A United Kingdom

Originaltitel
A United Kingdom
Jahr
2016
Laufzeit
105 min
Regie
Release Date
Bewertung
7
7/10
von Volker Robrahn / 29. März 2017

united 1Kurz nach Ende des zweiten Weltkriegs verliebt sich der Afrikaner Seretse Khama (David Oyelowo), seines Zeichens der zukünftige König von Bechuanaland, bei einem Auslandsbesuch in die Londoner Büroangestellte Ruth Williams (Rosamund Pike). Eine Verbindung, die auf große Widerstände stößt, nicht nur bei den Familien der beiden Betroffenen, sondern auch bei diversen politischen Akteuren. Im benachbarten Südafrika dominiert zudem die berüchtigte Apartheids-Politik, so dass der Druck auf Seretse schließlich immer stärker wird, was schließlich sogar zu seiner Verbannung führt. Räumlich getrennt voneinander kämpfen er und Ruth jedoch unbeirrt weiter für ihre Liebe und verändern damit letztlich entscheidend die Geschichte ihres Landes.
 

united 2„A United Kingdom“ erzählt die historisch wahre Geschichte einer Beziehung, die maßgeblich für die Entwicklung des heutigen Botswana zu einem der wenigen bis in die Gegenwart wirklich funktionierenden und relativ wohlhabenden afrikanischen Staaten verantwortlich zeichnet. Sie dürfte allerdings den wenigsten bekannt sein und so ist der neue Film von Regisseurin Amma Asante („Belle“) dann auch eine äußerst informative Geschichtsstunde. Dass er – trotz des eigentlich dafür prädestinierten Themas – bei der diesjährigen Oscarverleihung keine Beachtung fand könnte daran liegen, dass der Film sein Thema fast ein wenig zu leise und sachlich präsentiert und auf die typischen Stilmittel des ganz großen Melodrams weitgehend verzichtet.

Stattdessen beleuchtet er sehr detailliert die verschiedenen politischen Macht- und Ränkespiele, mit denen vor allem die britische Regierung ihr damaliges Protektorat zu lenken versuchte. Die Eiseskälte, mit der hier die Diplomaten ihre in freundliche Worte verpackten Drohungen und Anweisungen kommunizieren, lässt dabei mehrfach leicht schaudern. Und es wird einmal mehr deutlich, wie opportun sich die Politiker verhalten, sich demjenigen anbiedern der ihnen gerade am meisten nützt und dabei dann auch gerne von gegebenen Versprechen plötzlich nichts mehr wissen wollen. Doch auch die einheimische Bevölkerung tut sich mit der Wahl ihres Königs schwer und akzeptiert die scheue Engländerin nur zögernd und widerwillig, straft sie zunächst überwiegend mit Missachtung.

united 3Zwei Hauptfiguren also, die nach starken Darstellern verlangen und die Besetzung mit David Oyelowo sowie Rosamund Pike wird dieser Herausforderung gerecht. Oyelowo hat ja mit Martin Luther King in „Selma“ erst vor kurzem eine andere charismatische historische Figur mit Führungsqualitäten verkörpert und zeigt diese Qualitäten nun erneut. Seine „I Love my People“-Rede, mit der er seine Landsleute überzeugt, seine Wahl zu akzeptieren und seiner Ehe eine Chance zu geben, hinterlässt eine Menge Eindruck. Er darf hier aber auch etwas mehr Gefühl und Verletzlichkeit zeigen und genau diesen Zwiespalt zwischen politischer Standhaftigkeit und dem Streben nach privatem Glück verkörpert Oyelowo durchgehend überzeugend. Was Rosamund Pike angeht, so ist es zunächst einmal bemerkenswert, wie es dem einstigen Bond- Girl aus „Stirb an einem anderem Tag“ gelungen ist, sich in der Branche zu etablieren und dabei immer wieder interessante, reizvolle Frauenfiguren zu ergattern, von denen es im Filmgeschäft ja – wie zurecht immer wieder beklagt wird – nicht gerade unendlich viele gibt. Auch sie liefert eine starke Leistung bei der Metamorphose einer zunächst eher biederen, von ihrer neuen Lebenssituation im Grunde hoffnungslos überforderten Frau zu einer beharrlichen Kämpferin, die sich Respekt und Anerkennung mühsam verdienen muss.

united 4Der mancherorts zu vernehmende Vorwurf, dass „A United Kingdom“ eine etwas kitschig inszenierte Lovestory präsentieren würde, ist erstaunlich und eigentlich schon deshalb kaum haltbar, weil die beiden Liebenden hier über die meiste Zeit voneinander getrennt sind und sich das „Private“ auf wenige Briefe oder Telefonate beschränkt. Der Schwerpunkt der Handlung liegt dagegen überwiegend auf den mühsamen Schritten um entweder die politische Lage zu entspannen ( Seretse) oder die gesellschaftliche Position zu verbessern (Ruth). Das lässt - wie bereits erwähnt - die Erzählung mitunter eher etwas spröde wirken, aber dieses Bemühen um Sachlichkeit und historische Korrektheit ist nun wahrlich nichts was man dem Film vorwerfen sollte. Denn das, was „A United Kingdom“ zu zeigen und zu erzählen hat, ist allemal interessant genug, um eine Empfehlung für den Kinobesuch auszusprechen.

 

 

 

 

 

Bilder: Copyright

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