Anything Else

komödie, usa 2002
original
anything else
regie
woody allen
drehbuch
woody allen
cast

jason biggs,
woody allen,
christina ricci,
danny devito,
stockard channing, u.a.

spielzeit
111 min.
kinostart
02.09.2004
homepage

www.alamodefilm.de

bewertung

(5/10 augen)





 

 

 

 



 

Traurig aber wahr: Woody Allen ist alt geworden, und "Anything Else" ist alles andere als eine gelungene Allen-Komödie, sondern eher ein drittklassiger Aufguss von "Der Stadtneurotiker", einem seiner besten Filme. Weder die Geschichte noch die Aufmachung sind originell, und dann sind da noch die (männlichen) Darsteller. Es ist allgemein bekannt, dass sich halb Hollywood darum reißt, einmal in einem Woody Allen-Film mitzuspielen. Dieses zu erreichen gilt als große Ehre und als eine Art Reifeprüfung. Warum ausgerechnet Jason Biggs ("American Pie") diese Ehre zuteil kommt, ist völlig unverständlich. Sein bisheriger beruflicher Lebenslauf berechtigt ihn in keiner Weise zu einem Platz am Allen-Olymp, aber nun ist es halt geschehen und das Publikum darf es ausbaden. Der Film floppte schon in Amerika und bekam deshalb lange keinen Starttermin in Deutschland.

Biggs spielt Jerry Falk, einen aufstrebenden Gagschreiber, der von seinem Agenten (extrem nervig: Danny DeVito) ausgenutzt wird und sich seine Beziehungsprobleme beim täglichen Spaziergang mit David Dobel (Woody Allen) von der Seele redet. Falk ist eine jugendliche Version der normalerweise von Allen selbst gespielten Hauptfigur, stellt also eine art Alterego Allens dar. Von Selbstzweifeln geplagt trägt er sein Geld zum Psychologen, wie schon so viele Figuren aus Allens Filmen vor ihm. Nützen tut das aber natürlich wie immer nichts, obwohl er obendrein auch noch von Dobel therapiert wird. Dobel ist Lehrer und versucht ebenfalls, sich eine Karriere als Komiker aufzubauen. Er steckt voller guter Ratschläge, aber ihm selbst scheinen sie auch kein Glück zu bringen. Diese Konstellation ist keineswegs neu und aufregend, eigentlich müsste man Woody wegen Ideenraub am eigenen Werk verklagen. Jerry verlässt seine unkomplizierte Freundin Brooke für die eigenwillige und schwierige Amanda (Christina Ricci). Obwohl Ricci ihre Rolle im Gegensatz zu Biggs völlig beherrscht und darin aufgeht, wird man doch das Gefühl nicht los, dass sie nur eine neue Version von Diane Keatons Annie Hall aus dem "Stadtneurotiker" ist. Jerrys Liebe zu ihr wird ständig auf die Probe gestellt, zum Beispiel wenn Amanda zwei Stunden zu spät zum Einjährigen vor dem Restaurant erscheint und verkündet, sie hätte schon gegessen. Außerdem hat sie Probleme mit Sex, jedoch nur bei Jerry und nicht bei anderen. Dann zieht auch noch Amandas Mutter Paula ein, die mindestens so verrückt wie ihre Tochter ist (ein Lichtblick, mit dem der Film viel gewinnt: Stockard Channing) ….
Wie so oft bei Allen sind es die faszinierenden Frauen, die den Männern die Show stehlen. "Anything Else" lebt von seinen exzentrischen Frauenfiguren, richtig lustig wird es im Film trotzdem nur ein paar Mal, nämlich wenn Woody Allen aufhört, bei seinen eigenen Filmen aus den 70ern zu klauen und sich stattdessen aktuellen Problemen widmet. Zum Beispiel zwingt er Jerry, sich in New Jersey (New Yorker fahren stets in NJ einkaufen, weil es dort günstiger ist) mit Überlebenshilfsutensilien wie schwimmenden Taschenlampen und einem Gewehr einzudecken. Dies ist eine wunderbare Satire der post-Y2K und 11. September-Panik, die von den Medien und der Regierung regelmäßig mit Aufforderungen wie "alle sollten genügend Tape im Haus haben, um im Falle einer Gasattacke die Fenster abdichten zu können" geschürt wird. Andererseits macht Dobel auch viele Bemerkungen über Nazis und Konzentrationslager, die häufig aus dem Nichts gegriffen sind und deshalb etwas befremden. Da wäre es doch besser, sich mehr mit der aktuellen Situation Israels auseinanderzusetzen.
Wenn Jerry mal nicht pausenlos in die Kamera redet, hat man die Chance, auch den Drehort zu bewundern. Der Film bietet reichlich Leckerbissen für New York-Fans, zum Beispiel die zahlreichen Spaziergänge in abgelegenen Ecken des Central Parks. Wie bei den meisten Allen-Filmen (besonders "Manhattan") kann man sagen, dass die Stadt eine der Hauptrollen spielt. Das tröstet einen ein bisschen über die vielen Längen des Films hinweg. So auch die Musik, denn wie immer werden Allens Bilder von Jazzklängen wie Billie Holidays "Easy to Love" begleitet, und an seinem Musikgeschmack ist nach wie vor nichts auszusetzen.
Trotzdem wünscht man sich, dass Allen auch in anderen Bereichen frühere Höhepunkte erreicht, zum Beispiel eine Szene wie die vollkommen absurde Steptanz-Nummer aus "Everyone says I Love You", bei der Ed Norton durch einen Juwelierladen tanzte. Stattdessen gibt es ein Cameo von einem der beliebtesten Nachwuchskomiker Amerikas, Jimmy Fallon (Saturday Night Live), dem aber nicht mal die Chance gegeben wird, sein Talent zu zeigen. Er darf nur still als Freund von Amanda am Tisch sitzen. Was für eine Verschwendung.
Trotz aller Kritik muss man aber sagen, dass ein schlechter Woody Allen-Film immer noch besser ist als vieles andere, was sonst im Kino läuft. Dennoch kann auch Allen es sich nicht leisten, sich auf alten Lorbeeren auszuruhen. Vielleicht ist es aber auch klüger zu gehen, wenn man noch von allen respektiert und bewundert wird? Einen Rat, den schon der große Orson Welles ("Citizen Kane") sich hätte zu Herzen nehmen sollen, bevor er "Transformers: The Movie" synchronisierte ….

