Red Notice

Originaltitel
Red Notice
Land
Jahr
2021
Laufzeit
118 min
Release Date
Streaming
Bewertung
5
5/10
von Frank-Michael Helmke / 11. November 2021

Je nach Quelle hat "Red Notice" zwischen 160 und 200 Millionen Dollar gekostet und ist damit mit Abstand die bislang teuerste Eigenproduktion, die Netflix sich je geleistet hat. Einen Gutteil dieser Kosten haben dabei die Hauptdarsteller verursacht, denn dem Vernehmen nach haben alle drei großen Namen auf dem Filmplakat jeweils 20 Millionen Dollar für diesen Film erhalten. Das ist nicht nur ein gewaltiger Gehaltsscheck, der zeigt, dass das seit 10 bis 20 Jahren für tot erklärte Star-Kino wohl doch noch nicht so tot ist, sondern jetzt lediglich dabei ist, wie so viele andere Kino-Phänomene ebenfalls zu den Streaming-Diensten abzuwandern. Aber vor allem ist es wahrscheinlich das so ziemlich am leichtesten verdiente Geld in den Karrieren dieser drei Stars, denn ernsthaft viel Arbeit muss hier keiner von ihnen leisten.

Am Allerwenigsten tut hier Gal Gadot, die über weite Teile der Handlung gar nicht anwesend ist, sondern nur gelegentlich als spielverderbende, entscheidende Nebenfigur mal kurz auf der Bildfläche erscheint und dann auch nicht viel mehr machen muss als das, was ihr in die Wiege gelegt wurde - unfassbar gut aussehen. Aber auch Dwayne Johnson und Ryan Reynolds wird hier nur ein absolutes Minimalmaß an schauspielerischem Einsatz abverlangt. Denn was Johnson hier abspult, entspricht ziemlich genau dem, was er seit zwei Jahrzehnten auf der Leinwand immer macht. Und Reynolds muss eigentlich gar nicht spielen, sondern einfach nur er selbst sein. 

Die beiden werden in klassischer Buddy-Movie-Manier zusammengeworfen als zwei Eigentlich-Gegenspieler, die aber gezwungen sind, zusammenzuarbeiten. Johnson spielt den FBI-Profiler John Hartley, der Nolan Booth (Reynolds), den zweitgrößten Kunstdieb der Welt dingfest machen will, während dieser versucht, einem dreiteiligen, sagenumwobenen Schatz habhaft zu werden. Dank der einläutenden Plot-Kapriolen und dem fintenreichen Eingreifen des ominösen, größten Kunstdiebs der Welt "The Bishop" (wie die Schachfigur, nicht wie der Kleriker, auf Deutsch daher "der Läufer") finden sich Hartley und Booth bald in der blöden Lage wieder, an einem Strang ziehen zu müssen: Booth, um weiter eine Chance auf seinen großen Coup zu haben, Hartley, um "The Bishop" fassen und damit den falschen Verdacht entkräften zu können, dass er mit den Gaunern, die er jagt, in Wahrheit unter einer Decke steckt. 

In dem recht absurden Plot-Konstrukt gehen Hartley und Booth nun gemeinsam auf Raubzug - und wie egal es dabei ist, was sie da eigentlich für einen Schatz jagen, wird schon dadurch deutlich, dass Booth ihr Zielobjekt an einer Stelle allen Ernstes sogar selbst einen "MacGuffin" nennt. Aber Sprüche absondern ist ohnehin das einzige, was Ryan Reynolds in seiner Rolle hier zu tun hat. Ganz egal, ob er gerade direkt vor seiner Verhaftung, Erschießung oder in einer sonst wie (scheinbar) aussichtslosen Lage steckt - er hat völlig ungerührt immer noch ein bis drei Oneliner auf der Zunge. Sogar dann, wenn keiner da ist, um seine Witze zu hören (außer den Zuschauern, natürlich). Mehr als einmal wirkt das, als hätte man Reynolds beim Drehen einfach improvisieren lassen, und so fühlt es sich über weite Strecken halt auch so an, als sieht man hier nicht eine Filmfigur, sondern schlicht Ryan Reynolds beim Witze reißen. Johnson gibt derweil zum x-ten Mal einen schlecht gelaunten Gesetzeshüter, der von seinem Gegenüber einfach nur die ganze Zeit genervt ist.  

Das hat schon einen gewissen Unterhaltungswert. Aber die komplett fehlende Ernsthaftigkeit und die Tatsache, dass der Film über seine gesamte Laufzeit eigentlich nie seine Tonalität und auch nicht nennenswert sein (recht gemächliches) Tempo verändert, lassen das Ganze doch bald ziemlich eintönig erscheinen. Zumal der Eindruck entsteht, als hätte man sich auch bei der Inszenierung nach den ersten zehn Minuten nicht mehr richtig Mühe gegeben: Während bei der eröffnenden Action-Sequenz noch allerlei beeindruckende Kamera-Spielereien zu bestaunen sind, fallen diese im weiteren Verlauf vollkommen weg und "Red Notice" wandelt sich in eine routiniert (um nicht zu sagen: blutleer) runtergespulte Action-Komödie der harmlosesten Art - die Sorte, in der zwar immer mal wieder wild durch die Gegend geballert wird, die Inszenierung aber tunlichst darauf achtet zu verdeutlichen, dass hier niemand tödlich getroffen wird, auch die namenlosen Handlanger der Bösewichte nicht. 

Ebenso routiniert spulen auch Johnson und Reynolds ihr Programm runter - was letztlich dazu führt, dass die wichtigste Zutat einer guten Buddy-Komödie hier schlicht fehlt: echte Chemie zwischen den beiden Protagonisten, weil beide die meiste Zeit eigentlich jeder für sich spielen, als wirklich miteinander. Trotz des unbestreitbar hohen "Production Value" (irgendwo muss das ganze Geld ja geblieben sein) und seines auf ständige "überraschende" Wendungen hinkonstruierten Plots kann "Red Notice" deswegen nie wirklich vom Hocker reißen. Zu sehr wirkt das alles wie durchschaubares Blendwerk ohne irgendeine Substanz hinter den hübschen Gesichtern und den endlosen Sprüchen. Im wahrsten Sinne leicht verdauliche Unterhaltung: Schnell weggeguckt, sehr einfach zu genießen, sofort wieder vergessen. 

Und wer sich übrigens fragt, was es mit dem Titel auf sich hat: Gleich zu Beginn erklärt der Film per Texteinblendung, dass "Red Notice" quasi ein Stempel bei der internationalen Polizeibehörde Interpol ist - wer damit vermerkt wird, gilt als einer der meistgesuchten Verbrecher der Welt. Tatsächlich zum Einsatz kommt dieser Stempel aber erst ganz zum Schluss - als der Film überdeutlich die Weichen zu einer möglichen Fortsetzung stellt. Auch nichts, was noch ernsthaft zu überraschen weiß. Der Logik des Marktes folgend, kriegen Hauptdarsteller für eine Fortsetzung allerdings deutlich mehr Geld. Was das wohl für das Budget bedeuten wird...        

Bilder: Copyright

6
6/10

Der Rezension ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. Leichte Kost, sehr vorhersehbar und mit zunehmender Dauer nicht mehr ernst zu nehmen. Dennoch recht witzig und unterhaltsam. Und halt Gal Gadot... :) Ich würde den Film als guten B-Movie weiterempfehlen. Aber dafür war dieser (in der Produktion) einfach zu teuer. Da ich auch jeden Monat meine Rechnung von Netflix bekomme, frage ich mich schon, warum die drei Darsteller so viel Geld für so viel Routine bekommen.

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