachgelassen...
z.b. der bus. steht der nur für einen neuen lebensabschnitt? würde mich über weiter ausführungen freuen

10

Hallo Leute! Also ich muss ehrlich sagen, Ghost World ist einer meiner liebsten Filme! Ich habe ihn auf DVD und schon 12 Mal gesehen, und nie wird er langweilig! Es handelt sich hier durchaus um einen Film, den man
mehmals gesehen haben muss um ihn zu verstehen. Ich habe nach dem ersten Mal auch etwas fassungslos, ratlos und nachdenklich dagestanden und versucht, den Sinn dieses Meisterwerks zu begreifen. Und nun, fast ein Jahr später, denke ich, habe ich eine Lösung für mich gefunden. Für mich
repräsentiert der Titel Ghost World (Geisterwelt) die immer fortwährende
Verallgemeinerung des Charakters der Stadt, in der Enid und Rebecca leben. Die Stadt kann als ein eigenständiger Charakter im Film angesehen werden, der aber nach und nach seine Individualität verliert. Sie verändert sich stätig und beginnt die Hauptpersonen im Film zu beeinflussen. So gibt es zum Beispiel einige symbolische Szenen im Film, die diese forschtschreitende Entwicklung deutlich machen. Da wäre zB die plötzlich verschwundene Hose, der Enid und Rebecca während des Films immer wieder begegnen. Oder auch, dass der Bus, auf den Norman(der Mann auf der Bank) immer vergeblich wartet, letztenendes doch noch kommt. Und schließlich die immer neuen Läden, die in der Stadt eröffnet werden. Läden, die nicht gerade für Individualität sprechen. Es sind zum einen große internationale Ketten, oder Lokale und Cafés...und das soweit das Auge reicht. Und ich denke, je weiter diese Entwicklung fortschreitet, desto mehr verliert der Film an Humor, und desto mehr gewinnt er an Anspruch und Ernsthaftigkeit. Er spiegelt die zunehmende Anonymität unserer Gesellschaft wider und bewegt uns (in diesem Falle die Hauptdarstellerin) dazu, aus ihr auszubrechen, uns unseren Lebenssinn klarzumachen und im Falle des Filmes, ein neues Leben mit der Hoffnung auf Besserung zu beginnen! Ein sehr starker Film, der wirklich jeden, der sich auf ihn einlässt, zum Nachdenken anregt!!

10

einfach nur geil der film.....

10

Super und genial! Einmalig und schön.

Muss man gesehen haben.

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