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Auf der Suche nach zur Parodie geeigneten, teutonischen
Popkulturbeiträgen mit Nostalgiefaktor wird es nun zunehmend
abstruser. Während noch fast jeder irgendeine Beziehung zu
den Karl May- und Edgar Wallace-Schinken der 60er Jahre hatte und
somit deren moderne Hommagen zu gewaltigen ("Der
Schuh des Manitu") oder zumindest achtbaren ("Der
Wixxer") Erfolgen gerieten, ist das beim FBI-Agenten
"Jerry Cotton" sicher nicht mehr der Fall. Zwar erscheint
die Endlos-Romanvorlage auch heute noch wöchentlich im Bastei-Verlag,
ihre Glanzzeiten mit Traumauflagen hat sie allerdings schon lange
hinter sich. Und die Verfilmungen, immerhin stolze acht an der Zahl,
die standen schon in ihrer Entstehungszeit immer im Schatten anderer
Reihen, und sie nicht zu kennen gehört nicht zu den unverzeihlichen
Bildungslücken eines Cineasten. Wer die "Schüsse
aus dem Geigenkasten" oder das "Dynamit in grüner
Seide" nie gesehen hat, dem entging nicht viel mehr als eine
Handvoll heute eher unfreiwillig komischer B-Movies des kleinen
Bruders von James Bond, die sich daher auch nicht allzu stark ins
kollektive Bewusstsein der bundesdeutschen Seele eingegraben haben.
Was macht man daher aus einer Vorlage, die heute kaum noch einer
wirklich kennt und bei der daher der Wiedererkennungswert der parodierten
typischen Merkmale äußerst gering wäre und auf die
gewohnte Weise nicht funktioniert? Nun, man wählt die Radikalkur
und entwirft von vornherein eine völlig neue und eigene Krimikomödie,
die sich zwar dennoch "Jerry Cotton" nennt, mit den Abenteuern
des so genannten "G-Man" aber so gut wie gar nichts mehr
gemein hat, außer seinem mittlerweile anachronistischen roten
Jaguar und einer "Smith & Wesson"-Pistole.
Und
das liest sich dann so: Der bis dato tadellose und keimfreie Star
des New Yorker FBIs, Agent Jerry Cotton (Christian Tramitz) gerät
plötzlich unter Mordverdacht. Hat er aus persönlichen
Motiven den Gangsterboss Sammy Serrano (Moritz Bleibtreu) erschossen?
Die Vorgesetzten glauben das jedenfalls und setzen daher seine ehemalige
Partnerin Daryl D. Zanuck (Christiane Paul) auf den Abgetauchten
an. Der muss in seiner Not nun sogar auf die Hilfe des ihm kurz
zuvor neu zugeteilten Partners Phil Decker (Christian Ulmen) zurückgreifen,
einem frisch von der Akademie gekommenen, völlig unerfahrenen
und äußerst redseligen Anfänger.
Das wär's dann im Prinzip auch schon in Sachen Handlung und
dieses Gerüst wird mit wechselnden Fronten und Loyalitäten
auf sehr anstrengende 100 Minuten ausgewalzt, obwohl im Grunde bereits
nach den ersten zehn davon klar ist, dass das hier nichts mehr werden
kann. Während Christian Tramitz im ähnlich angelegten,
im Vergleich aber ein ganzes Stück besser gelungenen "Mord
ist mein Geschäft, Liebling" als überforderter bayerischer
Auftragskiller noch durchaus amüsant war, darf er als Jerry
Cotton nun lediglich betont cool und lässig, aber nicht wirklich
witzig sein, und über den völlig überzogenen Auftritt
von Christiane Paul als hammerharte Femme Fatale hüllen wir
mal besser den Trenchcoat des Schweigens.
Dazu
holte man sich die Cruz, allerdings die günstigere Version
mit Vornamen Monica und ihres Zeichens Schwester der großen
Penelope. Die ist ansonsten eigentlich kaum schauspielerisch tätig
und behält diese Grundeinstellung der Einfachheit halber dann
auch hier bei. Die Krone setzt dem ganzen aber zweifellos die Figur
des Phil Decker auf. Denn wo der im Original einfach nur die etwas
farblosere rechte Hand des Titelhelden war, macht man daraus nun
die typische Christian Ulmen-Figur, sprich den gutmütigen,
aber etwas unbeholfenen und linkischen Tollpatsch. Selbstredend
kann Ulmen darin sehr gut und lustig sein, doch hat man das erstens
mittlerweile einfach schon zu oft von ihm gesehen und ist es zweitens
einfach eine Komplettvergewaltigung dieser ja doch irgendwo "literarischen"
Figur, der man dann doch besser einfach einen anderen Namen gegeben
hätte.
Nun könnte man ja diese völlige Loslösung vom Vorbild
durchaus tolerieren, da es sicher fraglich wäre, bei dieser
Produktion ausschließlich auf das überschaubare Grüppchen
älterer Herren als Zielpublikum zu setzen, die heute noch ihren
"Jerry Cotton" goutieren und sich ob der hier gebotenen
respektlosen Persiflage natürlich mit Grauen abwenden werden.
Wenn, ja wenn das Ganze denn auf seine eigene Art irgendwie unterhaltsam
und lustig wäre. Ist es aber eben nicht, sondern im Gegenteil
eine extrem zähe und bemühte Veranstaltung, bei der sich
nach 20 Minuten die Handlungsmuster und Wendungen einfach nur noch
ständig wiederholen und bei der man die halbwegs brauchbaren
Gags mit der Lupe suchen muss. Das Autoren- und Regie-Duo Boss &
Stennert bewegt sich dabei ungefähr auf dem Niveau seiner "Pro
Sieben-Märchenstunde", und die einzigen, die hier ihren
Spaß haben werden sind wohl diejenigen, die diesen Hinweis
tatsächlich als Empfehlung verstehen.
Es
passt leider alles nicht zusammen, angefangen bei der Behauptung
ein "Jerry Cotton"-Film zu sein, über die furchtbar
flaue Story bis hin zu den chancenlos chargierenden Darstellern
in ihren auf üblen Klamauk angelegten Rollen. Als einzig gelungenes
Stilmittel mag noch die Entscheidung angesehen werden, genau wie
bei den alten Filmen statt an Originalschauplätzen zu drehen
einfach verschiedene deutsche Städte New York doubeln zu lassen.
Was damals eine reine Budgetfrage war ist es heute vermutlich ebenfalls,
geht jetzt aber zur Not auch als bewusst gewähltes Stilmittel
der Marke "wenn Deutsche versuchen, möglichst amerikanisch
zu sein" durch.
Da weiß man dann immerhin was das soll, in sämtlichen
anderen Bereichen muss man sich dagegen fragen, warum und für
wen bitte dieser Film gemacht wurde. Wenn die im Presseheft gegebene
Antwort, dass halt der Tramitz beim Fotoshooting zu "Neues
vom Wixxer" mit Anzug und Wumme so toll aussah, tatsächlich
die einzige ist, dann braucht man sich über das nun vorliegende
Ergebnis auch nicht mehr zu wundern. Die Macher scheinen sich solche
Sinnfragen übrigens nicht zu stellen, denn die planen mit "Dr.
Mabuse" bereits die nächste Wiederbelebung eines klassischen
deutschen Kinostoffes. Wir freuen uns schon sehr.
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