Das Reich und die Herrlichkeit

anti-western, usa 2001
original
the claim
regie
michael winterbottom
drehbuch
frank cottrell boyce
cast:

wes bentley,
sarah polley,
peter mullan,
milla jovovich,
nastassja kinski, u.a.

spielzeit
120 min.
kinostart
08.11.2001
homepage
http://www.theclaimmovie.com
bewertung

(8/10 augen)




 

 

 

 


 

 

 

Ausnahmsweise haben die Übersetzer nicht versagt. Der zuerst seltsam anmutende deutsche Titel "Das Reich und die Herrlichkeit" (selbst Atheisten sollten den Ursprung kennen) kennzeichnet überraschend gut die dichte, fast sakrale Atmosphäre und entspinnt sich zudem aus der symbolischen Namensgebung dieses Films, der in Kingdom Come ("Dein Reich komme") spielt, einem kleinen Goldgräberstädtchen in den kargen Bergen der Sierra Nevada, wo der vorherrschende Winter sich wie eine Geissel Gottes über alles legt und es mit Schnee überzieht. Der Saloonbesitzer Dillon (Peter Mullan) handelt, als wäre er der Herrscher dieses kalten unwirtlichen Ortes und in gewisser Weise ist er das auch. Als Angehörige der Eisenbahngesellschaft unter der Leitung des schottischstämmigen Danglish (Wes Bentley) in Kingdom Come eintreffen, bringen sie die Verheißung auf neues Glück und neuen Wohlstand, wenn denn das eiserne Monstrum seine Schienen erst einmal durch die Berglandschaft gelegt hat. Doch die Eisenbahnler sind nicht die einzigen, die dem Ort - und besonders Dillon - Hoffnung geben. Die junge Hope (Sarah Polley) und ihre Mutter (Nastassja Kinski) treffen ebenfalls ein, und geben Dillon - den ein dunkles Geheimnis mit den beiden verbindet - die Hoffnung auf Vergebung und Erlösung. Doch nicht alle Sünden sind da um vergeben zu werden, und nicht alle Verheißungen sind da, um erfüllt zu werden.

So überraschend es ist, dass die Grundlage für diesen poetischen (Anti-) Western ein englischer Roman des 19. Jahrhunderts ist (Thomas Hardys "The Mayor of Castorbridge"), umso weniger überrascht es, das sich dieser teilweise aufreizend langsam entfaltende, grandios fotografierte Film an den Epigonen des Genres, genauer des Subgenres des revisionist Western orientiert: Michael Ciminos finanziell desaströses Opus Magnum "Heaven's Gate" klingt an, vor allem aber Robert Altman's "McCabe & Mrs. Miller" (1971). Und wie letzterer Film ist auch "Das Reich und die Herrlichkeit" auf seine Weise eine Abrechnung mit dem frontier capitalism der Goldrauschära, dessen verstörende Schlussviertelstunde nicht nur an das Vorbild gemahnt, sondern mindestens ebenso effektiv und ergreifend ist.

Überhaupt ist es erstaunlich, wie viel Regisseur Michael Winterbottom - ob bewusst oder unbewusst - von diesem Film übernommen hat. Die Namen der Orte geben da ein deutliches Zeichen für die mythische und gleichzeitig entmystifizierende Atmosphäre, Presbyterian Church in "McCabe", und eben "Kingdom Come". Mehr noch als in Altmans Film steht die persönliche Schuld und Sühne im Vordergrund, faszinierend geschickt sind die Schicksale der verlorenen Seelen in Kingdom Come miteinander verbunden.
Die deutlichste Ähnlichkeit zu "McCabe" offenbart jedoch die vorzügliche Fotographie von Alwin H. Kuchler, der die von Altman exzessiv eingesetzten Zoom durch das Spiel mit Tiefenschärfe ersetzt, durch das Charaktere verschwinden und auftauchen, wie aus einem Schneesturm oder in einer Erscheinung. Viele der Szenen bekommen ihren Reiz durch die Weitwinkelfotographie, durch die die Figuren - schwarze Punkte inmitten eines weißen Nichts - inmitten der Landschaft so verloren wirken, wie sie sind. Die prägnante Kameraführung wird dann noch perfekt begleitet von einem starken, melancholischen Score von Michael Nyman, die den Film zu einem audiovisuellen Genuss klassischer Schule machen.