Anna Plumeyer

 


Name: klar
Email: logo
Bewertung:   (- von 10 Digital Eyes)

"Faszinierende Frauen" - ja nee, is klar...



Name: The Insider
Email: insider@filmwelt.de
Bewertung:   (- von 10 Digital Eyes)

Protest zu zweierlei Altmeistern: Richtig gute Filme macht Allen schon lange nicht mehr (Protest I), und da braucht man dann nicht anzweifeln, ob Jason Biggs am längst verglühten „Allen-Olymp“ firmieren darf. Zumal man in den USA interessanterweise versuchte, in den Werbekampagnen den Namen Woody Allen klein zu halten bzw. verschwinden zu lassen, denn mittlerweile sind Allen-Filme Kassengift und man hoffte wohl auf ein Teil des Teeniepublikums, das Biggs sich erworben hat. Auf jeden Fall ist die Wahl von Biggsals Hauptdarsteller nicht gar so absurd, denn Allen ist mittlerweile viel zu alt, um noch glaubhaft den attraktiven Liebhaber zu geben (das ging schon beim Jade-Skorpion gründlich daneben...)

Dementsprechend ist es auch ein wenig zu spät für die allgemeine Anerkennung und Bewunderung für Allen, die er nicht verspielen soll. Das hat er nämlich schon. Anders liegt der Fall bei Orson Welles (Protest II), dem fallengelassenen Wunderkind, der bereits nach seinem zweiten Film in Hollywood in Ungnade gefallen war und sich davon nie wieder erholte. Welles hatte keine Chance, alt sich unter Wert zu verkaufen. Schmock hat er schon ab den 1940er Jahren gedreht, um einen Lebensunterhalt zu haben und – sofern möglich – noch mal ambitionierte Projekte zu finanzieren („Touch of Evil“ natürlich, oder „F for Fake“). Denn nur von Anerkennung und Bewunderung für „Citizen Kane“ kann auch kein Mensch leben. Auch wenn sie wohlverdient ist.