Das einzige Problem des Films ist die sich teilweise doch etwas zäh dahinschleppende Geschichte, insgesamt zwar stark geschrieben, aber beizeiten zu behäbig. Ein kleinerer Mangel, den der Film durch seine hervorragenden Darsteller ausgleicht. Wes Bentley bekommt nach seinem Durchbruch als merkwürdiger Nachbarssohn in "American Beauty" hier gleich das top billing, der wahre Star ist jedoch ein anderer: Peter Mullan, dessen zerknautschtes Gesicht perfekt den Schmerz und die Schuld seiner Figur ausdrückt, beherrscht jede seiner Szenen, eine Oscar-Nominierung dürfte es dafür schon sein. Das Damentrio Jovovich, Kinski und Polley rundet das Bild ab, wobei gerade Sarah Polley aus der düsteren Umgebung hervorstrahlt, wahrlich wie ein Hoffnungsschimmer.
In einem Jahr, das hauptsächlich dafür bemerkenswert war, dass Filme wie "Tiger and Dragon" und "Traffic" die Grenze zwischen Kunstkino und Mainstreampublikum kongenial miteinander verschmolzen, läuft ein Film wie "Das Reich und die Herrlichkeit" Gefahr, in den elitären Zirkel von Baskenmützenträgern und Cappuccinotrinkern zurückzufallen. Verdient hat er das nicht, denn für einen Film, der wie dieser großartige Bilder, exzellente Darstellerleistungen und eine machmal etwas zähe, aber größtenteils ungemein intensive Story vereint, lohnt es sich schon mal, das örtliche Kinoverzeichnis zu durchforsten. Demnächst im Kunstkino um die Ecke. Bitte gehen sie hin.

S. Staake

 


Name: Devolution
Email: devolution@tripod.de
Bewertung: -

Wer sich im Kino mal wieder RICHTIG langweilen will...

...der muß unbedingt in DAS REICH UND DIE HERRLICHKEIT gehen.
Ein Machwerk, das in CINEMA zwar DAUMEN HOCH bekam, aber die Reaktion das gesamten Kinos war eindeutig - noch NIE, wirklich NIE habe ich einen solche langweiligen Film gesehen - und ich kenne wirklich viele schlechte Filme.

Meine Kinoclique, die immer eine Flasche Rotwein oder Sekt oder Wodka reinschmugelt und wegkippt - und deswegen eigentlich immer gut drauf ist, egal wie schlecht der Film auch ist - hat es auch nicht mehr ausgehalten und ist rausgegangen - ich nicht, ich bin zäh und wollte wissen was da noch nicht kommt (ich trinke auch nicht, nicht daß hier ein falsches Bild entsteht).

Es sind auch von uns abgesehen min. 15 Leute rausgegangen und auch wenn selbst bei schlechten Filmen ein ´Hey - wenn ihr reden wollt, geht doch raus´ kommt, wenn man sich unterhält - bei diesem ´Film´ hat man es überall nur reden, tuscheln, flüstern gehört, und keiner hat sich aufgeregt, wohl deshalb, weil dieses tuscheln ihn vom einschlafen abhielt.

Und wenn man den Stimmen mal gelauscht hat, hat man nur eines gehört - wie lange dieser Scheiß noch gehen würde...

Es sind auch nie soviele solange aufs Klo gegangen - weil sie draußen einfach mal frische Luft schnappen mußten um nicht einzuschlafen.

Was bei diesem ´Film´ dann noch unfreiwillig komisch war - die ´Leiche´ die nicht mal den Versuch macht ´tot´ zu sein und einfach weiteratmet - und das in Großaufnahme wenn die anderen ´Oh mein Gott, er ist tot!´ jammern.

Wenigstens hatte ich gegen ende 4 Sitze für mich, auf denen ich mich hinlegen konnte, nachdem die anderen meiner Clique wegwaren.

Das beste an diesem Abend gestern waren die Trailer für ICE AGE und HERR DER RINGE, der jetzt endlich in einer deutschen Fassung (also der letzte, der TV-Trailer) vorliegt (und im Original vieeel besser klingt).






Name: Tobias Haupt
Email: bob@haupt-film.de
Bewertung:                 (7 von 10 Digital Eyes)

Es ist ja schön, daß Devolution hier einen Bericht von seiner letzten Sneak-Preview gibt, bei der er sich offensichtlich sehr gelangweilt hat.
Wer da allerdings schon mit Alkohol und zum Spaßhaben reingeht, ist gerade bei diesem Film wirklich falsch. Da bleibt dann natürlich das Wachbleiben auch schwer ;-)
Ein Grund warum ich die Sneaks doch eher meide, weil doch meist ein Teil des Publikums mit dem Film nichts anzufangen weiß.

Ich habe den Film auf der Berlinale gesehen und kann der Kritik eigentlich nur zustimmen, wenn auch meine Bewertung nicht ganz so hoch ausfällt, da ich im Umfeld doch noch deutlich eindrucksvollere Filme, gerade asiatischer Herkunft gesehen habe.

Es ist ein Film über Hoffnungen und zerbrochene Träume zur Zeit der Pioniere und Goldgräber in Amerika, sehr stimmungsvoll, mit beeindruckenden Bildern, die natürlich aufgrund des Schneeszenarios fast ins schwarzweiße gehen.
Die Story ist sehr dramatisch und vermeidet jegliche stylischen oder coolen Elemente, was dem Film einen herben Realismus aber auch einige Längen gibt.
Insgesamt ein melodramatischer Western voller menschlicher Schicksale und Tragödien, fernab jeglicher Pistolenduelle und ohne Ritte in den Sonnenuntergang.



Name: rings
Email: rings@gmx.net
Bewertung:                   (8 von 10 Digital Eyes)

Dieser Anti-Western zeigt mal eine ganz andere Seite einer neuen Welt, wie sie in dieser Form im Kino selten zu sehen ist. "The Claim" beginnt langsam, aber gewinnt während der Handlung mehr und mehr an Drama. Optisch ist der Film ein Meisterwerk, denn es gelingt Kameramann Alwin Kuchler das historische Feeling und den Look jener Zeit perfekt einzufangen. Regisseur Michael Winterbottom treibt seine Schauspieler zu bewundernswerten Leistungen. Vor allem ist es schön mal wieder Wes Bentley (American Beauty) agieren zu sehen. Leider haben alle Charaktere viel zu wenig "Screentime". Ein Schwachpunkt des Films, denn als Zuschauer wünscht man sich oft mehr Erklärungen zum Hintergrund der Personen. Außerdem scheint die Handlung manchmal etwas holprig, bzw. sprunghaft. Fazit: Tolle Story, tolle Bilder .. aber die Dramatugie leidet manchmal etwas.

Achja ... P.S. wem Jean Van Claude Damme Filme besser gefallen ...und wer mit einer Flasche Wodka ins Kino geht ...in einen Film, den er sich nicht ausgesucht hat, dem gehört die Erlaubnis entzogen, eine Filmreview zu hinterlassen.



Name: Leo
Email: ...
Bewertung:         (3 von 10 Digital Eyes)

Naja, ich mag keine Jean Van Claude Damme Filme und gehe auch nicht mit einer Flasche Wodka in Kino, trotzdem fand ich den Film äußerst langweilig und muss Devolution recht geben. Matte Story, bzw find ich sie recht schwach umgesetzt. Wie rings schon schrieb, scheint die Handlung manchmal etwas holprig, bzw. sprunghaft. Die 3 Augen giebs für die schönen verschneiten Berge und Milla Jovovich :-).



Name: Martin Z.
Email: martin.zopick@gmx.net
Bewertung:                    (8 von 10 Augen)

Ein bildgewaltiges Epos aus der Pionierzeit Amerikas. Der Machtverfall des Patriarchen einer Stadt und sein familiärer Niedergang werden eindrucksvoll erzählt. Als Rahmen, der die Geschichte zusammenhält und auch für eine gewisse Spannung sorgt, dient ein schändlicher Deal, der viele Jahre zurückliegt. Dem deutschen Titel, der aus dem Vater Unser stammt, steht im Original The Claim gegenüber, also der Besitzanspruch auf ein Stück Land. Und genau das war das auslösende Übel für das Familiendrama.
Alle Schauspieler liefern eine überzeugende Leistung ab, besonders Peter Mullen, dem der Spagat zwischen Brutalität und Zartgefühl gelingt, der um Wiedergutmachung bemüht ist, aber auch alles versucht, um seine Macht zu erhalten.



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Bewertung: von 10 Augen