Name: logon
Email: logon
Bewertung:                     (9 von 10 Digital Eyes)

Kultszene ist für mich eher die am Schluß: der Disput mit zwei Straßenpolizisten für die Auschwitz wohl doch nicht viel mehr war als ein Themenpark - wie Allen das bringt ist bewundernswert und eine neue Facette. Die Bemerkungen über Gewalt und Judentum sind der Part wo Allen nicht mehr sich selbst zitiert, sondern neue Themen bringt - verstörende.



Name: Gabriele Breder
Email: mailmila@gmx.de
Bewertung:                   (8 von 10 Digital Eyes)

Ein später Komischer

„Anything Else“ soll also ein schlechter Allen sein. Komisch. Da muss ich wohl in einen anderen Film gesehen haben. Mir ist selten ein gleichermaßen witziger, zynischer, böser, unversöhnlicher und unter die Haut gehender Allen begegnet als in diesem Film, und dass obwohl auch dieser Film Slapstick-Motive verwendet.

Aber eins nach dem anderen. Hier wurde so viel miteinander vermischt, dass ich mich erst einmal damit beschäftigen möchte, alles aufzudröseln.

Zunächst die Schauspieler. Woody Allen, der mit fast Siebzig nun wirklich nicht mehr den Liebhaber spielen konnte, den er noch im Jade-Skorpion einigermaßen meisterte, hat seine Paraderolle an einen jungen Mann abgegeben, der zumindest keine Brille trägt, nämlich Jason Biggs. Vielleicht habe ich das Glück nicht zu wissen, welche filmischen Exzesse sich dieser Schauspieler vorher geleistet hat, in diesem Film hatte ich an seinem Spiel nichts auszusetzen, offenbar holt Woody Allen als Regisseur doch immer wieder das Menschenmöglichste aus seinen Darstellern heraus. Und machen wir uns nichts vor, ein allzu guter Schauspieler mit breiter Palette an Mimik und Gestik war er schließlich selbst nie. Seine ihm angestammte Rolle aufzugeben, muss allerdings für Allen schon ein gewaltiger Schritt gewesen sein. Aber es war ein wichtiger Schritt, der ihm neue Möglichkeiten eröffnen könnte.
Und Danny DeVito? Ganz offensichtlich hat Allen den diversen Kollegen, die ihm in seiner Komikerlaufbahn unterkamen, noch immer einiges abzugewinnen. Von Broadway Danny Rose bis hin zu dem nervigen Komiker, der einst "Fleisch" brauchte, Sie wissen schon, scheint es in dieser Branche kaum eine Figur zu geben, die so sehr überzogen ist, dass sie nicht real sein könnte, auch wenn es schmerzt.

Aber dies leitet uns zu den Themen und Charakteren über, mit denen sich Allen hier beschäftigt, es sind, wie sollte es uns verwundern, auch nach über fünfunddreißig Jahren immer noch die gleichen. Nehmen wir irgendeinen von Woody Allens Filmen, mal abgesehen von den "frühen komischen", dann finden wir darin einige mehr oder weniger gescheiterte Existenzen, einige verschrobene Liebhaber, einige sich ihres eigenen Körpers und Geistes unsichere Frauen, einige den niemals endenden Antisemitismus beklagende Stimmen und einige Menschen, die ihre Bestimmung suchen. Auch werden sie von immer den gleichen eher als hohl beschriebenen und als durchschaubar abqualifizierten Randfiguren garniert. Auch die Motive wiederholen sich, von sexueller Frustration über Drogenmissbrauch bis hin zu Gewalt. All das, das kann niemand abstreiten, trifft auf diesen Film zu. Und das ist nicht etwas geklaut, wie man vielleicht annehmen könnte, sondern, wie es sich ganz leicht an einer Vielzahl der Filme nachweisen lässt, wieder eine andere Facette der alten Muster und Bilder. Das genau macht doch die Woody Allen-Filme so einmalig, dass sie, einer wie der andere, die gleichen oder zumindest ähnliche Aussagen, Themen und Charaktere transportieren, aber eben nicht kopiert sondern schattiert. Während andere Regisseure, Drehbuchautoren oder Schriftsteller immer wieder neue Dinge in einen gleichen Zusammenhang stellen, bringt Allen, gemäß dem Gesetz seiner Komik, immer wieder die gleichen Dinge in einen anderen, scheinbar unpassenden Zusammenhang.

Sicher, nach jedem Film mag man sich fragen, welche Facetten denn noch übrig sein könnten, die er nicht schon beleuchtet hat, aber wenn man in diesem Film die Realisierung des am Ende von Annie Hall ("Stadtneurotiker" kann ich einfach nicht schlucken) skizzierten Stücks mit jungen Dramatikern sehen kann, wenn Allen hier wirklich den Sprung wagte, diese Fiktion neu aufzugreifen, dann ist es ihm gelungen, eine völlig neue Facette zu finden, die Geschichte von dem einen gebeutelten Künstler und seiner bezaubernd durchgeistigten und unsicheren Frau noch einmal zu erzählen. Und damit wären auch die Hauptdarsteller gewissermaßen ideal besetzt.
Um es noch einmal auf den Punkt zu bringen: Wenn Riccis Rolle eine neue Version von Annie Hall sein soll, dann wäre Stockard Channings Charakter eine neue Version von Holly, vielleicht noch ergänzt durch deren Mutter. Na und? Es gab bereits Dutzende dieser Figuren in Allens Werk, und sie ergänzen sich alle. Vollständig, zu erkennen besonders in "Deconstructing Harry", werden sie wohl niemals, es sei denn Allen ließe es irgendwann zu.

Neu ist allerdings eine schonungslose Radikalität, die jeden Humor vermissen lässt, vertreten durch Allens Altersrolle als anarchistischer Schullehrer. Und hier wird von ihm, offenbar von vielen unbemerkt, sehr wohl eine Position zur aktuell-politischen Lage vorgestellt, wenn er diesen Lehrer sagen lässt, dass alle Welt immer glaube, dass die Juden am Krieg Schuld seien. Genau hier scheint meines Erachtens wirklich Allens Wandel vollzogen zu sein. Des Altmeisters Worte biegen sich eben nicht mehr ganz so gut.

Und nun bleibt mir nur noch, in den Raum zu stellen: Was ist überhaupt ein schlechter Woody Allen? Die hier vorgestellten Kritiken beantworten diese Frage jedenfalls nicht. Und Anything Else? Das ist meines Erachtens eben einfach nur ein später Komischer - mit einigen „zerlegenden“ Elementen.




P.S. Die Bemerkung über Orson Wells in der ersten Kritik ist meines Erachtens eine unangemessene und hier auch völlig deplazierte, weil dem Wortsinne nach indiskutable Beleidigung dieses großen Mannes. Aber wer respektlos ist, zeigt zum Glück nichts als seine eigene Schwäche.



Name: Minzer
Email: egal
Bewertung:                   (8 von 10 Digital Eyes)

Also ich kann mit Frau Plumeyer eigentlich nur in einem Punkt übereinstimmen: Dieser Film ist besser, als vieles Andere, was ich in letzter Zeit gesehen habe (Zitat: Trotz aller Kritik muss man aber sagen, dass ein schlechter Woody Allen-Film immer noch besser ist als vieles andere, was sonst im Kino läuft.). Einen Vergleich zu anderen Woody Allen Filmen habe ich nicht - brauche ich auch nicht. Die Kritik an Jason Biggs kann ich genausowenig nachvollziehen, wie das Lob an Stockard Channing. Auch wenn American Pie für mich niveauloseste "Unterhaltung" darstellt (und zwar alle Teile), würde ich nicht sagen, dass dies dem Spiel von Jason Biggs anzulasten ist. Klar: Danni Devito nervt, aber ich denke, das soll er in dieser Rolle - genau wie Stockard Channing auch!
Stimmt: Oft fehlt zu den Aussagen des David Dobel der Bezug zur Handlung, aber die aktuelle Situation in Israel wäre hier genauso deplaziert!
Mein Fazit: Verglichen mit dem vielen Schrott der vergangenen Wochen ein durchaus unterhaltsamer Film, der mich einige Male schmunzeln liess!



Name: Daniel B
Email: jamaica_groove@hotmail.com
Bewertung:                       (10 von 10 Digital Eyes)

Genialer film .
jason biggs als woody allen in jung ist genial auch christina ricci spielt eine hervorragende rolle. wer diesen film als schlecht einstuft ist entweder primitiv oder hat keinen humor.
der film ist nicht so gut wie die alten filme, jedocj ist dieser auch einfach nur spitze.
Erstmals wird woody allen politisch und vollbgringt so mit ein kinohighlight der spitzenklasse
Fazit : GENIAL !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!



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Bewertung: von 10 Augen